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praktischArzt Medikamente Citalopram

Citalopram

Citalopram
Zuletzt aktualisiert: 19.05.2026
Themen: Medikament
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Depressionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen und werden gerade in ihrer Schwere oft unterschätzt. Etwa jeder fünfte Bundesbürger leidet unter einer depressiven Symptomatik. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um einen vorübergehenden Zustand und die Depression verschwindet bald wieder. Länger dauernde und tiefergehende Depressionen sind aber behandlungsbedürftig – mittels Psychotherapie und mit Medikamenten. Ein häufig eingesetztes Antidepressivum ist Citalopram.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Citalopram?
  2. Anwendung und Dosierung
  3. Wirkung
  4. Nebenwirkungen
  5. Wechselwirkungen und Kontraindikationen

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Was ist Citalopram?

Citalopram Chemische StrukturDas Antidepressivum “Citalopram” gehört zur Gruppe der sogenannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI = Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren). So wird eine Klasse von Medikamenten bezeichnet, die gezielt auf den Serotonin-Haushalt im Körper Einfluss nehmen.

Serotonin ist ein körpereigener Botenstoff, der für den Informationsaustausch in unserem Nervensystem verantwortlich ist. Der Botenstoff beeinflusst viele Prozesse – unter anderem auch unsere Emotionen. Deshalb wird Serotonin auch gerne als “Glückshormon” bezeichnet.

Bei Depressionen ist der Serotonin-Haushalt gestört. Der genaue Zusammenhang zwischen Serotonin-Spiegel und depressiver Befindlichkeit ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. SSRI-Medikamente sollen den Serotonin-Haushalt wieder ins Gleichgewicht bringen und so eine Verbesserung der Depression bewirken. Neben der Behandlung von Depressionen wird Citalopram auch bei Angst-, Zwangs- oder Panikstörungen eingesetzt.

Citalopram – Anwendung und Dosierung

Citalopram wird in Deutschland von verschiedenen Herstellern angeboten – außer unter der originären Bezeichnung auch unter den Namen Cipramil und Citalon oder mit verschiedenen Namenszusätzen der jeweiligen Hersteller. Die gängige Darreichungsform sind Filmtabletten in Dosierungen von 10, 20, 30 und 40 mg pro Tag. Es gibt auch Angebote in Tropfenform und als Infusionslösungskonzentrat. Das Medikament ist grundsätzlich rezeptpflichtig – gleichbedeutend mit dem Erfordernis der ärztlichen Anordnung.

In der Regel startet man in der Anfangsphase mit einer Dosierung von 10 mg pro Tag. Diese wird dann sukzessive über mehrere Wochen bis zur angestrebten Dosis erhöht. Die maximale Dosis beträgt 40 mg, bei älteren Menschen werden maximal 20 mg empfohlen. Die Höhe der Dosis hängt von der Intensität des Leidens ab. Die Dosierung sollte immer in ärztlicher Absprache erfolgen, schon um Langzeitschäden zu vermeiden.

Citalopram – Wirkung

Die Wirkung von Citalopram beruht auf dem Wirkstoff Citalopramhydrobromid. Citalopram greift in den Neurotransmitter-Stoffwechsel im Gehirn ein. Es hemmt die Aufnahme von Serotonin in den Nervenzellen. Dadurch erhöht sich die Serotonin-Konzentration im sogenannten synaptischen Spalt – dem Spalt zwischen zwei Nervenzellen. Bei Depressionen und anderen psychischen Leiden ist oft zu wenig “freies” Serotonin vorhanden. Durch die Aufnahmehemmung gleicht das Medikament dieses Defizit wieder aus. Depressive Symptome verschwinden oder werden schwächer.

Wann wirkt Citalopram?

Das Medikament wirkt in der Anfangsphase noch nicht. Es dauert etwa zwei bis vier Wochen, bis sich die Befindlichkeit deutlich verbessert. Manchmal wird die volle Wirkung auch erst nach sechs Wochen erreicht. Der Effekt tritt “schleichend” ein. In der Anfangsphase kann es sogar zu gegenteiligen Wirkungen kommen, solange der Körper sich noch nicht an den Wirkstoff gewöhnt hat.

Wie lange wirkt Citalopram nach Absetzen?

