
Fliegen stellt besondere Anforderungen an den menschlichen Körper. Höhe, Beschleunigung, Druckveränderungen oder Ermüdung können für die sichere Ausübung einer Tätigkeit in der Luftfahrt relevant sein. Ärzte in der Flugmedizin beurteilen solche Risiken und beschäftigen sich mit den medizinischen Besonderheiten der Luft- und Raumfahrt. Welche Qualifikation dafür notwendig ist, hängt allerdings von der konkreten Tätigkeit ab.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste zur Arbeit als Fliegerarzt in Kürze
- „Fliegerarzt“ ist eine gebräuchliche Bezeichnung für Ärzte, die in der Flugmedizin tätig sind, unter anderem als flugmedizinische Sachverständige, sogenannte Aero-Medical Examiner (AME).
- Die Zusatzbezeichnung Flugmedizin und die behördliche Anerkennung als AME sind zwei unterschiedliche Qualifikationen.
- Für die Zusatzbezeichnung Flugmedizin sieht die Bundesärztekammer eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung sowie 180 Stunden Kurs-Weiterbildung vor.
- AMEs beurteilen vor allem die medizinische Tauglichkeit von Piloten und Kabinenpersonal. Welche Tauglichkeitszeugnisse sie ausstellen dürfen, hängt von ihrer jeweiligen Berechtigung ab.
Wie wird man Fliegerarzt?
Der Begriff „Fliegerarzt“ ist keine einheitliche Berufsbezeichnung. Zu unterscheiden sind insbesondere die ärztliche Zusatzbezeichnung „Flugmedizin“ und die behördliche Anerkennung als flugmedizinischer Sachverständiger beziehungsweise Aero-Medical Examiner (AME).
Für die Zusatzbezeichnung Flugmedizin nennt die aktuelle Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung und 180 Stunden Kurs-Weiterbildung. Das Muster-Kursbuch gliedert diese in drei Module zu jeweils 60 Stunden: Grundkurs, Aufbaukurs und Abschlusskurs. Nach erfolgreicher Prüfung vor der zuständigen Ärztekammer kann die Zusatzbezeichnung geführt werden. Maßgeblich ist allerdings die Weiterbildungsordnung der jeweiligen Landesärztekammer.
Wer als ziviler AME tätig werden und flugmedizinische Tauglichkeitszeugnisse ausstellen möchte, benötigt zusätzlich eine behördliche Anerkennung. Voraussetzungen dafür sind unter anderem eine ärztliche Berufszulassung, eine abgeschlossene fachärztliche Weiterbildung, ein anerkannter flugmedizinischer Grundkurs sowie geeignete Räume, Ausstattung und Verfahren für die Untersuchungen. In Deutschland stellt das Luftfahrt-Bundesamt die entsprechenden Antragsverfahren für AMEs bereit.
Ein AME darf grundsätzlich Medicals der Klasse 2 und für die Light Aircraft Pilot Licence (LAPL) ausstellen sowie medizinische Berichte für Kabinenpersonal erstellen. Für die Verlängerung und Erneuerung von Medicals der Klasse 1 sind erweiterte AME-Rechte notwendig. Dafür müssen unter anderem mindestens 30 Untersuchungen für Klasse-2-Medicals innerhalb von höchstens drei Jahren, ein Aufbaukurs sowie mindestens zwei Tage praktische Ausbildung nachgewiesen werden. Eine Erstuntersuchung für ein Klasse-1-Medical erfolgt dagegen ausschließlich in einem flugmedizinischen Zentrum (AeMC).
Aufgabengebiet als Fliegerarzt
Im zivilen Bereich besteht eine zentrale Aufgabe von AMEs darin, zu beurteilen, ob Bewerber oder Lizenzinhaber die medizinischen Voraussetzungen für ihre fliegerische Tätigkeit erfüllen. Dazu gehören Anamnese und körperliche Untersuchung sowie abhängig vom jeweiligen Medical weitere Untersuchungen und die Bewertung von Vorerkrankungen, Medikamenten oder anderen gesundheitlichen Risiken.
Die Tätigkeit ist dabei nicht mit der eines Betriebsarztes gleichzusetzen. Flugmedizinische Sachverständige beurteilen insbesondere, ob gesundheitliche Einschränkungen die sichere Ausübung einer luftfahrtbezogenen Tätigkeit beeinträchtigen können. Daneben spielen Beratung und Prävention eine Rolle, beispielsweise bei Fragen zu Ermüdung, Höhenphysiologie oder Medikamenteneinnahme.
