
Der Hämatokrit (Hkt) beschreibt den prozentualen Volumenanteil der festen Blutzellen am gesamten Blutvolumen und liefert damit wichtige Hinweise auf die Fließeigenschaften des Blutes. Der Hämatokrit wird in Prozent angegeben und im Rahmen eines kleinen Blutbildes bestimmt.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Anteil der roten Blutkörperchen am gesamten Blutvolumen
- Wird in Prozent angegeben
- Wichtig zur Beurteilung von Flüssigkeitshaushalt, Blutarmut (Anämie) oder Dehydratation
- Normwerte: ca. 40–52 Prozent (Männer), 37–47 Prozent (Frauen)
Was ist Hämatokrit?
Hämatokrit gibt an, wie viel Prozent zelluläre Elemente in einem Liter Vollblut enthalten sind. Dieses setzt sich aus festen Bestandteilen (Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten) sowie flüssigen Bestandteilen (Plasma und Serum) zusammen. Durch Zentrifugation werden diese Bestandteilen voneinander getrennt. Den größten Anteil mit 96% machen dabei die roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt, aus. Andere feste Bestandteile sind weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sowie Blutplättchen (Thrombozyten).
Der Hämatokrit-Wert gibt Auskunft über die Fließfähigkeit des Blutes. Steigt der Hämatokrit, nimmt der Flüssigkeitsanteil im Blut ab, während der Anteil der festen Blutbestandteile zunimmt. Dadurch wird das Blut zähflüssiger und fließt langsamer durch die Blutgefäße. Umgangssprachlich spricht man in diesem Zusammenhang von „dickem Blut“. Ein erhöhter Hämatokrit gilt daher als Risikofaktor für Gefäßerkrankungen wie Thrombosen oder Schlaganfälle, da sich bei verlangsamtem Blutfluss leichter Blutgerinnsel bilden können. Ein niedriger Hämatokritwert weist entsprechend auf ein stärker verdünntes, gut fließendes Blut hin.
Wann bestimmt man den Hämatokrit Wert?
Ein Hämatokrit-Test ist Teil eines kleinen Blutbildes. Die Messung erfolgt typischerweise durch Zentrifugation, wodurch sich am Boden des zentrifugierten Röhrchens die roten Blutkörperchen absetzen, deren Anteil dann gemessen wird.
Eine andere Methode zur Messung erfolgt mithilfe einer automatischen Maschine durchgeführt. Diese Maschinen führen in der Regel mehrere weitere Messungen durch. Der Hämatokrit wird bei diesem Verfahren nicht direkt bestimmt, sondern aus dem Hämoglobinwert und dem mittleren Volumen der roten Blutkörperchen (MCV) berechnet.
Der gemessene Anteil der roten Blutkörperchen im Blut kann dem Arzt helfen, bestimmte Krankheiten, beziehungsweise deren Risiko, zu erkennen. Der Hämatokrit ist somit sowohl bei Routineuntersuchungen als auch bei diagnostischen Untersuchungen wichtig. Der Hämatokrit wird auch bestimmt, um Blutkrankheiten, wie z. B. Anämie (Blutarmut) oder Polyzythämie vera (zu viele rote Blutkörperchen), zu diagnostizieren.
Hämatokrit – Normalwerte nach Alter und Geschlecht
Der Normalwert für den Hämatokrit hängt vom Geschlecht und dem Alter einer Person ab. Die Normalwerte werden folgendermaßen angegeben:
| Alter | Hämatokrit-Bereiche |
| Neugeborene Babys | 55 % bis 68 % |
| Babys im Alter von einer Woche | 47 % bis 65 % |
| Babys im Alter von einem Monat | 37 % bis 49 % |
| Babys im Alter von drei Monaten | 30 % bis 36 % |
| Kleinkinder ab einem Jahr | 29 % bis 41 % |
| Kinder ab zehn Jahren | 36 % bis 40 % |
| Erwachsene Männer | 42 % bis 54 % |
| Erwachsene Frauen | 38 % bis 46 % |
Die Werte können je nach Quelle und Labor jeweils leicht variieren.
Hämatokrit zu hoch
Ein zu hoher Hämatokrit bedeutet, dass die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut erhöht ist. Das ist häufig zu beobachten bei Menschen, die in großer Höhe leben oder rauchen. Auch bei Dehydrierung steigt der Wert, normalisiert sich jedoch wieder bei einer entsprechenden Aufnahme von Flüssigkeit.
