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praktischArzt Laborwerte RDW-Wert (EVB) – Bedeutung und Normbereich

RDW-Wert (EVB) – Bedeutung und Normbereich

KI generiert - Medizinische Fachkraft hält ein Laborröhrchen mit Blutprobe vor einem Monitor mit roten Blutkörperchen unterschiedlicher Größe zur Darstellung des RDW-Werts
Zuletzt aktualisiert: 14.08.2026
Themen: Laborwert, Untersuchungsmethode, Blutbildstörungen
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Der RDW-Wert zeigt, wie stark sich die roten Blutkörperchen in ihrer Größe unterscheiden. Die Abkürzung steht für „Red Cell Distribution Width“, auf Deutsch Erythrozytenverteilungsbreite oder EVB. Ein erhöhter RDW-Wert weist auf eine Abweichung des Erythrozytenvolumens vom Mittelwert (MVC) hin, also unterschiedlich große Erythrozyten. Ein niedriger Wert ist meistens ohne eigene Krankheitsbedeutung. Für die medizinische Einordnung sind zusätzlich zu diesem Standardwert der hämatologischen Labordiagnostik vor allem Hämoglobin und MCV wichtig.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist der RDW-Wert?
  2. Wann wird der RDW-Wert bestimmt?
  3. RDW-Normwerte – Welcher Wert ist normal?
  4. Wann ist die RDW erniedrigt?
  5. Wann ist der RDW-Wert erhöht?
  6. RD und MCV gemeinsam interpretieren
  7. Veränderte RDW-Werte – Was ist zu tun?
  8. Wann sollte ein veränderter RDW-Wert ärztlich abgeklärt werden?

Das Wichtigste zum RDW-Wert in Kürze

  • Die RDW beschreibt die Größenstreuung der Erythrozyten, nicht ihre durchschnittliche Größe.
  • Das MCV gibt dagegen das mittlere Volumen der roten Blutkörperchen an.
  • Für RDW-CV wird bei Erwachsenen häufig ein Orientierungsbereich von etwa 11,5 bis 15,0 Prozent genannt.
  • Maßgeblich ist immer der Referenzbereich auf dem jeweiligen Laborbefund.
  • Eine erhöhte RDW kann unter anderem bei Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Folatmangel oder gemischten Anämieformen auftreten.
  • Ein niedriger RDW-Wert ist isoliert betrachtet meist nicht krankhaft.
  • Der RDW-Wert allein erlaubt weder die Diagnose einer Anämie noch die Bestimmung ihrer Ursache.

Was ist der RDW-Wert?

RDW steht für „Red Cell Distribution Width“. Der Laborwert wird im Deutschen als Erythrozytenverteilungsbreite oder kurz EVB bezeichnet. Er beschreibt, wie stark die Volumina der roten Blutkörperchen innerhalb einer Blutprobe voneinander abweichen.

Sind die Erythrozyten annähernd gleich groß, ist die Verteilungsbreite gering. Kommen deutlich kleinere und größere Zellen nebeneinander vor, steigt der RDW-Wert. Eine ausgeprägte Größenvariation wird als Anisozytose bezeichnet.

Der RDW-Wert darf nicht mit dem MCV verwechselt werden:

Laborwert Aussage
RDW beziehungsweise EVB Zeigt die Streuung der Erythrozytengrößen
MCV Zeigt die durchschnittliche Größe beziehungsweise das mittlere Volumen der Erythrozyten
MCH Gibt den durchschnittlichen Hämoglobingehalt eines Erythrozyten an
MCHC Gibt die durchschnittliche Hämoglobinkonzentration in den Erythrozyten an

Ein durchschnittlich normales MCV schließt eine auffällige Größenverteilung nicht aus. Kleine und große Zellen können sich rechnerisch zu einem normalen Mittelwert ausgleichen. In einer solchen Konstellation kann eine erhöhte RDW auf die gemischte Zellpopulation hinweisen.

