
Das große Blutbild untersucht ergänzend zum kleinen Blutbild noch weitere Laborwerte. Hauptsächlich werden hier die verschiedenen Zellarten von weißen Blutzellen genauer betrachtet. Meist wird das große Blutbild bei einem Verdacht auf akute oder chronische Infektionskrankheiten durchgeführt. Der folgende Artikel gibt nähere Informationen zu dem großen Blutbild und erklärt alle einzelnen Werte im Detail.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Großes Blutbild erweitert das kleine Blutbild um detaillierte Analyse der weißen Blutzellen (Leukozyten-Typen wie Granulozyten, Monozyten, Lymphozyten)
- Bei Verdacht auf Infektionen, Entzündungen oder Anämie ideal, erkennt Mangelzustände und Organprobleme frühzeitig
- Nüchtern zur Blutabnahme erscheinen für zuverlässige Werte wie Blutzucker und Cholesterin!
- Normalwerte variieren je Geschlecht, z. B. Hämoglobin Männer 13,3–17,7 g/dl, Frauen 11,7–15,7 g/dl.
Was ist ein großes Blutbild?
Das große Blutbild überprüft alle Laborwerte, die auch in dem kleinen Blutbild erhoben werden.
Laborwerte, die im großen und kleinen Blutbild untersucht werden
- Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
- Roter Blutfarbstoff (Hämoglobin, Hb-Wert)
- Anteile der Zellen im Blut (Hämatokrit)
- Mittlere Zellvolumen von roten Blutkörperchen (MCV = mean cellular volume)
- Mittlere Konzentration von Hämoglobin von einzelnen roten Blutkörperchen (MCH = mean corpuscular haemoglobin)
- Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
- Blutplättchen (Thrombozyten)
Diese Werte kommen im großen Blutbild dazu
Das große Blutbild untersucht neben den Werten des kleinen Blutbilds die unterschiedlichen Leukozytentypen genauer, weswegen es auch unter dem Namen Differentialblutbild bekannt ist. Zusätzlich untersucht werden folgende Werte:
- Stab- und segmentkernige Granulozyten (neutrophile Granulozyten)
- Eosinophile und basophile Granulozyten
- Monozyten
- Lymphozyten
Das große Blutbild kann auf mögliche vorliegende Erkrankungen hinweisen und wird häufig durchgeführt, wenn das kleine Blutbild Auffälligkeiten bezüglich der weißen Blutkörperchen aufweist.
Großes Blutbild – Gründe
Das kleine Blutbild wird häufig im Rahmen von Routineuntersuchungen durchgeführt, um Hinweise auf eine Blutarmut (Anämie) oder eine gestörte Blutbildung zu erhalten. Im großen Blutbild werden zusätzlich die verschiedenen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) genauer untersucht, weshalb es vor allem bei Verdacht auf Infektionen zum Einsatz kommt.
Darüber hinaus können auch Funktionsstörungen bestimmter Organe, wie der Nieren oder der Schilddrüse, durch auffällige Blutwerte erkennbar werden. Neben Hinweisen auf Erkrankungen liefern die Ergebnisse des großen Blutbildes auch Informationen über den Gehalt an Mineralstoffen, Eiweißen, Vitaminen und anderen Blutbestandteilen. So können auch Mangelzustände erkannt werden.
Großes Blutbild – Nüchtern erscheinen?
Damit die Blutwerte nicht verfälscht werden, sollte der Patient nüchtern zur Blutentnahme erscheinen. Vor allem zur Messung des Blutzuckers ist dieser nüchterne Zustand wichtig. Der Nüchtern-Blutzucker hilft, Hinweise auf Diabetes zu erkennen. Auch der Cholesterinwert lässt sich nur unter diesen Bedingungen zuverlässig bestimmen. Wie lange man vor der Blutabnahme nüchtern bleiben muss und welche Getränke erlaubt sind, erklären wir hier:
Was darüber hinaus genau bei einer Blutuntersuchung passiert, wie sie abläuft und welche Verfahren angewendet werden, erklären wir hier:
Großes Blutbild – Normalwerte
Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen getesteten Werte und die Normalbereiche für gesunde Erwachsene. Bei einigen Parametern unterscheiden sich die Normalwerte zudem zwischen Männern und Frauen.
