Facharztausbildung Neurochirurgie

Facharztausbildung für Neurochirurgie

Das Gebiet Neurochirurgie umfasst die Erkennung, operative, perioperative und konservative Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Erkrankungen, Verletzungen, Verletzungsfolgen und Fehlbildungen des zentralen Nervensystems, seiner Gefäße und seiner Hüllen, des peripheren und vegetativen Nervensystems.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Neurochirurgie

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet Neurochirurgie spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich Neurochirurgie erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Neurochirurgie

Die Facharztausbildung Neurochirurgie beträgt insgesamt 72 Monate, was einem Zeitraum von 6 Jahren entspricht. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung Neurochirurgie wird der Facharzttitel erlangt.

Die Weiterbildungszeit in der Neurochirurgie von 72 Monaten wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon

  • müssen 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung neurochirurgischer Patienten abgeleistet werden
    – können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte Weiterbildung Neurochirurgie

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für Neurochirurgie zu durchlaufen.

Bei den Zahlen in Klammern handelt es sich um Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Neurochirurgie:

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedener Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung
  • Neurochirurgisch relevante neurologische Störungen

Operative Basistechnik:

  • Lagerung zur Operation

– kranial (100)
– spinal (100)

  • Einrichtung und Durchführung der Neuronavigation (50)
  • Kraniotomien, infra- und supratentoriell
  • Operative Zugänge zur Wirbelsäule
  • Lumbale und ventrikuläre Liquordrainage mit und ohne Druckmessung (100)
  • Wundverschluss und Wundrevision

Neurochirurgische Bildgebung und technische Untersuchungsverfahren:

  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle (150)
  • Intraoperativer Ultraschall bei Interventionen und Operationen (50)
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
  • Doppler- und duplexsonographische Untersuchungen intra- und extrazerebraler Gefäße einschließlich transkranieller Dopplersonographie (200)
  • Intraoperatives multimodales Monitoring/Mapping, z. B. Elektromyographie, Nervenleitgeschwindigkeit, evozierte Potentiale, Elektroenzephalographie (100)

Notfälle:

  • Erkennung, Erstversorgung und Management spontaner und traumatischer neurochirurgischer Notfälle, z. B. Schädelhirntrauma, Blutung, Querschnittssyndrom (100)

Neurochirurgische Intensivmedizin:

  • Intensivmedizinische Basisversorgung
  • Einleitung und Überwachung frührehabilitativer Maßnahmen
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken, z. B. intrathekal, urethral, gastral, thorakal
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Tracheotomien
  • Durchführung des Verfahrens zur Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms gemeinsam mit einem hierfür qualifizierten Facharzt
  • Neuromonitoring, z. B. Gewebesauerstoffpartialdruck, Hirndurchblutung, Mikrodialyse
  • Elektrolyt- und endokrinologisches Management bei neurochirurgischen Krankheitsbildern
  • Intensivmedizinische Behandlung bei

– Hirnödem und intrakraniellem Druckanstieg einschließlich Vasospasmus
– Liquorzirkulationsstörung mit VentrikeldrainageSystem einschließlich Entwöhnung/Indikation zur Shuntanlage
– Status epilepticus
– intrakraniellen und spinalen Infektionen
– akuten Läsionen des zentralen Nervensystems einschließlich der akuten Querschnittslähmung
– postoperativen Verläufen

Entzündungen und Infektionen:

  • Entzündungen und Infektionen in der Neurochirurgie
  • Konservative Therapie neurochirurgischer Infektionen
  • Operative Therapie neurochirurgischer Infektionen, z. B. Abszesse, Empyeme, Wundheilungsstörungen (10)

Funktionelle Neurochirurgie:

  • Neurochirurgisch-funktionelle Therapien einschließlich der interdisziplinären Entscheidungsfindung
  • Erkennung und Therapie von Komplikationen einer funktionellen Therapie
  • Neurochirurgische Operationen bei Schmerzkrankheit
  • Adjustierung von Implantaten

Epilepsiechirurgie:

  • Implantation von Elektrodenarrays
  • Epilepsiechirurgische Eingriffe einschließlich Mapping

Neurochirurgische Schmerztherapie:

  • Neurochirurgisch-invasive Schmerztherapie, z. B. Bildwandler/CT gestützte periradikuläre und Facetteninfiltration, Iliosakralgelenksinfiltration, Thermokoagulation oder Kryoläsion, epidurale Rückenmarksstimulation (SCS), Schmerzpumpen (25)
  • Verfahren der neurochirurgischen Schmerztherapie, z. B. neurovaskuläre Dekompression, destruierende Verfahren, Nervenwurzelhinterstrangeintrittszonen- (DREZ)Läsion, Chordotomie, Stimulationsverfahren, zentrale Neurostimulationsverfahren, neurolytische Verfahren
  • Einstellung von Stimulatoren
  • Implantation, Befüllen und Programmieren von Pumpen

Tumorerkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und deren Hüllstrukturen:

