
Das Fach der Gynäkologie ist in der Medizin einigen Vorurteilen unterlegen. Wie etwa, dass alle Medizinstudentinnen Gynäkologie machen, um sich direkt nach der Facharztweiterbildung niederzulassen und in der Praxis möglichst nur halbtags arbeiten, um sich auf die Familie konzentrieren zu können. Auch wenn das natürlich ein ansprechender möglicher Berufsweg ist, sollte jedem bewusst sein, dass dies veraltete Klischees sind. Wie spannend und teilweise anspruchsvoll der Fachbereich Gynäkologie sein kann, lernst Du im entsprechenden Fach in der Klinik.
Inhaltsverzeichnis
Gynäkologie – Was ist das?
Die Gynäkologie – umgangssprachlich als Frauenheilkunde bezeichnet – ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Gesundheit der weiblichen Geschlechtsorgane und dem weiblichen Hormonsystem befasst. Es umfasst die Diagnostik, Behandlung und Prävention von Erkrankungen und gynäkologische Tumoren. Im Fach Gynäkologie als Teil der Klinik im Medizinstudium lernen Studierende Hintergründe zu den Erkrankungen und der Geburtshilfe, erfahren aber auch den Ablauf von gynäkologischen Erkrankungen und Behandlungen. Außerdem finden Veranstaltungen auf Station und auch in der Ambulanz und im OP statt.
Hauptfach Gynäkologie – Die wichtigsten Inhalte
Im Fach Gynäkologie in der Klinik lernst Du die wichtigsten Erkrankungen kennen, die Dir potenziell als Gynäkologe oder Gynäkologin oder auch in anderen ärztlichen Zusammenhängen begegnen können. Hierbei handelt es sich leider um viele Krebserkrankungen (Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Ovarialkarzinome), aber auch andere Krankheitsbilder. Große Themengebiete sind Endometriose und andere Zyklusstörungen, hormonelle Veränderungen bei polyzystischen Ovarialsyndrom oder Hyperprolaktinämie und strukturelle Veränderungen, wie Uterusfehlbildungen. Gleichzeitig lernst Du die medizinischen Grundlagen zur Versorgung in diesem Fachgebiet und erfährst Hintergründe zu Verhütungsmethoden, Geschlechtskrankheiten (STIs) oder Empfängnis.
Darüber hinaus nimmt die Geburtshilfe einen sehr prominenten Teil in Gyn ein. Sie beschäftigt sich mit der Schwangerschaft, ihrer Physiologie und Komplikationen, sowie der Geburt. Das Thema Abtreibung ist nach wie vor kein relevanter Teil des Lehrplans.
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Lernaufwand und Umfang
Gyn ist ein eher kleines Fach in der Klinik, das aus viel praktischem Unterricht und direktem Patientenkontakt besteht. Der Lernaufwand ist verglichen mit einigen anderen Fächern nicht gerade hoch, vor allem, da die Krankheitsbilder fast nur auf die primären und sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale beschränkt sind.
Auch für das M2 musst Du Dir wegen Gyn keine Sorgen machen: Insgesamt werden hier durchschnittlich nur 2 bis 3 Prozent der Fragen verteilt, was etwa 6 bis 10 Aufgaben entspricht.
Das sagen unsere Medizinstudierenden
Nicolas: "Die Gynäkologie liegt mir gar nicht und ich finde viele Krankheitsbilder auch nicht so interessant wie in anderen Fachrichtungen. Hinzu kam, dass die Lehre an meiner Uni in Homburg sich auch nicht besonders viel Mühe gegeben hat, Leute für das Fach zu begeistern. Den Lernaufwand würde ich als mittel bis hoch bezeichnen, da es relativ viele umfangreiche Krankheitsbilder gibt (z.B. das Mammakarzinom, die anderen gynäkologischen Karzinome und Erkrankungen rundum die Schwangerschaft). Hier würde ich empfehlen, das Mammakarzinom besonders gut zu lernen, weil das in den Klausuren und dem Examen sehr oft gefragt wird."
Relevanz des Themengebietes für die ärztliche Tätigkeit
Anders als die großen Fächer der Klinik, reicht die Gynäkologie nicht in jedes Fachgebiet. Dennoch gibt es einige Themen im Fach, die jeder bei der ärztlichen Tätigkeit im Hinterkopf behalten sollte. Dazu gehört beispielsweise, dass abdominelle Beschwerden bei Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen auch auf entsprechende Erkrankungen, wie eine Ovarialtorsion (Verdrehung eines Eierstocks) oder Endometriose hinweisen kann. Darüber hinaus muss im fruchtbaren Alter immer auch ein Schwangerschaftstest erfolgen (auch wenn die Patientin eine mögliche Schwangerschaft verneint).
Wenn Du Dich über solche Grundsätze hinaus für die Gynäkologie begeistern oder sogar eine Karriere vorstellen kannst, sind vielleicht folgende Weiterbildungen etwas für Dich:
- Facharztrichtung Gynäkologie
- Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin
- Schwerpunkt-Weiterbildung Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin
- Schwerpunkt-Weiterbildung Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
- Schwerpunkt-Weiterbildung Gynäkologische Exfoliativ-Zytologie
Mehr zum Arbeitsalltag und Gehalt von Gynäkologen findest Du hier:
Lerntipps für Gynäkologie
Generell ist es jetzt kein Hexenwerk, den Gynäkologie-Schein zu bestehen. Dennoch solltest Du Krankheitsverläufe und Therapien intensiv anschauen. Das Fach begleitet seine Patientinnen nämlich von der Erstdiagnose bis zur Heilung oder zum Tod. Die Gyn deckt also die ambulante Versorgung, konservative Therapie, Operationen und Palliativversorgung mit ab.
Eine mögliche Lernstrategie für kleine Fächer
So einen Überblick oder generell ein Gefühl für die verschiedenen Aspekte im Fach Gynäkologie bekommst Du am besten durch Altklausuren – je nachdem wie diese an Deiner Uni gesammelt werden (oder vielleicht sogar von Professoren geteilt?). Dann hast Du auch potenzielle Altfragen schonmal sicher. Wenn Du die Möglichkeit nicht hast, kannst Du aber aber auch genauso Kreuztools für das 2. Staatsexamen verwenden.