| Messgröße | Normalwert (Männer) | Normalwert (Frauen) |
| Erythrozyten | 4,4 – 5,9 Mio./µl | 3,8 – 5,2 Mio./µl |
| Leukozyten | 4.300 – 10.000 /µl | 4.300 – 10.000 /µl |
| Thrombozyten | 150.000 – 450.000 /µl | 150.000 – 400.000 /µl |
| Hämatokrit (Hkt) | 40 – 52 % | 35 – 47 % |
| Hämoglobin (Hb) | 13,3 – 17,7 g/dl | 11,7 – 15,7 g/dl |
| Hämoglobinmenge (MCH) | 27 – 34 pg | 26 – 34 pg |
| Durchschnittliche Hämoglobinkonzentration (MCHC) | 31,5 – 36,3 g/dl | 31,4 – 35,8 g/dl |
| MCV | 81 – 100 fl | 81 – 100 fl |
| Stabkernige Neutrophile Granulozyten (STAB) | 3 – 5 % | 3 – 5 % |
| Segmentkernige neutrophile Granulozyten (häufige Abkürzung: SEG) | 54 – 62 % | 54 – 62 % |
| Basophile Granulozyten (BASO) | 0 – 1 % | 0 – 1 % |
| Eosinophile Granulozyten (EOS) | 1 – 6 % | 1 – 6 % |
| Monozyten | 2 – 8 % | 2 – 8 % |
| Lymphozyten | 20 – 45 % | 20 – 45 % |
Großes Blutbild – alle Werte erklärt
In den folgenden Abschnitten liefern wir Erklärungen zu allen Werten des großen Blutbildes.
Erythrozyten (Rote Blutkörperchen)
Erythrozyten sind die roten Blutkörperchen. Sie machen den größten Anteil der Zellen im menschlichen Blut aus. Die Aufgabe der Blutkörperchen ist der Transport von Sauerstoff in die Organe und die verschiedenen Körperteile und ist somit lebenswichtig.
Ist der Wert der Erythrozyten zu niedrig spricht man von einer Anämie (Blutarmut). Häufig liegt dies an einem Eisenmangel, einer Nierenerkrankung oder chronischen Blutungen. Auch Erkrankungen im Knochenmark führen zu einer Anämie, jedoch meist in Kombination mit Thrombozytopenie und Leukopenie.
Bei einem erhöhten Erythrozytenwert spricht man von einer Polyglobulie. Meist liegt dies an einem Sauerstoffmangel im Körper und macht sich durch Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen und einem erhöhten Risiko für Thrombose bemerkbar. Wird dies nicht behandelt kann es zu Gefäßschäden oder einer hypertensiven Herzerkrankung kommen.
Leukozyten (Weiße Blutkörperchen)
Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sind für die Abwehr von Infektionen verantwortlich. Sie zirkulieren im Blut und können dieses verlassen, um in verschiedenen Geweben, wie etwa in den Lymphknoten und Schleimhäuten, aktiv Krankheitserreger zu bekämpfen. Da viele Krankheitserreger über die Schleimhäute in den Körper gelangen, ist die Präsenz der weißen Blutkörperchen an diesen Stellen besonders wichtig für den Schutz des Körpers.
Es gibt verschiedene Typen der Leukozyten, die Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten.
Sind zu wenige Leukozyten im Blutwert vorhanden spricht man von einer Leukopenie. Dies geschieht beispielsweise als Folge von zellschädigenden Medikamenten (zum Beispiel im Rahmen einer Chemotherapie), bei Knochenmarksschädigungen aber auch bei Virusinfektionen. Manche Erkrankungen können auch zu einem verstärkten Abbau der Leukozyten beitragen, wie beispielsweise Autoimmunerkrankungen oder Krebserkrankungen.
