
Ein Orthoptist befasst sich mit präventiven, diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen im Bereich der Augenheilkunde. Es handelt sich hierbei um einen medizinischen Fachberuf, in dem man sich seit dem Jahr 1951 ausbilden lassen kann. In Deutschland ist der Berufsverband Orthoptik Deutschland e. V. (kurz: BOD) für die Ausbildung von Orthoptisten verantwortlich. Ausgebildet wird an Fachschulen für Orthoptik, die an Universitäten angeschlossen sind.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Voraussetzungen: Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss mit Berufsausbildung, ärztliches Attest und z. T. Führungszeugnis
- Ausbildungsdauer: 3 Jahre; mindestens 4.500 Stunden (1.700 Stunden Theorie und 2.800 Stunden Praxis).
- Ausbildungsvergütung: in kommunalen Einrichtungen nach TVAöD: z. B. ca. 1.120 EUR im 1. Jahr; keine Vergütung an privaten Schulen
- Berufliche Tätigkeiten: Prävention, Diagnostik und Therapie von Sehstörungen wie Schielen, Nystagmus und Augenzittern, enge Zusammenarbeit mit Augenärzten
- Berufsgehalt: Tariflich geregeltes Einstiegsgehalt von ca. 3.295 Euro brutto, Spitzengehälter je nach Verantwortung und Tätigkeit bis 5.153 € brutto möglich
Orthoptist – Ausbildung Voraussetzungen
Voraussetzung für die Aufnahme der Ausbildung ist ein mittlerer Schulabschluss, d.h. ein Realschulabschluss. Alternativ dazu reicht mindestens ein Hauptschulabschluss, wenn man neben dem Schulabschluss eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen hat.
Die gesundheitliche Eignung für den Beruf muss durch ein ärztliches Attest belegt werden. Teilweise wird neben einem Führungszeugnis auch ein Nachweis über einen gewissen Impfschutz gefordert.
Übersicht Voraussetzungen Orthoptist
- Realschulabschluss
- Alternativ Hauptschulabschluss und abgeschlossene Ausbildung
- Führungszeugnis
- Attest vom Arzt
Bewerber werden anhand ihrer persönlichen und fachlichen Eignung ausgewählt, die durch schriftliche Bewerbungsunterlagen sowie in einem persönlichen Gespräch abgefragt werden. An einigen Einrichtungen wird zudem eine schriftliche Aufnahmeprüfung durchgeführt. Jede Fachschule hat ihre eigenen Kriterien. Gute Noten in den Fächern Deutsch, Biologie und Physik sind jedoch in den meisten Fällen entscheidend.
Hilfreiche Soft Skills
Für den Beruf des Orthoptisten sollte man über eine selbstständige Arbeitsweise, gute Kommunikationsfähigkeiten und Einfühlungsvermögen sowie eine sorgfältige Vorgehensweise verfügen. Auch Fingergeschick und Beobachtungsgenauigkeit gehören zu den Fähigkeiten eines guten Orthoptisten.
Orthoptist – Ausbildung Dauer
Die Berufsausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Dabei muss eine Mindeststundenzahl von 4.500 Stunden erreicht werden. 1.700 Stunden entfallen hierbei auf die theoretische und 2.800 Stunden auf die praktische Ausbildung. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer Prüfung, die Fragen zu folgenden Inhalten enthält:
- Schriftlicher Teil: insgesamt 180 Minuten in den Bereichen Anatomie und Physiologie der Augen sowie Augenbewegungsstörungen, Orthoptik und Pleoptik und Neuroophthalmologie
- Mündlicher Teil: maximal 10 Minuten in den gleichen Bereichen wie der schriftliche Teil und zusätzlich allgemeine Augenheilkunde, Optik und Brillenlehre, allgemeine Hygiene und Gesundheitsvorsorge und Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde
- Praktischer Teil: Untersuchung von zwei Patienten unter Aufsicht; für einen der Patienten wird der Untersuchungsablauf, das Untersuchungsergebnis und der Behandlungsvorschlag schriftlich festgehalten.
Die Ausbildungsdauer kann verkürzt werden, wenn zum Beispiel bereits eine Berufsausbildung mit ähnlichen Ausbildungsinhalten absolviert wurde. Der Bachelor-Studiengang “Interprofessionelle Gesundheitsverorgung (B.Sc.)” an der Universität Heidelberg hat eine Regelstudiendauer von acht Semestern.
