
Bilirubin, auch Gallenfarbstoff genannt, ist ein vom Körper beim Abbau von roten Blutkörperchen hergestelltes Molekül. Es hat eine gelbliche Farbe und man misst es bei der Diagnostik diverser Erkrankungen.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Bilirubin-Formen: Unkonjugiertes (indirektes) Bilirubin entsteht beim Abbau roter Blutkörperchen, wird in der Leber zu wasserlöslichem konjugiertem (direktem) Bilirubin umgewandelt und über Galle ausgeschieden.
- Normwerte Erwachsene: Gesamtbilirubin < 19 µmol/L (< 1,1 mg/dL), konjugiert < 10 µmol/L (< 0,6 mg/dL); Neugeborene haben höhere Grenzwerte.
- Erhöhte Werte (Hyperbilirubinämie): Ursachen prähepatisch (z. B. Hämolyse), intrahepatisch (z. B. Hepatitis, Leberzirrhose, Gilbert-Syndrom) oder posthepatisch (z. B. Gallensteine); Symptome: Gelbsucht, Juckreiz, heller Stuhl.
- Bei Erhöhung: Ärztliche Abklärung empfohlen, Leberbelastung durch Medikamente wie Paracetamol meiden; Ultraschall und Bluttests helfen bei Diagnose.
Definition und Physiologie
Beim Bilirubin werden zwei Formen, das konjugierte (direkte) und das unkonjugierte (indirekte) Bilirubin, unterschieden. Das unkonjugierte ist die Form, die unmittelbar beim Abbau der roten Blutkörperchen entsteht. Da sie nicht wasserlöslich ist und damit nicht so gut ausgeschieden werden kann, wird das unkonjugierte Bilirubin im Körper zur Leber transportiert. Hier wird es umgebaut und in eine wasserlösliche Form umgewandelt, die dann über die Galle ausgeschieden werden kann. Von dort gelangt es in den Darm, wo es teilweise von den Darmbakterien abgebaut wird. Das übrige Bilirubin färbt den Stuhl dunkel.
Bilirubin Normwerte
Bei den Normwerten für Bilirubin müssen einerseits die Unterform des Bilirubins (gesamt, konjugiert, unkonjugiert) und das Alter des Patienten mit einbezogen werden. Neugeborene haben deutlich höhere Grenzwerte für Bilirubin als Erwachsene. Eine Übersicht über die Referenzwerte für Erwachsene ist in der folgenden Tabelle dargestellt, leichte Abweichungen können je nach Labor vorkommen. Das unkonjugierte Bilirubin wird berechnet, indem man vom Gesamtbilirubin das konjugierte Bilirubin abzieht.
| Bilirubin im Serum | Normwert in µmol/L | Normwert in mg/dL |
| gesamt | < 19 µmol/L | < 1,1 mg/dL |
| konjugiert | < 10 µmol/L | < 0,6 mg/dL |
Ursachen für eine Bilirubin-Abweichung
Die Ursachen für einen erhöhten Bilirubin-Wert können grob in drei Kategorien eingeteilt werden: prähepatisch, intrahepatisch und posthepatisch. Dies bedeutet, dass das Problem vor, in oder hinter der Leber liegen kann. Patienten bemerken eine Erhöhung des Bilirubins meist in einer Gelbfärbung der Haut und Augenbindehäute, eine sogenannte Gelbsucht oder Ikterus. Auch ein allgemeiner Juckreiz kann auftreten. Untenstehend sind einige Beispiele für Erkrankungen gelistet, die diese Symptome hervorrufen können.
Prähepatisch
Bei einem übermäßigen Abbau roter Blutkörperchen – etwa infolge einer Bluterkrankung – entsteht eine große Menge an unkonjugiertem (nicht wasserlöslichem) Bilirubin. Die Leber ist dann nicht in der Lage, das gesamte Bilirubin ausreichend schnell aufzunehmen und umzuwandeln. Dadurch steigt der Spiegel des unkonjugierten Bilirubins im Blut an. Typische Ursachen für diesen sogenannten prähepatischen Ikterus sind Erkrankungen wie Thalassämie, hereditäre Sphärozytose (Kugelzellanämie) oder der Morbus haemolyticus neonatorum – eine schwere, durch Blutgruppenunverträglichkeit verursachte Hämolyse bei Neugeborenen, die umgehend medizinisch behandelt werden muss.
Intrahepatisch
Wenn die Leber selbst erkrankt ist, schafft sie es nicht mehr, Bilirubin in angemessener Höhe auszuscheiden. Dies kann unter anderem bei einer Infektion mit Hepatitis-Viren oder auch bei einer Leberzirrhose vorkommen, die beispielsweise durch langjährigen Alkoholkonsum entstehen kann.