Bei einem zu hohen Leukozytenwert redet man von einer Leukozytose. Zu den Hauptgründen zählen Infektion. Insbesondere sind dies bakterielle Infektionen. Andere Gründe für eine Leukozytose sind:
- Allergien
- Entzündungen
- Vergiftungen
- Medikamenteneinnahme
- Fortgeschrittene Krebserkrankung
- Schockzustände
- Stoffwechselstörung
- Trauma
- Tumore, Krebs, Leukämie
- Chronische Erkrankungen wie Bronchitis oder Arthritis
- Pilz- oder Parasitenbefall
- Emotionaler Stress
- Rauchen
Thrombozyten (Blutplättchen)
Die Blutplättchen (Thrombozyten) spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung, indem sie Verletzungen und Wunden verschließen und so Blutungen stoppen. Außerdem helfen die Blutplättchen bei der Abwehr von Krankheitserregern und Parasiten.
Eine erhöhte Anzahl an Blutplättchen wird als Thrombozytose bezeichnet. Die Werte weisen, wenn sie zu hoch sind, auf eine Erkrankung der blutbildenden Zellen im Knochenmark hin. Eine erhöhte Thrombozytenzahl kann aber auch in Verbindung mit Entzündungsreaktionen aufkommen, nach der Entfernung der Milz, nach allgemeinen Operationen, nach einem großen Blutverlust, auch bei Geburten sowie bei Erkrankungen im Knochenmark.
Da die Blutzirkulation bei einer Thrombozytose gestört sein kann, steigt das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln. Dies lässt sich durch blutverdünnende Medikamente verringern. Wichtig ist jedoch, die zugrunde liegende Ursache der Thrombozytose zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Thrombozytopenie
Ist der Wert der Thrombozyten zu niedrig, wird dies als Thrombozytopenie bezeichnet. Entweder werden zu wenige Blutplättchen gebildet, oder sie werden im Körper zu schnell abgebaut. Bei einem niedrigen Wert, können vermehrt Blutungen auftreten, wie beispielsweise Nasenbluten. Allerdings kann es auch zu lebensbedrohlichen Blutungen in Organen kommen.
Ursachen und Auslöser einer Thrombozytopenie können sein:
- Starke Blutungen bei schweren Verletzungen
- Diverse Infektionen
- Bösartige Erkrankungen des Blutes, beispielsweise Blutkrebs oder andere Tumore
- Autoimmunerkrankungen
- Rheumatische Erkrankungen
- Medikamenteneinnahme mit der Nebenwirkung Blutverdünnung
- Vitaminmangel
- Allergien
- Leberzirrhose
- Schwangerschaft
Ob ein Blutplättchenmangel behandelt werden muss, hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. In vielen Fällen – etwa nach Infektionen oder akuten Erkrankungen – normalisiert sich der Wert von selbst wieder.
Ist die Anzahl der Blutplättchen niedriger als 10.000 pro Mikroliter Blut, redet man von einer schweren Thrombozytopenie. Dem Betroffenen werden daraufhin Thrombozytenkonzentrate verabreicht.
Hämatokrit (Hkt)
Als Hämatokrit, oft abgekürzt mit HKT, HK und HCT, wird der Anteil von roten Blutkörperchen am Blutvolumen bezeichnet. Über 99% der Zellen im Blut bestehen aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und die restlichen 1% bestehen aus den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und den Blutplättchen (Thrombozyten).
Ist der Hämatokrit zu niedrig, sind zu wenig rote Blutkörperchen vorhanden. Das Blut ist in diesem Fall zu dünnflüssig. Ein zu niedriger Hämatokritwert äußert sich oft in Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Atemnot bei Belastung, blasse Haut, Kopfschmerzen, Schwindel, verlangsamter Herzschlag und niedrige Körpertemperatur.
