
Die Weiterbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin (PRM) spezialisiert Fachärzte/-innen darauf, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität ihrer Patienten/-innen wieder bestmöglich herzustellen. Das Gebiet umfasst die Frührehabilitation, die postakute und Langzeit-Rehabilitation als auch die Prävention von Beeinträchtigungen der Funktionsfähigkeit sowie die interdisziplinäre Diagnostik und Behandlung von Struktur- und Funktionsstörungen mit konservativen, physikalischen, manuellen und naturheilkundlichen Therapiemaßnahmen und Verfahren der rehabilitativen Intervention.
Inhaltsverzeichnis
Facharztausbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin im Überblick
- Anzahl Fachärztinnen und -ärzte: In Deutschland gibt es Stand 31.112.2021 (Quelle: Ärztestatistik der Bundesärztekammer) 1.919 Fachärzte/-innen für Physikalische und Rehabilitative Medizin, wovon etwa 40 Prozent im Krankenhaus und Reha-Kliniken und 45 Prozent ambulant tätig ist. Der Rest arbeitet für Körperschaften und in sonstigen Bereichen.
- Geschlechterverteilung: Rund 46 Prozent der Fachärzte/-innen sind weiblich.
- Altersverteilung: Nur 82 Fachärzte/-innen sind unter 40 Jahre alt, 863 über 60 Jahre, was einem Anteil von rund 45 Prozent entspricht.
- Dauer: Die Facharztweiterbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin dauert 60 Monate.
Wer mehr zur Tätigkeit im Fachgebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin erfahren möchte, findet diese und alle anderen Fachrichtungen in unserer Übersicht der Facharztrichtungen.
Weiterbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin – Voraussetzungen
Vor Beginn einer Facharztausbildung muss ein Medizinstudium abgeschlossen werden. Danach beantragt der/die Mediziner/in eine Approbation, die zur Ausübung einer ärztlichen Tätigkeit verpflichtend vorliegen muss. Anschließend beginnt man mit einer Weiterbildungsstelle als Assistenzarzt/-ärztin die Facharztausbildung. In dieser Zeit kann man sich im Fachgebiet der Physikalischen + Rehabilitativen Medizin spezialisieren.

Dauer der Facharztausbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin
Die Weiterbildungszeit in der Physikalische und Rehabilitative Medizin von 60 Monaten (5 Jahre) wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert. Davon müssen abgeleistet werden:
- 12 Monate in der stationären Akutversorgung im Gebiet Chirurgie und/oder in Neurochirurgie
- 12 Monate in der stationären Akutversorgung im Gebiet Innere Medizin und/oder in Neurologie
Wer zum Abschluss der mehrjährigen Facharztausbildung die Facharztprüfung besteht, erhält den Titel Facharzt/-ärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin.
Weiterbildungsinhalte Physikalische und Rehabilitative Medizin
Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum/-r Facharzt/-ärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin zu durchlaufen. Die Zahlen in Klammern benennen die jeweiligen Richtzahlen.
Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin:
- Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
- Theoriemodelle der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, z. B. International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) sowie der Rehabilitation
- Rehabilitationsspezifische Hygienemaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung multiresistenter Erreger
- Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (10)
- Teilnahme an multiprofessionellen Teamsitzungen (50)
- Rehabilitationsspezifische Aspekte der Behandlung
- Rehabilitationsspezifische Beratung und Mitbehandlung von Suchterkrankungen von Patienten mit kognitiven Defiziten
Notfälle:
- Erkennung und Behandlung typischer Komplikationen im Behandlungsverlauf sowie deren Prophylaxe
Prävention:
- Prävention von Krankheiten, arbeitsplatzbedingten Belastungen und Schädigungen (Primärprävention)
- Prävention von Krankheitsfolgen (Sekundärprävention)
- Prävention von Einschränkungen der Teilhabe sowie von Hilfe- bzw. Unterstützungsbedarf (Tertiärprävention)
- Präventionsmedizinische Untersuchungen und Beratungen einschließlich sportmedizinischer Aspekte
- Arbeitsplatzorientierte Beratungen
- Beratung zu Hilfe- und Unterstützungsbedarf
Soziale Sicherungssysteme und Versorgungsstrukturen:
- Grundprinzipien der sozialen Sicherung, Rehabilitations- und Sozialmedizin
- Rehabilitationsbezogene Steuerungselemente im Gesundheitswesen und ihre praktische Anwendung
- Grundlagen und methodische Prinzipien der Rehabilitation und Rehabilitationssteuerung
- Medizinische Rehabilitation, insbesondere Leistungsformen, spezifische Rehabilitationsangebote und -verfahren und Einrichtungen
- Berufliche Rehabilitation (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben) und Wiedereingliederung
- Schulisch-pädagogische Rehabilitation und Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft
- Grundlagen der Durchgangsarzt- und Verletztenartenverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung
- Anwendung von Modellen der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit
- Indikationsstellung und Zuweisung zu den verschiedenen rehabilitativen Versorgungsformen (50)
- Indikationsstellung und Einleitung von beruflichen und/oder arbeitsplatzorientierten Rehabilitationsleistungen (20)
- Indikationsstellung und Beratung zu Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft
- Beurteilung des Leistungsvermögens, der Arbeitsunfähigkeit und der Erwerbsminderung sowie der Pflegebedürftigkeit (100)

Ein Basiswerkzeug zur Diagnostik in der Rehamedizin ist eine Ultraschalluntersuchung des Bewegungsapparates.
Diagnostische Maßnahmen:
- Differentialdiagnostik von Struktur- und Funktionsstörungen
- Manualmedizinische Untersuchung von Komplex- und Einzelbefunden des Bewegungssystems, z. B. Bewegungsstörungen, regionale Befunde, Einzelbefunde an Gelenken, Muskeln, faszialen, viszeralen und neuronalen Strukturen (200)
- Neurologische Befunderhebung bei Störungen des peripheren und zentralen Nervensystems
- Indikationsstellung, Durchführung und Auswertung apparativer Diagnostik
- Sonographie der Bewegungsorgane (200)
- Indikationsstellung und Befundinterpretation radiologischer Untersuchungen, auch unter funktionellen Gesichtspunkten
- Teilnahme an radiologischen Fallbesprechungen (50)
- Stand- und Ganganalyse
- Orientierende psycho-pathologische Befunderhebung
- Indikationsbezogene Auswertung von Assessmentinstrumenten zur Selbst- und Fremdeinschätzung

Ganganalysen dienen als Grundlage zur Verbesserung von Bewegungsmustern.
Krankheiten und Störungen der Funktionsfähigkeit:
- Mit- und Anschlussbehandlung sowie Rehabilitation von Erkrankungen und Funktionsstörungen, insbesondere
- Folgen komplikativer Krankheitsverläufe
- funktionelle, degenerative, entzündliche und stoffwechselbedingte Krankheiten des Bewegungssystems
- Verletzungsfolgen einschließlich Polytrauma, Schädel-Hirn-Trauma, Querschnittsläsionen
- zerebrale Durchblutungsstörungen einschließlich Schlaganfall
- neurodegenerative Krankheiten und periphere Nervenläsionen
- Krankheiten des kardiopulmonalen Systems
- Krankheiten des Gefäßsystems einschließlich des Lymphgefäßsystems
- angeborene Leiden und Folgen frühkindlicher Hirnschäden
- psychische und psychosoziale Erkrankungen und Problemlagen
Interventionen:
- Methode und Therapiemittel, physiologische Wirkung und Therapieeffekte von physikalischen Therapien, z. B. Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Ergotherapie, Sporttherapie, Massagetherapie, Elektro- und Ultraschalltherapie, Hydrotherapie, Thermotherapie, Balneo-Therapie und Inhalationstherapie
- Rehabilitative Maßnahmen wie Rehabilitationspflege, Logopädie, Neuropsychologie, rehabilitative Sozialarbeit, Patientenschulung und -information, Kunst- und Musiktherapie, begleitende psychotherapeutische Verfahren, Ernährungstherapie
- Indikationsstellung, Einleitung und Verlaufsbeurteilung physikalischer und rehabilitativer Interventionen unter kurativer und rehabilitativer Zielsetzung (100)
- Interventionelle Methoden
- Diagnostische und therapeutische Punktionen und Injektionen
- Manualmedizinische Behandlungstechniken, auch in Kombination mit Untersuchungstechniken
- Differentialindikative Hilfsmittelversorgung mit Orthesen und Prothesen, Einlagen- und Schuhversorgung, rehabilitativer Technologie und Kompressionsbestrumpfung, Mobilitätshilfen (50)

Als Manuelle Therapie kann Krankengymnastik Einschränkungen der Beweglichkeit beseitigen oder präventiv vermeiden.