  • Grundlagen der Strahlentherapie und Radiochirurgie
  • Extra- und intrazerebrale Tumore einschließlich der Kalotte, der Schädelbasis, der Orbita, des Rückenmarks sowie der Hüllräume und der peripheren Nerven
  • Prä- und postoperative Behandlung von Tumorerkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und deren Hüllstrukturen
  • Operationen bei intrakraniellen und intraduralen Tumoren einschließlich endoskopischer Eingriffe an der Schädelbasis (40), davon diagnostische Eingriffe, z. B. rahmen- oder neuronavigationsgestützte stereotaktische Biopsien (10)
  • Mitwirkung bei der systemischen Tumortherapie sowie der supportiven Therapie bei soliden Tumorerkrankungen der Facharztkompetenz

Neurochirurgische Nachbehandlung und Rehabilitation:

  • Posttraumatische organische sowie psychische Pathologien
  • Kontextorientierte Neurorehabilitation nach individuellen und sozialen Fähigkeiten und Funktionen
  • Indikationsstellung und Überwachung physiotherapeutischer, physikalischer, ergotherapeutischer, psychologischer und logopädischer Therapiemaßnahmen
  • Bewertung von verbliebenen Fähigkeiten und Monitoring der Erholung sowie des Rehabilitationspotentials, z. B. mittels Barthel-Index
  • Differentialdiagnostik und Therapieoptionen von Schluckstörungen

Pädiatrische Neurochirurgie:

  • Intrakranielle und spinale Missbildungen und Entwicklungsstörungen
  • Pädiatrische Tumoroperationen des zentralen Nervensystems und seiner Hüllorgane sowie der peripheren Nerven

Hydrozephalus und Fehlbildungen bei Kindern und Erwachsenen:

  • Operationen bei Hydrozephalus, Schädel-, Hirnoder spinalen Fehlbildungen (40)
  • Shunt-Techniken, z. B. ventrikuloperitoneal, ventrikuloatrial, ventrikulopleural, lumboperitoneal

Traumatologie:

  • Operationen von intra-, extraduralen Hämatomen, Liquorfisteln, Impressionsfrakturen, Kranioplastien (50)
  • Trepanationstechniken bei Schädelhirntrauma
  • Durchführung verschiedener Verfahren der Kranioplastie
  • Anlage von Ventrikeldrainagen und intrakranielle Druckmessungen (20)
  • Neuromonitoring einschließlich Befunderstellung bei neurophysiologischen Verfahren
  • Traumatische Verletzungen der hirnversorgenden Gefäße einschließlich Carotis-Sinus-cavernosus-Fisteln

Wirbelsäulen- und Rückenmarkschirurgie:

  • Indikationsstellung zur konservativen und chirurgischen Therapie bei Wirbelsäulentrauma
  • Eingriffe an der zervikalen, thorakalen oder lumbalen Wirbelsäule mit dorsalen, ventralen und dorsoventralen Zugängen zur Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule und Sakrum
  • Mitwirkung bei komplexen Stabilisierungsoperationen degenerativer und traumatischer Wirbelsäulenerkrankungen
  • Anlage eines Halo-Fixateurs
  • Nervenwurzel- und Rückenmarksdekompression extra- und intraspinaler Tumore, degenerativer, entzündlicher und vaskulärer Prozesse
  • Interdisziplinäre Therapieoptionen vaskulärer spinaler Erkrankungen

Neurochirurgie peripherer Nerven:

  • Klinische und elektrophysiologische Untersuchungen peripherer Nerven und Muskeln
  • Periphere Kompressionssyndrome, Tumorerkrankungen peripherer Nerven und Traumata der peripheren Nerven und des Plexus brachialis und lumbosacralis
  • Periphere und vegetative Nervenläsionen sowie Einteilung traumatischer Nervenläsionen
  • Operationen an peripheren Nerven (10)
  • Konservative und chirurgischen Therapieoptionen einschließlich Rekonstruktionen sowie mikrochirurgischer und endoskopischer Verfahren

Vaskuläre Neurochirurgie:

  • Operationen bei spontanen intrazerebralen Blutungen einschließlich Infarktdekompressionen und Entlastungskraniotomien (30)
  • Mitwirkung bei vaskulären Operationen, z. B. Angiomen, Aneurysmen, Cavernomen, Bypasschirurgie, desobliterierende Verfahren der hirnversorgenden Gefäße
  • Konservative, offen chirurgische und interventionelle Behandlungsverfahren neurovaskulärer Läsionen und Malformationen sowie deren Indikationen
  • Chirurgische Therapieoptionen der zerebralen Ischämie
  • Neurovaskuläre Graduierungssysteme

Strahlenschutz:

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Facharztausbildung Neurochirurgie – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Neurochirurgie.

Nach dem erfolgreichen Durchlaufen aller Inhalte der Weiterbildung Neurochirurgie, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Neurochirurgie sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch  Neurochirurgie zum Download an.

Passende Jobs in der Neurochirurgie

praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte in Deutschland. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Neurochirurgie Stellenangebote für Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Chefarzt gelistet.

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