Gründe hierfür sind:
- Blutverluste und Blutungen
- Regulärer Blutverlust, beispielsweise die weibliche Menstruation
- Traumatische Verletzungen, beispielsweise tiefe Hautverletzungen
- Knochenbrüche
- Nach Operationen
- Innere Blutungen
- Bei einigen Tumoren, wie blutende Blasentumore oder Magenkrebs
- Chronisch-entzündliche Erkrankungen
- Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm
- Rheumatoide Arthritis
- Mangelernährung
- Eisenmangel
- Vitamin B12- und Folsäuremangel
- Hämolytische Anämie, als Folge von Autoimmunkrankheiten oder mancher Medikamente
- Gestörte Blutbildung
- Chemotherapie
- Myelodysplastische Erkrankungen
- Knochenmarkstumoren, Knochenmarkmetastasen
- Sport und Ausdauertraining
- Volumentherapie
- Überwässerung durch zu starke Flüssigkeitszufuhr
- Chronische Niereninsuffizienz
Ist der Hämatokritwert zu hoch, ist ein erhöhter Anteil roter Blutkörperchen im Blut vorhanden. Ursachen sind hier starker Flüssigkeitsverlust, Polyglobulie und Polzythämia vera (eine Überproduktion von Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten).
Hämoglobin (Hb)
Hämoglobin, abgekürzt als Hb, ist ein eisenhaltiges Sauerstofftransportprotein und gibt dem Blut die rote Farbe.
Ist der Wert niedrig wird von einer Anämie (Blutarmut) gesprochen. Mögliche Ursachen sind:
- Eisenmangelanämie, besonders häufig bei jungen Frauen
- Synthesestörungen bei Globinketten
- Chronische Erkrankungen
- Folsäuremangel, Mangel an Vitamin B12
- Blutungen
- Überwässerung
Ist der Hämoglobinwert erhöht wird dies als Polyglobulie bezeichnet. Es kann in den einfachsten Fällen an einem Flüssigkeitsmangel liegen. Auch haben äußerliche Begebenheiten Einfluss auf den Wert, da ein längerer Aufenthalt in großen Höhen den Wert ebenfalls steigen lassen.
Weitere Gründe sind:
- Lungenerkrankung
- Nierenerkrankung
- Herzerkrankung
- Doping
- Starkes Rauchen
- Schwangerschaft
Hämoglobinmenge (MCH)
Die Hämoglobinmenge (MCH-Wert) gibt an, wie viel Hämoglobin – also roter Blutfarbstoff – ein einzelnes rotes Blutkörperchen im Durchschnitt enthält. Sie liefert Hinweise auf den gesamten Hämoglobingehalt im Blut und kann Störungen der Hämoglobinsynthese oder Hämoglobinverluste erkennen lassen.
Der Hämoglobingehalt ist ein wichtiger Parameter für die Sauerstofftransportfähigkeit des Blutes. Um eine genaue Diagnose stellen zu können, wird der MCH-Wert stets im Zusammenhang mit weiteren Werten des kleinen oder großen Blutbildes betrachtet.
Ist dieser Wert zu niedrig, ist es den roten Blutkörperchen nicht möglich den Sauerstofftransport richtig durchzuführen. Ursachen für einen zu niedrigen Wert sind:
- Eisenmangel, Eisenverwertungsstörung – häufig bei Menstruation, Schwangerschaft, Stillzeit und blutenden Tumoren
- Blutverlust durch eine Entzündung im Magendarmtrakt
- Mangelnde Eisenaufnahme im fortgeschrittenen Alter, Einnahme von Protonenpumpenhemmern, Kupfermangel, Mangel an Vitamin B12, Mangel an Folsäure, Mangelernährung, gestörte Aufnahme aus dem Darm und Magen, Abnahme der Nierenfunktion, vegetarische und vegane Ernährung, Krebserkrankungen
- Sideroblastische Anämie
- Thalassämie
- Chronischer Blutverlust im Verdauungstrakt
- Infektionen
- Leberzirrhose und Alkoholmissbrauch
- Bleivergiftung
Ein erhöhter MCH-Blutwert kann durch Durchfälle, Darm- und Nierenerkrankungen, Alkoholmissbrauch, Leberzirrhose oder Krebserkrankungen verursacht werden.