Frührehabilitation:
- Grundlagen kombinierter akut- und rehabilitationsmedizinischer Behandlung
- Transfer- und Mobilisationskonzepte
- Grundlagen der Beatmung und Beatmungsentwöhnung, Tracheostoma- und Sekretmanagement
- Planung und Durchführung eines Rehabilitationsplanes zur Frührehabilitation einschließlich frührehabilitativer Komplexbehandlung im multiprofessionellen Team (50)
- Strukturierte Überwachung des frührehabilitativen Verlaufs und Überleitungsmanagement
- Weiter- und Nachbehandlung der zur Frührehabilitation führenden Krankheit oder Verletzung, der Begleitkrankheiten und Komplikationen
- Frührehabilitative Assessments (50)
- Dysphagiemanagement
- Ernährungsmanagement
- Trachealkanülenversorgung
Postakute und Anschlussrehabilitation sowie intermittierende Heilverfahren:
- Rehabilitationsdiagnostik und -assignment
- Rehabilitationsplanung und rehabilitative Interventionen
- Therapieevaluation und -modifikation
- Überleitungsmanagement und sozialmedizinische Beurteilung
- Planung, Koordination und Beurteilung postakuter Rehabilitation und intermittierender Heilverfahren (50)
Rehabilitative Langzeitversorgung und ambulante rehabilitative Krankenbehandlung:
- Rehabilitative Langzeitversorgung und Nachsorge
- Auswahl und Einleitung von Leistungen zur Teilhabe in der Langzeitversorgung von Menschen mit chronischen Krankheiten bzw. Behinderungen (10)
- Einleitung von Funktionstraining bzw. Rehabilitationssport (20)
Konservative und operative Akutversorgung:
- Assistenzen bei Operationen (50)
- Wund- und Infektionsmanagement sowie Verbandlehre
- Gerinnungsmanagement sowie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
- Indikationsstellung und Befundinterpretation von Abdomensonographien, Dopplersonographien der Gefäße, Echokardiographien, endoskopischen Verfahren
- Indikationsstellung und Befundinterpretation von Elektroenzephalographien, Elektromyographien, Nervenleitgeschwindigkeiten, evozierten Potenzialen
- Grundlagen der Botulinumtoxintherapie
Das Logbuch zur Weiterbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin
Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin. Es muss komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Ohne Logbuch ist eine Prüfungsanmeldung nicht möglich. Das Logbuch enthält die Struktur zum Weiterbildungsgang Physikalische und Rehabilitative Medizin sowie die Dokumentation der erlernten Kenntnisse und Fertigkeiten. Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch Physikalische und Rehabilitative Medizin zum Download an.
Mit der neuen Weiterbildungsordnung von 2018 soll allerdings das Logbuch verpflichtend digital und online geführt werden. Die Ärztekammern setzen dies seitdem schrittweise um. Registrierung und Anmeldung für das eLogbuch erfolgt über die Online-Portale der Landesärztekammern.
Karriere mit Facharztausbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin
Die beliebtesten Karrierewege für Fachärzte/-innen für Physikalische und Rehabilitative Medizin verlaufen im Krankenhaus und in der Praxis. Jede der beiden Optionen geht mit Vor- und Nachteilen einher, die im Folgenden angerissen werden.
Wer sich beide Wege für die eigene Karriere vorstellen kann, sollte im besten Fall praktische Erfahrung sowohl im stationären als auch im niedergelassenen Bereich sammeln, um so die richtige Entscheidung für sich treffen zu können.
