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praktischArzt Untersuchungen Blutuntersuchung Blutwerte Adrenalin

Adrenalin – Wirkung, Werte und Bedeutung

Adrenalin
Zuletzt aktualisiert: 07.08.2026
Themen: Laborwert, Untersuchungsmethode, Blutbildstörungen, Hormonstörungen
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Adrenalin, auch Epinephrin genannt, ist ein Botenstoff, den der Körper vor allem in Stress- oder Gefahrensituationen freisetzt. Er wird im Nebennierenmark gebildet und direkt ins Blut abgegeben, sodass er sehr schnell viele Organe erreicht. Dort sorgt Adrenalin dafür, dass der Körper innerhalb kürzester Zeit leistungsbereiter wird, zum Beispiel durch einen schnelleren Herzschlag, die vermehrte Bereitstellung von Energie und eine aufmerksamere Wahrnehmung. Anders als Noradrenalin wirkt Adrenalin auf fast alle Organsysteme und kann so gleichzeitig Herz, Muskeln, Lunge und Stoffwechsel aktivieren.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wirkung
  2. Indikation und Normwerte
  3. Erniedrigte und erhöhte Werte
  4. Erhöhtes Adrenalin – Was tun?

Das Wichtigste in Kürze

  • Bildungsort:
    Adrenalin wird in den Chromaffinzellen des Nebennierenmarks produziert.
  • Physiologische Funktion:
    Es ist ein zentrales Stresshormon des Sympathikus und vermittelt die klassische „Fight-or-Flight“-Reaktion mit Steigerung der Herzfrequenz, des Blutdrucks und zusätzlicher Energiebereitstellung.
  • Wirkmechanismus:
    Adrenalin wirkt über adrenerge Rezeptoren (α- und β-Rezeptoren) in verschiedenen Organen und aktiviert überwiegend Signalwege über G-Protein-gekoppelte Rezeptoren.
  • Vorläufer:
    Adrenalin wird aus der Aminosäure Tyrosin über mehrere Zwischenstufen synthetisiert (Dopamin → Noradrenalin → Adrenalin).

Adrenalin – Wirkung

Adrenalin ist ein wichtiges Hormon im Körper, das auf mehrere Organsysteme wirkt. Es steigert die Herzfrequenz sowie den Blutdruck und erhöht den Gefäßtonus. Darüber hinaus aktiviert es die Energiereserven des Körpers, indem es den Abbau von Kohlenhydraten, Glykogen (Speicherform von Zucker) und Triglyceriden (Fettgewebe) fördert. Adrenalin hemmt zudem die Ausschüttung von Insulin und steigert die Freisetzung von Glukagon. Dadurch wird der Blutzucker gezielt erhöht, sodass eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) vermieden wird.

Wirkung Adrenalin

Die Grafik zeigt, wie Stress über die Hypophyse (ACTH) die Nebennieren aktiviert, die dann Adrenalin und Cortisol ausschütten. An den verschiedenen Organen führt Adrenalin dazu, dass Atmung und Puls schneller werden, der Blutdruck steigt, sich die Wahrnehmung stark auf die Gefahr verengt, mehr Glykogen in Glukose umgewandelt wird, die Verdauung gebremst und vermehrt Schweiß gebildet wird.

Blutwert Adrenalin – Indikation und Normwerte

Durch die Wirkung von Adrenalin auf Herz und Kreislauf kann es zu Bluthochdruck, Tachykardie und anderen kardiovaskulären Beschwerden kommen. Bei Auftreten dieser Symptome wird daher geprüft, ob Adrenalin die Ursache ist, indem die Plasma- oder Urinwerte von Adrenalin beziehungsweise seinen Metaboliten bestimmt werden.

Adrenalin lässt sich über seine Abbauprodukte, wie die Vanillinmandelsäure (VMA), im 24-Stunden-Sammelurin bestimmen. Normale Werte liegen dabei unter 20 Mikrogramm pro Tag. Alternativ kann die Konzentration direkt im Plasma gemessen werden.

Da der Adrenalinspiegel sehr schnell schwanken kann, beispielsweise durch Schmerz oder Lagewechsel, wird für die Blutentnahme zunächst ein venöser Zugang gelegt. Nach etwa 30 Minuten Ruhezeit kann dann Blut über diesen bereits liegenden Katheter entnommen werden, um die physiologischen Plasmawerte zu bestimmen. Unter diesen Bedingungen liegen sie bei unter 50 Pikogramm pro Milliliter.

Erniedrigte und erhöhte Adrenalin-Werte

Erhöhte Adrenalinwerte im Blut können unangenehme Nebenwirkungen verursachen. Häufige Ursachen sind Stress, Unterzuckerung oder Bluthochdruck, aber auch externe Faktoren wie Koffein oder Alkohol können den Spiegel erhöhen. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, wie zum Beispiel L-Dopa, Tetrazykline, Theophyllin oder MAO-Hemmer, kann die Adrenalinwerte steigern. Bei anhaltend hohen Werten sollte zudem immer auch an ein Phäochromozytom gedacht werden, einen meist gutartigen Tumor des Nebennierenmarks, der operativ entfernt werden kann. Erniedrigte Adrenalinwerte sind in der Regel klinisch unbedeutend. Eine gezielte medikamentöse Gabe von Adrenalin erfolgt nur bei medizinisch dringenden Notfällen, etwa einem anaphylaktischen Schock.