Durchschnittliche Hämaglobinkonzentration (MCHC)
Der MCHC-Wert (mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration) gibt an, wie viel Hämoglobin – also roter Blutfarbstoff – im Verhältnis zum Volumen eines roten Blutkörperchens enthalten ist. Er dient als Maß für die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren, und wird sowohl im kleinen als auch im großen Blutbild bestimmt.
Bei einer Blutarmut (Anämie) kann der MCHC-Wert ebenfalls verändert sein und liefert wichtige Hinweise auf die Art der Anämie.
Durchschnittliche Erythrozyten Volumen (MCV)
MCV steht für „mean corpuscular volume“ und bezeichnet im Deutschen das mittlere korpuskuläre Volumen. Dieser Laborwert gibt das durchschnittliche Volumen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) an und wird sowohl im kleinen als auch im großen Blutbild bestimmt.
Das MCV ist ein wichtiger Parameter zur Abklärung der Ursache einer Blutarmut (Anämie). Liegt der Wert außerhalb des Normalbereichs, kann dies auf eine Erkrankung oder einen Mangelzustand hinweisen.
Ein zu niedriger Wert, auch Mikrozytose genannt, kann durch größere Blutungen, Infektionen und Tumore ausgelöst werden. Häufig löst ein Mangel an Eisen durch eine vegetarische und vegane Ernährung einen niedrigen MCV Wert aus.
Ein zu hoher Wert, wird auch als Makrozytose bezeichnet und ist häufig auf den Mangel an Folsäure oder Vitamin B12 zurückzuführen. Zu viel Alkoholkonsum oder bestimmte Medikamente führen auch zu einer Erhöhung des Wertes.
Granulozyten
Granulozyten gehören zum Immunsystem und spielen eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Infektionen und Entzündungen. Man unterscheidet drei Typen: neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten. Jeder dieser Zelltypen erfüllt eine spezielle Funktion in der Immunabwehr. Die folgenden Abschnitte stellen ihre jeweiligen Aufgaben genauer vor.
Sofern der Wert der Granulozyten erhöht ist, deutet dies auf eine erhöhte Immunreaktion des Körpers gegen beispielsweise Infektionen oder Entzündungen hin. Ein zu geringer Wert hat zumeist Krankheiten als Ursache oder aber auch Medikamente.
Stabkernige Neutrophile Granulozyten (STAB) und Segmentkernige neutrophile Granulozyten (häufige Abkürzung: SEG)
Neutrophile Granulozyten sind die am häufigsten vorkommenden weißen Blutkörperchen. Sie werden im Knochenmark gebildet und zirkulieren anschließend im Blut. Bei Infektionen oder Entzündungen verlassen sie den Blutkreislauf und wandern gezielt in das betroffene Gewebe, um dort Krankheitserreger zu bekämpfen.
Stabkernige neutrophile Granulozyten sind junge, noch unreife Zellen, die sich im Blut zu den ausgereiften, segmentkernigen neutrophilen Granulozyten entwickeln. Im normalen Blutbild ist der Anteil der stabkernigen Zellen gering. Ein erhöhter Anteil kann auf Infektionen, Entzündungen, Tumorerkrankungen oder Vitaminmangel hinweisen.
Stabkernige neutrophile Granulozyten werden bei Bedarf schnell aus dem Knochenmark ins Blut freigesetzt und zum Ort der Infektion oder Entzündung transportiert. Ein erhöhter Anteil dieser Zellen im Blut deutet darauf hin, dass eine solche Freisetzung stattgefunden hat. Dies kann beispielsweise bei chronischen Entzündungen, Vergiftungen, Verbrennungen oder auch bei bestimmten Krebserkrankungen der Fall sein.
Die Abschnitte müssen überarbeitet werden, daher meine Vorschläge in Gelb.