RDW-CV und RDW-SD

Laborgeräte können die Erythrozytenverteilungsbreite unterschiedlich darstellen:

  • RDW-CV ist der Variationskoeffizient und wird in Prozent angegeben.
  • RDW-SD beschreibt die absolute Breite der Größenverteilung und wird üblicherweise in Femtolitern angegeben.

Für RDW-CV gilt vereinfacht folgende Berechnung:

RDW-CV (%) = Standardabweichung der Erythrozytenvolumina ÷ MCV × 100

RDW-CV und RDW-SD besitzen unterschiedliche Einheiten und Referenzintervalle. Deshalb müssen sie jeweils anhand der Angaben des untersuchenden Labors beurteilt werden.

Wann wird der RDW-Wert bestimmt?

Der RDW Wert wird standardmäßig als Ergänzung zu den Erythrozytenindices (MCH, MCV, MCHC) als Teil des Blutbilds aus EDTA-Blut gemessen mit einem automatischen Hämatologieanalysator. Das Gerät erfasst die Volumenverteilung der roten Blutkörperchen und stellt sie in Form eines Histogramms dar. Abhängig vom Analysegerät kommen elektrische Impedanzverfahren, optische Messverfahren oder kombinierte Verfahren zum Einsatz.

Der Wert wird häufig zusammen mit dem kleinen Blutbild und weiteren Erythrozytenindizes bestimmt. Ob die RDW auf dem Laborbericht ausdrücklich ausgewiesen wird, hängt vom Labor und vom verwendeten Analysesystem ab.

Eine Bestimmung kann unter anderem im Rahmen einer Routineuntersuchung oder bei Verdacht auf eine Anämie erfolgen. Mögliche Beschwerden einer Anämie sind:

  • ungewöhnliche Müdigkeit und Leistungsminderung
  • Belastungsatemnot
  • Blässe (vor allem der Schleimhäute)
  • Schwindel
  • Herzklopfen oder Tachykardie.

Diese Beschwerden sind keine Symptome eines veränderten RDW-Werts. Sie können vielmehr auf eine zugrunde liegende Anämie oder eine andere Erkrankung hinweisen.

EBV und Standardabweichng des Volumens

Der EVB-Wert wird aus der Standardabweichung des Volumens (SV) folgendermaßen bestimmt wird:

EVB=(SV*100):MCV

Die Angabe ist in Prozent (%). Normalerweise wird die Verteilungsbreite aber nicht als Laborwert rausgegeben, sondern dient nur als Kontext zu anderen Werten. Tatsächlich ist sie aber ein empfindlicherer Parameter als das MCV, da sie schon geringe Anzahlen an größeren oder kleineren Erythrozyten anzeigt.

RDW-Normwerte – Welcher Wert ist normal?

Normalerweise haben Erythrozyten einen Durchmesser von sechs bis neun Mikrometer bei einer Dicke von einem Mikrometer zentral und zwei peripher. Die Abweichungen können je nach Messgerät und Analysemethode stark unterschiedlich sein, normalerweise gilt ein RDW von 15,8 plus/minus 2,9 Prozent als physiologisch (Quelle: Duale Reihe Innere Medizin).

Der auf dem persönlichen Laborbericht angegebene Referenzbereich ist immer maßgeblich. Werte aus dem Internet sollten nicht gegen den Referenzbereich des untersuchenden Labors ausgetauscht werden. Alter, Analysegerät, Messverfahren und die Festlegung des jeweiligen Labors können die Grenzen beeinflussen.

Parameter Einheit Häufiger Orientierungsbereich
RDW-CV Prozent etwa 11,5 bis 15,0
RDW-SD Femtoliter geräte- und laborspezifisch

Wann ist die RDW erniedrigt?

Generell ist eine erniedrigte RDW nicht als pathologisch anzusehen – sie sagt lediglich aus, dass die Erythrozyten eine ähnliche Größe haben.

Im Zusammenhang mit anderen Laborparametern, kann der Parameter aber dennoch eine Aussage zu möglichen Krankheitsursachen treffen. So spricht eine mikrozytäre, hypochrome Anämie beispielsweise eher für eine Thalassämie, wenn die EVB erniedrigt ist. Bei einem hohen Wert wäre hier eher von einem Eisenmangel auszugehen. Für die Diagnose sind weitere Untersuchungen, gegebenenfalls einschließlich Hämoglobinanalyse, erforderlich.

