
Sie retten Leben, schuften bis an die Belastungsgrenze – und fühlen sich trotzdem oft unterbezahlt. Unsere große Umfrage unter 334 Ärzten legt schonungslos offen: Zwischen Anspruch und Realität klafft im deutschen Gesundheitswesen eine riesige Lücke. Die Mehrheit sehnt sich nach einer Gehaltserhöhung und jeder vierte Arzt erwägt gar einen Jobwechsel, sollte das Wunschgehalt in zu weiter Ferne liegen. Macht Geld allein also doch glücklich?
Inhaltsverzeichnis
Arzt-Einkommen: Einflussfaktoren
Das Gehalt von Ärzten in Deutschland hängt stark von Karrierestufe, Position und Verantwortung ab. Die Spannbreite reicht von vergleichsweise bescheidenen Einstiegsgehältern bis hin zu Spitzenverdiensten in leitenden Funktionen. Ein Blick in die Zahlen verdeutlicht, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind:
- Assistenzärzte liegen am unteren Ende mit durchschnittlich 7.107 Euro brutto im Monat.
- Fachärzte verdienen rund 9.020 Euro, Oberärzte knapp 9.516 Euro.
- Leitende Oberärzte erreichen im Schnitt 13.044 Euro, während Chefärzte mit 19.391 Euro die Spitzenverdiener sind.
Die in der Umfrage angegebenen Gehälter liegen teilweise deutlich über den ermittelten Durchschnittswerten für das Arzt-Gehalt. Hier unsere umfangreichen Übersichten zum Vergleich:
- Arzt Gehalt 2025 – Wie viel verdienen Ärzte?
- Facharzt-Gehalt 2025: Was verdienen angestellte Fachärzte?
- Wie viel verdient ein Arzt mit eigener Praxis?
Daneben hat unsere Umfrage weitere Einflussfaktoren ermittelt, die Auswirkungen auf die Höhe des Gehalts haben. Unter anderem sind dies:
- Geschlecht: Männer erzielen im Schnitt deutlich höhere Gehälter – mit einem Abstand von fast einem Drittel.
- Alter & Erfahrung: Wer seit 15 Jahren im Beruf ist, verdient im Durchschnitt beinahe doppelt so viel wie ein Berufseinsteiger.
- Region: In Hessen werden die höchsten Einkommen gezahlt, während Brandenburg und Schleswig-Holstein klar zurückfallen.
- Fachrichtung: In der Notaufnahme liegen die Einkommen an der Spitze, während Hausärzte am unteren Ende rangieren.
- Beschäftigungsform: Freiberufliche Ärzte mit eigenem Team können ein Vielfaches dessen erreichen, was angestellte Kollegen verdienen.
- Arbeitszeit & Tarifbindung: Überstunden von mehr als 50 Wochenstunden erhöhen zwar das Einkommen deutlich, werden jedoch nicht immer vergütet – und wer an einen Tarifvertrag gebunden ist, verdient oft weniger als vergleichbare Kollegen ohne Tarifbindung.
- Nebenverdienst: Mehr als jeder fünfte Arzt übt neben seiner Haupttätigkeit eine Nebentätigkeit aus.
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Gehaltserhöhung hat Priorität
Für die große Mehrheit der Ärzte spielt der Wunsch nach einer Gehaltserhöhung eine zentrale Rolle: Für 81 Prozent der Teilnehmenden ist eine höhere Vergütung wichtiger als andere Benefits wie flexible Arbeitszeiten oder Fortbildungsangebote.

Gehaltszufriedenheit: Davon hängt sie ab
Die Analyse der Zufriedenheit mit dem Gehalt zeigt allerdings: Ein höheres Einkommen führt tendenziell zu mehr Zufriedenheit, jedoch nicht zwangsläufig. Am unzufriedensten sind Assistenzärzte mit einem durchschnittlichen Monatsbruttogehalt von 5.821,07 Euro, die angaben, gar nicht zufrieden zu sein.
