Zusatz Weiterbildung Manuelle Therapie

Weiterbildung Manuelle Therapie: Voraussetzungen, Dauer und Inhalte der Zusatzausbildung

Die Manuelle Medizin oder Chirotherapie kommt bei Störungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates zum Einsatz. Sie nimmt einen besonderen Platz in der Medizin ein, da die Diagnostik und Behandlung niemals invasiv sind. Ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung Manuelle Therapie lernt seine Hände zum Ertasten von Funktionsstörungen und zum gezielten Manipulieren einzusetzen. Die Manuelle Medizin ist eng mit der Chiropraktik und der Osteopathie verwandt, wird jedoch von ausgebildeten Ärzten und Physiotherapeuten als Teil der Schulmedizin praktiziert.

Die Weiterbildung richtet sich an ausgebildete Fachärzte. Vor allem für die Fächer Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin und Rehabilitative Medizin bietet sie eine nicht-invasive Ergänzung zum Behandlungsspektrum. Auch Fachärzte für Pädiatrie, HNO und Schmerzmedizin profitieren von den Möglichkeiten der Manuellen Therapie.

Inhalt

Voraussetzungen und Dauer Weiterbildung Manuelle Medizin

Für die Weiterbildung Manuelle Medizin wird eine abgeschlossene Facharztausbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung oder Physiotherapieausbildung benötigt.

Zusätzlich sind folgende Mindestanforderungen von der Bundesärztekammer vorgegeben:

– 120 Stunden Grundkurs

– 200 Stunden Aufbaukurs

Die insgesamt 320 Stunden Kurs-Weiterbildung können durch eine 12-monatige Weiterbildung in Manueller Medizin an einer Weiterbildungsstätte ersetzt werden.

Weiterbildungsinhalte Manuelle Medizin

Die Kursinhalte orientieren sich an der Anatomie des menschlichen Körpers. Dabei behandelt Hüfte, Manipulation und Differentialdiagnostik, Halswirbelsäule und Thoraxregion und Manuelle Medizin bei Kindern thematisiert. Weitere Inhalte der Zusatzweiterbildung Manuelle Medizin sind unter anderem folgende:

Funktionelle Grundlagen:

  • funktionelle Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie und Biomechanik des Halte- und Bewegungssystems
  • spezielle Anatomie der Arterien und des autonomen Nervensystems
  • Grundlagen der Schmerzentstehung und -verarbeitung
  • Grundlagen der Biomechanik
  • das Tensegrity-Modell (biomechanisches Modell des menschlichen Körpers)

Diagnostische und therapeutische Grundlagen:

  • Indikationsstellung, Einleitung und Therapiekontrolle
  • Erfolgsaussichten, Komplikationen und Kontraindikationen
  • pirmäre und sekundäre Prävention
  • physiotherapeutische, physikalische, ergotherapeutische, logopädische und rehabilitative Maßnahmen
  • psychosomatische Grundlagen und biopsychosoziales Schmerzverständnis
  • Placebo- und Noceboeffekte
  • Mechanismen der Chronifizierung

Typische Krankheitsbilder der Manuellen Medizin:

  • Störungen und Dysfunktionen von Schädel, Hals, Wirbelsäule und peripheren Gelenken
  • funktionelle Verkettungen zwischen verschiedenen gestörten Strukturen
  • Dysfunktion viszeraler Organe
  • Wechselwirkungen zwischen viszeralen Organen, Somatik und Psyche

Spezielle manualmedizinische Diagnostik:

  • palpatorische Untersuchung der einzelnen Gewebeschichten
  • Diagnostik durch Schmerzprovokation, veränderte Sensorik und veränderte Gewebetextur
  • Diagnostik durch Veränderungen des Bewegungsausmaßes und charakteristische Barrieren am Bewegungsende
  • orthopädische und neurologische Tests

Spezielle manualmedizinische Therapie:

  • Mobilisationstechniken zur Relaxation von Muskeln
  • Manipulation der Wirbelsäule und Gelenke der Extremitäten
  • Myofasziale Techniken
  • Triggernpunkt Behandlung
  • Entspannungstechniken

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