Eosinophile Granulozyten (EOS)
Eosinophile Granulozyten spielen eine wichtige Rolle in der Immunabwehr, insbesondere bei der Bekämpfung von Parasiten wie Würmern oder Malaria-Erregern. Außerdem sind sie an allergischen Reaktionen beteiligt, etwa bei Heuschnupfen oder einer Hausstaubmilben-Allergie.
Der Anteil der eosinophilen Granulozyten im Blut kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden: Bei starken körperlichen Belastungen, Burnout oder großem Stress ist der Wert häufig erniedrigt, während er bei allergischen Reaktionen erhöht sein kann.
Basophile Granulozyten (BASO)
Basophile Granulozyten sind an der Abwehr von Parasiten beteiligt und spielen eine wichtige Rolle bei allergischen Reaktionen. Da sie nur in geringer Anzahl im Blut vorkommen und überwiegend im Gewebe aktiv sind, ist ihr Anteil im Blut normalerweise sehr niedrig.
Ein niedriger Wert basophiler Granulozyten kann auf eine schwere Infektionskrankheit hindeuten. Ein erhöhter Wert ist hingegen selten, kann aber bei bestimmten Erkrankungen auftreten. Leichte Erhöhungen sind beispielsweise bei erhöhten Blutfettwerten, wie sie bei Diabetes mellitus vorkommen können, möglich. Weitere Ursachen für einen Anstieg basophiler Granulozyten sind chronische myeloproliferative Erkrankungen – das sind Krankheiten, bei denen das Knochenmark vermehrt Blutzellen produziert – sowie allergische Reaktionen.
Monozyten
Monozyten sind die größten weißen Blutkörperchen. Sie entstehen im Knochenmark und gelangen über das Blut in verschiedene Gewebe des Körpers, wo sie in die Gefäßwände einwandern. Dort erfüllen sie wichtige Aufgaben, indem sie abgestorbene Zellen, Bakterien und schädliche Antigen-Antikörper-Komplexe beseitigen. Außerdem unterstützen sie das Immunsystem, indem sie Krankheitserreger aufnehmen und weitere Abwehrzellen aktivieren. Da Monozyten sich überwiegend im Gewebe aufhalten und nur kurz im Blut zirkulieren, ist ihr Anteil im Blutbild vergleichsweise gering.
Ist der Wert im Blutbild zu niedrig, spricht man von einer Monozytopenie. Dies kommt allerdings nur recht selten vor. Gründe für einen niedrigen Wert sind beispielsweise eine Therapie mit Glukokortikoiden, eine Immunerkrankung oder eine Schädigung des Knochenmarks durch Gifte oder Schwermetalle.
Es kommt häufiger vor, dass der Monozyten Wert erhöht ist. Dann spricht man von einer Monozytose. Gründe hierfür sind beispielsweise:
- Bakterielle Infektion
- Tropenkrankheit
- Autoimmunerkrankung
- Entzündung der Herzinnenhaut
- Bindegewebserkrankung
- Krebs
Lymphozyten
Lymphozyten kommen im Blut zwar vor, sind aber überwiegend in lymphatischen Organen wie den Lymphknoten, der Milz, den Mandeln und den Peyer-Plaques im Darm angesiedelt. Dort reifen sie heran und erfüllen ihre wichtigen Aufgaben bei der Abwehr von Bakterien und Fremdstoffen. Man unterscheidet zwei Haupttypen: T-Lymphozyten, auch Killerzellen genannt, und B-Lymphozyten. Diese Unterteilung wird im Blutbild jedoch normalerweise nicht separat erfasst.
Verändert sich ein Lymphozyt, kann das ein Hinweis auf die Bildung von Tumoren im Körper sein.