Die Durchschnittsgehälter in den weiteren Gruppen lauten:
- Weniger zufrieden: 8.307,96 Euro
- Eher zufrieden: 8.789,15 Euro
- Sehr zufrieden: 8.556,81 Euro
In offenen Rückmeldungen nannten unzufriedene Teilnehmende häufig die hohe Arbeitsbelastung, unzureichende Vergütung von Bereitschaftsdiensten, fehlende Wertschätzung sowie einen nicht angepassten Inflationsausgleich als Gründe. Die Ergebnisse machen deutlich: Gehalt allein entscheidet nicht über die Zufriedenheit, auch Rahmenbedingungen und Anerkennung sind ausschlaggebend.
Wunschgehälter und mögliche Konsequenzen
Über alle Positionen hinweg wünschen sich Ärzte ein deutlich höheres Monatsbruttogehalt als das tatsächliche Einkommen. Das durchschnittliche Wunschgehalt liegt im Mittel bei 14.701,18 Euro und ist damit fast doppelt so hoch wie der tatsächliche Durchschnittsverdienst.
Die Differenzen im Einzelnen:
| Position | Ist-Gehalt | Wunschgehalt |
|---|---|---|
| Assistenzarzt | 7.107,49 € | 13.530,65 € |
| Facharzt | 9.019,67 € | 11.038,18 € |
| Oberarzt | 9.516,43 € | 13.288,24 € |
| Leitender Oberarzt | 13.044,25 € | 32.821,43 € |
| Chefarzt | 19.391,25 € | 30.285,71 € |
| Nicht ärztlich tätig | 11.500,00 € | 14.000,00 € |
| Andere Position | 10.560,00 € | 14.200,00 € |
Die Ergebnisse machen deutlich: Der Wunsch nach finanzieller Aufwertung ist unabhängig von der Position vorhanden, mit teils sehr deutlichen Abweichungen zwischen tatsächlichem Einkommen und Erwartung.
Auf die Frage, ob das eigene Wunschgehalt in absehbarer Zeit erreichbar ist, zeigt sich ein nahezu ausgeglichenes Meinungsbild: 51 Prozent der teilnehmenden Ärzte gehen davon aus, dass sie ihr angestrebtes Gehaltsniveau künftig realisieren können. 49 Prozent hingegen sehen keine realistische Perspektive, ihr Wunschgehalt zeitnah zu erreichen. Die Ergebnisse spiegeln sowohl Hoffnung als auch Skepsis im ärztlichen Berufsalltag wider, je nach Karriereweg, Position und Rahmenbedingungen.
Jeder vierte unzufriedene Arzt will Job wechseln
Von den Ärzten, die in absehbarer Zeit nicht mit dem Erreichen ihres Wunschgehalts rechnen, wollten wir abschließend wissen, welche Konsequenzen sie daraus ziehen wollen.
Dabei offenbarte sich, dass sich 25 Prozent der Ärzte auf die Suche nach neuem Arbeitgeber begeben wollen, während 23 Prozent eine zusätzliche Nebentätigkeit aufnehmen möchten. 12 Prozent planen, in die Selbstständigkeit zu wechseln und 9 Prozent ziehen alternative Tätigkeitsfelder in Betracht. 4 Prozent denken sogar daran, die eigene Praxis aufzugeben. Als weitere Konsequenzen aus der Unzufriedenheit wurden der Wechsel ins Ausland und die Frührente genannt. Ebenso wurde deutlich, dass die Frustration bei einem Teil der Betroffenen bereits zu Resignation oder sogar Depressionen geführt hat.
Fazit: Ein Beruf im Spannungsfeld
Die Umfrage zeigt: Ärzte arbeiten viel, verdienen im internationalen Vergleich solide – empfinden ihr Einkommen aber oft nicht als gerecht. Die Diskrepanz zwischen Realität und Erwartung ist groß, besonders in leitenden Positionen.
Neben einer besseren Bezahlung fordern viele weniger Bürokratie, mehr Flexibilität und spürbare Entlastung im Alltag. Dies hatte auch bereits unsere Studie aus dem Vorjahr zum Thema Arbeitsbedingungen ergeben. Hier sind nun die Arbeitgeber gefordert, besser auf die Bedürfnisse ihrer Ärzte einzugehen, ob nun finanzieller Natur oder anderer. Sonst droht, dass der Arztberuf für den Nachwuchs an Attraktivität verliert – mit gravierenden Folgen für die Gesundheitsversorgung in Deutschland.













