Facharztausbildung Chirurgie

Facharztausbildung: Weiterbildung Facharzt für Chirurgie

Medizinische Handwerker: Facharzt für Chirurgie

Oftmals als die Handwerker und Feinmechaniker in der Medizin angesehen: Die Chirurgen – Fachärzte für Chirurgie.

In diesem Artikel zeigen wir die Aufteilung der Weiterbildung in Basisweiterbildung und Spezialisierung auf eine Fachkompetenz auf und die Weiterbildungsinhalte, Ausbildungsdauer und nützliche Links beispielsweise zu Muster-Logbüchern.

Die Bundesärztekammer gliedert das Aufgabengebiet der Chirurgen in die Vorbeugung, die Erkennung, die konservative und operative Behandlung, die Nachsorge und Rehabilitation von chirurgischen Erkrankungen, Verletzungen und Verletzungsfolgen sowie angeborenen und erworbenen Formveränderungen und Fehlbildungen der Gefäße, der inneren Organe einschließlich des Herzens, der Stütz- und Bewegungsorgane und der onkologischen Wiederherstellungs- und Transplantationschirurgie.

Weiterbildung zum Facharzt für Chirurgie

Der Assistenzarzt findet seinen Berufseinstieg in die Arbeit als Arzt nachdem er die Approbation und damit die Erlaubnis den Arztberuf auszuüben erhalten hat. Danach steht die Facharztausbildung in einem (Wunsch)Fach an. Der Mediziner von heute kann unter einer Vielzahl von Fachbereichen wählen. Ein beliebter Fachbereich neben der Allgemeinmedizin, der Inneren Medizin oder der Anästhesiologie ist die Chirurgie.

Erst nach erfolgreichem Abschluss der mehrjährigen Facharztausbildung in der Chirurgie kann der Titel Facharzt der Chirurgie getragen werden. Wer mehr über die Ausbildung, Voraussetzungen und den Ablauf erfahren will findet alle Infos in unserem Info-Artikel zur Facharztausbildung.

In der Ausbildung in der Chirurgie teilt sich die Weiterbildung in eine Basisweiterbildung und spätere Spezialisierung einer Fachkompetenz auf. Spezialisierte Fachkompetenzen in der Chirurgie sind:

  • Facharzt für Allgemeinchirurgie
  • Facharzt für Gefäßchirurgie
  • Facharzt für Herzchirurgie
  • Facharzt für Kinderchirurgie
  • Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
  • Facharzt für Thoraxchirurgie
  • Facharzt für Viszeralchirurgie

Wer eine passende Stelle in diesem Fachbereich sucht findet passende Chirurgie Stellenangebote bei praktischArzt, direkt zu den Weiterbildungstellen geht es unter Assistenzarzt Chirurgie Stellenangebote.

Dauer der Basisweiterbildung Chirurgie

Die Dauer der gesamten Weiterbildung beträgt je nach zu erwerbender Fachkompetenz bis zu 9 Jahren und beläuft sich in der Regel auf 72 Monate . Diese Dauer kann sich sogar noch verlängern falls in einem Teilzeitmodell gearbeitet wird und ist Voraussetzung für den Erhalt des Facharzttitels.

Die 72 Monate Weiterbildungszeit werden bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert. Der Abschnitt der Basis Chirurgie Weiterbildung teilt sich folgendermaßen auf:

  • 12 Monate müssen in der Chirurgie abgeleistet werden
  • 6 Monate müssen in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • 6 Monate müssen in der Intensivmedizin abgeleistet werden

Die restlichen 48 Monate teilen sich je Fachkompetenz von der Allgemeinchirurgie bis zur Viszeralchirurgie unterschiedlich auf. Diese können im Detail in der Musterweiterbildungsordnung nachgelesen werden ab Seite 49.

Inhalte der Basisweiterbildung Chirurgie

Die Inhalte der Basisweiterbildung als auch der Weiterbildung in den Fachkompetenzen zeigt die Bundesärztekammer in ihrer Musterweiterbildungsordnung auf. Die Basisweiterbildung in der Chirurgie teilt sich demnach in folgende Inhalte auf:

Übergreifende Inhalte im Gebiet Chirurgie

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung
Lokalanästhesie und Schmerztherapie
  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Allgemeinchirurgie

  • Berufsgenossenschaftliche Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren
  • Grundlagen der Verwendung alloplastischer Materialien

Notfalleingriffe

  • Erkennung, Diagnostik, Therapie und interdisziplinäres Management für den Schwer- und Mehrfachverletzten
  • Zugang zum Thorax
  • Notfalleingriffe im Bauchraum, z. B. bei Ileus, Blutung, Peritonitis, Milzruptur, Hohlorganperforationen

Diagnostische Verfahren

  • Sonographische Untersuchungen des Abdomens und Retroperitoneums
  • Sonographische Untersuchungen der Urogenitalorgane
  • Notfallsonographien (eFAST)
  • Sonographie des Bewegungsapparats
  • Rektosigmoidoskopie
  • Proktoskopie
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung von konventioneller Röntgendiagnostik, davon
    – Notfalldiagnostik: Röntgendiagnostik ohne CT im Rahmen der Erstversorgung bei Erwachsenen und Kindern
    – Skelett, Schädel, Stamm- und Extremitätenskelett in angemessener Gewichtung
    – intraoperative radiologische Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren

