Facharztausbildung Viszeralchirurgie

Weiterbildung Viszeralchirurgie: Facharztausbildung zum Viszeralchirurg

Die Viszeralchirurgie (von lat. viscera = „Eingeweide“) ist die „Chirurgie des Bauchraumes und der Bauchwand, der endokrinen Drüsen und der Weichteile einschließlich Transplantation. Sie umfasst als Abdominalchirurgie (Bauchchirurgie) die operative Behandlung der Bauch-Organe, d. h. des gesamten Verdauungstraktes einschließlich der Speiseröhre, des Magens, des Dünn- und Dickdarmes, des Enddarmes, der Leber, der Gallenblase, der Bauchspeicheldrüse und der Milz. Weiterhin zählt die operative Behandlung der Schilddrüse und der Nebenschilddrüse sowie die Behandlung von Eingeweidebrüchen und die Transplantation von Bauchhöhlenorganen wie Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm zur Viszeralchirurgie. Viszeralchirurgische Erkrankungen sind unter anderem akute Verletzungen, Tumoren, Entzündungen und Fehlbildungen der genannten Organe.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Viszeralchirurgie

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet Viszeralchirurgie spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich Viszeralchirurgie erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Viszeralchirurgie

Die Facharztausbildung Viszeralchirurgie beträgt insgesamt 72 Monate, was einem Zeitraum von 6 Jahren entspricht. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung Viszeralchirurgie wird der Facharzttitel erlangt.

Die Weiterbildungszeit in der Viszeralchirurgie von 72 Monaten wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon

  • müssen 48 Monate in Viszeralchirurgie abgeleistet werden
  • 6 Monate müssen in der in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • 6 Monate müssen in der Intensivmedizin abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte Weiterbildung Viszeralchirurgie

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für Viszeralchirurgie zu durchlaufen.

Bei den in Klammer stehenden Zahlen handelt es sich um Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte im Gebiet Chirurgie:

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Lokalanästhesie und Schmerztherapie:

  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin:

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge (20)
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Viszeralchirurgie:

  • Berufsgenossenschaftliche Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren
  • Grundlagen der Verwendung alloplastischer Materialien

Viszeralchirurgische Notfälle:

  • Traumamanagement von Schwer- und Mehrfachverletzten, auch mit einem Injury Severity Score (ISS) von mindestens 16 Punkten
  • Notfalleingriffe im Bauchraum, z. B. bei Ileus, Blutung, Peritonitis, Milzruptur, Hohlorganperforationen einschließlich abdomineller Vakuumtherapie (VAC) (20)

Diagnostische Verfahren:

  • Sonographische Untersuchungen des Abdomens und des Retroperitoneums (400)
  • Sonographische Untersuchungen der Urogenitalorgane (200)
  • Duplexsonographie der abdominiellen und retroperitonealen Gefäße sowie des Mediastinum (100)
  • Notfallsonographien (eFAST) (50)
  • Richtungsweisende Sonographien der Halsregion (50)
  • Endosonographie des Rektums
  • Ösophagogastroduodenoskopie (50)
  • Koloskopie (50)
  • Rektosigmoidoskopie (50)
  • Proktoskopie (50)
  • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren

Weichteilverletzungen, Wunden und Verbrennungen:

  • Weichteileingriffe, z. B. an Sehnen, Bändern, Muskeln, Haut, Weichteiltumoren und bei Infektionen
  • Prävention, Diagnostik und Therapie des zentralen und peripheren Kompartmentsyndroms
  • Diagnostik und Therapie unkomplizierter Weichteilverletzungen
  • Diagnostik von komplexen Weichteilverletzungen sowie Wunden, die eine plastische Deckung erfordern und Wunden, die mit einer Knochenverletzung einhergehen
  • Diagnostik und Therapie von thermischen und chemischen Wunden außerhalb von Gesicht, Hand, Fuß oder Genitalbereich
  • Resektion gutartiger oberflächlicher und peripherer Weichteiltumore (20)
  • Inzision und Exzision von Hautabszessen (20)

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der viszeralen Organe und Gefäße:

  • Implantation und Explantation von intravenösen Portkathetern (20)
  • Operative Versorgung von Perianalabszessen
  • Exzision von Perianalvenenthrombosen
  • Hämorrhoidenoperation einschließlich Therapie einer Fissur (20)
  • Analfistel
  • Lymphknotenbiopsie bzw. -dissektion (5)
  • Operative Therapie von Hernien, auch minimal invasiv, davon

– Leistenhernie (40)
– Bauchwandhernie (10)
– Narbenhernie (10)

  • Gefäßfreilegung, Embolektomie und Thrombektomie
  • Varizenoperation
  • Leber-Probeexzision
  • Laparotomien und deren Verschluss (50)
  • Laparoskopien (50)
  • Resektionen, Übernähungen, Exstirpationen, konventionelle, endoskopische und interventionelle Techniken, auch minimal invasiv, insbesondere

– Appendektomie (20)
– Cholecystektomie (35)
– Explorative Laparotomie und/oder Laparoskopie (30)
– Magenübernähung
– Endoskopische und offene perkutane endoskopische Gastrostomie-Anlagen (PEG)
– Dünndarmresektion (10)
– Stomaanlage und Stomarückverlagerung (10)
– Eingriffe am Kolon (30)
– Fundoplicatio einschließlich minimal invasiver Verfahren (5)
– Splenektomie (3)
– Magenteilresektion (3)
– Leberwedgeresektion (3)
– Enddarmoperation (10)
– komplexe Adhäsiolyse (10)

  • Erste Assistenz bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, z. B. Pankreasresektion, Gastrektomie, Rektumresektion (80)
  • Grundlagen der operativen Technik von Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, z. B: hepatobiliäre Eingriffe, Operationen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Roux-Y-Gastric Bypass, Adrenalektomie, Multiviszeralresektion
  • Transplantationschirurgie

Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen des Kopf- und Halsbereichs:

  • Indikationsstellung zur operativen Therapie und Nachbehandlung von Parathyreoidektomien
  • Zervikale Eingriffe, z. B. Tracheotomie, Lymphknoten-Probexcision
  • Thyreoidektomie und Neck-Dissektion bei malignen Erkrankungen
  • Eingriffe an der Schilddrüse (25), davon Schilddrüsenresektion (20)

Strahlenschutz:

  • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
  • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
  • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

Facharztausbildung Viszeralchirurgie – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Viszeralchirurgie.

Nachdem alle Inhalte der Weiterbildung Viszeralchirurgie erfolgreich durchlaufen wurden, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Viszeralchirurgie sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch Viszeralchirurgie zum Download an.

Passende Jobs in der Viszeralchirurgie

praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte in Deutschland. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Viszeralchirurgie Stellenangebote für Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Chefarzt gelistet.

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