
Anamnese und klinische Untersuchung sind zentrale Elemente der klinischen Ausbildung im Medizinstudium. Hier lernen Studierende, durch gezielte Gespräche und systematische Untersuchungen die Grundlage jeder medizinischen Diagnose zu legen – praxisnah, patientenorientiert. Obwohl es kein Haupt- oder Querschnittsfach nach Approbationsordnung ist, sind die Inhalte unverzichtbar für den ärztlichen Alltag. In der Regel findet sich das Angebot unter verschiedenen Namen als vertiefendes Lehrangebot der Uni: Famulaturvorbereitung, Untersuchungskurs oder – von uns präferiert – (Klinische) Propädeutik. Dieses solltest Du als Vorbereitung auf die anstehenden Famulaturen nutzen. Unser Artikel gibt eine Übersicht zu den Inhalten, dem Lernumfang und hilfreichen Tipps.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Der Kurs vermittelt Medizinstudierenden die Grundlagen der ärztlichen Gesprächsführung und körperlichen Untersuchung – zentrale Kompetenzen für Famulaturen, PJ und spätere Berufspraxis.
- Es ist kein einheitlich geregeltes Fach in der Approbationsordnung, wird aber an vielen Universitäten als klinische Propädeutik oder Famulaturreifekurs angeboten.
- Die Inhalte gliedern sich meist in drei Bereiche: strukturierte Anamnesegespräche, praktische Prozeduren (z. B. Blutentnahme, Injektionen, Naht) und körperliche Untersuchungen nach dem Schema Inspektion–Palpation–Perkussion–Auskultation.
- Die praktische Anwendung und regelmäßige Wiederholung der Untersuchungstechniken – idealerweise in Famulaturen – sind entscheidend, um Sicherheit im Umgang mit Patienten zu gewinnen.
- Prüfungsformen wie das OSCE trainieren den strukturierten Ablauf und Zeitmanagement; zusätzliche Standardwerke wie die "Heidelberger klinischen Standards" helfen beim korrekten Erlernen der Verfahren.
Klinische Propädeutik – Kein übliches Klinikfach
Anamnese und klinische Untersuchung, Klinische Propädeutik, Famulaturreifekurs, Untersuchungskurs – für den Namen oder Aufbau dieses Kursangebots gibt es keine einheitliche Vorgabe. Tatsächlich steht das Fach als solches nicht in der ärztlichen Approbationsordnung (ÄApprO). Dennoch bieten viele Universitäten auf die ein oder andere Art ein entsprechendes Fach zu Beginn des klinischen Studienabschnitts an. Es dient dazu, Studierende auf Famulaturen und Blockpraktika vorzubereiten und legt den Grundstein für die Diagnostik und Therapie von Krankheitsbildern.
Klinische Propädeutik – Die wichtigsten Inhalte
Die klinische Propädeutik umfasst die systematische Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) sowie das gezielte körperliche Untersuchen von Patienten. Studierende lernen, durch strukturierte Gespräche relevante Symptome, Vorerkrankungen und Lebensumstände zu erfassen und diese Informationen mit körperlichen Befunden zu verknüpfen. Ziel ist es, klinisches Denken zu fördern und eine sichere, patientenzentrierte Diagnostik einzuüben – als Grundlage für jede ärztliche Entscheidung.
Meist teilt sich das Fach auf drei große Bereiche auf: Gespräche, Prozeduren und Untersuchungen.
Gespräche
Bei Gesprächen geht es dabei vor allem um die Anamnese-Basics, die in der ärztlichen Praxis immer wieder benötigt werden. Hierzu gehört beispielsweise das Abklären von Schmerz-, Reise-, Sexual- und Familienanamnese, das VOMA-Schema (Abfragen von Vorerkrankungen, Operationen, Medikamente und Allergien), sowie das Erfragen von B-Symptomatik oder Suchtmittelkonsum. Auch das Vegetativum ist ein Teil davon.
