
Für Ärzte/-innen, die Interesse an plastischer und/oder ästhetische Chirurgie haben, gibt es neben der Facharztausbildung eine weitere Möglichkeit: Die Zusatz-Weiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen. Wichtig zu beachten ist, dass sich Ärzte/-innen mit der 24-monatigen Weiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen nicht als Plastische und Ästhetische Chirurgen/-innen bezeichnen dürfen. Während sich der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit Operationen am gesamten Körper befasst, sind die Ärzte/-innen mit Zusatzbezeichnung Plastische und Ästhetische Operationen auf Eingriffe in der Kopf-Hals-Region spezialisiert. Sie wird für Fachärzte/-innen der Facharztrichtungen Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie angeboten.
Inhaltsverzeichnis
Zusatz-Weiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen im Überblick
Historische Ursprünge: Die Wurzeln der plastischen Chirurgie reichen bis ins antike Indien und Ägypten zurück, wo bereits vor Tausenden von Jahren rekonstruktive Operationen wie Nasenrekonstruktionen durchgeführt wurden.
Definition der Bundesärztekammer: "Die Zusatz-Weiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die konstruktiven und rekonstruktiven plastischen und ästhetischen operativen Eingriffe und nicht-operativen Verfahren zur Wiederherstellung und Verbesserung der Form, Funktion und Ästhetik in der Kopf-Hals-Region".
Anzahl Fachärzte/-innen: In Deutschland gibt es 1.797 berufstätige Fachärzte/-innen mit der Zusatzbezeichnung für Plastische Operationen. 1.091 arbeiten ambulant, davon 935 niedergelassen. 601 Ärzte/innen sind stationär in diesem Gebiet tätig, 31 für Körperschaften und ähnliche Einrichtungen.
Das Fachgebiet Plastische und Ästhetische Operationen
Plastische Chirurgie hat ihren Schwerpunkt in der Wiederherstellung von anatomischen Strukturen nach Verletzungen, Operationen oder von angeborenen Defekten. Im Teilgebiet der Ästhetischen Chirurgie werden Eingriffe durchgeführt, die dem Patientenwunsch entsprechen und medizinisch meist nicht notwendig sind.
Die Weiterbildung erfolgt an Klinken, die sich auf operative Eingriffe zur Wiederherstellung und Verbesserung der Form, Struktur und Ästhetik des Kopf-Hals-Bereiches spezialisieren.
Voraussetzungen für die Zusatz-Weiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen
Die Voraussetzungen (als auch Dauer, Inhalt und Prüfungsmodalitäten) für die Durchführung der Zusatzweiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen können je nach Bundesland verschieden sein. Das liegt an den für die ärztlichen Weiterbildungen verantwortlichen Länderkammern. Wir konzentrieren uns in unserer Darstellung auf die Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (MWBO).
Um sich für die Weiterbildung Plastische und Ästhetische Chirurgie zu qualifizieren, wird zunächst das abgeschlossene Medizinstudium und eine dieser beiden abgeschlossenen Facharztausbildungen benötigt:
- Weiterbildung Facharzt/-ärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
- Weiterbildung Facharzt/-ärztin für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
Dauer der Zusatz-Weiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen
Im Anschluss an eine der oben erwähnten Facharztausbildungen kann die 24-monatige Weiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6, Abs. 1, Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung erfolgen.
Inhalte der Zusatzweiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen
Die MWBO schreibt folgende Inhalte für die Zusatzweiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen vor. Unterschieden wird in Methodenkompetenzen und Handlungskompetenzen, also Erfahrungen und Fertigkeiten. Außerdem gibt es gemeinsame Inhalte (GI) als auch spezifische Inhalte (SI) für Fachärzte/-innen aus den Bereichen HNO bzw. MKG-Chirurgie. Bei den Zahlen in Klammern handelt es sich um Richtwerte.
