
Das Fachgebiet der Urologie befasst sich mit den Grundlagen, der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Harnorgane und der Geschlechtsorgane und ist spezialisiert auf Früh-Erkennung, Vorbeugung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Erkrankungen, Funktionsstörungen, Fehlbildungen und Verletzungen des männlichen Urogenitalsystems und der weiblichen Harnorgane.
Nähere Informationen zur Facharztweiterbildung im Fachbereich Urologie im folgenden Artikel.
Inhaltsverzeichnis
Facharztausbildung Urologie im Überblick
- Anzahl Fachärztinnen und -ärzte: In Deutschland gibt es mehr als 6.000 Fachärzte/-innen für Urologie, davon ist etwa die Hälfte in Krankenhäusern und Kliniken angestellt und die andere Hälfte in fachärztlichen Praxen.
- Mehr Urologinnen: Das Fachgebiet der Urologie ist bei jungen Ärztinnen sehr beliebt. Im Jahr 2020 stieg der Anteil der weiblichen Kolleginnen mit 1.270 Urologinnen um 5,9 Prozent. Im Vorjahr zuvor (2019) waren es 8,5 Prozent.
- Dauer: Die Facharztweiterbildung Innere Medizin und Gastroenterologie beträgt insgesamt 60 Monate, was einem Zeitraum von 5 Jahren in Vollzeit entspricht.
Facharztausbildung Urologie – Voraussetzungen
Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden.
Mit Erhalt der Approbation erhält man die Berechtigung den Titel Arzt/Ärztin zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt/-ärztin. Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt/-ärztin ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man die Möglichkeit hat, sich in dem Fachgebiet Urologie zu spezialisieren.
Nach Abschluss der mehrjährigen Weiterbildung wird der Facharzttitel im Bereich Urologie erlangt. Mehr Infos dazu und zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.
Inhalte der Facharztweiterbildung Urologie
Im Weiterbildungscurriculum Urologie werden zwischen „kognitiven Kompetenzen und Methodenkompetenzen (Kenntnisse)“ und „zu vermittelnde Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)“ unterschieden. Folgende Inhalte sind laut Muster-Weiterbildungsordnung in der Weiterbildung zum Facharzt für Urologie zu durchlaufen (die Zahlen in Klammern benennen die jeweiligen Richtzahlen):
Übergreifenden Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Urologie
- Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
- Infusionstherapie, Transfusions- und Blutersatztherapie sowie enterale und parenterale Ernährung einschließlich Sondentechnik
- Lokal- und Regionalanästhesien
- Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
- Grundlagen proktologischer Erkrankungen und der Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung
Fachgebundene genetische Beratung
- Grundlagen hereditärer und multifaktorieller Krankheitsbilder und Entwicklungsstörungen
- Interpretation und Aussagekraft genetischer Untersuchungsergebnisse (Sensitivität, Spezifität, prädiktiver Wert)
- Methodische, psychosoziale und ethische Aspekte der genetischen Beratung und Diagnostik einschließlich pharmakogenetischer Tests
- Erkennung fachbezogener genetisch bedingter Krankheitsbilder oder Entwicklungsstörungen
- Fachgebundene genetische Beratung bei diagnostischer und prädiktiver genetischer Untersuchung
Notfälle
- Ursachen, Symptomatik, Management, Verlauf urologischer Notfälle und deren Folgezustände
- Management bei polytraumatisierten Patienten
- Behandlung urologischer Notfälle
- Anlage eines suprapubischen Blasenkatheters (25)
- Anlage eines transurethralen Katheters (100)
- Evakuation einer Blasentamponade (25)
Blasenfunktionsstörungen
- Behandlung von Blasenfunktionsstörungen einschließlich Inkontinenz
- Operative ablative Therapie der Prostatahyperplasie (30)
- Operative Therapie der Harnröhrenstriktur (10)
Steintherapie
- Prävention, Epidemiologie, Bildung, Diagnostik und Metaphylaxe von Harnsteinen
- Therapie von Steinerkrankungen, davon
- Kolikbehandlung
- medikamentöse Steintherapie
- Einlage einer Ureterschiene (40)
- Anlage einer perkutanen Nephrostomie (20)
- endourologische Eingriffe (30), davon Ureterorenoskopie und perkutane Nephrolitholapaxie
- Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie
Andrologische Krankheitsbilder
- Symptome und Diagnostik einschließlich Interpretation bildgebender andrologischer Verfahren und Laboruntersuchungen, z. B von erektiler Dysfunktion, Peniserkrankungen, Hypogonadismus, Fertilitätsstörungen, Gynäkomastie
- Spermiogramme nach WHO-Standard (10)
- Sterilisation und (Re-)Fertilisierung des Mannes
- Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung bei Sterilität und sonstigen andrologischen Erkrankungen
- Andrologisch relevante operative Eingriffe am äußeren Genitale (40)
Kinderurologische Krankheitsbilder
- Symptomatik, Diagnostik, medikamentöse und operative Therapie von kindlichen Fehlbildungen, Funktionsstörungen und Neoplasien des Urogenitaltraktes, z. B. Genitalfehlbildungen, Refluxerkrankungen und sexuelle Differenzierungsstörungen
- Zirkumzisionen (15)
- Orchidolysen und/oder Orchidopexien (5)
- Grundlagen von Biofeedbackverfahren und Konditionierungsverfahren bei kindlicher Enuresis
Geriatrische Krankheitsbilder