Orthoptist – Ausbildung Inhalte
Der theoretische und praktische Unterricht an der Berufsfachschule vermittelt die Grundlagen in den folgenden Bereichen:
| Inhalt | Stunden |
| Theoretischer und praktischer Unterricht | |
| Allgemeine Anatomie und Physiologie | 100 |
| Spezielle Anatomie und Physiologie | 180 |
| Allgemeine Krankheitslehre, Kinderheilkunde | 60 |
| Arzneimittel | 40 |
| Allgemeine Augenheilkunde | 150 |
| Neuroophthalmologie | 100 |
| Othoptik und Pleoptik | 400 |
| Augenbewegungsstörungen | 250 |
| Physik, Optik, Brillenlehre | 200 |
| Hygiene | 60 |
| Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde | 60 |
| Stunden zur freien Verteilung | 100 |
| Gesamtstunden | 1.700 |
| Praktische Ausbildung | |
| Anamnese- und Befunderhebung, Dokumentation | |
| Therapieplanung und -durchführung | |
| Neuroophthalmologie (einschließlich Perimetrie) | |
| Gesprächsführung und Beratung | |
| Anwendung und Pflege orthoptischer und pleoptischer Geräte | |
| Fotografie | |
| Betreuung von sehbehinderten und Kontaktlinsenträgern | |
| Gesamtstunden | 2.800 |
Außerdem werden allgemeinbildende Fächer, zum Beispiel Deutsch, Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde sowie Wirtschafts- und Sozialkunde unterrichtet.
Die im Unterricht erworbenen Kenntnisse werden während der praktischen Ausbildung in der Augenklinik oder einer Augenarztpraxis in der Praxis angewendet. Die praktische Ausbildung kann auch in einer Rehaklinik, einer Einrichtung für Menschen mit Sehbehinderung oder einem Frühförderzentrum absolviert werden.
Aktuell ist der BOS bestrebt die Ausbildung zu akademisieren. Am Universitätsklinikum Heidelberg wird bereits ein Bachelor-Studiengang angeboten, der nicht nur den staatlichen Abschluss als Orthoptist beinhaltet, sondern auch den Erwerb des akademischen Grades Bachelor of Science (kurz: B.Sc.) einschließt.
Orthoptist – Ausbildungsvergütung
Die Ausbildung zum Orthoptisten ist eine schulische Ausbildung, für die es in der Regel keine Vergütung gibt.
Wenn man seine Ausbildung jedoch bei einem kommunalen Krankenhaus oder in einer Uniklinik absolviert, unterliegt man seit dem Jahr 2019 dem Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (kurz: TVAöD) bzw. dem Tarifvertrag für Auszubildende der Länder (kurz: TVAL). In diesen Fällen erhalten Auszubildende die folgende monatliche Bruttovergütung während ihrer Berufsausbildung:
| Ausbildungsjahr | Gehalt ab 01.05.2026 |
| 1. Ausbildungsjahr | 1.365,24 Euro |
| 2. Ausbildungsjahr | 1.425,30 Euro |
| 3. Ausbildungsjahr | 1.522,03 Euro |
Gültig von 01.05.2026
An privaten und kirchlichen Krankenhäusern sowie an reinen Ausbildungsschulen gelten diese Tarifverträge jedoch nicht.
Gegebenenfalls fallen für die Aufnahme an der Fachschule Gebühren an. Auch Prüfungsgebühren können erhoben werden. Die Ausbildung an sich ist an öffentlichen Schulen jedoch in der Regel kostenfrei. An privaten Einrichtungen werden meist Lehrgangsgebühren erhoben. Zusätzlich können weitere Kosten, beispielsweise für Lernmittel oder die Berufskleidung, entstehen. Auszubildende können eine Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz: BAföG) erhalten.
Orthoptist – Aufgaben und Tätigkeiten im Berufsalltag
Ein Orthoptist diagnostiziert und behandelt funktionelle Sehschwächen und beugt diesen durch verschiedene Maßnahmen vor. Tätigkeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen des Binokularsehens sowie des Schielens und des Nystagmus. Auch um Blicklähmungen, Augenzittern und Augenbewegungsstörungen kümmert sich ein Orthoptist.
Die Arbeit beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Anamnesegespräch sowie der Analyse der Sehstörung. Anschließend werden individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmte therapeutische Maßnahmen zur Behandlung der Sehstörung eingeleitet. Als Orthoptist arbeitet man eng mit dem jeweiligen behandelnden Augenarzt zusammen.
Die Tätigkeiten eines Orthoptisten können im Einzelnen folgende Bereiche umfassen:
- Mitwirken bei der Prävention und Früherkennung sowie der Diagnose und Therapie von Sehstörungen, Schielerkrankungen, Augenzittern und Blicklähmungen
- Untersuchung und Rehabilitation von visuellen Störungen nach Hirnschädigungen in Folge von Unfällen, Hirnverletzungen oder neurologischen Erkrankungen
- Bestimmung und Prüfung von Sehschärfe und Fehlsichtigkeit
- Untersuchung von angeborenen und erworbenen Schielformen
- Prüfung von Farbsinn und Kontrastsehen
- Anpassen von Sehhilfen
- Dokumentation von Befunden
- Untersuchung und Betreuung von Patienten vor und nach einer Operation
- Assistenz während einer Operation
Orthoptist – Gehalt
Orthopisten in kommunalen Krankenhäusern werden in der Regel nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD-VKA) vergütet. Je nach Qualifikation, Aufgabenbereich und Verantwortung erfolgt die Eingruppierung meist in die Entgeltgruppen E7 bis E9, wobei die konkrete Einstufung vom jeweiligen Arbeitgeber und der Stellenbewertung abhängt. Die folgende Tabelle zeigt die monatlichen Bruttoentgelte des TVöD-VKA nach Entgeltgruppe und Erfahrungsstufe. Das Einstiegsgehalt liegt hier in Gruppe E7 aktuell bei 3.294,98 € brutto monatlich.
