
In Deutschland besteht die Möglichkeit, die Facharztweiterbildung in 34 unterschiedlichen Fachrichtungen zu absolvieren. Hat man die Qualifikation zum Facharzt in der Tasche, kann man sich zusätzlich in einem – auf den jeweiligen Facharzttitel aufbauenden – Gebiet, einem sogenannten Schwerpunkt, spezialisieren. Welche Schwerpunktweiterbildungen gibt es und wieviel Zeit nehmen diese in Anspruch? Der folgende Artikel fasst wichtige Punkte zusammen, die bei der Vorbereitung und in Hinsicht auf den Ablauf der Schwerpunkteiterbildung beachtet werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
Welche Schwerpunktweiterbildungen gibt es?
Die Schwerpunktweiterbildungen bauen auf bestimmten Facharztweiterbildungen auf. Dementsprechend dürfen die Titel nur in Kombination mit einem gültigen Facharzttitel geführt werden. Derzeit können in den Fachrichtungen Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie und Radiologie die folgenden Schwerpunktweiterbildungen absolviert werden.
- Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
- Gynäkologische Onkologie
- Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin
- Forensische Psychiatrie
- Neonatologie
- Neuropädiatrie
- Neuroradiologie
- Kinder- und Jugend-Radiologie
- Kinder- und Jugend-Kardiologie
- Kinder- und Jugendhämatologie und -onkologie
Wer sich im eigenen Fachgebiet über den eigentlichen Facharzttitel hinaus weiter qualifizieren möchte, jedoch nicht die Möglichkeit zur Weiterbildung in einem Schwerpunkt hat, da keine entsprechende Schwerpunktweiterbildung angeboten wird, kann eine Zusatzbezeichnung erlangen.
Voraussetzungen
Die folgenden Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um mit der Schwerpunktweiterbildung beginnen zu können:
- abgeschlossenes Medizinstudium
- Besitz einer ärztlichen Approbation
- Abgeschlossene Facharztweiterbildung
- Anstellung an einer anerkannten Weiterbildungsstätte unter der Leitung eines Weiterbildungsbefugten nach Paragraf 6, Absatz 1, Satz 1 der (Muster)Weiterbildungsordnung für Ärzte
Ablauf und Dauer einer Schwerpunkt-Weiterbildung
Der Ablauf und wichtige Inhalte der Schwerpunktweiterbildungen sind im Folgenden übersichtlich dargestellt. Die Dauer der Schwerpunktweiterbildung beläuft sich in allen genannten Fachgebieten bei Vollzeitanstellung auf einen Zeitraum von 24 Monaten. Bei Ärzten, die in Teilzeit angestellt sind, verlängert sich die Weiterbildungszeit entsprechend.
Inhalt der Weiterbildung
Innerhalb der Schwerpunktweiterbildung erlangen Fachärzte besondere Kompetenzen, Fertigkeiten und Kenntnisse im jeweiligen Spezialgebiet mit Bezug zur Facharztrichtung. Sie spezialisieren sich hinsichtlich bestimmter Krankheitsbilder und in diesem Zusammenhang auf die Indikationsstellung, Durchführung und Auswertung von bestimmten diagnostischen Verfahren und die Einleitung entsprechender Therapieverfahren.
Die gebietsspezifischen Inhalte der Schwerpunktweiterbildungen sind innerhalb der geltenden (Muster)Weiterbildungsordnung für Ärzte festgelegt und vorgeschrieben. Auch im Rahmen der Weiterbildung in einem Schwerpunkt müssen erbrachte Leistungen sowie durchgeführte Interventionen, Untersuchungen und diagnostische Maßnahmen im Logbuch eingetragen werden.
Abschluss und Prüfung
Wer die Weiterbildungszeit von zwei Jahren erfüllt hat und alle Weiterbildungsinhalte im Logbuch eingetragen hat, kann sich zur Prüfung anmelden. Die Prüfungsanmeldung erfolgt unter Vorlage der folgenden Dokumente.
- Antragsformular
- Kopien der Weiterbildungszeugnisse
- Gegebenenfalls Kopie der im Rahmen der Weiterbildungsordnung geforderten Fortbildungen und Kurse
- Logbuch (eLogbuch)
Die Einladung des Absolventen zur Prüfung sowie der Ablauf derselben erfolgen analog zur Facharztprüfung:
Wer braucht eine Schwerpunktweiterbildung?
Die Entscheidung zum Absolvieren einer Schwerpunktweiterbildung muss jeder Facharzt selbstverständlich für sich persönlich abwägen. Eine Weiterbildung in einem Schwerpunkt ist grundsätzlich nicht vorgeschrieben, um fachärztlich tätig sein zu können und möglicherweise sind die eigenen fachlichen Interessen bereits innerhalb der Facharztweiterbildung abgedeckt worden. Eine zusätzliche Weiterbildung ist darüber hinaus mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden, daher sollte man die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben vor der Entscheidung erneut abwägen. Dennoch kann das Führen einer Schwerpunktbezeichnung von Vorteil sein, beispielsweise wenn die eigenen Interessen besonders im Bereich des Schwerpunktes liegen und man sich ausschließlich auf eine Ausübung der Schwerpunkttätigkeit beschränken möchte oder wenn die Konkurrenzsituation innerhalb der eigenen Fachrichtung sehr groß ist und eine Spezialisierung neue berufliche Chancen und/oder einen Aufstieg ermöglichen würde.