Citalopram darf wie jedes Antidepressivum nie abrupt abgesetzt werden. Wird der Wirkstoff plötzlich entzogen, kann es zu heftigen “Gegenreaktionen” kommen. Die ursprüngliche depressive Symptomatik tritt dann unter Umständen wieder auf – und das sogar verstärkt. Man spricht vom Rebound-Effekt oder Rückschlag-Effekt. Die Empfehlung lautet, das Medikament ebenso “auszuschleichen” wie es in der Anfangsphase eingeschlichen wurde. Der Wirkstoff-Spiegel wird allmählich abgesenkt und es kann bis zu mehreren Wochen dauern, bis der Wirkstoff vollständig vom Körper abgebaut ist. Damit ist dann auch die Medikamentenwirkung endgültig beendet.

Wie lange dauert es, bis Citalopram aus dem Körper ist?

Das Medikament hat eine relativ lange Halbwertszeit von ca. 36 Stunden. Das heißt: in dieser Zeit wird die Hälfte des Wirkstoffs wieder aus dem Körper ausgeschieden. Der Abbau geschieht über die Leber.

Citalopram – Nebenwirkungen

Citalopram gilt als gut verträglich. Dennoch gibt es wie bei jedem Medikament Nebenwirkungen. Vor allem in der Anfangsphase – den ersten beiden Wochen der Einnahme – wird häufig über vermehrtes Schwitzen, Durchfall und Schlaflosigkeit berichtet. Wenn der Körper den Wirkstoff Citalopramhydrobromid in ausreichender Menge aufgenommen und sich daran gewöhnt hat, klingen die Symptome üblicherweise wieder ab.

Hier ein Überblick über mögliche Nebenwirkungen – nach dem Grad der Häufigkeit gegliedert.

Sehr häufig (mehr als eine behandelte Person von 10)

Nervosität, starke Erregtheit, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Zittern, Schwindel, Herzklopfen, Übelkeit, Mundtrockenheit, Störungen der Darmtätigkeit (Verstopfung, Durchfall), vermehrtes Schwitzen.

Häufig (1 bis 10 behandelte Personen von 100)

Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, verändertes Traumverhalten, abgeschwächte Libido, Ejakulationsstörungen und Impotenz beim Mann, Orgasmusstörungen bei der Frau, Angst, veränderter Appetit (Zu- und Abnahme), Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit, Empfindungsstörungen, Migräne, erhöhter Puls, Blutdruck-Anomalien (Bluthochdruck, Blutdruckabfall bei Lagewechsel), Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, Blähungen, verstärkter Speichelfluss, Juckreiz auf der Haut.

Gelegentlich (1 bis 10 behandelte Personen von 1000)

Euphorie, Steigerung der Libido, Aggressivität, suizidale Gedanken, Gleichgewichtsstörungen, Krampfanfälle, verlangsamter Puls, Anstieg der Leberenzyme, Husten, Atemnot.

Selten (bis 10 behandelte Personen von 10000)

Psychomotorische Unruhe, EKG-Veränderungen (Verlängerung des QT-Intervalls), Herzrhythmusstörungen (sehr selten), Gelenkschmerzen, Blutungen.

Citalopram Nebenwirkungen

Gibt es Langzeitschäden?

Der Wirkstoff Citalopramhydrobromid wird über die Leber abgebaut. Bei einer länger andauernden Einnahme von Citalopram (deutlich mehr als ein Jahr) ist eine Beeinträchtigung der Leberfunktion möglich. Vor allem ältere Menschen besitzen ein erhöhtes Risiko. Leberwerte sollten daher während einer längeren Behandlung mit Citalopram überwacht werden. Ansonsten sind keine Langzeitschäden bekannt. Generell gilt, dass das Medikament nicht als Dauermedikation eingesetzt werden sollte. Nach dem Abklingen der depressiven Symptomatik wird das Medikament noch einige Monate zur Rückfallprophylaxe eingenommen und dann ausgeschlichen. Auch das hilft, Langzeitschäden zu vermeiden.

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Citalopram – Wechselwirkungen und Kontraindikationen

Wie bei jedem Antidepressivum gibt es auch bei der Anwendung von Citalopram eine ganze Reihe an (unerwünschten) Wechselwirkungen, die zugleich Kontraindikationen begründen – zum Beispiel bei Citalopram und Alkohol.