Wiederherstellende und ästhetische Verfahren (GI)
Kognitive und Methodenkompetenz (Kenntnisse)
- Proportionslehre des Gesichtes und des Halses
- Simulationsverfahren formverändernder Eingriffe
- Prinzipien der kraniofazialen plastisch-rekonstruktiven Chirurgie
- Differentialindikation, Differentialdiagnostik plastisch-rekonstruktiver Operationsverfahren einschließlich Nachbehandlung
- Nah- und Fernlappenplastiken, freie sowie gefäßgestielte Lappen
- Prinzipien der operativen Behandlung abgetrennter Gewebeteile
- Mikrochirurgische Techniken
- Prinzipien der Behandlung thermischer und chemischer Verletzungen
- Prinzipien der Gewebedehnungsverfahren, insbesondere Expander, Osteodistraktion
- Epithetische Versorgung
- Photodynamische Verfahren
- Navigationsverfahren
- Laser-chirurgische Verfahren
- Gewebeunterfütterung mit Fett-, Bindegewebs- und Füllsubstanzen
- Anwendung von Neuromodulatoren
- Endoskopische plastisch-chirurgische Verfahren
Handlungskompetenz (Erfahrungen und Fertigkeiten)
Gesichtsanalyse einschließlich ästhetischer Defizite im Gesichtsbereich
Wiederherstellende und ästhetische Operationen (GI)
Handlungskompetenz (Erfahrungen und Fertigkeiten)
- Operative Eingriffe (10), davon
- lokale Lappenplastiken
- rekonstruktive Eingriffe höheren Schwierigkeitsgrades, z. B. muskulokutane Lappen, Rundstiellappen, gefäßgestielte Transplantate
- Versorgung von Substanzdefekten durch Transplantate einschließlich Transplantatentnahme, z. B. Knochen-, Knorpel- und Weichgewebetransplantate und mehrteilige Transplantate, z. B. composite graft
- Versorgung von Sekundärdefekten einschließlich der Spenderregion nach ausgedehnten Gewebeentnahmen
- Implantation nicht-resorbierbarer sowie resorbierbarer Substanzen
- Epithesen einschließlich Knochenverankerung
- Lappenplastiken unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade zur Wiederherstellung von Form und Funktionen bei ausgedehnten Tumorresektionen
- wiederherstellende Operationen nach Infektionen und umfangreichen Verletzungen
- mikrovaskuläre Anastomosen oder Nervenrekonstruktion bzw. Nervenverlagerung im Kopf-Halsbereich bei Defekten an peripheren Gefäßen und Nerven
- Korrektur bei Fazialisparese durch statische und dynamische Verfahren
- Korrektur von Hautveränderungen durch Laser- und Lichtbehandlung, Dermabrasio
- ästhetische Narbenkorrekturen
- Korrektur von Hautüberschuss im Kopf-Halsbereich einschließlich Hautstraffung und Lidplastik
Operative Eingriffe (SI HNO)
Handlungskompetenz (Erfahrungen und Fertigkeiten)
- Operative Eingriffe (50; bis zu 15 Eingriffe können aus den spezifischen Inhalten für die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie erfolgen), davon
- bei Fehlbildungen und ästhetischen Defiziten an der äußeren Nase, z. B. Rhinoplastik
- bei Fehlbildungen und ästhetischen Defiziten der Ohrmuschel, z. B. Otoplastik
- bei anderen Formen der Fehlbildungen der Nase, der Ohrmuschel, des Gesichtes, des Halses und der Haut, z. B. Zysten, Fisteln, Naevi
- bei Verletzungen und Entzündungen des Gesichtes, des Ohres, der Mundhöhle, der Nase sowie deren Folgen
- zur Rekonstruktion der Nasennebenhöhlen, der Rhino- und der Otobasis einschließlich Duraplastik, des Halses, des Pharynx und der Trachea
- bei obstruktiver Schlafapnoe
Operative Eingriffe (SI MKG)
Handlungskompetenz (Erfahrungen und Fertigkeiten)
- Operative Eingriffe (50; bis zu 15 Eingriffe können aus den spezifischen Inhalten für die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde erfolgen), davon
- dentoalveoläre Operationen höheren Schwierigkeitsgrades
- bei Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, kraniofazialen Anomalien, z. B. fehlbildungsspezifische Rhinoplastiken und Otoplastiken
- funktionelle und rekonstruktive Kiefergelenk-Operationen, z. B. bei Dysgnathien, Dysostosen
- präprothetische Chirurgie mit und ohne enossale Implantate
- Umstellungsosteotomien zur Behandlung der Schlafapnoe
- ästhetische Gesichtschirurgie, insbesondere Umstellungsosteotomien zur Konturverbesserung oder nach Trauma einschließlich Osteosynthese
Prüfung und Abschluss der Zusatz-Weiterbildung Plastische Operationen
Die Facharztprüfung im Gebiet Plastische und Ästhetische Operationen dauert mindestens 30 Minuten und ist in der Regel eine mündliche Prüfung vor einem Prüfungskomitee. Dieses besteht meist aus dem/-r Prüfungsvorsitzenden und ein bis zwei Beisitzenden. Die mündliche Prüfung ist ein Fachgespräch zwischen Prüfling und Prüfungsvorsitzendem/-r, in dem ein/e hypothetische/r Patient/in vorgestellt wird. Diese/n Patient/in muss der Prüfling von Anfang bis Ende der Behandlung durchbesprechen und seine/ihre Vorgehensweise erläutern.
Das Logbuch: Verpflichtend und hilfreich
Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Plastische und Ästhetische Operationen. Es muss während der Weiterbildung komplett ausgefüllt und am Ende unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. So werden alle Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden, dokumentiert. Das Logbuch dient als Nachweis, dass alle erforderlichen Fachbereiche absolviert und Fähigkeiten erlernt wurden.
Karriere und Gehalt mit Zusatzbezeichnung Plastische und Ästhetische Operationen
In Deutschland kann ein/e Facharzt/-ärztin für Plastische und Ästhetische Operationen in einer Klinik oder einem Krankenhaus mit einem Gehalt von etwa 80.000 bis 120.000 Euro brutto pro Jahr rechnen.
Je nach Arbeitgeber wird hin Kliniken überwiegend nach gültigem Tarifvertrag bezahlt. Mit Einkünften aus einer eigenen Niederlassung kann das Facharzt-Gehalt deutlich höher sein und bis zu mehreren Hunderttausend Euro pro Jahr betragen. Dies kann durch eine große Anzahl von Patienten/-innen, eine hochpreisige Klientel, zusätzliche Leistungen wie nicht-chirurgische ästhetische Behandlungen oder die Vermarktung eigener Marken und Produkte erreicht werden.
Passende Jobs Plastische und Ästhetische Operationen
praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte/-innen in Deutschland. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Stellenangebote Plastische und Ästhetische Chirurgie für Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Chefarzt bzw. -ärztin gelistet.
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