
Etwa ein Drittel aller Krankenhäuser in Deutschland sind in kirchlicher Trägerschaft. Sie spielen daher eine entscheidende Rolle bei der Patientenversorgung. Diese Einrichtungen arbeiten gemeinnützig, sind untereinander gut vernetzt und in den meisten Fällen auch an eigene Pflege- und Rehaeinrichtungen angebunden. Der folgende Artikel erläutert, was Du für Deinen Berufsstart als Arzt bei einem kirchlichen Träger als ersten Arbeitgeber erwarten kannst.
Inhaltsverzeichnis
Arbeitsumfeld
Ein freundlicher Umgang und soziale Werte werden in diesen Krankenhäusern besonders großgeschrieben, was sich im Allgemeinen positiv auf das kollegiale Verhältnis zwischen Vorgesetzen und Auszubildenden auswirkt.
Weiterbildungsmöglichkeiten
In kirchlichen Krankenhäusern sind üblicherweise alle gängigen Facharztrichtungen (Beispiel: Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Urologie, Neurologie) vertreten. Wer über eine Facharztweiterbildung in einem Nischenfach nachdenkt oder besonderes Interesse an einer wissenschaftlichen Karriere hat, sollte jedoch eher über eine Anstellung in einem kommunalen oder Universitätskrankenhaus nachdenken.
Tarifvertrag
Kirchliche Einrichtungen haben keinen eigenen Tarifvertrag für ihre Mitarbeitenden, orientieren sich aber daran in ihren Arbeitsvertragsrichtlinien wie beispielsweise:
Dienste
Auch in kirchlichen Krankenhäusern beginnt der ärztliche Stationstagesdienst zwischen halb sieben und sieben Uhr am Morgen und endet um 16 Uhr am Nachmittag. Danach bleibt ein Arzt zusätzlich für den Spät- und Nachtdienst, behandelt Notfälle in den jeweiligen Ambulanzen und unterstützt – zumindest in chirurgischen Fächern – die diensthabenden leitenden Ärzte bei Notoperationen. Der diensthabende Assistenzarzt ist zudem für alle Belange auf der zum Fachgebiet gehörenden Bettenstation zuständig. An Wochenenden und Feiertagen gelten Sonderregelungen. Oftmals übernehmen die Ärzte dann komplette 24-Stunden-Schichten oder wechseln sich im Zweischichtbetrieb ab. Zusätzlich stehen Ober- oder leitende Ärzte in Rufbereitschaft zur Verfügung. Auf speziellen Abteilungen (Beispiel: Intensivstation) gelten gesonderte Einsatzpläne und Dienstregelungen. Allgemeine Infos über die Dienste als Assistenzarzt findest Du hier:
- Assistenzarzt Vergütung von Dienst, Bereitschaftsdienst, Rufbereitschaft
- Arzt-Rechte und Pflichten: Arbeitszeiten und Dienstpläne
Zuschläge
Das Ableisten von Überstunden sowie Nachtarbeit zwischen 21 und sechs Uhr wird sowohl an katholischen als auch an evangelischen Krankenhäusern mit 15 Prozent vergütet. Samstagsarbeit wird mit 64 Cent pro Stunde entlohnt, für Sonntagsdienste werden stündlich 25 Prozent veranschlagt. Für Feiertagsarbeit erhalten ärztliche Mitarbeiter einen Zuschlag von 135 Prozent ohne und 35 Prozent mit Freizeitausgleich.
Arbeitszeit
Die Wochenarbeitszeit beträgt insgesamt 40 Stunden, diese kann jedoch zuzüglich der Ableistung von Bereitschaftsdiensten auf bis zu durchschnittlich 58 Stunden verlängert werden.
Urlaub
Mitarbeiter an kirchlichen Krankenhäusern haben einen jährlichen Anspruch auf 30 Tage Urlaub. Alles, was Du grundsätzlich zum Thema Urlaub als Arzt wissen musst, beschreibt dieser Artikel:
Zusätzliches
Bisher war es dem Marburger Bund nicht möglich, tarifliche Vereinbarungen für kirchliche Krankenhäuser zu treffen, die denen von öffentlichen und privaten Krankenhäusern gänzlich entsprechen. Dies liegt darin begründet, dass die Kirche die Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter eigenständig vornehmen darf. Statt Tarifverträgen gelten von Kommissionen erstellte Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR). Die Löhne und Regelungen zur Dienstplangestaltung sowie der Übernahme von Bereitschaftsdiensten an kirchlichen Krankenhäusern orientieren sich zwar grob am Tarifvertrag kommunaler Krankenhäuser, dennoch fallen die Löhne der Ärzte geringer aus. Des weiteren bestehen Abweichungen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen, hierbei insbesondere bei der Begrenzung von Bereitschaftsdiensten.
Benefits
Wenn Bereitschaftsdienste in der Nacht übernommen werden, entsteht der Anspruch auf zusätzliche freie Tage.
Entscheidungshilfe
Die allgemeine Arbeitsweise in kirchlichen Krankenhäusern unterscheidet sich nicht sonderlich von der in privaten, kommunalen oder universitären Kliniken. Diese Krankenhäuser pflegen jedoch eine christliche Wertekultur und erachten die seelsorgliche Begleitung und Unterstützung der Patienten als sehr wichtig. Um sich einen Eindruck über die Abläufe, das ärztliche Kollegium sowie das generelle Arbeitsklima zu verschaffen, empfiehlt sich eine einwöchige Hospitation vor einem möglichen Stellenantritt. Wer sich für einen konfessionellen Arbeitgeber entscheidet, muss zudem damit rechnen, dass ein geplanter Kirchenaustritt Fragen und möglicherweise auch weitere Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Alles, was Du zum Thema Berufsstart in anderen Kliniken wissen musst, liest Du hier:
- Berufsstart in der kommunalen Klinik: Vor- und Nachteile
- Berufsstart in der Universitätsklinik: Vor- und Nachteile
Weitere Infos zu den Themen Facharztausbildung und Arbeitgeberwahl bieten Dir diese Whitepaper:












