
Bilirubin, auch Gallenfarbstoff genannt, ist ein vom Körper beim Abbau von roten Blutkörperchen hergestelltes Molekül. Es hat eine gelbliche Farbe und man misst es bei der Diagnostik diverser Erkrankungen.
Inhaltsverzeichnis
Definition und Physiologie
Beim Bilirubin werden zwei Formen, das konjugierte (direkte) und das unkonjugierte (indirekte) Bilirubin, unterschieden. Das unkonjugierte ist die Form, die beim Abbau der roten Blutkörperchen entsteht. Da sie nicht wasserlöslich ist und damit nicht so gut ausgeschieden werden kann, wird das unkonjugierte Bilirubin im Körper zur Leber transportiert. Hier wird es umgebaut und in eine wasserlösliche Form umgewandelt, die dann über die Galle ausgeschieden werden kann. Von dort gelangt es in den Darm, wo es teilweise von den Darmbakterien abgebaut wird. Das übrige Bilirubin färbt den Stuhl dunkel.
Bilirubin Normwerte
Bei den Normwerten für Bilirubin müssen einerseits die Unterform des Bilirubins (gesamt, konjugiert, unkonjugiert) und das Alter des Patienten/der Patientin mit einbezogen werden. Neugeborene haben deutlich höhere Grenzwerte für Bilirubin als Erwachsene, die individuell ärztlich festgelegt werden. Eine Übersicht über die Referenzwerte für Erwachsene ist in der folgenden Tabelle dargestellt, leichte Abweichungen können je nach Labor vorkommen. Das unkonjugierte Bilirubin wird berechnet, indem man vom Gesamtbilirubin das konjugierte Bilirubin abzieht.
| Bilirubin im Serum | Normwert in µmol/L | Normwert in mg/dL |
| gesamt | < 19 µmol/L | < 1,1 mg/dL |
| konjugiert | < 10 µmol/L | < 0,6 mg/dL |
Ursachen für eine Bilirubin-Abweichung
Die Ursachen für einen erhöhten Bilirubin-Wert können grob in drei Kategorien eingeteilt werden: prähepatisch, intrahepatisch und posthepatisch. Dies bedeutet, dass das Problem vor, in oder nach der Leber liegen kann. Patienten/-innen bemerken eine Erhöhung des Bilirubins meist in einer Gelbfärbung der Haut und Augen, eine sogenannte Gelbsucht oder Ikterus. Auch ein allgemeiner Juckreiz kann auftreten. Unten sind einige Beispiele für Erkrankungen gelistet, die diese Symptome hervorrufen können. Es gibt jedoch noch zahlreiche andere, sodass ein Arztbesuch unabdingbar ist.
Prähepatisch
Wenn zu viele rote Blutkörperchen auf einmal abgebaut werden, schafft es die Leber nicht, das anfallende Bilirubin schnell genug auszuscheiden. Als Folge davon ist vor allem das unkonjugierte Bilirubin erhöht. Beispiele sind etwa Thalassämie, Kugelzellkrankheit oder der Morbus haemolyticus neonatorum. Dieser kann bei einer Blutgruppenunverträglichkeit von Neugeborenen auftreten und man muss ihn unbedingt ärztlich behandeln.
Intrahepatisch
Wenn die Leber selbst erkrankt ist, schafft sie es nicht mehr, Bilirubin in angemessener Höhe auszuscheiden. Dies kann unter anderem bei einer Infektion mit Hepatitis-Viren oder auch bei einer Leberzirrhose, die beispielsweise durch langjährigen Alkoholkonsum entstehen kann.
Morbus Meulengracht
Der Morbus Meulengracht, auch Gilbert-Syndrom genannt, ist eine genetische Veranlagung, bei der man das Enzym, dass das Bilirubin wasserlöslich macht, vermindert bildet. Durch Stress, Fasten oder Alkoholkonsum kann dann ein erhöhter Bilirubin-Wert auftreten, der sich in Schlappheit oder auch Gelbfärbung der Augen oder Haut zeigt. Eine Therapie ist in der Regel nicht notwendig, bei Unsicherheit sollte jedoch ärztliche Rücksprache erfolgen.
Posthepatisch
Wenn die Galle nicht mehr gut ausgeschieden werden kann, staut sie sich in die Leber zurück und verursacht ebenfalls eine Gelbsucht. Auffällig ist dabei, dass der Stuhl oft weißlich gefärbt ist, da das Bilirubin nicht mehr in den Darm gelangt. Beispiele für Ursachen sind Gallensteine, Erkrankungen wie die primär sklerosierende Cholangitis oder auch Tumore. Vor allem Steine im Gallengang gehen dabei oft mit einer Entzündung und Fieber einher und sollten daher unbedingt ärztlich behandelt werden.
Bilirubin erhöht: Was tun?
Erhöhte Bilirubin-Werte können ganz verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen genetischen Besonderheiten wie dem Morbus Meulengracht bis hin zu ernsthaften Erkrankungen reichen können. Wer daher Symptome wie Gelbsucht hat oder bei wem bei einer Routineuntersuchung erhöhte Bilirubin-Werte gezeigt hat, sollte diese unbedingt ärztlich abklären lassen. Es empfiehlt sich auch, potenziell leberschädigende Medikamente, die nicht ärztlich verordnet wurden für diesen Zeitraum zu meiden, um die Leber nicht noch mehr zu belasten. Ein typisches Beispiel ist hierfür Paracetamol. Bei verordneten Medikamenten sollte ein Absetzen jedoch nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Beim Arztbesuch wird, falls noch nicht erfolgt, meist noch einmal Blut abgenommen, um der Ursache weiter auf den Grund zu gehen. Auch eine Ultraschalluntersuchung liefert oft wertvolle Hinweise.
Häufige Fragen
- Was ist Bilirubin?
- Welche Bilirubin-Werte sind normal?
- Was sind mögliche Ursachen für einen erhöhten Bilirubin-Wert?
- Was tun bei erhöhten Bilirubin-Werten?
Bilirubin ist der Gallefarbstoff, der beim Abbau von roten Blutkörperchen entsteht. Er kann bei verschiedenen Erkrankungen erhöht sein und liefert daher bei der Diagnostik wertvolle Hinweise.
Das Gesamt-Bilirubin für Erwachsene sollte unter 1,1 mg/dL liegen, das konjugierte unter 0,6 mg/dL.
Die Ursachen können verschieden sein und reichen von einer genetischen Disposition (M. Meulengracht) über einen vermehrten Abbau von roten Blutkörperchen hin zu Gallensteinen.
Da ein erhöhter Bilirubin-Wert bei einer Vielzahl von Erkrankungen auftreten kann, sollten sich Betroffene zur Abklärung in ärztliche Betreuung begeben. Dort können die Ursachen identifiziert und behandelt werden.
Mehr zur Blutuntersuchung
1. Böhm, Bernhard Otto; Niederau, Christoph M.: Klinikleitfaden Labordiagnostik, Urban & Fischer/Elsevier 2021.
2. Gressner, Axel M.; Arndt, Torsten (Hrsg.): Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik, Springer 2019.
3. Universitätsklinikum Ulm: Leistungsverzeichnis Bilirubin, https://www.uniklinik-ulm.de/... (Abrufdatum: 07.11.2022)
4. Medizinisches Labor Ostsachsen: Bilirubin gesamt, https://www.labor-ostsachsen.de/... (Abrufdatum: 07.11.2022)