Wann ist der RDW-Wert erhöht?

Ein hoher RDW Wert spricht für eine starke Abweichung der Erythrozytengrößen vom MCV, also für viele unterschiedliche Größen der Blutkörperchen. Dies spricht für eine Anisozytose, benennt aber noch nicht deren Ursache. Diese Veränderung liegt meist in der Produktion der Zellen (Erythropoese). Anämien, die einen entsprechenden RDW Wert verursachen sind beispielsweise:

  • Eisenmangel und Eisenmangelanämie (häufigste Ursache)
  • Hämolyse oder Blutverlust
  • Perniziöse Anämie
  • Kugelzellanämie
  • Vitamin-B12- oder Folatmangel

Ein erhöhter RDW-Wert bedeutet nicht automatisch, dass bereits eine Anämie vorliegt. Solange der Hämoglobinwert normal ist, kann beispielsweise ein frühes Stadium eines Mangels oder eine andere Veränderung der Erythrozytenpopulation vorliegen.

Auch Erkrankungen des Knochenmarks, der Leber oder der Nieren können mit einer veränderten RDW einhergehen. Der Wert ist hierfür jedoch nicht spezifisch.

RD und MCV gemeinsam interpretieren

Die Kombination aus RDW und MCV kann erste Hinweise für die weitere Diagnostik liefern:

MCV RDW Mögliche Einordnung
niedrig erhöht häufig Eisenmangel, aber andere mikrozytäre Anämien ebenfalls möglich
niedrig normal oder nur leicht erhöht Thalassämie-Trait oder Anämie bei chronischer Erkrankung
normal erhöht früher Mangel, gemischte Mangelzustände oder unterschiedliche Zellpopulationen möglich
erhöht erhöht unter anderem bei Vitamin-B12-Mangel, Folatmangel oder ausgeprägter Retikulozytose möglich

Diese Einordnungen sind lediglich Möglichkeiten und keine Diagnosen. Sie dienen zum Verständnis, dass die Kombination der Werte relevant ist und die weitere Untersuchung gezielter ausgerichtet werden muss. Ein peripherer Blutausstrich, die Retikulozytenzahl und weitere Laborwerte können notwendig sein.

Veränderte RDW-Werte – Was ist zu tun?

Die Veränderung der RDW sollte grundsätzlich immer von einem Experte und nie isoliert betrachtet werden, also immer nur im Zusammenhang mit anderen Laborparametern.

Zur ersten Einordnung gehören insbesondere:

  1. Hämoglobin und Hämatokrit
  2. Erythrozytenzahl
  3. MCV, MCH und MCHC
  4. Retikulozytenzahl
  5. Verlauf und frühere Laborwerte
  6. Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente und mögliche Blutverluste

Je nach Befund können weitere Untersuchungen sinnvoll sein:

  • Ferritin und Entzündungsparameter wie CRP
  • Transferrinsättigung
  • Vitamin B12 und Folat
  • Hämolyseparameter wie LDH, Haptoglobin und Bilirubin
  • peripherer Blutausstrich
  • gegebenenfalls weiterführende hämatologische Diagnostik

Bei Verdacht auf Eisenmangel ist das Serumeisen allein nicht ausreichend. Die aktuelle Onkopedia-Leitlinie empfiehlt vor allem Ferritin in Verbindung mit MCV und CRP. Bei Entzündungen können ergänzende Eisenparameter erforderlich sein, weil Ferritin als Akut-Phase-Protein erhöht sein kann.

Eisenpräparate sollten nicht allein wegen eines erhöhten RDW-Werts eingenommen werden. Zunächst muss ein Eisenmangel bestätigt und seine Ursache geklärt werden. Bei Erwachsenen ist dabei insbesondere an chronische Blutverluste zu denken.