Auch Flugunfallmedizin, Forschung, Patientenlufttransport und Flugreisemedizin können zum Fachgebiet gehören. Bei zivilen Flugunfällen liegt die formelle Untersuchung in Deutschland jedoch bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Flugmedizinische Experten können dabei für medizinische Fragestellungen relevant sein.
Wo kann man als Fliegerarzt arbeiten?
Je nach Qualifikation und fachlichem Schwerpunkt kommen unterschiedliche Arbeitgeber und Tätigkeitsmodelle infrage.
Flugmedizinische Untersuchungsstellen und Fluglinien
Viele AMEs führen Untersuchungen in einer eigenen oder angeschlossenen Praxis durch. Weitere Einsatzorte sind flugmedizinische Zentren und medizinische Dienste von Luftfahrtunternehmen. Im Mittelpunkt stehen hier insbesondere Tauglichkeitsuntersuchungen und die flugmedizinische Beratung von Piloten und Kabinenpersonal. Das Luftfahrt-Bundesamt führt sowohl Listen der anerkannten AMEs als auch der flugmedizinischen Zentren in Deutschland.
Bundeswehr
Auch bei der Bundeswehr können Ärzte im Bereich Flugmedizin tätig sein. Das Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe übernimmt unter anderem Auswahl und Eignungsfeststellung, flugmedizinische Untersuchungen, fachübergreifende Begutachtungen und die langfristige Betreuung des militärischen Luftfahrtpersonals.
Forschung und Raumfahrtmedizin
Weitere Tätigkeitsfelder bestehen in Forschung und Raumfahrtmedizin. Hier geht es beispielsweise um die Auswirkungen von Beschleunigung, Hypoxie, Strahlung, Schwerelosigkeit oder anderen besonderen Umweltbedingungen auf den menschlichen Organismus.
Was verdient ein Fliegerarzt?
Ein allgemeingültiges Durchschnittsgehalt für Fliegerärzte lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Beschäftigungsmodelle kaum seriös angeben. Das Einkommen hängt unter anderem davon ab, ob ein Arzt angestellt, bei der Bundeswehr beschäftigt oder als AME selbstständig tätig ist.
Bei Angestellten spielen Facharztqualifikation, Berufserfahrung, Arbeitgeber und gegebenenfalls Tarif- oder Besoldungsregelungen eine Rolle. Bei selbstständigen AMEs hängt der Verdienst zusätzlich vom Umfang der flugmedizinischen Tätigkeit und der Zahl der durchgeführten Untersuchungen ab. Eine einzelne Durchschnittszahl würde diese sehr unterschiedlichen Tätigkeitsmodelle nur unzureichend abbilden.
Passende Stellen als Fliegerarzt finden
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Häufige Fragen zum Fliegerarzt
- Was ist der Unterschied zwischen einem Fliegerarzt und einem Aero-Medical Examiner?
- Welche Ausbildung braucht man als Fliegerarzt?
- Wo kann man als Fliegerarzt arbeiten?
Ein Fliegerarzt ist allgemein ein Arzt, der im Bereich Flugmedizin tätig ist. Ein Aero-Medical Examiner (AME) ist dagegen ein behördlich anerkannter flugmedizinischer Sachverständiger, der unter anderem medizinische Tauglichkeitsuntersuchungen für Piloten durchführen darf.
Für die Zusatzbezeichnung Flugmedizin ist nach der Muster-Weiterbildungsordnung eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung sowie eine 180-stündige Kurs-Weiterbildung vorgesehen. Wer zusätzlich als AME tätig werden möchte, benötigt die entsprechende behördliche Anerkennung und muss dafür weitere Voraussetzungen erfüllen.
Ein Fliegerarzt kann beispielsweise in einer eigenen flugmedizinischen Praxis, einem Aero-Medical Centre, bei einem Luftfahrtunternehmen, der Bundeswehr oder in Forschung und Raumfahrtmedizin arbeiten. Das konkrete Tätigkeitsfeld hängt von der fachlichen Qualifikation und den vorhandenen AME-Berechtigungen ab.














