Bei der Behandlung des Bluthochdrucks werden häufig Betarezeptorenblocker, kurz Betablocker, als Mittel der Wahl eingesetzt. In diesem Zusammenhang spielt beispielsweise Nebivolol – ein Medikament aus der Gruppe der beta-1-selektiven Betablocker, die nur an der Herzmuskelzelle wirken – eine wichtige Rolle. Neben der Behandlung der arteriellen Hypertonie kommt das Arzneimittel auch im Zusammenhang mit der Therapie der leichten bis mittelschweren Herzinsuffizienz zum Einsatz. In Deutschland wurde Nebivolol im Jahr 1996 erstmalig zugelassen. Aufgrund seines günstigen Nebenwirkungsprofils und seiner guten Verträglichkeit ist Nebivolol unter Hypertonikern/-innen ein beliebtes Medikament.
Inhaltsverzeichnis
Nebivolol – Wirkung
Eine Besonderheit von Nebivolol ist, dass es über zwei unterschiedliche Wirkmechanismen verfügt. Es senkt den Blutdruck und den Puls und sorgt gleichzeitig für eine Erweiterung der Gefäße. Doch wie funktioniert dies genau?
Senkung von Blutdruck und Herzfrequenz
Nebivolol bewirkt einerseits eine Senkung des Blutdrucks sowie der Herzfrequenz. Der selektive Betablocker dockt hierbei an den Beta-1-Rezeptoren im Herzen an und blockiert diese, sodass die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin an den besetzten Rezeptoren nicht wie üblich ansetzen und ihre Wirkung am Herzen ausüben können. In der Folge kommt es zu einem Abfall des Blutdrucks sowie des Pulses. Die Reduzierung der Herzfrequenz führt dazu, dass der Herzmuskel weniger arbeiten muss und daher auch weniger Sauerstoff benötigt. Hiervon profitieren insbesondere Patienten/-innen mit chronischer Herzinsuffizienz oder koronarer Herzkrankheit.
Vasodilatation
Darüber hinaus entfaltet Nebivolol seine Wirkung an der innersten Schicht der Gefäße, dem sogenannten Endothel. Unter dem Einfluss von Nebivolol setzen die Endothelzellen Stickstoffmonoxid (NO) frei, was in der Folge zu einer Erweiterung der zentralen und peripheren, kleinen und großen Gefäße führt. Hierdurch verbessert sich die Durchblutungssituation, sodass eine Therapie mit diesem Medikament auch insbesondere für Personen geeignet ist, deren Erkrankung mit einer zunehmenden Verengung der Gefäße einhergeht, wie beispielsweise die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), die koronare Herzkrankheit (KHK) oder Diabetes mellitus.
Die Wirkung von Nebivolol tritt im Schnitt etwa ein bis zwei Wochen nach Behandlungsbeginn ein. In einigen Fällen kann es bis zu einem Monat dauern bis sich die hypertensiven Beschwerden oder die Beschwerden einer Herzinsuffizienz bessern.
Nebivolol – Anwendung und Dosierung
In Deutschland ist Nebivolol ausschließlich in Tablettenform zur oralen Anwendung erhältlich. In der üblichen Dosierung von 5 mg ist Nebivolol verschreibungspflichtig. Die Tabletten verfügen über Perforationsstellen und können daher in vier dosisgleiche Teile geteilt werden.
Wann wird das Blutdruckmedikament eingesetzt?
Der selektive Betablocker Nebivolol wird hauptsächlich zur Therapie der arteriellen Hypertonie sowie als Zusatz zur Standardtherapie der leichten bis mittelschweren, chronischen Herzinsuffizienz bei Patienten/-innen über dem 70 Lebensjahr eingesetzt.
Die SENIORS Studie (Study of Effects of Nebivolol Intervention on Outcomes and Rehospitalisation in Seniors with Heart Failure) konnte in diesem Zusammenhang zeigen, dass sich die Zahl der Todesfälle sowie Krankenhauseinweisungen bei über 70-jährigen Herzinsuffizienzpatienten/-innen durch eine Behandlung mit Nebivolol deutlich reduzieren lässt.
Wie wird der Betablocker richtig eingenommen?
