Medizinische Fachangestellte

Medizinische Fachangestellte – Ausbildung, Beruf und Gehalt

So wie in der vergangenen Zeit die Arzthelferin, ist heute in deutschen Arztpraxen und Krankenhäusern die Medizinische Fachangestellte die unverzichtbare Assistentin der Ärzte. Die Gründe für die Umbenennung der Berufsbezeichnung gehen dabei weit über den reinen Klang der Worte hinaus.

Das Aufgabengebiet von Medizinischen Fachangestellten ist heutzutage nochmals komplexer und anspruchsvoller als noch vor einigen Jahren. Warum der Beruf nicht mehr wegzudenken ist und wieso die Zukunftsaussichten gut sind, möchten wir euch in unserem Überblick zeigen.

Voraussetzungen medizinische Fachangestellte

Ihr solltet auf jeden Fall mindestens über einen Hauptschulabschluss verfügen. Mit einem besseren Abschluss habt ihr bei Bewerbungen sogar sehr gute Chancen. Genauso wichtig ist es, dass ihr ein grundsätzliches Interesse am Bereich der Medizin mitbringt und euch der direkte Umgang mit vielen und oft auch gesundheitlich angeschlagenen Menschen nichts ausmacht.

Da medizinisches Personal an die Schweigepflicht gebunden ist, ist es ganz wichtig, dass auch ihr Verschwiegenheit bewahren könnt. Wenn euch darüber hinaus stressige Situationen nicht aus der Ruhe bringen, ihr teamfähig seid und eine strukturierte Arbeitsweise an den Tag legt, steht einer Bewerbung nichts mehr im Weg.

Aufgaben und Tätigkeiten als medizinische Fachangestellte

Grundsätzlich lässt sich das Tätigkeitsfeld von Medizinischen Fachangestellten in zwei Bereiche gliedern. Auf der einen Seite bildet der Beruf die Schnittstelle zwischen Arzt und Patient und der/die Medizinische Fachangestellte ist für Patienten neben dem Arzt der wichtigste Ansprechpartner. Auf der anderen Seite gehört das Managen des Praxisbetriebs ebenfalls zu den Hauptaufgaben. Zur besseren Übersicht haben wir euch die wichtigsten Aufgaben aus beiden Tätigkeitsfeldern in die Bereiche Medizin und Verwaltung aufgeteilt.

Verwaltungsaufgaben:

  • Planung und Koordination der Patiententermine
  • Empfangen der Patienten und Betreuung im Wartezimmer
  • Verwaltung der Behandlungsunterlagen, Patientenakte pflegen
  • Sprechstundenablauf organisieren, Vorbereitung der Behandlungsräume
  • Bearbeitung des allgemeinen Briefwechsels
  • Aufgaben in der Qualitätssicherung

Medizinische Aufgaben:

  • Patienten auf Untersuchung vorbereiten und Patientendaten für Arzt bereitstellen
  • Geräte und Instrumente für die Behandlung vorbereiten und bereitlegen
  • Assistieren des Arztes/der Ärztin bei Behandlungen und kleinen chirurgischen Eingriffen
  • Mitwirkung bei Diagnosemaßnahmen wie Röntgen, EKG oder Endoskopie
  • Verabreichung von Spritzen und Anlegen von Verbänden
  • Blutabnahme und -analyse
  • Erklärung ärztlicher Verschreibungen oder Empfehlungen
  • Rezepte ausgeben nach Absprache mit dem Arzt
  • Patienten über Gesundheitsvorsorge und Nachsorgeuntersuchungen informieren

Die Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten

Die Ausbildung zum Medizinischen Fachangestellten dauert in der Regel drei Jahre. Sind eure Leistungen besonders gut, könnt ihr unter Umständen eure Ausbildungszeit um sechs Monate, in Ausnahmefällen sogar um zwölf Monate, verkürzen.

Wie im dualen System üblich, findet die Ausbildung zum einen in der Arztpraxis oder dem Krankenhaus und zum anderen in der Berufsschule statt.

Im Rahmen der Ausbildung werden im praktischen Teil folgende Inhalte vermittelt:

  • Koordination der Patiententermine sowie Patientenbetreuung und -beratung vor, während und nach der Behandlung
  • Patienteninformation über Diagnostik, Behandlung oder Abrechnung
  • Umgang mit Patientenbeschwerden
  • Assistieren bei der der ärztlichen Therapie zum Beispiel im Rahmen des Anlegens von Wundverbänden oder Stützverbänden
  • Durchführen von Hygienemaßnahmen, Sterilisierung von Instrumenten und Apparaten
  • Erkennung von Infektionskrankheiten und Durchführung von Schutzmaßnahmen
  • Lagerung von Arzneimitteln
  • Durchführung von Laboruntersuchungen und Analyse der Untersuchungsergebnisse
  • Vorbereitung von chirurgischen Behandlungsmaßnahmen, Versorgung von Wunden, Entfernen von Nahtmaterial
  • Durchführung von Blutentnahmen, Abstrichen und Injektionen

Ungefähr zur Mitte der Ausbildung, im zweiten Lehrjahr, müsst ihr eine Zwischenprüfung absolvieren. Die 120 Minuten Prüfungszeit sind dabei in 40 Minuten Betriebswirtschaftslehre, 20 Minuten Abrechnungswesen und 60 Minuten Medizin aufgeteilt. Die Themengebiete der Zwischenprüfung decken dabei die Gebiete Untersuchungsvorbereitung, Schutz vor Infektionskrankheiten, Gebührenordnung für Ärzte/Einheitlicher Bewertungsmaßstab, Arbeits- und Praxishygiene, Verwaltungsarbeiten, EBM/GOÄ und Datenschutz und -sicherheit ab.

