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praktischArzt Medikamente Novaminsulfon – Wirkung und Anwendung

Novaminsulfon – Wirkung und Anwendung

Dr. Susann Stollberg
von Susann Stollberg (Ärztin) Zuletzt aktualisiert: 04.02.2026
Novaminsulfon

Novaminsulfon ist das stärkste in Deutschland zugelassene Nicht-Opioid-Analgetikum. Es wird gegen starke Schmerzen eingesetzt. Der enthaltene Wirkstoff Metamizol ist unter anderem auch unter den Handelsnahmen Novalgin oder Berlosin verfügbar.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wirkungsweise
  2. Anwendungsgebiete
  3. Dosierung und Einnahme
  4. Nebenwirkungen
  5. Wechselwirkungen
  6. Kontraindikationen
  7. Einnahme während Schwangerschaft und Stillzeit

Novaminsulfon ist verschreibungspflichtig und wird in den letzten Jahren mit weiterhin zunehmender Häufigkeit verordnet. Da in diesem Rahmen allerdings auch die Meldungen über unerwünschte Wirkungen gestiegen sind, werden Patienten in vielen Einrichtungen gesondert über die Risiken der Verwendung aufgeklärt.

Novaminsulfon – Wirkungsweise

Novaminsulfon gehört zu den sogenannten Pyrazolonen und wirkt sowohl schmerzlindernd (analgetisch) als auch fiebersenkend (antipyretisch).

Die genaue Mechanik ist nicht vollständig geklärt, doch wird angenommen, dass es ähnlich wie Ibuprofen die Cyclooxygenase-3 (COX-3) hemmt, wodurch die Prostaglandinsynthese reduziert wird – Prostaglandine fördern Schmerzen, Fieber und Entzündungen. Diese Wirkung ist beispielhaft an der folgenden Grafik zu sehen:

Ibuprofen Wirkung

Bei den Cyclooxygenasen handelt es sich um Enzyme, die die Synthese von Prostaglandinen katalysieren. Diese wiederrum sind an der Schmerzentstehung, der Regulation der Körpertemperatur und an Entzündungsprozessen beteiligt. Über eine Hemmung der Prostaglandinentstehung, werden demzufolge Schmerzen, Fieber und Entzündungsreaktion abgemildert.

Neben ihrer wahrscheinlichen Wirkung an COX3 kann Novaminsulfon vermutlich auch an bestimmten Cannabinoid-Rezeptoren binden, welche ebenfalls an der Schmerzweiterleitung beteiligt sind.

Verstärkungswirkung

Novaminsulfon dient ebenfalls als Adjuvans. Das bedeutet, dass es bei gleichzeitiger Gabe anderer Schmerzmittel deren Wirkung verstärkt.

Es bindet wahrscheinlich an Cannabinoid-Rezeptoren, die die Schmerzweiterleitung beeinflussen, und verstärkt als Adjuvans die Wirkung anderer Analgetika wie Morphin, was eine Dosisreduktion ermöglicht. Die fiebersenkende Effektivität geht teilweise unabhängig von Prostaglandinen ab, und als Pro-Drug wird Novaminsulfon im Körper zu aktiven Metaboliten umgewandelt

Diese multifaktorielle Wirkung macht es besonders geeignet für schwere Fälle, wo andere Mittel versagen.

Novaminsulfon – Anwendungsgebiete

Novaminsulfon wird bei starken Schmerzen angewendet. Darunter werden beispielsweise akute Schmerzen nach Verletzungen, Operationen, bei Koliken oder Tumorerkrankungen verstanden. Bei leichten oder mittelstarken Schmerzen ist primär auf andere Medikamente (z.B. Ibuprofen) zurückzugreifen.

Ebenso ist Novaminsulfon nur zur Behandlung von hohem Fieber zugelassen, das sich mit Hilfe anderer Antipyretika nicht senken lässt.

Typische Einsatzbereiche

  • Akute Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen
  • Koliken (Nieren-, Gallen-, Darmkoliken)
  • Tumorschmerzen
  • Hohes Fieber, das auf andere Mittel nicht reagiert

Durch seine hohe Potenz eignet es sich für Situationen, in denen eine rasche und starke Linderung erforderlich ist, – aufgrund der Risiken immer unter ärztlicher Überwachung!

Novaminsulfon – Dosierung und Einnahme

Novaminsulfon steht in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung.

Das Medikament ist in oralen, rektalen und parenteralen Formen (intravenös oder intramuskulär) verfügbar, wobei die Dosis alters- und indikationsabhängig ist.

Patientengruppe Maximale Tagesdosis Einzeldosis Darreichungsform
Erwachsene 5.000 mg bis 1.000 mg oral, rektal, i.v., i.m.
Kinder 10–14 Jahre 2.000 mg bis 500 mg oral, rektal, i.v., i.m.
Kinder unter 10 Jahren nicht zugelassen – nicht geeignet

Eine schrittweise Titration und Beachtung der Tagesobergrenze minimieren Risiken, insbesondere bei längerer Therapie.