Die Dosierung von Nebivolol ist abhängig von der vorliegenden Grunderkrankung sowie möglichen Begleiterkrankungen. Üblicherweise beträgt die tägliche Dosis von Nebivolol eine Tablette, was 5 mg des Wirkstoffs entspricht. Patienten/-innen über 65 Jahren und solche mit eingeschränkter Nierenfunktion beginnen die Therapie in der Regel mit einer Dosis von 2,5 mg täglich. Bei Patienten/-innen mit Herzmuskelschwäche beträgt die Anfangsdosis hingegen nur 1,25 mg täglich.
Die Tablette sollte immer zur gleichen Tageszeit mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
Was gibt es bei der Einnahme zu beachten?
Alkohol kann die Wirkung von Betablockern verstärken. Daher sollte im Zusammenhang mit einer Einnahme von Nebivolol auf den Konsum von Alkohol verzichtet werden.
Die Teilnahme am Straßenverkehr ist bei bestehender Therapie mit Nebivolol grundsätzlich nicht verboten. Im Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme können jedoch Beschwerden wie Müdigkeit und Schwindel auftreten, was eine verminderte Reaktionsfähigkeit zur Folge haben kann. Wer die entsprechenden Nebenwirkungen bei sich feststellt, sollte sich daher nur mit äußerster Vorsicht hinters Steuer setzen.
Nebivolol – Nebenwirkungen
Patienten/-innen, die eine medikamentöse Therapie mit Nebivolol erhalten, können häufig an Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel sowie gastrointestinalen Symptomen wie Übelkeit, Durchfall und Verstopfungen leiden. Darüber hinaus sind die folgenden Nebenwirkungen häufig:
- Atemnot
- Wassereinlagerungen in den Beinen mit Schwellung der Fußknöchel
- Kribbelparästhesien in den Händen und Füßen
Gelegentlich kann die Behandlung mit Nebivolol auch zu den folgenden Begleiterscheinungen führen
- Niedriger Blutdruck und langsamer Herzschlag
- Sehstörungen
- Krämpfe in den Beinen
- Juckende Hautausschläge
- Depressionen
- Schlafstörungen und Albträume
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Die Kombination von Nebivolol mit Antihypertensiva aus der Gruppe der Calciumantagonisten wie beispielsweise Amlodipin oder Nifedipin oder mit Antidepressiva kann zu einem verstärkten Abfall des Blutdrucks führen. Die gleichzeitige Gabe von zentral wirkenden Blutdrucksenkern wie beispielsweise Clonidin, Guanfacin und Methyldopa oder auch von Antiarrhythmika verschlimmert hingegen eine bestehende Herzschwäche. Auch Patienten/-innen die neben der arteriellen Hypertonie an einem mit Insulin oder oralen Antidiabetika behandelten Diabetes leiden, sollten im Rahmen der antihypertensiven Therapie nicht auf Nebivolol zurückgreifen. Nebivolol kann nämlich mögliche Symptome einer Unterzuckerung verschleiern.
Nebivolol – Kontraindikationen
In den folgen Fällen muss auf eine Therapie mit Nebivolol verzichtet werden.
- Überempfindlichkeit und/oder Allergie gegen den Wirkstoff
- Eingeschränkte Leberfunktion
- Niedriger Blutdruck (systolischer Blutdruck <90 mmHg)
- Langsamer Herzschlag vor Therapiebeginn
- Asthma bronchiale
- Schwere Durchblutungsstörung
- Unbehandeltes Phäochromozytom (Nebennierentumor)
Schwangerschaft und Stillzeit
Nebivolol sollte in der Schwangerschaft generell nur bei fehlender Therapiealternative und nach vorheriger Rücksprache mit einem/r Arzt/Ärztin eingenommen werden. Nebivolol kann eine Minderdurchblutung der Plazenta hervorrufen und dadurch die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinflussen. Darüber hinaus können beim Kind kardiale Nebenwirkungen wie zum Beispiel ein zu langsamer Herzschlag (Bradykardie) auftreten. Wenn von ärztlicher Seite die Entscheidung für eine Therapie mit Nebivolol getroffen wird, muss diese unter engmaschiger Kontrolle stattfinden.
Auf das Stillen eines Säuglings sollte während der Einnahme von Nebivolol verzichtet werden, da die Möglichkeit besteht, dass der Wirkstoff in die Muttermilch übertritt.




