Facharztausbildung HNO

Weiterbildung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde: Facharztausbildung zum Hals-Nasen-Ohrenarzt

Die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (kurz HNO) oder OtoRhinoLaryngologie (v. altgriechisch ωτός, ούς ōtós, ūs, deutsch ‚Ohr‘ῥίς, ῥινός rhís, rhinós, deutsch ‚Nase‘λάρυγξ lárynx, deutsch ‚Kehle‘ und λόγος lógos, deutsch ‚Lehre‘) ist ein Teilgebiet der Medizin, das sich mit Erkrankungen, Verletzungen, Verletzungsfolgen, Fehlbildungen und Funktionsstörungen der Ohren, der oberen Luftwege, der Mundhöhle, des Rachens, des Kehlkopfes, der unteren Luftwege und der Speiseröhre befasst; im weiteren Sinne mit den oben genannten Problemen im gesamten Kopf- und Halsbereich.

Inhalt

Weiterbildung zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach ist der Mediziner mit dem Erhalt der Approbation berechtigt, den Titel Arzt zu tragen. Anschließend beginnt die Tätigkeit als Assistenzarzt (Arzt in Weiterbildung). Die Weiterbildungszeit als Assistenzarzt ist die Zeit der Facharztausbildung, in welcher man sich in dem Fachgebiet HNO-Heilkunde spezialisiert.

Nach Abschluss der der mehrjährigen Facharztausbildung wird der Facharzttitel im Bereich HNO-Heilkunde erlangt. Mehr Infos dazu zu weiteren Fachrichtungen gibt es unter Übersicht Facharztausbildung.

Dauer der Facharztausbildung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Die Facharztausbildung HNO-Heilkunde beträgt insgesamt 72 Monate, was einem Zeitraum von 6 Jahren entspricht. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung HNO-Heilkunde wird der Facharzttitel erlangt.

Die Weiterbildungszeit in der HNO-Heilkunde von 60 Monaten wird bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert, davon können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen.

Inhalte Weiterbildung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Folgende Inhalte sind in der Weiterbildung zum Facharzt für HNO-Heilkunde zu durchlaufen.

Die Zahlen in Klammern sind die jeweiligen Richtzahlen.

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde:

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (5)
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie
  • Lokal- und Regionalanästhesie
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken

Notfälle:

  • Gebietsbezogene Notfälle und Traumatologie
  • Durchführung von Notfallmaßnahmen, insbesondere Tamponadetechniken, Koagulationen, Fremdkörperextraktionen, Hämatomentlastungen
  • Mitbehandlung polytraumatisierter Patienten im interdisziplinären Team

Entzündungen:

  • Behandlung von entzündlichen Erkrankungen sowie deren Folgen, insbesondere fortgeleiteter und rezidivierender Entzündungen sowie deren Sonderformen
  • Mitbehandlung bei Immun- und Autoimmunkrankheiten, insbesondere Granulomatosen, Kollagenosen und andere Bindegewebskrankheiten, Vaskulitiden

Alters- und geschlechtsspezifische Erkrankungen:

  • Erregerbedingte Tropen- und Infektionskrankheiten
  • Diagnostik und Therapie von Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, z. B. Hör- und Felsenbeinerkrankungen, Adenoidhyperplasie mit Folgeerkrankungen, Rhinosinusitiden, Larynx- und Trachealerkrankungen, Speicheldrüsenerkrankungen
  • Indikationsstellung zur apparativen Unterstützung schwerhöriger Kinder, Einleitung und Überwachung von Therapiemaßnahmen
  • Mitbehandlung der Mukoviszidose
  • Diagnostik und Therapie bei Erkrankungen im Alter, insbesondere Schwerhörigkeit, Schwindel, Stimmstörungen, Schluckstörungen einschließlich Zenkerdivertikel

Funktionelle Störungen:

  • Diagnostik, konservative und operative Therapie funktioneller Störungen, insbesondere

– des Hörens einschließlich Tinnitus, des Gleichgewichts und audiovisueller Wahrnehmungsstörungen
– des Riechens und Schmeckens, der Atmung und anderer Hirnnerven sowie der Speicheldrüsen

  • Funktionsstörungen der Halswirbelsäule und der Kiefergelenke
  • Indikationsstellung zu logopädischer, physikalischer und psychosomatischer Therapie sowie deren Überwachung

Allergische und immunologische Erkrankungen sowie Umweltmedizin:

  • Grundlagen der Typ I – IV-Reaktionen allergischer Erkrankungen
  • Diagnostik allergischer und pseudoallergischer Erkrankungen, insbesondere

– kutane (Prick-)Tests, ggf. auch epi- und intrakutane Tests, unspezifische Tests, Provokationstests (200)
– Interpretation von allergologischen in-vitro Testverfahren

