
Nach dem Physikum und somit dem Abschluss des ersten Abschnitts des Medizinstudiums absolvieren Medizinstudenten den zweiten Teil ihrer medizinischen Ausbildung – die sogenannte „Klinik“. Im Verlauf des klinischen Abschnitts wird einerseits theoretisches Wissen aber vielmehr praktische Fähigkeiten in den verschiedenen Fächern vermittelt. Am Ende des klinischen Studienabschnitts findet schließlich das 2. Staatsexamen Medizin, das sogenannte Hammerexamen, statt. Wichtige Informationen zur Zulassung, den allgemeinen Prüfungsregularien, den Inhalten und der Bewertung des Hammerexamens fasst der folgende Artikel zusammen.
Inhaltsverzeichnis
2. Staatsexamen Medizin
Zulassung zum Hammerexamen
Die folgenden Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um zum Hammerexamen zugelassen werden zu können:
- Abschluss des ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung (Physikum)
- Erbringen sämtlicher Leistungsnachweise des klinischen Studienabschnitts gemäß Paragraf 27 der Approbationsordnung
- Teilnahme an den Blockpraktika in den Fächern: Innere Medizin, Chirurgie, Kinderheilkunde, Frauenheilkunde und Allgemeinmedizin
- Schriftlicher Nachweis über die zu absolvierenden Famulaturen von insgesamt vier Monaten (120 Tage). Die Famulaturen müssen nach dem Abschluss des ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung und vor dem Abschluss des zweiten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung ausschließlich in der vorlesungsfreien Zeit absolviert werden.
Prüfung
Die Prüfung findet zweimal im Jahr statt – einmal im Frühjahr und ein weiteres Mal im Herbst. Das Hammerexamen besteht aus einem schriftlichen und mündlich-praktischen Prüfungsabschnitt, wobei seit dem 1. Januar 2014 – basierend auf einem Beschluss des Bundesrats – die beiden Prüfungsabschnitte nicht mehr unmittelbar aufeinander folgen. Stattdessen wird nun die schriftliche Prüfung vor dem Praktischen Jahr (PJ) abgelegt und die mündlich-praktische Prüfung im Anschluss an das PJ. Die mündliche Prüfung wird derweil auch als dritter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bezeichnet. Die aktuellen Prüfungstermine finden sich hier:
Ablauf
Der schriftliche Teil des Hammerexamens ist auf drei Prüfungstage mit je fünf Stunden aufgeteilt und umfasst einen Fragenkatalog von insgesamt 320 Multiple-Choice-Fragen, wobei an jedem Tag etwa 100 bis 110 Fragen beantwortet werden müssen. Der praktisch-mündliche Teil des Hammerexamens findet an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt. Am ersten Tag der praktisch-mündlichen Prüfung wird den Prüflingen ein Patient zugewiesen. Dessen Krankengeschichte muss aufbereitet, in einem Fallbericht zusammengetragen und anschließend vorgestellt werden. Für die Vorbereitung des Patientenfalls haben die Prüflinge etwa 120 Minuten Zeit, die anschließende Prüfungszeit beträgt etwa 60 Minuten. Die folgenden Punkte sollten Bestanteil des Fallberichtes sein:
- Anamnese
- körperliche Untersuchung
- Interpretation der Labordiagnostik
- Diagnosestellung inklusive möglicher Differentialdiagnosen
- Erstellung eines Therapieplans
Am zweiten Tag wird die Prüfung vor einer Prüfungskommission – welche aus einem Vorsitzenden und drei bis vier Beisitzern, die meist Fachärzte auf den jeweiligen Gebieten sind – abgehalten. Die Prüfungszeit beträgt etwa drei Stunden. Üblicherweise werden gleichzeitig drei bis vier Studierende geprüft.
Inhalte
Im Rahmen des Hammerexamens sollen Mediziner nachweisen, dass sie zur „eigenverantwortlichen und selbständigen ärztlichen Berufsausübung“ befähigt sind, wie es in Paragraf 1 der Approbationsordnung für Ärzte heißt. In den beiden Prüfungsabschnitten müssen die Prüflinge in Kenntnis der folgenden Inhalte sein.
Im schriftlichen Abschnitt des Hammerexamens wird das Wissen aus allen 34 klinischen Fächern abgefragt. Für die Erstellung der schriftlichen Prüfungsfragen ist das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen zuständig. Die Inhalte sind unterschiedlich gewichtet, wobei dem Fach Innere Medizin mit 20 Prozent der größte Anteil zugeschrieben wird. Die Fächer Chirurgie, Neurologie und Pharmakologie machen jeweils zehn Prozent des Fragenanteils aus. Alle weiteren Fächer haben einen Anteil von unter fünf Prozent. Die schriftliche Prüfung beinhaltet Einzelfragen – beispielsweise zu bestimmten Krankheitsbildern, Medikamenten oder Untersuchungsmethoden – , die Mehrzahl der Fragen bezieht sich jedoch auf fächerübergreifende Fallstudien. Hierbei wird ein konkreter Patientenfall mit ausführlicher Krankengeschichte und entsprechender Diagnostik (Beispiel: Labor, radiologische Befunde, EKG) dargestellt und im Anschluss werden zehn bis 15 Fragen gestellt, die sich auf diesen Fall beziehen.
