Facharztausbildung Physikalische Und Rehabilitative Medizin

Facharztausbildung für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Das Gebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin umfasst die Frührehabilitation, die postakute und Langzeit-Rehabilitation sowie die Prävention von Beeinträchtigungen der Funktionsfähigkeit sowie die interdisziplinäre Diagnostik und Behandlung von Struktur- und Funktionsstörungen mit konservativen, physikalischen, manuellen und naturheilkundlichen Therapiemaßnahmen sowie Verfahren der rehabilitativen Intervention.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich Physikalische und Rehabilitative Medizin erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin

Die Weiterbildungszeit in der Physikalische und Rehabilitative Medizin von 60 Monaten (5 Jahre) wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon werden

  • müssen 12 Monate in der stationären Akutversorgung im Gebiet Chirurgie und/oder in Neurochirurgie abgeleistet werden
  • müssen 12 Monate in der stationären Akutversorgung im Gebiet Innere Medizin und/oder in Neurologie abgeleistet werden

Inhalte Weiterbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin zu durchlaufen.

Die Zahlen in Klammern benennen die jeweiligen Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin:

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Theoriemodelle der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, z. B. International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) sowie der Rehabilitation
  • Rehabilitationsspezifische Hygienemaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung multiresistenter Erreger
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (10)
  • Teilnahme an multiprofessionellen Teamsitzungen (50)
  • Rehabilitationsspezifische Aspekte der Behandlung
  • Rehabilitationsspezifische Beratung und Mitbehandlung von Suchterkrankungenvon Patienten mit kognitiven Defiziten

Notfälle:

  • Erkennung und Behandlung typischer Komplikationen im Behandlungsverlauf sowie deren Prophylaxe

Prävention:

  • Prävention von Krankheiten, arbeitsplatzbedingten Belastungen und Schädigungen (Primärprävention)
  • Prävention von Krankheitsfolgen (Sekundärprävention)
  • Prävention von Einschränkungen der Teilhabe sowie von Hilfe- bzw. Unterstützungsbedarf (Tertiärprävention)
  • Präventionsmedizinische Untersuchungen und Beratungen einschließlich sportmedizinischer Aspekte
  • Arbeitsplatzorientierte Beratungen
  • Beratung zu Hilfe- und Unterstützungsbedarf

Soziale Sicherungssysteme und Versorgungsstrukturen:

  • Grundprinzipien der sozialen Sicherung, Rehabilitations- und Sozialmedizin
  • Rehabilitationsbezogene Steuerungselemente im Gesundheitswesen und ihre praktische Anwendung
  • Grundlagen und methodische Prinzipien der Rehabilitation und Rehabilitationssteuerung
  • Medizinische Rehabilitation, insbesondere Leistungsformen, spezifische Rehabilitationsangebote und -verfahren und Einrichtungen
  • Berufliche Rehabilitation (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben) und Wiedereingliederung
  • Schulisch-pädagogische Rehabilitation und Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft
  • Grundlagen der Durchgangsarzt- und Verletztenartenverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung
  • Anwendung von Modellen der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit
  • Indikationsstellung und Zuweisung zu den verschiedenen rehabilitativen Versorgungsformen (50)
  • Indikationsstellung und Einleitung von beruflichen und/oder arbeitsplatzorientierten Rehabilitationsleistungen (20)
  • Indikationsstellung und Beratung zu Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft
  • Beurteilung des Leistungsvermögens, der Arbeitsunfähigkeit und der Erwerbsminderung sowie der Pflegebedürftigkeit (100)

Diagnostische Maßnahmen:

  • Differentialdiagnostik von Struktur- und Funktionsstörungen
  • Manualmedizinische Untersuchung von Komplexund Einzelbefunden des Bewegungssystems, z. B. Bewegungsstörungen, regionale Befunde, Einzelbefunde an Gelenken, Muskeln, faszialen, viszeralen und neuronalen Strukturen (200)
  • Neurologische Befunderhebung bei Störungen des peripheren und zentralen Nervensystems
  • Indikationsstellung, Durchführung und Auswertung apparativer Diagnostik

– EKG
– Belastungs-EKG
– Lungenfunktionsprüfung

  • Sonographie der Bewegungsorgane (200)
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation radiologischer Untersuchungen, auch unter funktionellen Gesichtspunkten
  • Teilnahme an radiologischen Fallbesprechungen (50)
  • Stand- und Ganganalyse
  • Orientierende psycho-pathologische Befunderhebung
  • Indikationsbezogene Auswertung von Assessmentinstrumenten zur Selbst- und Fremdeinschätzung