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Novaminsulfon – Nebenwirkungen

Die zwar seltene, aber gefürchtetste Nebenwirkung von Novaminsulfon ist eine sogenannte Agranulozytose. Dies ist eine potenziell tödliche Blutbildstörung mit einer Häufigkeit von etwa 1 pro 1 Million bei einwöchiger Einnahme. Diese Reaktion ist nicht dosisabhängig und kann zu jedem Zeitpunkt der Behandlung auftreten, auch wenn das Medikament zuvor ohne Probleme angewendet wurde.

Warnsymptome einer Agranulozytose

Warnzeichen einer Agranulozytose sind:

  • Schmerzhafte Entzündungen im Mund-, Nasen-, Rachen- oder Genitalbereich
  • Angina tonsillaris, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
  • Schüttelfrost und hohes Fieber
  • Leistungsminderung, Schwäche

Das Risiko scheint mit der Länge der Anwendungsdauer zu steigen, weswegen in diesen Fällen regelmäßige Blutbildkontrollen empfohlen sind. Bei kleinsten Anzeichen sollte dringend ärztlicher Rat eingeholt werden.

Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen (anaphylaktisch/anaphylaktoid)

Diese treten überwiegend während der ersten Stunde nach Gabe auf und können folgende Erscheinungsformen annehmen:

Leichtere Varianten

  • Juckreiz, Brennen und Hitzegefühl auf Zunge, Handflächen und Fußsohlen
  • Haut- und Schleimhautrötung
  • Urtikaria (Nesselsucht)
  • Schwellungen im Gesichtsbereich
  • Gelegentlich Übelkeit und Bauchkrämpfe

Schwerwiegende Übergänge

  • Generalisierte Urtikaria
  • Schweres Angioödem (auch Larynx)
  • Schwerer Bronchospasmus
  • Herzrhythmusstörungen
  • Blutdruckabfall bis Schock
  • Bewusstlosigkeit
  • Anaphylaktischer Schock

Diese Reaktionen können lebensbedrohlich bis tödlich sein, auch nach mehrfacher komplikationsloser Anwendung.

Schwere Hautreaktionen

Reaktionstyp Symptome Häufigkeit
Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) Zielscheibenartige Flecken, Blasenbildung, Schleimhautgeschwüre sehr selten
Toxische epidermale Nekrolyse (TEN) Großflächige Hautablösung, Fieber, grippeähnliche Symptome sehr selten
DRESS-Syndrom Großflächiger Ausschlag, hohe Körpertemperatur, vergrößerte Lymphknoten sehr selten

Blutbildveränderungen

  • Neutropenie (< 1.500 Neutrophile/mm³) – sofortiges Absetzen erforderlich
  • Thrombozytopenie (verminderte Blutplättchen) – verstärkte Blutungsneigung, Petechien auf Haut und Schleimhäuten
  • Aplastische Anämie und Panzytopenie – starke Verminderung verschiedener Blutzellen, Infektionsrisiko

Sofortiges Blutbild erforderlich, wenn Blutungszeichen auftreten.

Weitere Nebenwirkungen

Nebenwirkung Häufigkeit Besonderheiten
Blutdruckabfall gelegentlich pharmakologisch bedingt, bis zu schweren Fällen
Hautausschlag selten bis häufig verschiedene Formen (makulopapulös, fixes Exanthem)
Anaphylaktischer Schock selten kann bis 1 von 1.000 Behandelten betreffen
Leberschaden selten bis nicht bekannt von Leberentzündung bis akutes Leberversagen
Magen-Darm-Blutungen nicht bekannt vereinzelt berichtet
Kounis-Syndrom (Herzinfarkt bei allergischer Reaktion) nicht bekannt in Zusammenhang mit anaphylaktischen Reaktionen
Rotfärbung des Urins – harmloses Abbauprodukt (Rubazonsäure), keine Gefahr

Bei Leberschäden zeigen sich: Gelbfärbung der Haut/Augen, dunkler Stuhl, Juckreiz, Schmerzen im Oberbauch.

Novaminsulfon – Wechselwirkungen

Unter der gemeinsamen Therapie von Novaminsulfon mit bestimmten anderen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen:

Medikament Wechselwirkung Empfehlung
Methotrexat Verstärkte Hämatotoxizität, besonders bei älteren Patienten Kombination vermeiden
Chlorpromazin Schwere Hypothermie möglich Engmaschige Überwachung
Acetylsalicylsäure Verstärkte Blutungsneigung Alternative wählen
Orale Antikoagulanzien Verstärkte Blutungsneigung Enge Kontrolle erforderlich
Bupropion Reduzierte Wirkspiegel von Novaminsulfon Dosisanpassung möglich

Novaminsulfon – Kontraindikationen

In bestimmten Fällen darf Novaminsulfon überhaupt nicht angewendet werden.

Patienten, die auf die Gabe von Novaminsulfon Überempfindlichkeitsreaktionen gezeigt haben, dürfen das Medikament nicht einnehmen.