Ein zu niedriger Wert wird als Lymphopenie oder Lymphozytopenie bezeichnet. In folgenden Fällen kann es zu einem niedrigen Wert kommen:
- Reaktion auf Stress
- Therapie mit Kortikosteroiden (Kortison)
- Vermehrte Ausschüttung von Kortikosteroiden vom eigenen Körper
- Nach einer Strahlentherapie
- Systemischer Lupus erythematodes
- Erkrankung des lymphatischen Systems
- Erkrankung des Immunsystems
Ist der Wert über dem Normwert spricht man von einer Lymphozytose. Häufig tritt sie bei Säuglingen und Kindern in Kombination mit harmlosen Infekten auf. Bei Erwachsenen erhöht sich der Wert ebenfalls nach Virusinfektionen, bakteriellen Infektionen und chronischen Infektionskrankheiten. Auch andere Erkrankungen können zu einem erhöhten Wert führen, diese sind beispielsweise:
- Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
- Gefäßentzündungen
- Serumkrankheit
- Hormonelle Störung
Großes Blutbild – Hinweise auf Erkrankungen
Ein großes Blutbild kann wertvolle Hinweise auf verschiedene Erkrankungen liefern. Weichen einzelne Werte von den Normbereichen ab, sollte der Arzt die Ursache für diese Veränderungen untersuchen. Neben direkten Erkrankungen des Blutes kann das Blutbild auch auf Probleme in verschiedenen Organen hinweisen, da sich bestimmte Blutwerte bei Organerkrankungen verändern.
Sind Werte im Differentialblutbild deutlich erhöht, ist es wichtig, ernsthafte Erkrankungen wie Leukämie oder andere bösartige Krankheiten auszuschließen.
In der Regel reicht ein großes Blutbild jedoch nicht aus, um eine endgültige Diagnose zu stellen – es dient vor allem als erster Anhaltspunkt für weitere Untersuchungen.
Mein neuer Formulierungsvorschlag. In diesem Abschnitt gab es keine Verlinkungen. Von medizinischer Seite war de Abschnitt etwas verwirrend, hab versucht Form reinzubringen.
Großes Blutbild – Kosten
Meistens wird eine Blutuntersuchung für ein kleines Blutbild bei einer Routineuntersuchung durchgeführt. Die Kosten übernimmt in der Regel die jeweilige gesetzliche Krankenkasse und alle zwei Jahre haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf eine Kostenübernahme einer Blutuntersuchung.
Ein großes Blutbild kostet in der Regel zwischen 8 und 9 Euro, allerdings sind hier nicht die Kosten der Blutentnahme, des Labors und der Besprechung mit dem Arzt miteingerechnet. Sofern man spezielle Wünsche für das große Blutbild hat, können die Kosten sogar bis auf 1.000 Euro ansteigen. Daher ist es zu empfehlen, vorher mit der Krankenkasse abzuklären, was speziell übernommen wird und was nicht.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen kleinem und großem Blutbild?
- Wann wird ein großes Blutbild empfohlen?
- Muss man nüchtern zum großen Blutbild?
- Welche Normalwerte hat das große Blutbild bei Erwachsenen?
Das kleine Blutbild prüft rote Blutkörperchen, Hämoglobin, Leukozyten, Thrombozyten und Hämatokrit. Das große Blutbild ergänzt dies um eine genaue Differenzierung der weißen Blutzellen (z. B. neutrophile Granulozyten, Lymphozyten) für Infektionsdiagnostik.
Ein großes Blutbild wird empfohlen bei Verdacht auf Infektionen, chronische Entzündungen, Anämie, Leukozytose oder Mangelzustände wie Eisen- oder Vitaminmangel; ideal nach Auffälligkeiten im kleinen Blutbild.
Ja, nüchtern erscheinen ist wichtig, um beim großen Blutbild Werte wie Blutzucker und Cholesterin nicht zu verfälschen – typisch 8–12 Stunden fasten, Wasser erlaubt.
Normalwerte im großen Blutbild – Beispiel: Leukozyten: 4.300–10.000/µl; Lymphozyten: 20–45 %; Neutrophile Granulozyten: 54–62 % (SEG) + 3–5 % (STAB). Werte unterscheiden sich leicht zwischen Männern und Frauen, z. B. Erythrozyten Männer 4,4–5,9 Mio./µl.