Krankheiten und Störungen der Funktionsfähigkeit:

  • Mit- und Anschlussbehandlung sowie Rehabilitation von Erkrankungen und Funktionsstörungen, insbesondere

– Folgen komplikativer Krankheitsverläufe
– funktionelle, degenerative, entzündliche und stoffwechselbedingte Krankheiten des Bewegungssystems
– Verletzungsfolgen einschließlich Polytrauma, Schädel-Hirn-Trauma, Querschnittsläsionen
– zerebrale Durchblutungsstörungen einschließlich Schlaganfall
– neurodegenerative Krankheiten und periphere Nervenläsionen
– Krankheiten des kardiopulmonalen Systems
– Krankheiten des Gefäßsystems einschließlich des Lymphgefäßsystems
– angeborene Leiden und Folgen frühkindlicher Hirnschäden
– psychische und psychosoziale Erkrankungen und Problemlagen

Interventionen:

  • Methode und Therapiemittel, physiologische Wirkung und Therapieeffekte von physikalischen Therapien, z. B. Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Ergotherapie, Sporttherapie, Massagetherapie, Elektro- und Ultraschalltherapie, Hydrotherapie, Thermotherapie, Balneotherapie und Inhalationstherapie
  • Rehabilitative Maßnahmen wie Rehabilitationspflege, Logopädie,Neuropsychologie, rehabilitative Sozialarbeit, Patientenschulung und -information, Kunst- und Musiktherapie, begleitende psychotherapeutische Verfahren, Ernährungstherapie
  • Indikationsstellung, Einleitung und Verlaufsbeurteilung physikalischer und rehabilitativer Interventionen unter kurativer und rehabilitativer Zielsetzung (100)
  • Interventionelle Methoden
  • Diagnostische und therapeutische Punktionen und Injektionen
  • Manualmedizinische Behandlungstechniken, auch in Kombination mit Untersuchungstechniken
  • Differentialindikative Hilfsmittelversorgung mit Orthesen und Prothesen, Einlagen- und Schuhversorgung, rehabilitativer Technologie und Kompressionsbestrumpfung, Mobilitätshilfen (50)

Frührehabilitation:

  • Grundlagen kombinierter akut- und rehabilitationsmedizinischer Behandlung
  • Transfer- und Mobilisationskonzepte
  • Grundlagen der Beatmung und Beatmungsentwöhnung, Tracheostoma- und Sekretmanagement
  • Planung und Durchführung der Frührehabilitation einschließlich frührehabilitativer Komplexbehandlung im multiprofessionellen Team (50)
  • Strukturierte Überwachung des frührehabilitativen Verlaufs und Überleitungsmanagement
  • Weiter- und Nachbehandlung der zur Frührehabilitation führenden Krankheit oder Verletzung, der Begleitkrankheiten und Komplikationen
  • Frührehabilitative Assessments (50)
  • Dysphagiemanagement
  • Ernährungsmanagement
  • Trachealkanülenversorgung

Postakute und Anschlussrehabilitation sowie intermittierende Heilverfahren:

  • Rehabilitationsdiagnostik und -assignment
  • Rehabilitationsplanung und rehabilitative Interventionen
  • Therapieevaluation und -modifikation
  • Überleitungsmanagement und sozialmedizinische Beurteilung
  • Planung, Koordination und Beurteilung postakuter Rehabilitation und intermittierender Heilverfahren (50)

Rehabilitative Langzeitversorgung und ambulante rehabilitative Krankenbehandlung:

  • Rehabilitative Langzeitversorgung und Nachsorge
  • Auswahl und Einleitung von Leistungen zur Teilhabe in der Langzeitversorgung von Menschen mit chronischen Krankheiten bzw. Behinderungen (10)
  • Einleitung von Funktionstraining bzw. Rehabilitationssport (20)

Konservative und operative Akutversorgung:

  • Assistenzen bei Operationen (50)
  • Wund- und Infektionsmanagement sowie Verbandlehre
  • Gerinnungsmanagement sowie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Abdomensonographien, Dopplersonographien der Gefäße, Echokardiographien, endoskopischen Verfahren
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Elektroenzephalographien, Elektromyographien, Nervenleitgeschwindigkeiten, evozierten Potenzialen
  • Grundlagen der Botulinumtoxintherapie

Facharztausbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin.

Nach dem erfolgreichen Durchlaufen aller Inhalte der Weiterbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Physikalische und Rehabilitative Medizin sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch Physikalische und Rehabilitative Medizin zum Download an.

Facharztausbildung und Facharztprüfung

Facharztausbildung Übersicht – alle Fachrichtungen

Facharztprüfung – Übersicht