
Portugal gilt vielen als Geheimtipp für ein Medizinstudium im Ausland. Das Land verbindet eine lange medizinische Tradition mit modernen Studiengängen, relativ moderaten Lebenshaltungskosten (außer in den Metropolen) und einer hohen Lebensqualität. Für deutsche Bewerber ist Portugal vor allem deshalb interessant, weil dort die Humanmedizin als integrierter Masterstudiengang angeboten wird, der nach sechs Jahren einen vollwertigen, EU‑weit anerkennungsfähigen Abschluss bietet. Gleichzeitig sind die staatlichen Programme stark nach Leistung reguliert, und die Unterrichtssprache ist überwiegend Portugiesisch. Daneben gibt es aber auch private und bilinguale Programme mit starkem Englischanteil.
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Medizinstudium in Portugal – Was spricht für das Land?
Ein Medizinstudium in Portugal ist für viele deutsche Bewerber gleich in mehrfacher Hinsicht attraktiv: mediterranes Klima, hohe Lebensqualität, traditionsreiche Universitäten – bei relativ geringen Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen sowie Lebenshaltungskosten im europäischen Mittelfeld.
Städte wie Coimbra gelten als klassische Studentenstädte mit historischer Universität und lebendigem Campusleben. Lissabon und Porto bieten Großstadtflair, internationale Unternehmen und ein reiches Kulturangebot. Das Klima ist mild, die Lebensart vergleichsweise entspannt, und das Meer ist nie weit entfernt. Klingt doch nach einer prima Alternative zum Medizinstudium in Deutschland.
Medizinstudium in Portugal – Staatliche Universitäten und Voraussetzungen
In Portugal wird Humanmedizin in der Regel als „Mestrado Integrado em Medicina“ angeboten, also als integrierter Masterstudiengang, der Bachelor‑ und Masterphase zu einem sechsjährigen Studiengang mit insgesamt 360 ECTS zusammenfasst.
Universitäten
Zu den wichtigsten staatlichen Fakultäten für Humanmedizin zählen unter anderem:
- Universidade de Lisboa – Faculdade de Medicina (FMUL)
- Universidade do Porto – Faculdade de Medicina (FMUP) und ICBAS
- Universidade de Coimbra – Faculdade de Medicina
- NOVA Medical School – Universidade Nova de Lisboa
- Universidade do Minho – Escola de Medicina (Braga)
- Universidade da Beira Interior (Covilhã) und Universidade do Algarve (Faro)
Die Programme sind vom Aufbau her ähnlich:
- Dauer: 6 Jahre (12 Semester)
- Umfang: 360 ECTS
- Abschluss: integrierter Master in Medizin
- Unterrichtssprache: Portugiesisch
Zugangsvoraussetzungen
Der Zugang zur staatlichen Humanmedizin ist stark selektiv. Die Vergabe der Studienplätze erfolgt über ein zentrales, nationales Bewerbungsverfahren („Concurso Nacional de Acesso“) auf Basis der Abschlussnote der Sekundarschule und zentraler Prüfungen in relevanten Fächern. Der Numerus Clausus liegt traditionell sehr hoch. Ein Beispiel: An der Fakultät für Medizin der Universität Porto lag der Grenzwert („Mark of the last classified“) zuletzt bei über 185 Punkten auf einer Skala von 0 bis 200.
Für Bewerber mit ausländischem Abschluss gibt es teilweise spezielle „International‑Student“-Quoten. Auch dort werden aber sehr gute naturwissenschaftliche Leistungen und meist Portugiesischkenntnisse verlangt. Ohne Portugiesisch sind die klassischen staatlichen Programme für deutsche Bewerber daher nur eingeschränkt realistisch. Wer den NC nicht erfüllt, findet möglicherweise hier passende Alternativen auf dem Weg zum Traumberuf Arzt:
Medizinstudium in Portugal – Private und bilinguale Programme
Interessant für internationale Bewerber für ein Medizinstudium in Portugal sind zwei private Fakultäten, die ihre Programme teilweise oder überwiegend auf Englisch anbieten und erst im klinischen Abschnitt vollständig auf Portugiesisch wechseln:
- Católica Medical School (Universidade Católica Portuguesa)
- Universidade Fernando Pessoa (UFP) in Porto Católica Medical School
Católica Medical School
Die Católica Medical School in der Nähe von Lissabon bietet einen integrierten Master in Medizin mit einer Dauer von sechs Jahren (12 Semester, 360 ECTS) an. Inhaltlich ist das Studium in einen vorklinischen und einen klinischen Teil gegliedert.
