
Chirurgie – die operative Behandlung von Krankheiten – ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Handwerk. Daran hat auch die moderne Apparate-Medizin nichts geändert. “Klinisch reine” Hände sind absolutes Muss bei Operationen, um das Risiko der Infektion von Patienten zu minimieren. Dazu dient Hände waschen vor einer OP. Es geht nicht nur darum, sich mal richtig die Hände zu waschen, sondern auch um Desinfektion. Was ist chirurgisches Händewaschen und Desinfektion? Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden? Und wie geht man am besten vor?
Inhaltsverzeichnis
Was ist Chirurgisches Händewaschen?
“Chirurgisches Händewaschen” ist eher Umgangssprache. Der Fachbegriff lautet “chirurgische Händedesinfektion”. Vor einer Operation sollen durch gezielte Maßnahmen Keime und Mikroorganismen auf Händen und Unterarmen entfernt werden. Eine Keimflora auf der Haut bis zu 0,3 mm Tiefe ist zwar normal und schadet dem gesunden Menschen nicht. Jedoch stellt die Keimflora bei kranken Patienten und offenen Wunden im Zuge einer OP einen Gefahrenherd dar.
Die chirurgische Händedesinfektion besteht aus zwei Phasen:
- dem klassischen Händewaschen
- der eigentlichen Desinfektion
Die Notwendigkeit, sich jedes Mal vor einer Desinfektion richtig die Hände zu waschen, ist umstritten. Stets empfohlen wird es beim erstmaligen Betreten des OP-Bereichs und nach Toilettengängen. Die Desinfektion ist dagegen immer angezeigt.
Voraussetzungen für erfolgreiches Chirurgisches Händewaschen und Desinfektion
Damit chirurgisches Händewaschen und Desinfektion gelingen, müssen einige Bedingungen erfüllt sein:
- die Fingernägel müssen kurz und rund geschnitten sein, um Verschmutzungen von vornherein entgegenzuwirken;
- kein Nagellack und keine künstlichen Fingernägel;
- es dürfen keine Nagelentzündungen oder -verletzungen vorliegen;
- Ringe, Uhren und Schmuck im Wasch- und Desinfektionsbereich müssen entfernt sein;
- Bürsten ist möglichst zu vermeiden, es kommt allenfalls zur Reinigung von Nägeln in Betracht. Zu diesem Zweck sollte eine weiche, thermisch desinfizierte Kunststoffbürste benutzt werden;
- Armaturen und Spender im Waschraum dürfen nicht mit der Hand bedient werden, sonst wird der Reinigungs- und Desinfektionseffekt konterkariert. Dazu gibt es zum Beispiel Bügel an Spendern, die mit Ellenbogen bedient werden können;
- auch eine gute “Wasch-Infrastruktur” gehört zu den Bedingungen: ein Waschplatz mit einem kontaktlos bedienbaren Wasserhahn, mit Bügeln bedienbare Spender für Waschlotionen und Desinfektionsmittel, ein Handtuchspender.
Vorbereitung und Durchführung
Richtig Hände waschen und chirurgische Händedesinfektion – eine Erklärung, wie es richtig geht.
Chirurgisches Händewaschen
Zumindest vor der ersten Desinfektion sollte man sich einmal richtig die Hände waschen – auch hygienische Desinfektion genannt. Der gesamte Waschvorgang dauert dabei nicht länger als eine halbe bis eine Minute.
1 – Die Hände und die Unterarme bis zum Ellenbogen mit (lauwarmem) Wasser befeuchten;
2 – Danach Hände und Arme mit einer aus dem Spender entnommenen Waschlotion einreiben und anschließend abwaschen. Bei Bedarf Fingernägel und Nagelbereich mit einer weichen Handbürste säubern. Bei entsprechend kurzen und sauberen Nägeln ist das nicht zwingend;
3 – Nach dem Waschen Hände und Arme abtrocknen – am besten mit einem sterilen Tuch oder mit einem keimarmen Handtuch;

Chirurgische Desinfektion
Zwischen Hände waschen und der eigentlichen chirurgischen Händedesinfektion sollte ein Zeitraum von mindestens zehn Minuten liegen. Anders als beim Hände waschen kommt hier kein Wasser zum Einsatz. Das Desinfektionsmittel benötigt im Unterschied zur Waschlotion eine längere Einwirkungszeit. Sie beträgt etwa drei bis fünf Minuten.
Das ist bei dem Desinfektionsvorgang zu beachten:
1. Desinfektionsmittel mittels Ellenbogen dem Spender entnehmen. Für die Aufnahme braucht es eine trockene Hand;
2. Hände und Unterarme bis zu den Ellenbogen mit dem Desinfektionsmittel mindestens eineinhalb Minuten einreiben. Dabei darauf achten, dass Hand- und Unterarmoberflächen zu hundert Prozent abgedeckt sind. Ganz wichtig sind dabei die Fingerkuppen, Fingerzwischenräumen und die Nagelbereiche;
3. Während des Desinfektionsvorgangs unbedingt Kontakt der Desinfektionsflächen mit nicht-desinfizierten Hautbereichen vermeiden.

Für das Einreiben gibt es spezielle Techniken, wie die sog. Dreier-Regel, die wie folgt funktioniert:
1. Desinfektionslösung über gesamten relevanten Hautbereich der Unterarme unterhalb der Ellenbogen einreiben;
2. bis auf Handschuhlänge desinfizieren;
3. die Hände selbst desinfizieren;
4. Hände nach dem Einreiben über Ellenbogenniveau nach oben halten und einwirken lassen;
5. Handschuhe erst anziehen, wenn die Hände lufttrocken sind.
Jeder Schritt dauert dabei eine gute Minute.
Mögliche Komplikationen
Chirurgisches Händewaschen an sich ist weitgehend komplikationslos. In wenigen Fällen kann es zu Hautunverträglichkeiten, insbesondere bei dem eingesetzten Desinfektionsmittel kommen. In der Regel ist nicht das Desinfektionsmittel das Problem, sondern es liegt bereits eine Hautschädigung vor, die zuvor nicht wahrgenommen wurde. Deren Ursachenbekämpfung ist daher die wirksamste Maßnahme gegen Unverträglichkeiten.