Am Ende der Ausbildung findet dann eure Abschlussprüfung statt, die sich in einen praktischen und einen theoretischen Teil gliedert. Im Praxisteil geht es um die Planung, Demonstration und anschließende Präsentation von praxisbezogenen Arbeitsabläufen, sowie Diagnostik- und Therapievorgängen. Abgeschlossen wird der praktische Teil mit einem Fachgespräch.

Im Theorieteil bekommt ihr ca. 20 offene Fragen und ca. 30 Multiple-Choice-Aufgaben zu folgenden Themengebieten:

  • Qualitätssicherung
  • Zeitmanagement
  • Schutz vor Infektionskrankheiten
  • Arzneimittel, Sera, Impfstoffe, Heil- und Hilfsmittel
  • Patientenbetreuung und -beratung
  • Grundlagen der Prävention und Rehabilitation
  • Laborarbeiten
  • Datenschutz und Datensicherheit
  • Dokumentation
  • Handeln bei Notfällen
  • Abrechnung erbrachter Leistungen

Es existieren diverse Angebote, die euch bei der Prüfungsvorbereitung unterstützen. So bietet beispielsweise Kiehl ein bewährtes, speziell auf die Prüfung von Medizinischen Fachangestellten ausgelegtes Lehrbuch mit 975 Testaufgaben und Lösungen an, das auch für die Klausuren in der Berufsschule während der Ausbildung bereits sehr gut geeignet ist.

Verdienst und Gehalt als medizinische Fachangestellte

Das Berufsbildungsgesetz schreibt vor, dass in der Ausbildung aus medizinische Fachangestellte eine Vergütung zu zahlen ist. Der Verdienst steigt dabei im Laufe der Ausbildungszeit.

Die Ausbildungsvergütung wird nach Tarifvertrag bezahlt. Das Gehalt beträgt ab 01.04.2016 laut dem Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte wie folgt:

  • im 1. Ausbildungsjahr (brutto) 730,- EUR,
  • im 2. Ausbildungsjahr (brutto) 770,- EUR,
  • im 3. Ausbildungsjahr (brutto) 820,- EUR

Auch nach der Ausbildung wird das Gehalt nach Tarifvertrag ermittelt. Dabei bekommt man regelmäßig eine Gehaltserhöhung, da die Dauer seit der man den Beruf ausübt das Gehalt bestimmt.

In der Tarifgruppe I werden dabei folgende Gehälter nach dem Tarifvertrag 2016 gezahlt:

  • Berufseinsteiger 1725,- EUR
  • Nach 5 Jahren 1873,- EUR
  • Nach 9 Jahren 1992,- EUR
  • Nach 17 Jahren 2266,- EUR

Durch eine Weiterbildung kann man mehr Geld verdienen. Dadurch steigt man in eine neue Tätigkeitsgruppe auf. In der Tätigkeitsgruppe II, III oder IV verdient man jeweils ca. 100 bis 150 Euro mehr Gehalt im Monat. Durch die Weiterbildungen kann man bis zu 3400,- EUR pro Monat verdienen.

Eine detaillierte Übersicht über die Tarifverträge für medizinische Fachangestellte findet Ihr hier bei der Bundesärztekammer.

Berufliche Perspektive

Ganz egal ob Hausarzt, Augenarzt, Internist oder Urologe: Arztpraxen gibt es viele in Deutschland und wird es auch zukünftig weiter zahlreich geben. Ähnlich sieht es bei Krankenhäusern aus. In beiden Bereichen bieten sich für Medizinische Fachangestellte zahlreiche potentielle Arbeitgeber.

Darüber hinaus gibt es mittlerweile ein breites Spektrum an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. So könnt ihr euch nach eurer Ausbildung in den Bereichen Onkologie, Ambulantes Operieren, Gastroenterologische Endoskopie, Pneumologie, Dialyse, Ambulantes Operieren in der Augenheilkunde, Strahlenschutz oder Arbeits-/Betriebsmedizin problemlos weiterbilden. Dadurch festigt ihr eure Position und bringt euch gleichzeitig in eine gute Ausgangslage für zukünftige Gehaltsverhandlungen.

Interesse an anderen Berufen im Gesundheitswesen? Alle Ausbildungsberufe gibt es als Übersicht auf der Seite medizinische Berufe.

Frauenanteil bei medizinischen Fachangestellten

Schaut man sich die Statistiken zur MFA in Deutschland an, so wird direkt klar, dass fast ausschließlich Frauen diesen Beruf ausüben. Ganze 98,8 % Frauenanteil herrscht hier. Dies wird nur noch getoppt durch einen Frauenanteil von 99,3 % bei zahnmedizinischen Fachangestellten.

Bereits im Jahr 2010 gab es 549.000 MFA in Deutschland. Davon sind 38 % unter 29 Jahre alt und jede sechste Angestellte ist 50 Jahre oder älter. Nachzulesen ist dies bei der Bundesagentur für Arbeit „Der Arbeitsmarkt in Deutschland: Gesundheits- und Pflegeberufe“.

Bildnachweis: 1D3J9734 via photopin (license)

Weitere Informationen

Übersicht Tarifverträge

Durch | 27.01.2016 | Allgemein, Partner | 0 Kommentar

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