Weichteilverletzungen, Wunden und Verbrennungen

  • Weichteileingriffe, z. B. an Sehnen, Bändern, Muskeln, Haut und bei Infektionen
  • Prävention, Diagnostik und Therapie des zentralen und peripheren Kompartmentsyndroms
  • Diagnostik und Therapie unkomplizierter Weichteilverletzungen
  • Erkennung und Erstversorgung von komplexen Weichteilverletzungen und Verbrennungen
  • Resektion gutartiger oberflächlicher und peripherer Weichteiltumore
  • Inzision und Exzision von Hautabszessen

Konservative Therapiemaßnahmen

  • Konservative Behandlung einschließlich schmerztherapeutischer Maßnahmen bei Luxationen, Frakturen, Distorsionen

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Hand

  • Häufigste Verletzungen und Funktionsstörungen der Hand
  • Erkennung und Erstversorgung von komplexen Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Hand
  • Diagnostik, konservative und operative Therapie von nicht-komplexen Verletzungen und Funktionsstörungen der Hand

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der viszeralen Organe und Gefäße

  • Implantation und Explantation von zentralvenösen Verweilkathetern, z. B. Portkatheter, Herzschrittmacher
  • Inzision von Perianalabszessen
  • Exzision von Perianalvenenthrombosen
  • Hämorrhoidenoperation einschließlich Therapie einer Fissur
  • Operative Therapie von Hernien, davon
    – Leistenhernie
    – Bauchwandhernie
    – Narbenhernie
  • Methoden der Gefäßfreilegung, Embolektomie und Thrombektomie
  • Methoden der Varizenoperation
  • Laparotomien und deren Verschluss, auch minimal invasiv
  • Resektionen, Übernähungen, Exstirpationen, konventionelle, endoskopische und interventionelle Techniken, davon
    – Appendektomie
    – Cholecystektomie
    – explorative Laparotomie und/oder Laparoskopie
    – Magenübernähung
    – Dünndarmresektion
    – Stomaanlage und Stomarückverlagerung
    – Eingriffe am Kolon

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen des Kopf- und Halsbereichs

  • Anomalien der anatomischen Strukturen des Halses
  • Zervikale Eingriffe, z. B. an der Schilddrüse, Tracheotomie, Lymphknoten-Probeexzision

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der Bewegungsorgane

  • Operationsschritte bei Erkrankungen und Verletzungen an Extremitäten, Wirbelsäule, Becken und Thorax
  • Weichteileingriffe, z. B. an Sehnen, Bändern, Muskeln, Haut, Weichteiltumoren
  • Osteosynthesen bei Typ A- und B-Frakturen, davon
    – an langen Röhrenknochen
    – am distalen Radius
    – am oberen Sprunggelenk
    – bei subcapitaler Humerusfraktur
    – am Ellenbogengelenk
  • Fixateur externe-Anlagen
  • Versorgung von Frakturen an der Hüfte mit Duokopfprothesen und Osteosynthesen
  • Operative Therapie bei Infektionen an Weichteilen, Knochen oder Gelenken
  • Implantatentfernungen

Strahlenschutz

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Quelle: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer

Die Weiterbildungsinhalte der verschiedenen Fachkompetenzen sind facettenreich und unterscheiden sich je Spezialisierung. Die genauen Inhalte sind ausführlich in der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer nachschlagbar.

Das Logbuch in der Chirurgie Weiterbildung

Das Ausbildungs-Logbuch ist Pflichtbestandteil der Facharztausbildung in der Chirurgie. Es ist  ist kontinuierlich während der gesamten Weiterbildungszeit zu führen. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang und die sauber dokumentierten vermittelten Inhalte und Kenntnisse. Insbesondere ist jährlich die Anzahl der einzelnen absolvierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren einzutragen.

Das Logbuch muss ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden, im Rahmen der Antragstellung zur Zulassung zur Facharztprüfung.  Muster-Logbücher für alle Fachbereiche gibt es als kostenfreien Download bei Bundesärztekammer: Zum Download der Muster-Logbücher.

Zukunftsperspektive als Chirurg

Chirurgen sind stark vertreten unter den berufstätigen Ärztinnen und Ärzten! Die Chirurgie zählt nach der Allgemeinmedizin und Inneren Medizin zu den Fachbereichen mit den meisten berufstätigen Ärzten.

Die Bundesärztekammer veröffentlicht jährlich ihren Ärzte-Bericht. Dabei ist auch der Überblick über wichtige Fachbereiche in Deutschland. So zählen wir 36.991 Chirurgen in 2017 in Deutschland. Der Männeranteil ist beträchtlich. Gerade einmal 7.548 Frauen zählen zu den 36.991 berufstätigen Ärzten in der Chirurgie. Dies entspricht lediglich einem Anteil von 20 %.

Die Niederlassung als Chirurg ist neben der klassischen Anstellung ebenso interessant. Gerade auch wegen der Verdienstmöglichkeiten in der eigenen Niederlassung. Mehr zu den Gehältern in der Niederlassung unter: Gehalt Facharzt – wie viel verdient ein niedergelassener Arzt?

Passende Facharztstelle als Chirurg finden

Auf praktischArzt findet ihr direkt alle Assistenzarzt Stellenangebote und alle Facharzt Stellenangebote.

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