Die vorklinische Ausbildung und ein großer Teil der Theorie werden überwiegend auf Englisch unterrichtet. Die klinische Ausbildung findet in portugiesischen Lehrkrankenhäusern statt, insbesondere in Kooperation mit der privaten Krankenhausgruppe Luz Saúde. Im Patientenkontakt ist daher Portugiesisch zwingend erforderlich. Das Curriculum ist stark problemorientiert und eng mit der Universität Maastricht abgestimmt.
Zugangsvoraussetzungen
Die Zulassung erfolgt über ein mehrstufiges Verfahren: Bewerber müssen Aufnahmeprüfungen in relevanten naturwissenschaftlichen Fächern (zum Beispiel Biologie/Geologie, Physik/Chemie und Mathematik) absolvieren, sehr gute Englischkenntnisse (mindestens etwa C1‑Niveau) nachweisen, ein Motivationsschreiben einreichen und sich in Interviews oder Multiple‑Mini‑Interviews beweisen. Die Studiengebühren liegen im hohen fünfstelligen Bereich pro Jahr; EU‑Bürger und internationale Bewerber zahlen unterschiedliche Sätze, es gibt aber leistungsabhängige Stipendien.
Universidade Fernando Pessoa (UFP), Porto
Die Universidade Fernando Pessoa (UFP) in Porto bietet einen bilingualen integrierten Masterstudiengang in Medizin an. Der Studiengang dauert sechs Jahre (12 Semester, 360 ECTS).
Die ersten drei Jahre (180 ECTS) werden weitgehend auf Englisch unterrichtet und schließen mit einem Bachelorabschluss in „Basic Health Sciences“ ab. Die letzten drei Jahre mit Schwerpunkt auf der klinischen Ausbildung finden überwiegend auf Portugiesisch statt. Spätestens zu Beginn des klinischen Abschnitts müssen Studenten daher Portugiesischkenntnisse etwa auf B2‑Niveau nachweisen, um mit Patienten und Teams im Krankenhaus arbeiten zu können.
Zugangsvoraussetzungen
Die Zulassung erfolgt direkt über die UFP. Gewertet werden die Leistungen in naturwissenschaftlichen Fächern, die allgemeine Hochschulreife sowie ein Englischnachweis. Zusätzlich gibt es Aufnahmeprüfungen und häufig Interviews. Die jährlichen Studiengebühren bewegen sich – je nach Quelle und Jahrgang – etwa im mittleren bis oberen vierstelligen Bereich und sind sowohl für portugiesische als auch für ausländische Studenten identisch oder ähnlich.
Bewerbung um den Studienplatz in Portugal
Die Bewerbung für ein Medizinstudium in Portugal unterscheidet sich je nach Hochschultyp:
An staatlichen Universitäten läuft die Zulassung in erster Linie über das nationale Bewerbungsverfahren und erfordert neben der Anerkennung des Abiturs sehr gute Portugiesischkenntnisse sowie das Ablegen spezifischer Aufnahmetests oder zentraler Prüfungen. Für Bewerber aus dem Ausland bestehen teilweise eigene Quoten („Estudante Internacional“), die aber ebenfalls streng reguliert sind und häufig höhere Studiengebühren vorsehen.
Für viele deutsche Bewerber sind daher die privaten bzw. bilingualen Programme realistischer:
- Die Católica Medical School verlangt neben dem Schulabschluss mehrere fachspezifische Aufnahmeprüfungen, einen Englischnachweis auf hohem Niveau, ein Motivationsschreiben und Interviews.
- Die Universidade Fernando Pessoa bewertet das Abitur mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, fordert Englischnachweise, eigene Aufnahmeprüfungen und berücksichtigt die persönliche Eignung im Rahmen von Auswahlgesprächen.
Bewerbungsfristen liegen meistens im Frühling oder Frühsommer für den Studienstart im Herbst. Aufgrund begrenzter Platzkontingente empfiehlt sich eine frühzeitige Information und Vorbereitung.
