
Erythromycin hat sich seit vielen Jahren als wirksames Antibiotikum bewährt und kann bei einer Vielzahl von Infektionen, einschließlich Atemwegsinfektionen und Hauterkrankungen, eingesetzt werden. Dieser Arzneistoff bietet zudem eine Alternative für Patienten/-innen mit einer Penicillinallergie und ermöglicht eine sichere und wirksame Behandlung.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Erythromycin?
Erythromycin ist ein natürlich vorkommendes Produkt, das von dem Bakterium Saccharopolyspora erythraea produziert wird und der Gruppe der Makrolid-Antibiotika angehört. Die Zulassung des Antibiotikums erfolgte erstmals in den 1950er-Jahren und ist heutzutage in Form von Suspensionen, Tabletten, Granulaten und Infusionslösungen erhältlich.
Wirkung
Makrolide wie Erythromycin unterbrechen die Proteinsynthese der Erreger durch die Bindung an die 50S-Untereinheit der Ribosomen. Somit hemmen sie das Wachstum von Bakterien. In einigen Fällen und bei höheren Dosierungen können sie sogar bestimmte Bakterien abtöten (bakterizid). Ihr Wirkungsspektrum ähnelt dem von Penicillin, jedoch besteht ein wesentlicher Unterschied darin, dass sie sowohl außerhalb als auch innerhalb von Zellen wirken und sich in Geweben ansammeln.
Anwendung von Erythromycin
Erythromycin wird zur Behandlung von Atemwegsinfektionen, darunter Bronchitis und Pneumonie, eingesetzt. Es findet auch Anwendung bei Ohr-, Nase- und Halsinfektionen sowie Hauterkrankungen wie Erysipel und schwerer Akne. In einigen Fällen wird es als Alternative zu Penicillin bei Allergien verwendet, ebenso wie bei Scharlach, rheumatischem Fieber und bestimmten Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Gonorrhoe. Zusätzlich wird es bei Augeninfektionen und zur Behandlung von Diphtherie und Enteritis eingesetzt, wenn andere Antibiotika nicht geeignet sind. Erythromycin ist besonders nützlich, wenn hohe Antibiotikakonzentrationen im Blut benötigt werden oder die orale Einnahme nicht möglich ist.
Dosierung
In Form von Tabletten mit jeweils 500 mg Erythromycin erfolgt die übliche Dosierung wie folgt:
Kinder (8–14 Jahre): Tagesdosis: 1,5 g, aufgeteilt in drei Einzelgaben
Jugendliche (ab 14 Jahre) und Erwachsene (über 50 kg Körpergewicht): Die Tagesdosis liegt zwischen 1,5 g und 2 g, aufgeteilt in drei bis vier Einzelgaben.
Akute Gonokokken-Infektion: Die Tagesdosis beträgt 3 g, aufgeteilt in drei Einzelgaben über sieben Tage.
Syphilis im frühen Stadium: Die Tagesdosis beträgt 3 g, aufgeteilt in drei Einzelgaben über 15 Tage, wobei die Gesamtdosis nicht weniger als 45 g betragen sollte und auf ärztliche Anweisung hin bis zu 60 g erhöht werden kann.
Urethritis (Harnröhrenentzündung) durch Chlamydia trachomatis oder Ureaplasma urealyticum: Die Tagesdosis variiert zwischen 2,5 g und 3 g, aufgeteilt in drei Einzelgaben über sieben Tage
Erythromycin – Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen):
- Erbrechen
- Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit
- Durchfall
Gelegentliche Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen):
- Infektion der Schleimhäute mit Pilzen oder unempfindlichen Bakterien
- allergische Hautreaktionen wie Hautrötung und Nesselausschlag (urtikarielles Exanthem)
- Anstieg bestimmter Leberwerte (Eiweißstoffe, die Stoffwechselvorgänge beschleunigen)
Seltene Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen):
- Schwellungen
- Arzneimittelfieber
- Gallenstau in der Leber oder Gelbsucht
Sehr seltene Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 10.000 betreffen)
- Anaphylaktischer Schock
- schwere Hauterscheinungen (Erythema exsudativum multiforme)
- Einengung des Magenausgangs (spastisch-hypertrophische Pylorusstenose) bei Kindern
- Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
- Leberentzündung, Lebervergrößerung, Leberversagen
- Tinnitus
- Herzrhythmusstörungen
- Nierenentzündung
- Verschlimmerung des Krankheitsgeschehens bei krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis)
- schwere Schleimhautentzündung des Darmes (pseudomembranöse Enterokolitis)
Erythromycin – Wechselwirkungen
Die Einnahme von Erythromycin mit anderen Arzneimitteln kann deren Wirkung und/oder die Wirkung von Erythromycin beeinflussen. Folgende Medikamente sind betroffen:
- Antibiotika (Chloramphenicol, Clindamycin, Lincomycin, Colistin, Streptomycin, Tetracycline)
- Arzneimittel zur Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen, Epilepsie, Ereketionsstörungen
- blutgerinnungshemmende Arzneimittel
- Ciclosporin, Tacrolimus, Sirolimus
- Protease-Inhibitoren
- Omeprazol, Cimetidin
- Theophyllin
- Clozapin
- Alfentanil
- Bromocriptin
- Midazolam, Triazolam, Zopiclon
- Methylprednisolon
- Lovastatin
- Pentamidin i.v.
Erythromycin – Kontraindikationen
Erythromycin sollte in folgenden Fällen nicht eingenommen werden:
- Allergie gegen Makrolid-Antibiotika
- schwere Lebererkrankungen
- angeborene oder erworbene QT-Intervallverlängerung
- Elektrolytstörungen
- Herzrhythmusstörungen
- schwere, dekompensierte Herzinsuffizienz (NYHA IV)
- Einnahme von: Antihistaminika, Antiarrhythmika der Klassen IA und III, Neuroleptika, trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva, Arsentrioxid, Methadon und Budipin, bestimmte Fluorchinolon, Imidazol-Antimykotika und Antimalariamittel sowie Pentamidin i.v.
- Stillzeit
Häufige Fragen zu Erythromycin
- Was ist Erythromycin?
- Wie wirkt Erythromycin?
- Darf man Erythromycin in der Schwangerschaft einnehmen?
Erythromycin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Makrolide.
Der Wirkstoff hemmt das Wachstum von Bakterien. Bei hohen Dosierungen werden die Erreger abgetötet.
Während der Schwangerschaft darf man Erythromycin nach Absprache mit einem/-r Arzt/Ärztin einnehmen.