- Vorbeugung, Behandlung und Rehabilitation körperlicher und seelischer Erkrankungen im Alter im urologischen Kontext
- Spezielle Therapie von Inkontinenz und Blasenfunktionsstörungen im Alter
- Besonderheiten der Diagnostik, Therapie und Prognose urologischer Tumorerkrankungen im Alter
Nierenfunktionsstörungen
- Ursachen, Symptome, Stadien, Diagnostik und Therapie bei akutem und chronischem Nierenversagen
- Grundlagen und Indikation zur Nierenersatztherapie mit Dialyse und Nierentransplantation
Tumorerkrankungen
- Diagnostik und stadiengerechte konservative und operative Therapie von Karzinomen der Niere und des Urogenitaltraktes, davon
- Operation beim Nierentumor (5)
- transurethrale Therapie des Blasentumors (40)
- Ablatio testis bei Hodentumor (5)
- transrektale sonographisch gesteuerte Prostatabiopsie (15)
- Nebennierentumore und Sarkome des Urogenitaltraktes
- Grundlagen der Therapie bei Knochenmetastasen
- Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
Sexualmedizinische Störungen
- Grundlagen des bio-psycho-sozialen Sexualitätsmodells, der somato- und psychosexuellen Entwicklung über die Lebensspanne, sexueller Traumatisierungen und deren Auswirkungen einschließlich Paarkonflikt und Beziehungsstörungen
- Sexualanamnese (10)
- Diagnostik und Therapie von sexuellen Funktionsstörungen beim Mann
- Bedarfsgerechte Kommunikation über Sexualität und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung
Diagnostische Verfahren
- Urethrozystoskopie (50)
- Stellenwert nuklearmedizinischer Verfahren, insbesondere Nieren- und Skelettszintigraphie
- Durchführung und Befunderstellung von Röntgenuntersuchungen, insbesondere retrograde Urethrographie, Miktionszysturethrographie, Zystographie, i. v. Urographie, retrograde Ureteropyelographie (50)
- Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle
- Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
- Untersuchungen von Urin und Ejakulat, insbesondere von quantitativen und semiquantitativen Urintestverfahren
- Urodynamische Untersuchungen, davon invasiv (20)
- Durchführung von Ultraschalluntersuchungen (300), insbesondere
- Niere
- Blase
- Hoden
- Penis
- Abdomen
- Retroperitoneum
- Ultraschallgestützte Interventionen (10)
- Transrektale Ultraschalluntersuchungen der Prostata (80)
- Ultraschallgestützte Biopsien (15)
- Indikationsstellung und Befundinterpretation von urinzytologischen Untersuchungen
Therapeutische Verfahren
- Erste Assistenz bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, insbesondere radikale Prostatektomie, radikale Zystektomie mit Harnableitung, Nierentumoreingriffe, retroperitoneale Lymphadenektomie (50)
- Einleitung funktioneller Rehabilitationsmaßnahmen nach Radikaloperationen
- Versorgung bei Harnableitungsverfahren einschließlich Stomaversorgung und -pflege
- Anleitung zu Selbst-/Fremdkatheterismus
- Anleitung zur Inkontinenztherapie, insbesondere Toilettentraining, Urotherapie und Beckenbodentraining
Prävention
- Genese und Bedingungen von Gesundheit und Gesundheitsrisiken von Jungen und Männern
- Durchführung von urologischen Früherkennungsuntersuchungen
Infektionen
- Urinmikroskopische Untersuchungen (50), davon
- nativ
- Färbeverfahren
- Diagnostik und Therapie von urogenitalen Infektionen einschließlich sexuell übertragbarer Erkrankungen
- Urinmikrobiologische Kulturverfahren einschließlich Qualitätskontrolle (200)
Medikamentöse Tumortherapie und Supportivtherapie
- Interdisziplinäre Indikationsstellung zu chirurgischen, strahlentherapeutischen, interventionellen und nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren
- Regelmäßige Teilnahme an interdisziplinären Tumorkonferenzen, davon Falldarstellungen (20)
- Pharmakologie und Wirkungsweise von medikamentösen Tumortherapien
- Indikationsstellung zur medikamentösen Tumortherapie unter Berücksichtigung von Komorbiditäten
- Planung und Überwachung der medikamentösen Therapie bei Tumorerkrankungen des Fachgebietes einschließlich der Prävention, Erkennung und Behandlung spezifischer Nebenwirkungen von Tumortherapeutika
- Medikamentöse Therapie bei Patienten mit Tumoren des Fachgebietes in Behandlungsfällen (100), davon
- zytostatisch
- zielgerichtet
- immunmodulatorisch
- antihormonell
- Aspekte der Nachsorge bei medikamentöser Tumortherapie
- Grundlagen der Supportivtherapie und Rehabilitation bei Tumorerkrankungen des Fachgebietes
- Prophylaktische und interventionelle Supportivtherapie, insbesondere Antiemese, Ernährungsberatung und Diätetik einschließlich enteraler und parenteraler Ernährung, Infektionsprophylaxe und Therapie von Infektionen, Antikoagulation
Strahlenschutz
- Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
- Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
- Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz
Facharztausbildung Urologie – Logbuch
Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Urologie. Nach dem erfolgreichen Durchlaufen aller Inhalte der Facharztausbildung Urologie muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung erlernt werden. Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch Urologie zum Download an.