Weitere, seltenere Ursachen für einen erhöhten Hämatokrit sind:
- Schwere chronische Lungen-, Herz- sowie einige Nierenerkrankungen
- bestimmte Tumore
- die Erkrankung Polycythemia vera, bei der der Körper zu viele rote Blutkörperchen produziert
- „Blutdoping“ bei Sportlern durch das Medikament Erythropoetin (EPO)
Diese Symptome können auf einen erhöhten Hämatokrit-Wert hinweisen
- Müdigkeit
- Kurzatmigkeit
- Gerötete Haut
- Schwitzen
- Schwindel
- Gelenkschmerzen
- Juckreiz
- Kopfschmerzen
Hämatokrit zu niedrig
Gründe für einen niedrigen Hämatokrit sind:
- Akuter Blutverlust (nach Verletzungen, Operationen oder Blutungen)
- Nährstoffmangel (insbesondere Eisen, Vitamin B12 und Folsäure)
- Knochenmarksprobleme (beispielsweise bei Krebserkrankungen wie Leukämie sowie Chemotherapien)
- Überwässerung
Mögliche Anzeichen eines niedrigen Hämatokritwerts
- Müdigkeit
- Konzentrationsschwäche
- Kurzatmigkeit
- Kopfschmerzen
- Schwere Menstruationszyklen
Hämatokrit – Was tun bei Abweichungen?
werden. Je nachdem, ob die Werte erhöht oder zu niedrig sind, wird die Diagnose gestellt und die Behandlung entsprechend angepasst.
Ist der Hämatokrit-Wert zu hoch, ist es grundsätzlich ratsam, ausreichend zu trinken. Dadurch wird der Flüssigkeitsanteil des Blutes wieder erhöht.
Ein sehr niedriger Hämatokrit kann auf ein übermäßiges Trinken von Wasser hinweisen. In diesem Fall normalisiert sich der Hämatokrit wieder von selbst, sobald sich der Flüssigkeitshaushalt ausgleicht. Häufiger liegt jedoch eine Blutarmut (Anämie) zugrunde. Diese kann durch Vitamin- oder Mineralstoffmangel (z. B. Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure) verursacht sein, aber auch durch chronische Erkrankungen oder Blutverlust. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: Sie kann die Gabe von Eisen, Vitaminen oder anderen Medikamenten umfassen; in schweren Fällen kann auch eine Bluttransfusion erforderlich sein.
Häufige Fragen zu Hämatokrit
- Wie kann man Hämatokrit senken?
- Hämatokrit erhöht – ab wann gefährlich?
- Hämatokrit zu niedrig – was tun?
Die einfachste Möglichkeit, einen zu hohen Hämatokritwert zu senken, ist mit dem Rauchen aufzuhören und die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen. Viel trinken ist besonders wichtig, um die hohe Konzentration an roten Blutkörperchen zu senken. Auch bestimmte Medikamente können dabei helfen, zu hohe Hämatokrit Werte zu senken. Eine weitere Möglichkeit ist die Phlebotomie, auch Aderlass genannt. Dabei werden dem Patienten bis zu 500 ml Blut entnommen mit dem Ziel, um den hohen Hämatokritwert zu senken.
Ein erhöhter Hämatokrit Wert kann langfristig gefährlich werden: Bei einem hohen Hämatokrit ist das Blut dicker und zähflüssiger. Dadurch steigt die Belastung für das Herz, und das Blut fließt langsamer, was das Risiko für Thrombosen erhöht.
Oftmals ist ein Vitamin- und Mineralienmangel verantwortlich für einen zu niedrigen Hämatokrit. In diesem Fall ist die Zunahme von Eisen, Vitamin B12 und Folsäure sinnvoll. Eine Ernährungsumstellung kann hier ebenfalls hilfreich sein. Bei einem sehr niedrigen Hämatokritwert kann auch eine intravenöse Eisenzufuhr oder eine Bluttransfusion nötig sein. Zudem gibt es bestimmte Medikamente, um die Produktion neuer roter Blutkörperchen zu stimulieren.
Mehr zu Laborwerten
- Nikolaus Schaenzler und Wilfried P. Bieger, Laborwerte: Alles über Normbereiche, Befunde und Co., 4. Aufl. (München: Gräfe und Unzer 2016).
- W. Piper, Innere Medizin (Springer Medizin 2007) [Verlagsort fehlt; Vorname des Autors fehlt].
- F. H. Mader und H. Weißgerber, Allgemeinmedizin und Praxis: Anleitung in Diagnostik und Therapie, 6. Aufl. (2007) [Verlag und Verlagsort fehlen].
- Mayo Clinic, „Hematocrit test“, https://www.mayoclinic.org/... (letzter Zugriff am 13.03.2026).
- MedicineNet, „Hematocrit Ranges and Chart: High, Low, and Normal“, https://www.medicinenet.com/... (letzter Zugriff am 13.03.2026).