Auch eine Bluttransfusion wird niemals allein aufgrund der RDW durchgeführt. Die Entscheidung richtet sich unter anderem nach Hämoglobinwert, Beschwerden, Blutungsaktivität, Kreislaufstabilität, Begleiterkrankungen und Gesamtsituation des Patienten.

Wann sollte ein veränderter RDW-Wert ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Einordnung ist insbesondere sinnvoll, wenn:

  • zusätzlich der Hämoglobinwert erniedrigt ist
  • MCV oder MCH auffällig sind
  • Müdigkeit, Atemnot, Schwindel oder Herzklopfen bestehen
  • sichtbare oder vermutete Blutverluste vorliegen
  • der RDW-Wert wiederholt erhöht ist
  • eine Schwangerschaft oder relevante chronische Erkrankung besteht

Bei Atemnot in Ruhe, Brustschmerzen, Bewusstlosigkeit, Kreislaufproblemen oder stärkeren akuten Blutungen ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich.

Häufige Fragen zum RDW-Wert

  1. Was ist der Unterschied zwischen RDW und MCV?
  2. Das MCV zeigt die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen. Die RDW zeigt dagegen, wie stark die einzelnen Zellgrößen voneinander abweichen. Ein normales MCV kann daher zusammen mit einer erhöhten RDW auftreten.

  3. Bedeutet ein erhöhter RDW-Wert automatisch Eisenmangel?
  4. Nein. Eisenmangel ist eine häufige mögliche Ursache, aber auch ein Vitamin-B12- oder Folatmangel, Hämolyse, gemischte Anämieformen und weitere Erkrankungen können die RDW erhöhen. Für die Diagnose sind zusätzliche Laborwerte erforderlich.

  5. Ist ein niedriger RDW-Wert gefährlich?
  6. Ein isoliert erniedrigter RDW-Wert ist normalerweise nicht gefährlich. Er bedeutet lediglich, dass die Erythrozyten eine relativ einheitliche Größe besitzen. Eine Anämie kann trotzdem vorliegen und wird vor allem anhand des Hämoglobinwerts beurteilt.

  7. Kann die RDW erhöht sein, obwohl der Hämoglobinwert normal ist?
  8. Ja. Die RDW kann bereits verändert sein, bevor der Hämoglobinwert oder das MCV deutlich vom Referenzbereich abweichen. Möglich sind beispielsweise ein beginnender Mangel oder das gleichzeitige Vorliegen unterschiedlich großer Erythrozyten.

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Quellen
  1. Arastéh et al., Duale Reihe Innere Medizin, Stuttgart: Thieme (4. Auflage, 2018)
  2. Kohse et al., Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie, Stuttgart: Thieme (9. Auflage, 2019)Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) et al., „Eisenmangel und Eisenmangelanämie“, Onkopedia-Leitlinie, Stand April 2025, https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/eisenmangel-und-eisenmangelanaemie (letzter Zugriff am 14.08.2026)
  3. MSD Manual Professional Edition, „Evaluation of Anemia“, fachlich geprüft und 2024 aktualisiert, https://www.msdmanuals.com/professional/hematology-and-oncology/approach-to-the-patient-with-anemia/evaluation-of-anemia (letzter Zugriff am 14.08.2026)
  4. U.S. National Library of Medicine, „RDW (Red Cell Distribution Width)“, MedlinePlus Medical Test, aktualisiert Oktober 2024, https://medlineplus.gov/lab-tests/rdw-red-cell-distribution-width/ (letzter Zugriff am 14.08.2026)
  5. StatPearls Publishing, „Normal and Abnormal Complete Blood Count With Differential“, in: StatPearls [Internet] (Treasure Island, FL: StatPearls Publishing 2024), NCBI Bookshelf, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/ (letzter Zugriff am 14.08.2026)
  6. Mayo Clinic Laboratories, „Complete Blood Cell Count With Differential“, Mayo Clinic Laboratories Test Catalog, o. J., https://www.mayocliniclabs.com/test-catalog/ (letzter Zugriff am 14.08.2026)
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Wichtiger rechtlicher Hinweis für diesen Artikel
Redaktion
Lilli Abstein
Medizinstudentin
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