
Zöliakie: Das sind die wichtigsten Fakten
- 1/1000 Kindern und 1/5000 Erwachsene sind betroffen
- Unverträglichkeit gegenüber Klebeeiweiß (Gluten) in einheimischen Getreidesorten
- der Autoimmunprozesse zerstört die Dünndarmschleimhaut und kann langfristige Folgeschäden verursachen
- die Erkrankung gilt als nicht-heilbar, mit der richtige Ernährung kann man aber annährend symptomfrei leben
Zöliakie – Symptome
Je nach Ausprägung der Zöliakie (auch als glutensensitive Enteropathie oder einheimische Sprue bezeichnet) kann sie sich in verschiedenen Formen bemerkbar machen: Manche Menschen leben jahrelang mit der Erkrankung, ohne Symptome zu entwickeln. Andere Patienten/-innen erleiden atypische Symptome wie Hautprobleme oder Knochenschmerzen/-instabilität. Bei Kindern kann die Krankheit auch für Wachstums- oder Entwicklungsstörungen verantwortlich sein. Die typische, symptomatische Zöliakie beginnt mit diesen Symptomen:
- Inappetenz
- fehlende Gewichtszunahme oder unfreiwilliges Abnehmen
- Reizbarkeit
- saure und fetthaltige Durchfälle (Häufigkeit zunehmend)
Meist stellen sich nach einigen Monaten Leitsymptome ein, die charakterisierend für die Erkrankung sind. Hierzu zählen:
- vorgewölbtes Abdomen
- magere Extremitäten
- Tabakbeutelgesäß
- fehlende Muskelstärke (Muskelhypotonie)
- Misslaunigkeit
- Eisenmangelanämie
- hypoproteinische Ödeme
Die Protein- und Eisenmangel-Erscheinungen treten dabei auf, da bei der Degeneration der Darmzotten die gesamte Aufnahmefläche des Darms schrumpft – damit werden alle Nährstoffe vermindert aufgenommen und es kommt zu mehr und mehr Mangelzuständen.

Zöliakie – Mögliche Folgen
Unerkannt beziehungsweise unbehandelt können sich so schwerwiegende Folgeschäden einstellen. Zu diesen zählen Hypoproteinämie, Vitamin-D-Mangel-Rachitis oder Gerinnungsstörungen durch den Mangel an Vitamin-K.
Mangel an Folsäure verursacht neurologische Symptome. Bei Kindern tritt häufig Kleinwuchs auf. Der Eintritt in die Pubertät und die erste Menstruation verzögert sich.
Ältere Patienten/-innen leiden oft unter Knochenschmerzen. Auch Osteoporose kann als Langzeitfolge auftreten. Im Alter kann die unbehandelte Zöliakie darüber hinaus die Häufigkeit an malignen Lymphomen im Darmbereich erhöhen.
Komplikationen der einheimischen Sprue sind eher selten, können aber ebenfalls vorkommen. Nach Monaten kann ein direkt mit der Krankheit assoziiertes Enteropathie-assoziiertes T-Zell-Lymphom (EATL) auftreten.
Zudem gilt die refraktäre Zöliakie, bei der sich nach 12 Monaten des Glutenverzichts keine Symptombesserung einstellt, als weitere Komplikation.
Glutensensitive Enteropathie – Diagnostik
Ein wichtiger Diagnoseschritt der Zöliakie ist die Anamnese, da Ärzte/-innen bei auftretenden Leitsymptomen hellhörig werden sollte. Dies gilt besonders für Kinder: 4 Prozent der Jungen und Mädchen mit Bauchschmerzen (ohne weitere Zöliakie-Symptome) haben positive Antikörper.
Die Diagnose wird bestätigt mit einer endoskopischen Biopsie der Dünndarmschleimhaut. Da sich die Erkrankung am meisten im Duodenum (Zwölffingerdarm) etabliert, entspringt diesem meist auch das Biopsat, es kann aber auch aus dem Jejenum (Leerdarm) stammen. Die Beurteilung des Befundes erfolgt nach der Einteilung nach Marsh: Sind Zottenatrophien, Kryptenhyperplasien und intraepitheliale Lymphozyten vorhanden, ist die Diagnose gesichert, Kontrollbiopsien werden nicht durchgeführt.
Nicht in jedem Fall ist eine Biopsie nötig. Nach aktuellen Leitlinien kann die Bestimmung sowie die Verlaufskontrolle auf Basis von IgG-Antikörpern gegen dessiniertes Gliadin und IgA-Antikörper gegen Transglutaminase erfolgen. Man untersucht also die Immunreaktion des Körpers auf das Speicherprotein des Weizens sowie auf Enzyme, die am Gewebeaufbau – unter anderem des Darms – beteiligt sind.
Generell gilt die Zöliakie als nicht heilbar. Bei Kindern, bei denen die Diagnose vor dem Ende des 2. Lebensjahres gestellt wird, besteht jedoch die Möglichkeit auf einen transienten Krankheitsverlauf.
Die richtige Ernährung bei Zöliakie
Zwar lässt sich die einheimische Sprue nicht heilen, mit der richtigen Diät kann man jedoch weitgehend symptombefreit leben und Folgeschäden verhindern. Gluten ist in nahezu allen einheimischen Getreidearten – Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und Grünkern – enthalten. Auch Hafer kann “verunreinigt” sein. Wer unter Zöliakie leidet und sich richtig ernährt, verzichtet auf alle Produkte, die auf diesen Lebensmitteln basieren. Glutenfreie Alternativen sind meist durch das Symbol einer durchgestrichenen Ähre gekennzeichnet. Lebensmittel auf Basis von Reis, Mais, Soja, Kartoffeln, Nüssen, Kastanien und Johannisbrotmehl werden von Betroffenen gut vertragen. Um darüber hinaus einem Mikro- und Makromangel an Nährstoffen vorzubeugen, erfolgt individuell angepasst eine Supplementation.
Magen und Darm
- Kellner et al., Kurzlehrbuch Pathologie, Stuttgart: Thieme (3. Auflage, 2019)
- Kohse et al., Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie, Stuttgart: Thieme (9. Auflage, 2019)
- Gortner et al., Duale Reihe Pädiatrie, Stuttgart: Thieme (5. Auflage, 2018)
- Reiser et al., Duale Reihe Radiologie, Stuttgart: Thieme (4. Auflage, 2017)
- Kerbl et al., Checkliste Pädiatrie, Stuttgart: Thieme (5. Auflage, 2015)
- Bald et al., Kurzlehrbuch Pädiatrie, Stuttgart: Thieme (1. Auflage, 2012)
- Felber et al., Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), aus Z Gastoenterol, Stuttgart: Thieme (2022)