  • Therapie allergischer und pseudoallergischer Erkrankungen einschließlich Erstellung eines Therapieplans, z. B. Karenz, medikamentöse Therapie, spezifische Immuntherapie
  • Therapie der Anaphylaxie gemäß Schweregrad einschließlich des anaphylaktischen Schocks
  • Berufserkrankungen bedingt durch z. B. Lärm, Holz, Staub, Asbest
  • Prävention, Diagnostik und Therapie von Schädigungen durch Innenraum- und Außenluftschadstoffe, kanzerogene Substanzen und Lärm sowie toxische Substanzen und druckbzw. schallbedingte Traumata

Gebietsbezogene Psychosomatik:

  • Psychogene Symptome, somatopsychische Reaktionen und psychosoziale Zusammenhänge
  • Gebietsbezogene psychosomatische Erkrankungen

Diagnostische Verfahren: 

  • Biopsien und Exzisionen von Hauttumoren und Hautveränderungen
  • Histologische, zytologische und mikrobiologische Probengewinnung
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation mikrobiologischer, chemischer und hämatologischer Untersuchungsverfahren
  • Elektrophysiologische Untersuchungen einschließlich Elektromyographie und Elektroneurographie
  • Mikroskopische und endoskopische Untersuchungsmethoden, insbesondere

– Ohrmikroskopie und Ohrendoskopie, Rhinoskopie, Sinuskopie, Pharyngoskopie (100)
– Laryngoskopie/Stroboskopie, TracheoBronchoskopie, Ösophagoskopie (100)
– Dakryozystoskopie, Tubenendoskopie, Sialendoskopie (10)

  • Sonographische Untersuchungen, davon

– Gesichts- und Halsweichteile (100)
– Nasennebenhöhlen (100)
– Schilddrüse (richtungsweisend)
– Doppler-/Duplexsonographien der extrakraniellen hirnversorgenden Gefäße (200)

  • 3D-Röntgendiagnostik
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren
  • Grundlagen nuklearmedizinischer Verfahren
  • Ganzkörperplethysmographie
  • Audiologische Untersuchungsverfahren (200), insbesondere

– Tonschwellen-, Sprach-, Hörfeldaudiometrie und Freifeldmessung
– elektrische Reaktionsaudiometrie (ERA) und Diagnostik zentraler Hörstörungen
– otoakustische Emissionen
– Impedanzmessungen mit Stapediusreflexmessung
– Tubenfunktionsprüfungen

  • Neugeborenenhörscreening und -tracking (20)
  • Manuelle Untersuchungen der Halswirbelsäule
  • Manometrie und pH-Metrie des Ösophagus
  • Hörgeräteversorgung und deren Überprüfung (20)
  • Neurootologische Untersuchungsverfahren (200), insbesondere

– Prüfung auf Spontan- und Provokationsnystagmus
– Lage- und Lagerungsprüfung, insbesondere auf benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel
– vestibulär evozierte myogene Potenziale
– experimentelle Nystagmusprovokation und Nystagmographie
– spinovestibuläre, vestibulospinale und zentrale Tests
– Kopf-Impulstest, Hals-Drehtest, VideoKopfimpulstest

  • Objektive Ventilationsprüfungen (20), z. B.

– Rhinomanometrie
– Spirometrie, Spirographie

  • Prüfungen von Riech- und Schmeckstörungen (10)
  • Sialometrie, Hirnnervenuntersuchung, Schluckdiagnostik, Tränensekretionsprüfung (20)

Gebietsbezogene Schmerzmedizin:

  • Periphere Regionalanästhesien und Nervenblockaden zur perioperativen regionalen Schmerztherapie (50)
  • Pharmakologische und nicht-pharmakologische Schmerztherapie

Therapeutische Verfahren:

  • Intratympanale Therapie (10)
  • Versorgung mit Trachealkanülen, Stimmprothesen (100)
  • Grundlagen alternativer Therapien einschließlich Akupunktur und Naturheilverfahren
  • Wundversorgung an der Haut
  • Operative Therapie einschließlich endoskopischer und mikroskopischer Techniken

– an Ohr, Tuba auditiva, Felsenbein, Gehörgang, Ohrmuschel, z. B. Anlegeplastiken einschließlich Felsenbeinpräparationen, insbesondere Parazentesen/Paukendrainagen (50)
– an Nase, Nasennebenhöhlen, ableitenden Tränenwegen, Orbita und Weichteilen des Gesichtsschädels, insbesondere Nasenseptumkorrekturen, Eingriffe an den Nasenmuscheln, der äußeren Nase, Infundibulotomien, Antroskopien, Polypektomien (100)
– im Pharynx, insbesondere Adenotomien, Tonsillektomien/Tonsillotomien sowie der Mundhöhle einschließlich Lippen (100)
– im Bereich des Kehlkopfes, insbesondere Eingriffe zur Stimmverbesserung und an der Luftröhre sowie Tracheotomien/Punktionstracheotomien und Eingriffe an den oberen Speisewegen (50)
– am äußeren Hals (10)
– Abszessdrainagen
– an Speicheldrüsen und -ausführungsgängen, insbesondere an Glandula parotis/submandibularis/sublingualis (20)
– bei schlafbezogenen Atmungsstörungen (10)
– bei Nasengerüstfrakturen (20)
– Lymphknotenexstirpationen (20)