Ebenfalls ist der Wirkstoff kontraindiziert bei Personen, die unter der Therapie mit Salicylaten oder NSAR anaphylaktoid reagiert haben (z.B. mit Bronchospasmus, Angioödem, Analgetika-Asthma-Syndrom).

Weiterhin ist Novaminsulfon bei Störungen der Knochemarksfunktion, Erkrankungen des hämatopoetischen Systems, genetisch bedingtem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel und akuter hepatischer Porphyrie kontraindiziert.

Außerdem dürfen Kinder unter 10 Jahren das Schmerzmittel nicht anwenden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Grundsätzlich gilt, dass bei der Verwendung von Novaminsulfon während der Schwangerschaft eine strenge Indikationsstellung erfolgen muss.

Schwangerschaftstrimester Empfehlung Begründung
1. Trimester (Woche 1–12) Vollständige Vermeidung Unzureichende Teratogenitätsdaten
2. Trimester (Woche 13–24) Nur bei strenger Nutzen-Risiko-Abwägung Begrenzte Sicherheitsdaten
3. Trimester (ab Woche 25) Kontraindiziert Risiko vorzeitiger Ductus-arteriosus-Verschluss

Ein vorzeitiger Verschluss des Ductus arteriosus kann zu Komplikationen bei Neugeborenen führen.

Stillzeit: Metamizol geht in geringen Mengen in die Muttermilch über; kleine Metaboliten sind im Allgemeinen verträglich, allerdings sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Häufige Fragen zu Novaminsulfon

  1. Wofür wird Novaminsulfon eigentlich eingesetzt?
  2. Novaminsulfon wird ärztlich bei starken Schmerzen und bei hohem Fieber eingesetzt, wenn andere Mittel nicht ausreichen. Es ist ein nicht opioides Schmerz- und Fiebermittel. Ärzte nutzen es zum Beispiel nach Operationen, bei kolikartigen Beschwerden oder auch bei Tumorschmerzen. Es gibt Tabletten, Tropfen und Formen für Spritze oder Infusion. Welche Anwendung richtig ist, klärt man am besten mit der behandelnden Praxis.

  3. Wie schnell merke ich mit Novaminsulfon eine Wirkung?
  4. Viele merken die Wirkung von Novaminsulfon recht zügig. Wie schnell das geht, hängt von der Form und der individuellen Situation ab. Nach Tabletten oder Tropfen spüren viele innerhalb von 30 bis 60 Minuten eine Besserung, bei einer Infusion oft früher. Wer unsicher ist, sollte sich an den behandelnden Arzt wenden.

  5. Welche Nebenwirkungen sollte ich kennen und ab wann sollte ich ärztlichen Rat holen?
  6. Häufige Nebenwirkungen von Novaminsulfon sind leichte Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel oder Hautreaktionen. Selten treten ernstere Reaktionen auf. Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe, wenn plötzlich Fieber, starke Halsschmerzen, wunde Stellen im Mund, Atemprobleme, starker Ausschlag oder Gelbfärbung der Haut auftreten. Dahinter kann in seltenen Fällen eine starke Blutbildveränderung oder eine Leberreaktion stecken. Diese Risiken werden in Europa regelmäßig bewertet und es gibt klare Hinweise zur Risikominimierung. Bei neuen oder heftigen Beschwerden immer die Einnahme stoppen und ärztlich abklären lassen.

  7. Wie wird Novaminsulfon grundsätzlich dosiert?
  8. Die genaue Dosis der Einnahme von Novaminsulfon legt der Arzt fest. Als grobe Orientierung gilt bei Erwachsenen eine Tageshöchstmenge von bis zu 4000 mg, in besonderen Fällen bis 5000 mg, verteilt auf mehrere Einzelgaben. Bei Kindern richtet sich die Dosis nach dem Körpergewicht und es gibt altersabhängige Obergrenzen, zum Beispiel für 10 bis 14 Jahre insgesamt bis 2000 mg am Tag. Ohne ärztliche Kontrolle sollte der Einsatz nur kurzzeitig erfolgen. Halten Sie sich immer an Beipackzettel und ärztliche Vorgabe. DGAI Leitlinie Akutschmerzbehandlung 2021

Autor
Dr. Susann Stollberg

Susann Stollberg

Ärztin

Dr. med. Susann Stolberg ist Ärztin in Weiterbildung und unterstützt die Redaktion von praktischArzt mit verschiedenen Texten zu medizinischen Themen. Ihr Fachwissen nutzt sie dazu, die unterschiedlichen Facetten des Arzt-Berufes zu veranschaulichen sowie Krankheitsbilder und Behandlungsmethoden auch für medizinische Laien verständlich darzustellen. Auch die Zusammensetzung und Wirkweise von Medikamenten stellt sie in ihren Artikeln dar. Daneben arbeitet sie in ihren Beiträgen gerne die verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärztinnen und Ärzte auf. Auch Ratgeber für den ärztlichen Arbeitsalltag sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben liegen ihr am Herzen.

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