Zusatz Weiterbildung Ernährungsmedizin

Weiterbildung Ernährungsmedizin: Voraussetzungen, Inhalte und Dauer der Zusatzausbildung

Auf den ersten Blick scheint die Ernährungsmedizin ein kleines Fach zu sein. Im Studium findet sie kaum Beachtung und auch in den verschiedenen Facharztweiterbildungen wird ihr nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist die Ernährungsmedizin ein wichtiger Bestandteil vieler verschiedener Fachrichtungen.

Inhaltlich gliedert sich die Ernährungsmedizin in die Bereiche Diagnostik, Prävention und Therapie. Häufige Gruppen, die ernährungsmedizinisch behandelt werden, sind Patienten mit Adipositas, Diabetes, Hypertonie, koronarer Herzerkrankung, Darmerkrankungen, Erkrankungen des Pankreas oder der Leber. Für viele Krankheitsbilder gibt es spezielle Leitlinien zur enteralen und parenteralen Ernährung.

Seit dem Jahr 2018 ist die Bezeichnung „Ernährungsmediziner“ geschützt und darf nur nach der entsprechenden Weiterbildung getragen werden. Wie ihr Ernährungsmediziner werden könnt und aus welchen Inhalten die Weiterbildung besteht, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Inhalt

Weiterbildung und Dauer Ernährungsmedizin

Um sich für die Weiterbildung Ernährungsmedizin zu qualifizieren muss eine Facharztausbildung aus dem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung vorliegen. Zu den Fächern der unmittelbaren Patientenversorgung zählen: Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Arbeitsmedizin, Augenheilkunde, Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Humangenetik, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Neurologie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Radiologie, Strahlentherapie und Urologie.

Für die Weiterbildung Ernährungsmedizin müssen weiterhin folgende Bestandteile abgeleistet werden:

  • 100 Stunden Kurs-Weiterbildung in Ernährungsmedizin
  • 120 Stunden Fallseminare unter Supervision oder alternativ 6 Monate Weiterbildung an einer befugten Weiterbildungsstätte

Weiterbildungsinhalte Ernährungsmedizin

Die Weiterbildung Ernährungsmedizin unterteilt sich in Grundlagen der Ernährungsmedizin, Diagnostik, Ernährungsmedizinische Prävention und Ernährungsmedizinische Therapie.

Grundlagen der Ernährungsmedizin:

  • relevante Gesetze, Verordnungen, Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz
  • Bestimmung des Energiebedarfs aus Grundumsatz, Aktivitätsumsatz und diätinduzierte Thermogenese
  • Physiologie, Pathophysiologie und Biochemie der Ernährung
  • Pathophysiologie und Pathobiochemie der Fehl- und Mangelernährung
  • Indikationen für eine Therapie mit Ballaststoffen, Prä- und Probiotika
  • Indikationen und Kontraindikationen von Nahrungsergänzungsmitteln
  • Nutzen und Risiko alternativer Ernährungsformen

Diagnostik:

  • ernährungsmedizinische Anamnese
  • Auswertung von Screening- und Assesment-Verfahren
  • diagnostische Methoden der gestörten Nahrungsaufnahme und Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Diagnostikmethoden der Anthropometrie (Hautfaltendicke, Oberarmumfang, Body-Mass-Index, Messung der Körperzusammensetzung
  • Labordiagnostik

Ernährungsmedizinische Prävention:

  • Planung und Festlegung individueller Präventionsprogramme
  • demographisches Ernährungsverhalten und Ernährungszustand und soziokulturelle Ernährungsaspekte
  • gesundheitspolitische Präventionsmaßnahmen
  • gesundheitsfördernde Ernährung
  • kritische Nährstoffe
  • Ernährung in Risikogruppen

Ernährungsmedizinische Therapie:

  • Ernährungsberatung (Einzel- und Gruppengespräche)
  • Prinzipien der oralen, enteralen und parenteralen Ernährung
  • Ernährung in der Intensivmedizin
  • Ernährungstherapie der Unter- und Mangelernährung
  • Ernährungstherapie bei Adipositas
  • Ernährungs- und Infusionstherapie in der Palliativmedizin und am Lebensende

Facharztausbildung und Facharztprüfung

Facharztausbildung Übersicht – alle Fachrichtungen

Facharztprüfung – Übersicht