
Bei der Agranulozytose handelt es sich um eine schwere Blutbildungsstörung, deren Ursache zumeist eine Medikamentenunverträglichkeit ist.
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Agranulozytose – Definition
Charakteristisch für die Agranulozytose ist ein (fast) vollständiger Mangel an neutrophilen Granulozyten. Diese bilden eine Untergruppe der Leukozyten, sind Teil des zellulären Immunsystems und bekämpfen Krankheitserreger. Üblicherweise finden sich im Blut von gesunden Personen zwischen 1.700 und 7.200 Zellen pro Mikroliter Blut. Bei Erkrankten sind im Differentialblutbild jedoch weniger als 500 Zellen pro Mikroliter Blut nachweisbar. Aufgrund der stark eingeschränkten zellulären Immunabwehr des Körpers sind Personen mit Agranulozytose hochgradig anfällig für Infektionen durch Bakterien, Pilze und Parasiten.
Ursachen der Blutbildungsstörung
Ursächlich für das Auftreten einer Agranulozytose ist in den meisten Fällen eine Unverträglichkeit beziehungsweise zytotoxische allergische Reaktion auf die folgenden Medikamente.
- Schmerzmittel (Metamizol, Ibuprofen)
- Fiebersenkende Medikamente (Phenylbutazon)
- Schilddrüsenmedikamente (Thiamazol)
- Antibiotika (Penicillin, Cephalosporine, Metronidazol)
- Psychopharmaka (Clozapin, Fluoxetin)
- Antirheumatika (Infliximab)
- Kardiovaskuläre Medikamente (Clopidogrel, Propranolol)
Darüber hinaus kann auch eine immunsuppressive Therapie oder der Einsatz von zytotoxischen Chemotherapeutika diese Blutbildungsstörung bedingen.
Agranulozytose – Symptome
Bei erkrankten Personen treten üblicherweise die folgenden Krankheitszeichen auf.
- Sehr stark ausgeprägtes subjektives Krankheitsgefühl
- Kopfschmerzen
- Fieber und Schüttelfrost
- Stark erhöhte Herzfrequenz
Aufgrund der eingeschränkten Funktion des Immunsystems leiden Betroffene zudem an den folgenden Beschwerden.
- Mandelentzündungen
- Mundfäule
- starke Gewebsschäden (Nekrosen) im Bereich der oralen, genitalen und analen Schleimhäute
Bei gleichzeitigem Auftreten von Fieber, einer Entzündung der Mandeln sowie Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum, sollten Ärzte/-innen daher immer auch an eine Agranulozytose denken.
Agranulozytose und Metamizol - Keine Angst, aber Vorsicht!
Eines der möglicherweise unverträglichen Medikamente ist Metamizol (in Deutschland unter anderem als Novalgin im Handel erhältlich). Das Auftreten einer Agranulozytose ist nicht von der verabreichten Metamizoldosis abhängig. Beschwerden können bereits unmittelbar nach Therapiebeginn auftreten oder sich erst nach mehreren Wochen/Monaten zeigen.
Aufgrund des hohen Risikos für eine Infektion und/oder Sepsis ist eine Isolation des/der Patienten/-in sowie der Beginn einer antibiotischen Therapie notwendig. Bei sofortiger Therapieeinleitung normalisieren sich die Granulozytenwerte üblicherweise innerhalb kurzer Zeit. Bei einer Unverträglichkeit oder bekannten Blutbildungsstörungen darf Metamizol nicht verabreicht werden.
Agranulozytose – Diagnose
Die Diagnostik der Agranulozytose umfasst das ärztliche Anamnesegespräch, die körperliche Untersuchung – insbesondere der Lymphknoten und der Schleimhäute – sowie die Erstellung eines Differenzialblutbildes. Bei Vorliegen der Erkrankung sind laborchemisch weniger als 500 Zellen pro Mikroliter Blut nachweisbar.
Therapie-Maßnahmen
Die Therapie der Agranulozytose beinhaltet die folgenden Maßnahmen:
- Absetzen des auslösenden Medikamentes (sofern bekannt)
- Sofortiges Einleiten einer antibiotischen Therapie
- Isolierung des/der Patienten/-in zum Schutz vor möglichen Infektionen
- Anregung der Granulozytenproduktion durch eine Stimulationstherapie mit Granulozyten-Wachstumsfaktoren (G-CFS)




