
Adrenocorticotropin, kurz ACTH genannt, ist ein lebenswichtiges Hormon, das eine Schlüsselrolle im endokrinen System des menschlichen Körpers spielt. Es wird in der Hirnanhangsdrüse, der sogenannten Hypophyse, produziert und hat direkten Einfluss auf die Funktion der Nebennierenrinde, indem es dort die Freisetzung von Cortisol regelt. Dieses ist ein wichtiges Hormon, das in Stresssituationen und zur Aufrechterhaltung verschiedener physiologischer Prozesse im Körper benötigt wird.
Eine abweichende ACTH-Konzentration im Blut kann daher auf verschiedene Erkrankungen hinweisen und spielt in der ärztlichen Diagnostik eine wichtige Rolle.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ACTH?
ACTH wird in der Hypophyse produziert. Seine Sekretion wird von verschiedenen Faktoren gesteuert, darunter:
Hypothalamus: Dieses Gehirnareal gibt das Hormon CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon) frei, das die Freisetzung von ACTH aus der Hypophyse anregt.
Cortisolspiegel: Ein hoher Cortisolspiegel im Blut hemmt die Freisetzung von CRH und ACTH durch einen negativen Feedback-Mechanismus. Wenn der Cortisolspiegel niedrig ist, steigt die Produktion von CRH und ACTH.
Stress: Stresssituationen können die Freisetzung erhöhen, da der Körper auf diese Weise auf stressige Situationen reagiert, indem er die Cortisolproduktion steigert.
Die Produktion erfolgt abhängig von diesen Faktoren und führt dazu, dass die Nebennierenrinde Glukokortikoide (wie Cortisol), Mineralokortikoide (wie Aldosteron) sowie Sexualhormone (wie Östrogen und Testosteron) produziert.

Wann wird der ACTH-Wert bestimmt?
Der Laborwert wird in der Regel gemessen, wenn ein Verdacht auf Erkrankungen oder Störungen des endokrinen Systems, insbesondere der Nebennierenrinde, besteht. Dies kann bei Symptomen wie anhaltendem Müdigkeitsgefühl, unerklärlichem Gewichtsverlust oder -zunahme, Hautveränderungen und Blutdruckschwankungen der Fall sein. Die ACTH-Testung kann dazu beitragen, Störungen wie Morbus Cushing (Cushing-Syndrom) oder Morbus Addison zu identifizieren und die richtige Diagnose und Behandlung sicherzustellen.
Normwerte
Die ACTH-Werte schwanken über den Tag, wobei sie morgens am höchsten sind. Zwischen acht und neun Uhr morgens beträgt der durchschnittliche Wert im Blutplasma normalerweise 10 bis 60 Nanogramm pro Liter (ng/l) und abends lediglich drei bis 30 ng/l. Die Blutentnahme sollte daher morgens stattfinden, wobei eine isolierte Bestimmung nur wenig aussagekräftig ist, weshalb meist zusätzlich eine Cortisol-Messung erfolgt.
ACTH zu hoch
Eine häufige Ursache für erhöhte Werte ist das Cushing-Syndrom, bei dem der Körper zu viel Cortisol produziert, oft aufgrund eines Tumors in der Hypophyse, der Nebennieren oder anderer Faktoren. In seltenen Fällen kann ein Tumor außerhalb der Hypophyse (z.B. in der Lunge oder Bauchspeicheldrüse) ACTH produzieren, was zu erhöhten Werten führt (ektopes ACTH-Syndrom). Wenn die Nebennieren nicht ausreichend Cortisol produzieren können, versucht die Hypophyse, dies durch erhöhte ACTH-Werte auszugleichen, was bei Erkrankungen wie Morbus Addison auftreten kann. Darüber hinaus können bestimmte Medikamente, insbesondere Corticosteroide, über einen längeren Zeitraum eingenommen, ebenfalls zu erhöhten Werten führen.
Auch während des Menstruationszyklus können die Werte schwanken, was normalerweise keine ernsthafte Ursache darstellt. Außerdem kann ein übermäßiger Alkoholkonsum die Produktion beeinflussen und vorübergehend zu erhöhten ACTH-Werten führen.
ACTH zu niedrig
Niedrige ACTH-Werte können aus verschiedenen Gründen auftreten. Dies kann entweder daran liegen, dass zu wenig dieses Hormons produziert wird oder dass die Nebennierenrinde zu viel Cortisol produziert. Wenn die Nebennierenrinde zu viel Cortisol produziert, reagiert die Hirnanhangsdrüse, indem sie weniger ACTH freisetzt. Die Hauptursachen für niedrige Werte sind: Störungen in der Hirnanhangsdrüse, Tumore in der Nebennierenrinde, die Cortisol produzieren, sowie eine Vergrößerung der Nebennierenrinde mit übermäßiger Cortisolproduktion.
Was tun bei veränderten Werten?
Wenn der ACTH-Wert im Blut erhöht oder erniedrigt ist, sind zusätzliche Untersuchungen erforderlich, um die genaue Ursache zu ermitteln. Dazu gehört die Bestimmung der Cortisolkonzentration im Blut. Zusätzlich werden Tests wie der Dexamethason-Test und der CRH-Stimulationstest durchgeführt. Bei diesen Tests werden Hormone verabreicht, und anschließend die Reaktion der ACTH-Produktion im Körper gemessen. Dies ermöglicht es, die Ursache für die Veränderungen im Wert zu identifizieren. In einigen Fällen sind bildgebende Untersuchungen wie Röntgen- oder CT-Aufnahmen des Kopfes notwendig. Erst danach kann eine präzise Diagnose gestellt und die geeignete Behandlung eingeleitet werden.
Häufige Fragen
- Was sind Anzeichen für zu niedrige ACTH-Werte?
- Was sind Anzeichen für zu hohe ACTH-Werte?
- Was sollte man bei veränderten ACTH-Werten machen?
Anzeichen für zu niedrige ACTH-Werte können Müdigkeit, Schwäche, niedriger Blutdruck, Schwindel, Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen sein.
Anzeichen für zu hohe ACTH-Werte können vielfältig sein und hängen oft mit den Auswirkungen von übermäßigem Cortisol, das durch ACTH stimuliert wird, zusammen. Zu den möglichen Symptomen gehören Gewichtszunahme, Stammfettsucht, Muskelschwäche, Hautveränderungen (wie Dehnungsstreifen), erhöhter Blutdruck, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und gesteigerte Anfälligkeit für Infektionen.
Bei veränderten Werten wird der/die Arzt/Ärztin weitere Untersuchungen anordnen, um die Ursache feststellen zu können.
Mehr zu Blutuntersuchung
- Arno Dormann, Christian Herr, Berend Isermann: Labortwerte; Köln: Elsevier-Verlag (2021).
- Marc Deschka: Laborwerte von A – Z, Stuttgart: Kohlhammer (2011).