Studienaufbau für das Medizinstudium in Portugal
Der generelle Aufbau des Medizinstudiums ist in Portugal relativ einheitlich – unabhängig davon, ob es sich um eine staatliche oder private Fakultät handelt. Im Wesentlichen folgt es diesem Aufbau:
- Dauer: 6 Jahre (12 Semester)
- Credits: 360 ECTS – Mestrado Integrado em Medicina (integrierter Bachelor + Master)
- Phase 1 (Jahre 1–3):
- Naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen (Anatomie, Physiologie, Biochemie, Zellbiologie, Psychologie etc.)
- Einführung in klinische Untersuchung, Gesundheitsökonomie, Public Health
- Phase 2 (Jahre 4–6):
- Klinische Fächer: Innere Medizin, Chirurgie, Allgemeinmedizin, Pädiatrie, Gynäkologie/Geburtshilfe, Neurologie, Psychiatrie u.a.
- Praktische Ausbildung in Universitätskliniken und Lehrkrankenhäusern, Famulaturen, Notfalldienste
- wissenschaftlicher Abschluss (Masterarbeit o.ä.)
Die Abschlüsse der staatlichen Fakultäten sind klassische integrierte Masterabschlüsse in Medizin, die in Portugal Zugang zur Ärztekammer und zu Facharztweiterbildungen eröffnen.
Medizinstudium in Portugal – die Kosten im Überblick
Die Kostenstruktur in Portugal unterscheidet sich deutlich zwischen öffentlichen und privaten Hochschulen.
An staatlichen Universitäten zahlen portugiesische und andere EU‑Studierende vergleichsweise niedrige Jahresgebühren („propina“). Ein Beispiel: Die Universität Porto führt für Bachelor- und integrierte Masterstudiengänge eine Richtgröße von 697 Euro pro Jahr für nationale und EU‑Studierende an.
Für internationale Studenten außerhalb der EU können deutlich höhere Gebühren anfallen. An der Universität Coimbra wird für den integrierten Master in Medizin für internationale Studierende eine Jahresgebühr von 18.000 Euro erhoben.
Die privaten Programme liegen deutlich höher:
- An der Católica Medical School summiert sich die Jahresgebühr – je nach Status – auf rund 19.000 Eur0 bis 20.000 Euro; für Nicht‑EU‑Bürger ist sie noch höher.
- Die Universidade Fernando Pessoa gibt für den Medizinstudiengang jährliche Gebühren im unteren bis mittleren vierstelligen Eurobereich an, teilweise ergänzt durch Aufnahme- und Einschreibungsgebühren.
Lebenshaltungskosten und Wohnsituation
Hinzu kommen die Lebenshaltungskosten. In Coimbra oder Braga sind Mieten und Alltagskosten deutlich niedriger als in Lissabon, wo zentrale Lagen längst Großstadtniveau erreicht haben. Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft kostet je nach Stadt und Lage etwa 300 bis 700 Euro monatlich. Private Apartments liegen entsprechend höher:
- Coimbra: klassische Studentenstadt, relativ entspannter Wohnungsmarkt, viele studentische WGs; Zimmer oft noch im Bereich 250–400 €.
- Porto und Lissabon: deutlich angespannt, vor allem in Zentrumsnähe. Laut Auswertungen liegt der Durchschnittspreis für ein Zimmer in Porto bei rund 600 €, in Lissabon noch höher.
Viele Universitäten bieten Studentenwohnheime an, die günstiger sind, aber eine begrenzte Zahl an Plätzen haben. Wer ein Medizinstudium plant, sollte die Wohnungssuche frühzeitig beginnen – besonders in Lissabon und Porto.
Deutsche Bewerber können für ein Vollstudium in Portugal grundsätzlich Auslands‑BAföG nutzen. Für ein Studium innerhalb der EU ist eine Förderung über die gesamte Regelstudienzeit möglich. Zusätzlich gibt es einen begrenzten Zuschuss zu Studiengebühren. Bei günstigen staatlichen Studiengängen kann BAföG einen Großteil der Kosten abdecken, bei privaten Programmen bleibt meist ein erheblicher Eigenanteil. Brauchst du Tipps zur Studienfinanzierung? Schau hier:
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