  • Erste Assistenz bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade (100), z. B.:

– Ohr-Operationen einschließlich aktiver implantierbarer Hörsysteme, insbesondere Operationen bei Fehl- und Missbildungen im äußeren Ohr und Mittelohr, sanierende Mittelohroperationen,      Tympanoplastikformen sowie an der Laterobasis
– Mittelgesichtsfrakturen, Felsenbeinfrakturen und Verletzungen von Larynx, Trachea, oberem Ösophagus
– in der Orbita und Periorbita
– bei Empyem, Muko-Pyozelen
– endonasale und extranasale Pansinusoperationen und Eingriffe an der frontalen Schädelbasis sowie an ableitenden Tränenwegen
– Parotidektomie
– Nervenrekonstruktionen oder mikrovaskuläre Anastomosen, Implantation von Nervenstimulatoren

  • Lasergestützte Behandlungsverfahren (20)
  • Versorgung mit gastroenteralen Sonden sowie Durchführung enteraler und parenteraler Ernährungstherapien (20)

Turmorerkrankungen:

  • Grundlagen medikamentöser Tumortherapie sowie Strahlentherapie
  • Diagnostik und operative Therapie von Tumorerkrankungen einschließlich onkologischer Nachsorge
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Mitwirkung bei der systemischen Tumortherapie sowie der supportiven Therapie bei soliden Tumorerkrankungen der Facharztkompetenz
  • Erste Assistenz bei großen tumorchirurgischen Operationen im Kopf-Hals-Bereich einschließlich Lymphsystem/Neck Dissection, Schilddrüse und rekonstruktiver Verfahren

Hereditäre Erkrankungen:

  • Indikationsstellung zur humangenetischen Beratung
  • Behandlung dysontogenetischer Veränderungen, insbesondere an den Ohrmuscheln, bei lateralen und medianen Halszysten und Fisteln

Prävention und Rehabilitation:

  • Prävention und Rehabilitation bei Hörstörungen von Kindern und Jugendlichen
  • Tauglichkeitsuntersuchungen
  • Beratung zu Mund- und Zahnhygiene
  • Sturzprophylaxe
  • Beratung zum Gehörschutz
  • Beratung im Rahmen der Suchtprävention und Entwöhnung
  • Rehabilitation nach Cochlear-Implantation
  • Indikationsstellung zur Stimmrehabilitation

Schlafbezogene Atemstörungen:

  • Grundlagen der Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen, insbesondere Polysomnographien
  • Kardiorespiratorische Polygraphien (25)

Stimm-, Sprech- und Sprach- sowie Schluckstörungen:

  • Grundlagen der Diagnostik und Therapie, insbesondere von

– Schluckstörungen
– funktionellen Stimmstörungen
– Dysphonie einschließlich Dystonie, Aphonie und Mutationsstörungen
– Dyslalie, Dysglossie und Rhinolalie
– Dysarthrie, Aphasie, Apraxie und Ataxie
– Redeflussstörungen
– verzögerter Sprachentwicklung

  • Diagnostik von Schluckstörungen, insbesondere fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES) und Interpretation radiologisch-bildmorphologischer Befunde (20)
  • Konservative und operative Therapieoptionen bei Schluckstörungen

Wiederherstellungschirurgie:

  • Prinzipien der plastischen und Wiederherstellungschirurgie einschließlich der Verwendung von freien, gestielten und gefäßanastomosierten Lappen
  • Einsatz von Biomaterialien
  • Plastische Maßnahmen geringeren Schwierigkeitsgrades an Nase und Ohr (25), z. B.

– Defektdeckungen
– Nahlappenplastiken
– Implantation von Biomaterialien

Facharztausbildung HNO-Heilkunde – Logbuch

Das Ausbildungslogbuch ist ein verpflichtender Bestandteil im Rahmen der Facharztausbildung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

Nachdem alle Inhalte der Weiterbildung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde erfolgreich durchlaufen wurden, muss es komplett ausgefüllt und unterschrieben an die zuständige Ärztekammer geschickt werden. Das Logbuch enthält den Weiterbildungsgang Hals-Nasen-Ohrenheilkunde sowie alle dokumentierten Inhalte und Kenntnisse, die im Rahmen der Facharztausbildung vermittelt wurden.

Die Bundesärztekammer bietet ein Muster-Logbuch  HNO-Heilkunde zum Download an.

Passende Jobs in der HNO-Heilkunde

praktischArzt ist die große Jobbörse für Ärzte in Deutschland. In der Stellensuche sind täglich zahlreiche Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Stellenangebote für Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt und Chefarzt gelistet.

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