Für alle Ärztinnen und Ärzte, die ihre Facharztweiterbildung ab dem 01.11.2020 aufnehmen ist das Führen eines elektronischen Logbuchs (eLogbuch) verpflichtend. Das elektronische Logbuch ermöglicht eine kontinuierliche Dokumentation der absolvierten Weiterbildungsinhalte. Ein Antrag auf Zulassung zur Facharztprüfung ohne Ausfüllen des eLogbuchs wird abgelehnt.
Dauer der Facharztausbildung Urologie
Die Weiterbildungszeit in der Urologie beträgt insgesamt 60 Monaten, was einem Zeitraum von 5 Jahren entspricht. Diese wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert.
Sofern der/die Assistenzarzt/-ärztin zuvor in einem anderen Fachbereich gearbeitet hat, kann diese Zeit bis zu 12 Monaten zum Kompetenzerwerb angerechnet werden.
Karriere mit Facharztausbildung Urologie
In Deutschland sind mehr als 6.000 Urologen/-innen beschäftigt. Hiervon ist etwa eine Häfte im stationären Bereich in Krankenhäusern und Kliniken angestellt und die andere Hälfte im ambulanten Bereich in einer fachärztlichen Praxis tätig. Darüber hinaus können Urologen/-innen auch in der medizinischen Forschung und Lehre sowie für Körperschaften und Behörden arbeiten.
Zusatz-Weiterbildungen für Urologen/-innen
Assistenzärzte/-innen können innerhalb der Facharztweiterbildung bereits nach 24 Monaten Zusatz-Weiterbildungen in diesen Bereichen absolvieren:
Mit dem erfolgreichen Abschluss der Facharztausbildung Urologie wird der Facharzttitel erlangt. Im Anschluss daran kann eine Urologin / ein Urologe auch Zusatzbezeichnungen erwerben. Folgende Zusatzweiterbildungen können Fachärzte/-innen für Urologie absolvieren:
- Ärztliches Qualitätsmanagement
- Akupunktur
- Andrologie
- Balneologie und Medizinische Klimatologie
- Betriebsmedizin
- Ernährungsmedizin
- Flugmedizin
- Hämostaseologie
- Immunologie
- Klinische Akut- und Notfallmedizin
- Krankenhaushygiene
- Magnetresonanztomographie
- Manuelle Medizin
- Naturheilverfahren
- Palliativmedizin
- Phlebologie
- Physikalische Therapie
- Proktologie
- Psychotherapie
- Rehabilitationswesen
- Sexualmedizin
- Sozialmedizin
- Spezielle Kinder- und Jugend-Urologie
- Spezielle Schmerztherapie
- Sportmedizin
- Suchtmedizinische Grundversorgung
- Transplantationsmedizin
Passende Stellen Weiterbildung Urologie
praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Informationen zum Facharzt-Gehalt für Urologen/-innen finden sich in unserem Karrierebereich. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Weiterbildungsstellen Urologie sowie Urologie-Stellenangebote für Facharzt/-ärztin, Oberarzt/-ärztin und Chefarzt/-ärztin gelistet.
Beliebte Weiterbildungen
1. Bundesärztekammer: Ärztestatistik, https://www.bundesaerztekammer.de/... (Abrufdatum: 25.10.2022)
2. Bundesärztekammer: Musterweiterbildungsordnung, https://www.bundesaerztekammer.de/... (Abrufdatum: 25.10.2022)
3. Urologenportal: Weiterbildungscurriculum Urologie – WECU, https://www.urologenportal.de/... (Abrufdatum: 25.10.2022)