Im mündlich-praktischen Teil des Hammerexamens werden die Fächer Innere Medizin, Chirurgie, das vom Studenten ausgesuchte Wahlfach und ein weiteres zufällig zugelostes klinisches Fach geprüft. Es geht in der mündlich-praktischen Prüfung nicht darum, alle medizinischen Fakten aus den Lehrbüchern wiedergeben zu können, sondern die während des Medizinstudiums erworbenen Kenntnisse sinnvoll auf den vorliegenden Patientenfall anzuwenden und zu zeigen, dass man klinische Zusammenhänge erkennen und geeignete diagnostische und therapeutische Maßnahmen einleiten kann.
Bewertung
Der schriftliche Teil des Hammerexamens gilt als bestanden, wenn 60 Prozent aller Fragen richtig beantwortet wurden. Die mündlich-praktische Prüfung ist bestanden, wenn mindestens die Note „ausreichend“ erteilt wurde. Der Durchschnitt der Noten aus dem schriftlichen und praktisch-mündlichen Teil ergibt die Gesamtnote des Hammerexamens. Die Gesamtnote der Ärztlichen Prüfung setzt sich wiederum aus der Note des Physikums und des Hammerexamens zusammen, wobei das Resultat des Physikums zu einem Drittel und das Prüfungsergebnis des Hammerexamens zu zwei Dritteln in die Gesamtnote einfließt. Wer das Hammerexamen nicht besteht, hat die Möglichkeit es ein weiteres Mal zu wiederholen. Wenn nur einzelne Abschnitte nicht bestanden wurden, müssen auch nur die jeweiligen Abschnitte erneut abgelegt werden.
Tipps zur Vorbereitung
Um das 2. Staatsexamen Medizin zu bestehen, sollte man sich eine ausreichend lange Vorbereitungszeit nehmen. In der Regel ist eine Zeitspanne von vier bis fünf Monaten ausreichend und ermöglicht sogar den ein oder anderen Tag Lernpause.
Die folgenden Tipps sind hilfreich, um die lange Zeit der Prüfungsvorbereitung zu überstehen.
- Routinen und Strukturen entwickeln: Es ist wichtig, feste Lernzeiten in den Tagesablauf einzuplanen und an diesen Routinen festzuhalten.
- Geeignetes Lernumfeld finden: Man sollte sich einen geeigneten Ort zum Lernen suchen, an welchem man sich gut konzentrieren kann und nicht abgelenkt wird, daher eignet sich für die meisten der Weg in die Bibliothek.
- Kreuzen lernen: Auch wenn während des Medizinstudiums die meisten Prüfungen bereits im Multiple-Choice-Verfahren zu kreuzen waren gilt: je mehr man in der Prüfungsvorbereitung kreuzt, desto leichter fällt es einem später im Hammerexamen.
- Mut zur Lücke: Es ist wichtig ein breites Basiswissen in den großen Themengebieten zu haben, wenn am Ende der Vorbereitung keine Zeit mehr für das Lernen von weniger gewichteten Themen bleibt, sollte keine Zeit verschwendet werden und eher das Basiswissen ausführlich wiederholt werden.
Ausführliche Informationen und Lerntipps – speziell zur Vorbereitung auf das Hammerexamen finden sich hier:
Umgang mit Stress
Die folgenden Tipps können helfen, um während der Prüfungsvorbereitung besser mit Stress umgehen zu können:
- Vorbereitungsseminare besuchen: Bestimmte Institutionen bieten Vorbereitungsseminare für das Hammerexamen an, wobei nicht nur die Prüfungsinhalte, sondern auch geeignete Lernmethoden und -strategien vermittelt werden.
- Lerngruppen bilden: Gemeinsames Lernen kann motivieren, da man das gleiche Ziel verfolgt.
- Freizeit einplanen: Während der Woche sollte man mindestens einen freien Tag Lernpause einplanen oder regelmäßigen Freizeitaktivitäten nachgehen.
Hammerexamen bestanden: Und jetzt?
Im Anschluss an das Hammerexamen erhalten die Studenten ein Zeugnis über das 2. Staatsexamen Medizin. Danach können sie bei den Approbationsbehörden der Länder (üblicherweise sind hierfür die Landesämter für Soziales und/oder Gesundheit zuständig) die Ärztliche Approbation beantragen. Nach Erhalt der Approbation kann man sich schließlich auf eine Stelle als Assistenzarzt bewerben. Wer noch nicht sicher ist, welche Fachrichtung eine geeignete Wahl darstellt, kann sich einen Überblick über alle Facharztrichtungen und die Arbeitsweise innerhalb einer entsprechenden Fachabteilung im Rahmen einer Hospitation verschaffen.
Fazit
Das Hammerexamen fordert Medizinstudenten jedes Jahr aufs Neue heraus. Mit der richtigen Vorbereitung und einem regelmäßigen Austausch mit den Kommilitonen lassen sich sowohl die Fülle an Lernstoff und der mit der Prüfungszeit verbundene Stress erfolgreich bewältigen.