Standardprozeduren
Die Standardprozeduren in der Medizin sind in der Chirurgie sowie der Inneren Medizin sehr wichtig und sollten schon zu Beginn der ärztlichen Tätigkeit sitzen. Deswegen solltest Du dankbar sein, wenn Du schon früh in der Klinik im Medizinstudium die Möglichkeit hast, entsprechende Schritte zu erlernen. Zu den Prozeduren gehören:
- Hygienemaßnahmen und Schutzausrüstung
- Blutentnahme: venös/arteriell, Blutkulturen, Blutzuckermessung
- Kreislaufdiagnostik
- Gefäßpunktion: periphere und zentrale Zugänge
- Injektion:
- Chirurgische Händedesinfektion
- Chirurgische Naht
- Wundauflagen
- Verbandwechsel,
- Druckverband und Gips anlegen
- Anlage einer transnasalen Sonde
- Anlage eines transurethralen Katheters
Untersuchungen
Der Untersuchungsteil ist vermutlich der wichtigste Part in Klinische Propädeutik. Wie halte ich ein Stethoskop oder einen Reflexhammer? Was ist bei der Blutdruckmessung zu beachten? Wie unterscheide ich den Klopfschall bei der Perkussion? Du lernst hier das grundsätzliche Schema der Untersuchung: Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation (Ausnahme: Abdomen). Außerdem lernst Du die Grundlagen der speziellen Untersuchungstechniken für die einzelnen Organsystem:
- Haut & Schleimhäute
- Schilddrüse
- Thorax & Lunge
- Herz
- Abdomen
- Digital-rektale Untersuchung
- Lymphknoten
- Pulse
- Nervensystem
- Bewegungsapparat
Klinische Propädeutik – Lernaufwand und Umfang
Wenn man sich die oben beschriebene Übersicht ansieht, wirkt die klinische Propädeutik erstmal sehr überfordernd. Doch eigentlich ist das Fach sehr übersichtlich und macht wegen der hohen praktischen Betätigung in der Regel viel Spaß. Am Ende kann etwa eine praktische (bspw. OSCE) oder mündliche Prüfung stehen. Im zweiten Staatsexamen (M2) stehen die Inhalte nicht sehr im Fokus. Allerdings nehme sie im mündlichen Examen (M3) eine bedeutende Rolle ein und kann – ohne Diagnosen und Medikamente zu kennen – viele Punkte einbringen.
Das sagen unsere Medizinstudierenden
Relevanz des Themengebietes für die ärztliche Tätigkeit
Anamnesen und klinische Untersuchungen sind sehr wichtig für die ärztliche Tätigkeit und mindestens genauso wichtig für Deine Famulaturen und das praktische Jahr (PJ). Spätestens da solltest Du die Grundtechniken beherrschen und sie nach Möglichkeit immer wieder in Famulaturen und Blockpraktika wiederholen. Weitere Tipps für Famulaturen und PJ findest Du u.a. hier:
- Famulatur – Das Praktikum der Medizinstudierenden
- Die Checkliste zur Famulatur – Alle Infos, Antworten und Tipps
- Famulatur Ranking – Die Top 20 Kliniken mit der höchsten Vergütung
- Das PJ – Praktisches Jahr in der Medizin
- PJ-Aufgaben: Alle Infos und Tipps im Überblick
- PJ Ranking Kliniken – Vergütung praktisches Jahr
- PJ als Berufseinstieg
Lerntipps für Anamnese und klinische Untersuchungen
Das Wichtigste, was Du für Anamnesen und klinische Untersuchungen machen kannst, ist das Üben der Techniken. Egal ob mit Freunden, Kommilitonen oder auch Kuscheltieren – die Phrasen, Techniken und Abläufe zu verinnerlichen funktioniert durch Learning by Doing einfach am besten.
Die praktische Prüfung: OSCE
Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, sich zusätzlich zu den Anweisungen der Dozierenden ein Standardwerk für Untersuchungen und Prozeduren in der Medizin anzuschaffen, auf das sich Deine Uni oder das Krankenhaus beziehen. Eine weit verbreitete Variante ist etwa die Reihe „Heidelberger klinische Standards“. So kannst Du vermeiden, dass Du Dir eine Durchführung aneignest, die in der Prüfung negativ auffallen könnte. Außerdem ist es super ein entsprechendes Werk zu haben, um sich seltenere Verfahren später in der Laufbahn noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.




