
Wenn Erythrozyten zugrunde gehen und dadurch Hämoglobin freigesetzt wird, ist Haptoglobin – als im Blut enthaltenes Eiweiß – für die Bindung des roten Blutfarbstoffes und dessen Transport zuständig. Auch bei Entzündungs- und Immunreaktionen kommt es vermehrt zu einer Freisetzung von Haptoglobin, welches in diesem Zusammenhang auch als Akute-Phase-Protein bezeichnet wird. In welchem Zusammenhang ist der laborchemische Nachweis von Haptoglobin interessant? Welche Werte gelten als normal und welche Krankheiten können eine Veränderung des Wertes verursachen? Antworten auf diese Fragen und weitere wissenswerte Informationen zum Thema fasst dieser Artikel zusammen.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Haptoglobin ist ein in der Leber gebildetes alpha-2-Globulin, das freies Hämoglobin bindet und zum Abbau in Milz und Leber transportiert.
- Laborchemisch wird Haptoglobin vor allem zum Nachweis bzw. Ausschluss einer Hämolyse über das Blutserum bestimmt.
- Normwerte: Erwachsene 0,3–2,0 g/l; Kinder liegen physiologisch niedriger (0,25–1,38 g/l)
- Niedrige Werte sprechen meist für einen vermehrten Erythrozytenabbau (z.B. hämolytische Anämien, Leber-Synthesestörung, Eiweißmangel, Malaria, Lupus, Schwangerschaft, Östrogene).
- Erhöhte Werte finden sich typischerweise bei Entzündungen, Infektionen, Gewebsnekrosen, Tumoren, lymphatischen Erkrankungen, Eisenmangelanämie, Gallenstau oder nephrotischem Syndrom.
Haptoglobin – Definition und Funktion
Haptoglobin ist ein alpha-2-Globulin, dessen Bildung in der Leber stattfindet. Im Körper übernimmt es zwei wichtige Aufgaben:
- Als sogenanntes Transportprotein bindet Haptoglobin im Rahmen von hämolytischen Reaktionen freigesetztes Hämoglobin und transportiert dieses in das retikuloendotheliale System der Milz und Leber (kurz: RES), wo schließlich der Abbau zu Bilirubin stattfindet.
- Im Rahmen akuter Entzündungsreaktionen kommt es ebenfalls zu einer vermehrten Ausschüttung von Haptoglobin. Wenn bei einem/r Patienten/-in während einer akuten Entzündung gleichzeitig eine Hämolyse stattfindet, kann es laborchemisch zu „falsch“-normalen Werten kommen, da sich hierbei der einerseits durch die Hämolyse vermehrte Abbau und die durch die Entzündung vermehrte Freisetzung von Haptoglobin gegenseitig aufheben.
Haptoglobin – Wozu dient der Nachweis?
Die Messung von Haptoglobin erfolgt zum Nachweis einer Hämolyse, wobei der Wert mittels laborchemischer Auswertung des Blutserums bestimmt wird.
Normwerte
Die Normwerte von Haptoglobin liegen bei erwachsenen Personen zwischen 0,3 und 2,0 g/l. Kinder weisen natürlicherweise niedrigere Normwerte auf. Diese liegen zwischen 0,25 und 1,38 g/l.
Haptoglobin-Wert zu niedrig
Zu niedrige Werte stehen üblicherweise im Zusammenhang mit Erkrankungen, die einen vermehrten Abbau von Erythrozyten bedingen. In diesem Zusammenhang entsteht eine große Menge an Hämoglobin, welches in der Folge an Haptoglobin gebunden wird, wodurch die Konzentration von freiem Haptoglobin im Blut fällt.
Die folgenden Erkrankungen können einen Abfall des Wertes verursachen:
- Hämolytische Anämie, ausgelöst beispielsweise durch
- Störungen der Hämoglobinbildung (Beispiel: Thalassämie)
- Perniziöse Anämie bei Vitamin B 12-Mangel
- Kugelzellanämie
- Synthesestörungen der Leber
- Stoffwechselstörungen
- Eiweißmangel
- Malaria
- Lupus erythematodes
- Schwangerschaft
- Einnahme von Östrogen
Haptoglobin-Wert zu hoch
Ein erhöhter Haptoglobin-Wert kann mit den folgenden Krankheiten im Zusammenhang stehen:
- Entzündungen
- Infektionen
- Gewebsnekrosen
- Tumorerkrankungen
- Erkrankungen des lymphatischen Systems (Beispiel: Hodgkin-Lymphom, Plasmozytom)
- Eisenmangelanämie
- Gallenstauung
- Nephrotisches Syndrom
Was tun bei veränderten Werten?
Fallen im Rahmen einer laborchemischen Untersuchung veränderte Haptoglobin-Werte auf, so müssen je nach Verdachtsdiagnose weitere Laborwerte bestimmt und/oder zusätzliche Untersuchungen vorgenommen werden. Üblicherweise stellen sich Patienten/-innen mit konkreten Beschwerden in der ärztlichen Sprechstunde vor und geben im ersten Anamnesegespräch oftmals erste Hinweise auf mögliche Ursachen für eine Veränderung des Haptoglobin-Wertes (Schilderung bestimmter Vorerkrankungen und/oder bestimmter Symptome, Einnahme bestimmter Medikamente, Schwangerschaft).
Bei einem erniedrigten Wert liegt in der Regel eine Hämolyse vor, die in den meisten Fällen auf eine Anämie zurückzuführen ist. Die Erhebung weiterer Laborparameter (beispielsweise Hb-Wert, Vitamin B 12, Gesamteiweiß) dient der Feststellung des Grundleidens, sodass in einem weiteren Schritt eine ursachengerechte Therapieeinleitung beginnen kann.
Da erhöhte Werte überwiegend im Zusammenhang mit entzündlichen und/oder tumorösen Prozessen stehen, sollte bei erhöhtem Wert eine großzügige laborchemische Diagnostik durchgeführt sowie gegebenenfalls bildgebende Verfahren angewandt werden.