Gültig von 01.05.2026 bis 31.03.2027
Entgeltgruppe Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5 Stufe 6 E 15Ü – 7.149,93 € 7.901,07 € 8.612,70 € 9.087,16 € 9.197,81 € E 15 5.827,86 € 6.208,96 € 6.634,05 € 7.214,39 € 7.811,37 € 8.204,11 € E 14 5.298,27 € 5.643,35 € 6.094,01 € 6.594,12 € 7.151,57 € 7.551,78 € E 13 4.901,11 € 5.279,32 € 5.709,87 € 6.177,31 € 6.727,38 € 7.025,87 € E 12 4.415,70 € 4.850,91 € 5.359,50 € 5.923,82 € 6.586,00 € 6.900,18 € E 11 4.269,64 € 4.669,92 € 5.046,03 € 5.454,10 € 6.012,56 € 6.326,77 € E 10 4.124,53 € 4.438,16 € 4.794,69 € 5.181,37 € 5.611,95 € 5.753,35 € E 9c 4.010,72 € 4.290,50 € 4.594,76 € 4.922,61 € 5.275,05 € 5.527,70 € E 9b 3.779,84 € 4.039,01 € 4.203,56 € 4.690,55 € 4.979,11 € 5.313,37 € E 9a 3.658,61 € 3.877,94 € 4.097,67 € 4.586,77 € 4.697,43 € 4.979,97 € E 8 3.486,40 € 3.697,29 € 3.843,36 € 3.992,40 € 4.153,50 € 4.230,97 € E 7 3.294,98 € 3.537,94 € 3.682,69 € 3.828,76 € 3.969,05 € 4.045,24 € E 6 3.240,30 € 3.440,25 € 3.580,46 € 3.719,22 € 3.855,50 € 3.926,20 € E 5 3.124,08 € 3.318,04 € 3.449,05 € 3.587,78 € 3.716,70 € 3.783,33 € E 4 2.994,17 € 3.190,45 € 3.355,14 € 3.457,66 € 3.560,17 € 3.620,20 € E 3 2.953,13 € 3.164,20 € 3.215,57 € 3.332,99 € 3.421,10 € 3.501,81 € E 2Ü 2.787,52 € 3.028,30 € 3.116,51 € 3.234,12 € 3.314,92 € 3.433,49 € E 2 2.767,54 € 2.975,32 € 3.027,12 € 3.101,04 € 3.263,52 € 3.433,49 € E 1 – 2.534,55 € 2.568,83 € 2.611,69 € 2.651,64 € 2.754,50 €
Unterliegt der Arbeitgeber keinem Tarifvertrag, dann können Einstiegsgehalt sowie zukünftige Gehälter höher oder niedriger ausfallen. Mit steigender Berufserfahrung und abhängig von der Region, der Unternehmensgröße sowie der übertragenen Verantwortung kann das Gehalt eines Orthoptisten auf 3.000 bis 3.300 EUR monatlich steigen. Spitzengehälter von bis zu 5.1533 EUR im Monat sind möglich, wenn man zum Beispiel als Hilfskraft bei wissenschaftlichen Forschungsaufgaben eine hohe Verantwortung übernimmt.
| Arbeitgeber | Gehalt |
| Öffentlich | 3.295 Euro bis 4.045 Euro |
| Kirchlich | 2.936 Euro bis 5.088 Euro |
| Privat | 2.796 Euro bis 4.240 Euro |
Häufige Fragen zu Orthoptist Ausbildung und Gehalt
- Was sind die Voraussetzungen für die Ausbildung zum Orthoptisten?
- Wie lange dauert die Orthoptist-Ausbildung?
- Wie viel verdient ein Orthoptist nach der Ausbildung?
Ein mittlerer Schulabschluss (z. B. Realschulabschluss) ist erforderlich, damit man eine Ausbildung zum Orthoptisten beginnen kann. Alternativ reicht ein Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung. Ein ärztliches Attest zur gesundheitlichen Eignung wird ebenfalls verlangt.
Die Berufsausbildung zum Orthoptisten dauert 3 Jahre und umfasst Theorie (ca. 1.700 Stunden) sowie Praxis (ca. 2.800 Stunden) in Einrichtungen wie Augenarztpraxen, Rehakliniken oder Frühförderzentren.
Das Einstiegsgehalt von Orthoptisten liegt bei etwa 3.294,98 € brutto monatlich (TVöD). Mit Berufserfahrung oder zusätzlicher Verantwortung sind über 5.100 Euro brutto möglich, insbesondere im wissenschaftlichen Umfeld.