Morbus Meulengracht
Morbus Meulengracht, auch bekannt als Gilbert-Syndrom, ist eine genetisch bedingte Stoffwechselstörung, bei der das Enzym zur Umwandlung von Bilirubin in eine wasserlösliche Form nur vermindert vorhanden ist. Durch Stress, Fasten oder Alkoholkonsum kann dann ein erhöhter Bilirubin-Wert auftreten. Eine Therapie ist in der Regel nicht notwendig, bei Unsicherheit sollte jedoch ärztliche Rücksprache erfolgen.
Posthepatisch
Wird der Abfluss der Galle behindert, kann sie nicht mehr in den Darm gelangen und staut sich in der Leber zurück. Dadurch reichert sich Bilirubin im Blut an. Neben der typischen Gelbfärbung der Haut und der Augenbindehäute ist ein weiters typisches Anzeichen hell gefärbter, fast weißlicher Stuhl, da das Bilirubin fehlt, das normalerweise für die dunkle Färbung sorgt. Ursachen können Gallensteine, Tumore oder entzündliche Erkrankungen wie die primär sklerosierende Cholangitis sein. Besonders bei Gallensteinen im Gallengang treten häufig zusätzlich Schmerzen, Entzündungen und Fieber auf – in solchen Fällen ist eine rasche ärztliche Behandlung notwendig.
Bilirubin erhöht: Was tun?
Erhöhte Bilirubin-Werte können ganz verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen genetischen Besonderheiten wie dem Morbus Meulengracht bis hin zu ernsthaften Erkrankungen reichen können. Wer Symptome wie Gelbsucht hat oder bei wem bei einer Routineuntersuchung erhöhte Bilirubin-Werte gezeigt hat, sollte diese unbedingt ärztlich abklären lassen. Es empfiehlt sich auch, potenziell leberschädigende Medikamente, die nicht ärztlich verordnet wurden, für diesen Zeitraum zu meiden. So vermeidet an, die Leber nicht noch mehr zu belasten. Ein typisches Beispiel ist hierfür Paracetamol. Bei verordneten Medikamenten sollte ein Absetzen jedoch nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Beim Arztbesuch wird, falls noch nicht erfolgt, meist noch einmal Blut abgenommen, um der Ursache weiter auf den Grund zu gehen. Auch eine Ultraschalluntersuchung liefert oft wertvolle Hinweise.
Good to Know für Medizinstudenten und Ärzte
- Leicht erhöhtes unkonjugiertes Bilirubin kannoxidativen Stress reduzieren, kann kardiovaskulär protektiv wirken.
- Marker für hepatische Sekretionsstörung: Konjugiertes Bilirubin steigt früher als andere Leberwerte bei Cholestase oder intrahepatischer Stauung.
- Medikamentöse Wechselwirkungen: Manche Medikamente (z. B. Rifampicin, Sulfonamide) beeinflussen Bilirubin-Transporter (OATP, MRP2) → kann Hyperbilirubinämie auslösen.
- Diagnostisches Detail:
- Direkt-Konjugiertes Bilirubin > 20 % des Gesamtbilirubins → hepatischer oder cholestatischer Ursprung wahrscheinlicher.
- Unkonjugiertes Bilirubin hoch, kein Hämolysezeichen → Gilbert-Syndrom in Betracht ziehen.
Häufige Fragen zu Bilirubin
- Was ist Bilirubin?
- Welche Bilirubin-Werte sind normal?
- Was sind mögliche Ursachen für einen erhöhten Bilirubin-Wert?
- Was tun bei erhöhten Bilirubin-Werten?
Bilirubin ist der Gallefarbstoff, der beim Abbau von roten Blutkörperchen entsteht. Er kann bei verschiedenen Erkrankungen erhöht sein und liefert daher bei der Diagnostik wertvolle Hinweise.
Das Gesamt-Bilirubin für Erwachsene sollte unter 1,1 mg/dL liegen, das konjugierte unter 0,6 mg/dL.
Die Ursachen können verschieden sein und reichen von einer genetischen Disposition (M. Meulengracht) über einen vermehrten Abbau von roten Blutkörperchen hin zu Gallensteinen.
Da ein erhöhter Bilirubin-Wert bei einer Vielzahl von Erkrankungen auftreten kann, sollten sich Betroffene zur Abklärung in ärztliche Betreuung begeben. Dort können die Ursachen identifiziert und behandelt werden.
Mehr zur Blutuntersuchung
1. Böhm, Bernhard Otto; Niederau, Christoph M.: Klinikleitfaden Labordiagnostik, Urban & Fischer/Elsevier 2021.
2. Gressner, Axel M.; Arndt, Torsten (Hrsg.): Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik, Springer 2019.
3. Universitätsklinikum Ulm: Leistungsverzeichnis Bilirubin, https://www.uniklinik-ulm.de/... (Abrufdatum: 17.04.2026)
4. Medizinisches Labor Ostsachsen: Bilirubin gesamt, https://www.labor-ostsachsen.de/... (Abrufdatum: 17.04.2026)




