
Bossing ist eine besonders perfide Form von Mobbing, bei der die Schikane gezielt von Vorgesetzten ausgeht. Auch im Gesundheitswesen kommt Bossing vor, wobei die hohe Arbeitsbelastung und steile Hierarchien dafür ein Einfallstor darstellen. Für die Betroffenen können die Folgen gravierend sein. Umso wichtiger ist es, Bossing frühzeitig zu erkennen, wirksam dagegen vorzugehen und geeignete Präventionsmaßnahmen zu etablieren.
Inhaltsverzeichnis
Formen und Merkmale von Bossing
Beim Bossing geht die Schikane, anders als beim Mobbing, nicht von Kollegen in einer ähnlichen Position aus, sondern von Vorgesetzten. Durch das klare Machtgefälle kann diese Form des Mobbings als besonders belastend wahrgenommen werden. Typischerweise nutzen Führungskräfte in Fällen von Bossing ihre hierarchische Position, um gezielt Druck auszuüben, Mitarbeitende zu isolieren oder sie öffentlich herabzuwürdigen. Dabei geschieht dies nicht punktuell, sondern systematisch über einen längeren Zeitraum.
Anzeichen von Bossing können eine übermäßige Kontrolle der Betroffenen, die Unterstellung von Fehlern und direkte verbale oder körperliche Angriffe durch Vorgesetzte sein. Auch eine Verunsicherung des Angestellten durch gemischte Signale, beispielsweise indem sich Phasen der Schikane mit Lob und Aufwertung abwechseln, sind typisch für Bossing. Häufig wird zudem ein zu hohes Arbeitspensum vergeben, das in der gegebenen Zeit nicht zu schaffen ist und entsprechend zu Stress führen soll. Darüber hinaus werden den Betroffenen teils wichtige Informationen vorenthalten, wodurch sie in ihrem Arbeitsalltag behindert werden. Ziel ist es dabei mitunter, eine Eigenkündigung zu provozieren.
Auswirkungen von Bossing
Die Auswirkungen von Bossing können vielschichtig sein und betreffen sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit. Besonders gravierend ist dabei die emotionale Belastung, die aus der Kombination von systematischem Druck und einem Abhängigkeitsverhältnis gegenüber der angreifenden Führungskraft resultiert. Aus dieser Belastung können schwerwiegendere Probleme wie zum Beispiel ein verringerter Selbstwert, Ängste und depressive Verstimmungen entstehen. Auch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und ein generelles Erschöpfungsempfinden können Folgen von Bossing sein. Bei Ärzten kann es durch Bossing auch zu Behinderungen der Karriere, beispielsweise in der Facharztweiterbildung, kommen.
Ursachen und strukturelle Hintergründe im Gesundheitswesen
Im medizinischen Bereich herrschen oftmals steile Hierarchien, wobei unter einem hohen Druck gearbeitet wird. Auch sind Assistenzärzte für den reibungslosen Ablauf ihrer Facharztausbildung von ihren Vorgesetzten abhängig, was zu einem Einfallstor für Bossing werden kann. Darüber hinaus ist nicht jeder, der sich im Klinikalltag in einer höheren Position befindet, den damit einhergehenden Führungsaufgaben gewachsen. Einige Kliniken bieten zwar Weiterbildungen im Bereich Führung an, allerdings ist dies nicht die Regel. Fehlende Führungskompetenz kann zu unsachgemäßer Konfliktbewältigung führen, wobei autoritäres Verhalten und Machtdemonstrationen zum Ausdruck kommen. Fehlende Unterstützungsangebote für betroffene Mitarbeitende und ein schlechtes Betriebsklima führen zusätzlich dazu, dass Bossing nicht nur selten gemeldet, sondern oft auch geduldet wird.
Handlungsmöglichkeiten für betroffene Ärzte
Betroffene von Bossing fühlen sich in ihrer Situation oftmals hilflos. Umso wichtiger ist es, konkrete Schritte einzuleiten, wobei je nach Situation unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten passend sind.
Dokumentation des Bossings führen
Für eine spätere Aufarbeitung ist es sinnvoll, die Vorfälle chronologisch mit Datum, Uhrzeit, Beteiligten und Inhalt zu dokumentieren. Auch schriftliche Beweise wie E-Mails oder Gesprächsnotizen sollten systematisch gesichert werden. Die Dokumentation dient nicht nur der rechtlichen Absicherung, sondern kann auch emotional stabilisierend wirken.
Das Gespräch suchen
In den frühen Phasen des Bossings kann es sinnvoll sein, ein sachliches Gespräch mit der entsprechenden Führungskraft anzustreben. Voraussetzung dafür ist jedoch ein Mindestmaß an Sicherheit und Unterstützung. Ideal ist es, ein solches Gespräch in Begleitung, etwa durch eine Vertrauensperson, den Betriebsrat oder die Personalvertretung, zu führen.
Rechtliche Möglichkeiten bei Bossing prüfen
In schwerwiegenden Fällen von Bossing kann eine rechtliche Auseinandersetzung erforderlich werden. Arbeitgeber müssen ihre Fürsorgepflicht beachten, deren Verletzung rechtlich verfolgt werden kann. Auch Klagen wegen Diskriminierung oder psychischer Folgeschäden sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Fazit
Bossing ist eine besonders gravierende Form von psychischer Gewalt am Arbeitsplatz. Die Kombination aus hierarchischem Gefälle und einem Abhängigkeitsverhältnis im Bezug auf den weiteren Verlauf der Karriere erschwert es betroffenen Ärzten oft, sich zu wehren. Umso wichtiger sind strukturierte Präventionsmaßnahmen und ein reflektierter Umgang mit Machtverhältnissen. Entscheidend ist, frühzeitig aktiv zu werden, Unterstützung zu suchen und Grenzen zu setzen. Denn nur so lässt sich verhindern, dass sich destruktive Verhaltensmuster weiter verfestigen und bei den Betroffenen langfristige Schäden anrichten.












