Facharztausbildung Urologie

Weiterbildung Urologie: Facharztausbildung zum Urologen

Das Gebiet Urologie umfasst die Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Erkrankungen, Funktionsstörungen, Fehlbildungen und Verletzungen des männlichen Urogenitalsystems und der weiblichen Harnorgane.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Urologie

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet Urologie spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich Urologie erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Urologie

Die Weiterbildungszeit in der Urologie von 60 Monaten wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon werden

  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte Weiterbildung Urologie

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für Urologie zu durchlaufen.

Die Zahlen in Klammern benennen die jeweiligen Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Urologie:

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie sowie enterale und parenterale Ernährung einschließlich Sondentechnik
  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Grundlagen proktologischer Erkrankungen und der Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung

Fachgebundene genetische Beratung:

  • Grundlagen hereditärer und multifaktorieller Krankheitsbilder und Entwicklungsstörungen
  • Interpretation und Aussagekraft genetischer Untersuchungsergebnisse (Sensitivität, Spezifität, prädiktiver Wert)
  • Methodische, psychosoziale und ethische Aspekte der genetischen Beratung und Diagnostik einschließlich pharmakogenetischer Tests
  • Erkennung fachbezogener genetisch bedingter Krankheitsbilder oder Entwicklungsstörungen
  • Fachgebundene genetische Beratung bei diagnostischer und prädiktiver genetischer Untersuchung

Notfälle:

  • Ursachen, Symptomatik, Management, Verlauf urologischer Notfälle und deren Folgezustände
  • Management bei polytraumatisierten Patienten
  • Behandlung urologischer Notfälle
  • Anlage eines suprapubischen Blasenkatheters (25)
  • Anlage eines transurethralen Katheters (100)
  • Evakuation einer Blasentamponade (25)

Blasenfunktionsstörungen:

  • Behandlung von Blasenfunktionsstörungen einschließlich Inkontinenz
  • Operative ablative Therapie der Prostatahyperplasie (30)
  • Operative Therapie der Harnröhrenstriktur (10)

Steintherapie:

  • Prävention, Epidemiologie, Bildung, Diagnostik und Metaphylaxe von Harnsteinen
  • Therapie von Steinerkrankungen, davon

– Kolikbehandlung
– medikamentöse Steintherapie
– Einlage einer Ureterschiene (40)
– Anlage einer perkutanen Nephrostomie (20)
– endourologische Eingriffe (30), davon Ureterorenoskopie und perkutane Nephrolitholapaxie

  • Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie

Andrologische Krankheitsbilder:

  • Symptome und Diagnostik einschließlich Interpretation bildgebender andrologischer Verfahren und Laboruntersuchungen, z. B von erektiler Dysfunktion, Peniserkrankungen, Hypogonadismus, Fertilitätsstörungen, Gynäkomastie
  • Spermiogramme nach WHO-Standard (10)
  • Sterilisation und (Re-)Fertilisierung des Mannes
  • Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung bei Sterilität und sonstigen andrologischen Erkrankungen
  • Andrologisch relevante operative Eingriffe am äußeren Genitale (40)

Kinderurologische Krankheitsbilder:

  • Symptomatik, Diagnostik, medikamentöse und operative Therapie von kindlichen Fehlbildungen, Funktionsstörungen und Neoplasien des Urogenitaltraktes, z. B. Genitalfehlbildungen, Refluxerkrankungen und sexuelle Differenzierungsstörungen
  • Zirkumzisionen (15)
  • Orchidolysen und/oder Orchidopexien (5)
  • Grundlagen von Biofeedbackverfahren und Konditionierungsverfahren bei kindlicher Enuresis

Geriatrische Krankheitsbilder:

  • Vorbeugung, Behandlung und Rehabilitation körperlicher und seelischer Erkrankungen im Alter im urologischen Kontext
  • Spezielle Therapie von Inkontinenz und Blasenfunktionsstörungen im Alter
  • Besonderheiten der Diagnostik, Therapie und Prognose urologischer Tumorerkrankungen im Alter

Nierenfunktionsstörungen:

  • Ursachen, Symptome, Stadien, Diagnostik und Therapie bei akutem und chronischem Nierenversagen
  • Grundlagen und Indikation zur Nierenersatztherapie mit Dialyse und Nierentransplantation

Tumorerkrankungen:

  • Diagnostik und stadiengerechte konservative und operative Therapie von Karzinomen der Niere und des Urogenitaltraktes, davon

– Operation beim Nierentumor (5)
– transurethrale Therapie des Blasentumors (40)
– Ablatio testis bei Hodentumor (5)
– transrektale sonographisch gesteuerte Prostatabiopsie (15)