Erhöhtes Adrenalin – Was tun?

Ein erhöhter Adrenalinwert kann auf verschiedene zugrunde liegende Ursachen hinweisen. Der Arzt untersucht diese systematisch, um Stressfaktoren, Stoffwechselstörungen oder andere gesundheitliche Auslöser abzuklären. In manchen Fällen reicht bereits eine Reduktion von Alkohol- oder Kaffeekonsum, um die Werte zu normalisieren. Liegt ein Tumor vor, wird dieser operativ entfernt.

Good to know – Interessante Details zu Adrenalin

Unterschied zwischen Adrenalin und Noradrenalin im Kreislauf: Adrenalin wirkt stärker auf β-Rezeptoren, insbesondere β₁ (Herz) und β₂ (Bronchien, Gefäße bestimmter Organe). Dadurch führt Adrenalin zu Bronchodilatation, erhöhter Herzfrequenz und gesteigerter Herzkontraktilität, während Noradrenalin stärker vasokonstriktorisch über α-Rezeptoren wirkt.

Adrenalin mobilisiert schnell Energie: Unter Stress steigert Adrenalin die Glykogenolyse in Leber und Muskel, die Lipolyse im Fettgewebe sowie die Glukoneogenese. Dadurch wird innerhalb kurzer Zeit mehr Glukose und freie Fettsäuren für Muskeln und Gehirn bereitgestellt.

Sehr kurze Halbwertszeit im Blut: Adrenalin wirkt nur wenige Minuten im Kreislauf. Es wird durch die Enzyme Catechol-O-Methyltransferase und Monoaminoxidase

Wichtige Rolle in der Notfallmedizin: Adrenalin ist ein Medikament das bei der Anaphylaxie sowie bei der Reanimation zum Einsatz kommt. Es verbessert unter anderem die Durchblutung der Herzkranzgefäße und stabilisiert den Kreislauf durch Vasokonstriktion und Herzstimulation.

Tumoren des Nebennierenmarks können massive Adrenalinfreisetzung verursachen: Beim Phäochromozytom kommt es zu einer überschießenden Ausschüttung von Katecholaminen. Typische Symptome sind paroxysmale Hypertonie, Tachykardie, Kopfschmerzen und starkes Schwitzen.

Häufige Fragen zu Adrenalin

  1. Was ist der Unterschied zwischen Adrenalin und Noradrenalin?
  2. Adrenalin wirkt stärker auf β-Rezeptoren (besonders Herz und Bronchien) und führt zu Bronchienverweiterung, erhöhter Herzfrequenz und gesteigerter Herzkontraktion. Noradrenalin wirkt dagegen primär vasokonstriktorisch über α-Rezeptoren und hat eine lokalere Wirkung. Adrenalin beeinflusst daher fast alle Organsysteme, während Noradrenalin gezielter wirkt.

  3. Wie wird ein erhöhter Adrenalinwert diagnostiziert und was sind normale Blutwerte?
  4. Der Plasma-Adrenalinwert wird nach 30 Minuten Ruhe über einen liegenden Katheter gemessen und liegt normalerweise unter 50 Pikogramm pro Milliliter. Alternativ bestimmt man Adrenalin-Abbauprodukte wie Vanillinmandelsäure (VMA) im 24-Stunden-Sammelurin mit Normalwerten unter 20 Mikrogramm pro Tag. Der liegende Katheter ist wichtig, da Adrenalin sehr schnell durch Bewegung oder Schmerz ansteigt.

  5. Welche Ursachen führen zu erhöhtem Adrenalin und wie wird es behandelt?
  6. Häufige Auslöser für erhöhtes Adrenalin sind Stress, Unterzuckerung, Koffeinkonsum und bestimmte Medikamente (L-Dopa, Tetrazykline, MAO-Hemmer). Ein seltener pathologischer Grund ist das Phäochromozytom, ein meist gutartiger Tumor des Nebennierenmarks, der operativ entfernt wird. In vielen Fällen reicht die Reduktion von Alkohol- und Kaffeekonsum zur Normalisierung aus.

  7. Warum hat Adrenalin eine so kurze Wirkungsdauer im Blut?
  8. Adrenalin wird durch die Enzyme Catechol-O-Methyltransferase (COMT) und Monoaminoxidase (MAO) sehr schnell abgebaut und wirkt daher nur wenige Minuten im Kreislauf. Diese kurze Halbwertszeit ermöglicht eine flexible Stressreaktion, die schnell wieder abklingt.

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Quellen
  1. Horn et al., Biochemie des Menschen, Thieme (Verlag), 8. Auflage, 2020
  2. Leuwer et al., Checkliste Intensivmedizin, Thieme (Verlag), 5. Auflage, 2017
  3. Huppelsberg et al., Kurzlehrbuch Physiologie, Thieme (Verlag), 4. Auflage, 2013
  4. Hahn et al., Checkliste Innere Medizin, 9. Auflage, 2023
Medizinische und Rechtliche Hinweise
Wichtiger rechtlicher Hinweis für diesen Artikel
Autor
Dr. med. Marie-Hélène Manz
Ärztin
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