Citalopram und Alkohol

Eine der stärksten Wechselwirkungen besteht zwischen Citalopram und Alkohol. Die Einnahme von Citalopram erhöht die Alkohol-Empfindlichkeit unter Umständen nachhaltig. Manche mit dem Medikament behandelte Personen berichten schon bei geringem oder normalem Alkohol-Konsum von schweren Kater-Erscheinungen und Übelkeit. Citalopram und Alkohol gleichzeitig einzunehmen sollte daher unbedingt vermieden werden.

Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)

Neben Citalopram und Alkohol begründen MAO-Hemmer die wichtigste Kontraindikation. MAO-Hemmer werden bei bestimmten Formen der Depression eingesetzt, aber auch zur Behandlung von Parkinson.

Andere Medikamente mit Serotonin-Einfluss

Während der Behandlung mit Citalopram sollte möglichst auf andere Medikamente verzichtet werden, die sich ebenfalls auf den Serotonin-Haushalt auswirken. Das trifft auf bestimmte Migräne-Mittel, Opioid-Schmerzmittel und einige Mittel zu, die auf Serotonin-Vorstufen abzielen (zur Behandlung von Schlafstörungen oder zur Stimmungsaufhellung).

Andere Medikamente mit QT-Zeit-Verlängerung

Das Medikament kann den Herzschlag verändern und die sogenannte QT-Zeit verlängern. Bei starken QT-Zeit-Verlängerungen kommt es im Extremfall zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand. Citalopram darf deshalb nicht gleichzeitig mit Medikamenten eingenommen werden, die ebenfalls die QT-Zeit verlängern. Dazu zählen unter anderem bestimmte Antibiotika, Asthma-Mittel, bestimmte Mittel gegen Pilzinfektionen, aber auch einige einfache Erkältungsmittel zur Behandlung von Schleimhautschwellungen. Ein angeborenes oder erworbenes Long-QT-Syndrom ist eine Gegenanzeige für das Citalopram.

Gerinnungshemmer

Die Wirkung von einigen Gerinnungshemmern wird bei Anwendung von Citalopram ggf. verstärkt. Das ist bei der Verschreibung zu berücksichtigen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Negative Auswirkungen durch die Einnahme von Citalopram auf das ungeborene Kind konnten bisher nicht nachgewiesen werden – auch keine Langzeitschäden. Dennoch sollte während der Schwangerschaft auf das Medikament möglichst verzichtet werden, da die Wirkstoffe auch den Fötus erreichen. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung und ärztliche Absprache ist eine Mindestanforderung. Aus den gleichen Gründen sollten Mütter während einer Behandlung mit Citalopram das neugeborene Kind nicht stillen.

Altersbeschränkung

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird das Medikament nicht empfohlen.

Häufige Fragen

  1. Was ist Citalopram?
  2. Citalopram ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Es wird zur Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt.

  3. Wie schnell wirkt Citalopram?
  4. Die Wirkung des Medikaments setzt nicht sofort ein. Es dauert etwa zwei bis vier Wochen, manchmal auch bis zu sechs Wochen, bis der Serotonin-Haushalt den gewünschten Zustand erreicht hat.

  5. Wie kann ich Citalopram absetzen?
  6. Citalopram sollte stets “ausgeschlichen” werden. Die Dosis wird dann schrittweise über einen bestimmten Zeitraum bis auf null reduziert. Üblicherweise geschieht das über mehrere Wochen.

  7. Kann man von Citalopram abhängig werden?
  8. Antidepressiva gelten allgemein im Unterschied zu Sedativa wie Benzodiazepinen als nicht abhängig machend. Dennoch können beim abrupten Absetzen entzugsähnliche Erscheinungen auftreten. Daher wird das Ausschleichen empfohlen.

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Quellen
  1. Schneider, F.: Facharztwissen Psychiatrie und Psychotherapie, Springer-Verlag, 2012
  2. Zahlen und Fakten über Depression, https://www.aok-bv.de/... (Abrufdatum: 03.11.2022)
  3. Arzneimittelsteckbrief Citalopram, https://www.uk-koeln.de/... (Abrufdatum: 03.11.2022)
  4. Citalopram, https://www.nhs.uk/... (Abrufdatum: 03.11.2022)
Redaktion
pA Medien Gmbh
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