  • Nebennierentumore und Sarkome des Urogenitaltraktes
  • Grundlagen der Therapie bei Knochenmetastasen
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten

Sexualmedizinische Störungen:

  • Grundlagen des bio-psycho-sozialen Sexualitätsmodells, der somato- und psychosexuellen Entwicklung über die Lebensspanne, sexueller Traumatisierungen und deren Auswirkungen einschließlich Paarkonfliktund Beziehungsstörungen
  • Sexualanamnese (10)
  • Diagnostik und Therapie von sexuellen Funktionsstörungen beim Mann
  • Bedarfsgerechte Kommunikation über Sexualität und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung

Diagnostische Verfahren:

  • Urethrozystoskopie (50)
  • Stellenwert nuklearmedizinischer Verfahren, insbesondere Nieren- und Skelettszintigraphie
  • Durchführung und Befunderstellung von Röntgenuntersuchungen, insbesondere retrograde Urethrographie, Miktionszysturethrographie, Zystographie, i. v. Urographie, retrograde Ureteropyelographie (50)
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
  • Untersuchungen von Urin und Ejakulat, insbesondere von quantitativen und semiquantitativen Urintestverfahren
  • Urodynamische Untersuchungen, davon invasiv (20)
  • Durchführung von Ultraschalluntersuchungen (300), insbesondere

– Niere
– Blase
– Hoden
– Penis
– Abdomen
– Retroperitoneum

  • Ultraschallgestützte Interventionen (10)
  • Transrektale Ultraschalluntersuchungen der Prostata (80)
  • Ultraschallgestützte Biopsien (15)
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von urinzytologischen Untersuchungen

Therapeutische Verfahren:

  • Erste Assistenz bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, insbesondere radikale Prostatektomie, radikale Zystektomie mit Harnableitung, Nierentumoreingriffe, retroperitoneale Lymphadenektomie (50)
  • Einleitung funktioneller Rehabilitationsmaßnahmen nach Radikaloperationen
  • Versorgung bei Harnableitungsverfahren einschließlich Stomaversorgung und -pflege
  • Anleitung zu Selbst-/Fremdkatheterismus
  • Anleitung zur Inkontinenztherapie, insbesondere Toilettentraining, Urotherapie und Beckenbodentraining

Prävention:

  • Genese und Bedingungen von Gesundheit und Gesundheitsrisiken von Jungen und Männern
  • Durchführung von urologischen Früherkennungsuntersuchungen

Infektionen:

  • Urinmikroskopische Untersuchungen (50), davon

– nativ
– Färbeverfahren

  • Diagnostik und Therapie von urogenitalen Infektionen einschließlich sexuell übertragbarer Erkrankungen
  • Urinmikrobiologische Kulturverfahren einschließlich Qualitätskontrolle (200)

Medikamentöse Tumortherapie und Supportivtherapie:

  • Interdisziplinäre Indikationsstellung zu chirurgischen, strahlentherapeutischen, interventionellen und nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren
  • Regelmäßige Teilnahme an interdisziplinären Tumorkonferenzen, davon Falldarstellungen (20)
  • Pharmakologie und Wirkungsweise von medikamentösen Tumortherapien
  • Indikationsstellung zur medikamentösen Tumortherapie unter Berücksichtigung von Komorbiditäten
  • Planung und Überwachung der medikamentösen Therapie bei Tumorerkrankungen des Fachgebietes einschließlich der Prävention, Erkennung und Behandlung spezifischer Nebenwirkungen von Tumortherapeutika
  • Medikamentöse Therapie bei Patienten mit Tumoren des Fachgebietes in Behandlungsfällen (100), davon

– zytostatisch
– zielgerichtet
– immunmodulatorisch
– antihormonell

  • Aspekte der Nachsorge bei medikamentöser Tumortherapie
  • Grundlagen der Supportivtherapie und Rehabilitation bei Tumorerkrankungen des Fachgebietes
  • Prophylaktische und interventionelle Supportivtherapie, insbesondere Antiemese, Ernährungsberatung und Diätetik einschließlich enteraler und parenteraler Ernährung, Infektionsprophylaxe und Therapie von Infektionen, Antikoagulation

Strahlenschutz:

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Facharztausbildung Urologie – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Urologie.

Nach dem erfolgreichen Durchlaufen aller Inhalte der Weiterbildung Urologie, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Urologie sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch  Urologie zum Download an.

Passende Jobs in der Urologie

praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte in Deutschland. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Urologie Stellenangebote für Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Chefarzt gelistet.

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