Rehamediziner/innen im Krankenhaus
Während der Facharztweiterbildung sind zwei Jahre stationäre Arbeit in chirurgischen und internistischen bzw. neurologischen Gebieten verpflichtend. Jede/r Facharzt/-ärztin lernt so die Arbeit in stationären Einrichtungen kennen. Spannend in diesem Bereich ist vor allem die besonders frühe Betreuung von Patienten/-innen nach Unfällen oder zu Beginn von Erkrankungen.
Die Arbeit im stationären Bereich ist außerdem geprägt von enger Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen, um so die bestmögliche Versorgung der Patienten/-innen zu ermöglichen. Viele Ärzte/-innen entscheiden sich für eine Weiterspezialisierung in einem Unterbereich, um noch spezifischer auf ihre Patienten/-innen eingehen zu können. Weitere Informationen zu den möglichen Zusatzweiterbildung sind weiter unten zu finden.
Wer eine Karriere im Krankenhaus anstrebt, kann Oberarzt/-ärztin oder sogar Chefarzt/-ärztin werden. Hier trägt man dann u.a. selbst die Verantwortung für die Weiterbildung von Assistenzärzten/-innen.
Der ambulante PRM-Bereich
Die Arbeit im ambulanten Bereich unterscheidet sich in einigen Punkten von der im stationären Setting. Die Patienten/-innen haben meist die akute Phase ihrer Erkrankung überstanden und werden hier langfristig angebunden. Engere Arzt-Patienten-Beziehungen sind daher die Regel. Da die Arbeit hier meist zu geregelteren Zeiten stattfindet, geht die Tätigkeit im ambulanten Bereich oft mit einer besseren Work-Life-Balance einher, was für viele Ärzte/-innen attraktiv ist.
Wer über eine eigene Niederlassung nachdenkt, sollte aber auch das größere unternehmerische Risiko nicht außer Acht lassen. Als Selbstständige/r können sowohl Krankheit als auch falsche Planung mit großen Verlusten einhergehen. Mit wirtschaftlichem Geschick können jedoch auch größere Gewinne erarbeitet werden als dies in der Anstellung im Krankenhaus möglich ist.
Wer den unternehmerische Aspekt eher unattraktiv findet, kann sich nach einer Anstellung in einer etablierten Praxis oder einem MVZ umschauen. Hier findet auch ein größerer kollegialer Austausch als in einer Einzelpraxis statt, was auf lange Sicht für viele ein ausschlaggebender Punkt ist.
Zusatzweiterbildungen als Facharzt/-ärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Assistenzärzte/-innen können teilweise schon Zusatz-Weiterbildungen absolvieren, bevor die Facharztausbildung beendet wurde. Je nach Voraussetzung ist das in diesen Bereichen möglich:
Die Zusatzweiterbildung Medizinische Informatik ist ohne Facharztweiterbildung möglich. 24 Monate einer ärztlichen Tätigkeit sind Voraussetzung.
Mit dem erfolgreichen Abschluss der Facharztausbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin dürfen die Ärzte/-innen auch Zusatzbezeichnungen erwerben. Folgende Zusatzweiterbildungen können Fachärzte/-innen für Physikalische und Rehabilitative Medizin absolvieren:
- Akupunktur
- Balneologie und Medizinische Klimatologie
- Betriebsmedizin
- Ernährungsmedizin
- Flugmedizin
- Geriatrie
- Hämostaseologie
- Immunologie
- Infektiologie
- Klinische Akut- und Notfallmedizin
- Krankenhaushygiene
- Magnetresonanztomographie
- Manuelle Medizin
- Naturheilverfahren
- Palliativmedizin
- Phlebologie
- Physikalische Therapie
- Psychotherapie, konsekutiv Psychoanalyse möglich
- Rehabilitationswesen
- Schlafmedizin
- Sexualmedizin
- Sozialmedizin
- Spezielle Schmerztherapie
- Sportmedizin
- Suchtmedizinische Grundversorgung
Passende Jobs in der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin
praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte und Ärztinnen in Deutschland. Alles zum Facharzt-Gehalt von Rehamedizinern/-innen und anderen Fachgebieten findet sich in unserem Karrierebereich. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Physikalische und Rehabilitative Medizin Stellenangebote für Assistenzarzt/-ärztin, Facharzt/-ärztin, Oberarzt/-ärztin und Chefarzt/-ärztin gelistet.












