
Wadenwickel gehören zu den bekanntesten Hausmitteln bei Fieber. Sie sind einfach anzuwenden und können dazu beitragen, dass sich ein fiebernder Mensch wohler fühlt. Entscheidend ist jedoch die richtige Anwendung. Zu kalte Wickel oder der falsche Zeitpunkt können unangenehm sein und die Wärmeregulation des Körpers stören. Hier erfährst Du, wann Wadenwickel sinnvoll sind und wie Du sie richtig anlegst.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste zu Wadenwickeln in Kürze
- Wadenwickel sind ein traditionelles Hausmittel, das bei Fieber die Wärmeabgabe über die Haut unterstützen kann.
- Die Wickel sollten körperwarm sein. Zu kaltes Wasser kann Frösteln oder Schüttelfrost auslösen.
- Wadenwickel kommen nur infrage, wenn Hände, Füße und Beine warm sind und der Betroffene nicht friert.
- Entscheidend ist nicht allein die gemessene Temperatur, sondern vor allem, wie stark das Fieber den Betroffenen beeinträchtigt.
- Bei Schüttelfrost, kalten Extremitäten oder Kreislaufinstabilität solltest Du auf Wadenwickel verzichten.
- Wadenwickel können Beschwerden lindern, behandeln aber nicht die Ursache des Fiebers.
Was sind Wadenwickel?
Wadenwickel sind feuchte Umschläge, die um beide Unterschenkel gelegt werden. Sie werden traditionell bei Fieber eingesetzt, um die Wärmeabgabe über die Haut zu unterstützen. Die aktuelle S3-Leitlinie zum Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen ordnet Wadenwickel als mögliche ergänzende Maßnahme ein. Die wissenschaftliche Datenlage ist allerdings begrenzt. Nur wenige Studien haben die Methode untersucht, zwei davon zeigten eine geringe Senkung der Körpertemperatur.
Wie wirken Wadenwickel?
Die feuchten Tücher nehmen Wärme von der warmen Haut auf. Dadurch kann der Körper über die Unterschenkel zusätzliche Wärme abgeben und die Temperatur etwas sinken. Wadenwickel sollten dabei nicht möglichst stark kühlen. Ziel ist vielmehr eine sanfte Unterstützung der Wärmeabgabe. Deshalb empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie körperwarme Wickel.
Wichtig ist außerdem: Wadenwickel behandeln nicht die Erkrankung, die das Fieber verursacht. Sie können lediglich dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und das Wohlbefinden zu verbessern.
Wann sind Wadenwickel sinnvoll?
Fieber ist zunächst eine normale Reaktion des Körpers auf verschiedene Erkrankungen, besonders häufig auf Infektionen. Nicht jede erhöhte Temperatur muss deshalb gesenkt werden. Vor allem bei Kindern sollte die Entscheidung über fiebersenkende Maßnahmen nicht allein vom Thermometer abhängen. Entscheidend ist, ob das Kind unter dem Fieber leidet.
Wadenwickel bei Fieber
Wadenwickel können infrage kommen, wenn sich der Betroffene durch das Fieber deutlich unwohl fühlt und Hände, Füße und Beine warm sind. Eine feste Temperaturgrenze, ab der Wadenwickel grundsätzlich notwendig oder sinnvoll sind, gibt es nicht. Nach der aktuellen S3-Leitlinie sollen fiebersenkende Maßnahmen bei zuvor gesunden Kindern nicht allein deshalb durchgeführt werden, weil die Körpertemperatur einen bestimmten Wert erreicht.
Steigt das Fieber gerade an, sind Hände und Füße dagegen häufig kalt. Gleichzeitig kann der Betroffene frieren oder Schüttelfrost entwickeln. In dieser Phase solltest Du keine kühlenden Wadenwickel verwenden.
Wadenwickel bei Kindern
Bei Kindern sollten Wadenwickel nur angewendet werden, wenn sie sich damit wohlfühlen. Sie sollten während der Anwendung beobachtet und nicht gegen ihren Willen gewickelt werden. Kleine Kinder können schneller auskühlen als Erwachsene. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt deshalb bei kleinen Kindern eine Anwendungsdauer von höchstens etwa zehn Minuten. Bei älteren Kindern können die Wickel länger liegen bleiben, bis sie sich erwärmt haben.
Wadenwickel richtig machen: Anleitung
Für klassische Wadenwickel brauchst Du keine besonderen Hilfsmittel. Saubere Tücher und körperwarmes Wasser reichen aus. Entscheidend ist, dass die Wickel gut anliegen, aber nicht einschnüren.
Was braucht man für Wadenwickel?
Für die Anwendung benötigst Du:
- zwei dünne Baumwoll- oder Leinentücher
- zwei trockene Tücher als äußere Lage
- eine Schüssel mit körperwarmem Wasser
- ein Handtuch als Unterlage
Naturfasern wie Baumwolle oder Leinen eignen sich besonders gut, da sie Feuchtigkeit aufnehmen können. Auf wasserundurchlässige Folien solltest Du verzichten, da sich darunter Wärme stauen kann.
Welche Temperatur sollten Wadenwickel haben?
Wadenwickel sollten körperwarm sein. Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt eine Temperatur ungefähr auf Höhe der Körpertemperatur, damit der Körper nicht mit Frösteln oder Schüttelfrost auf eine zu starke Abkühlung reagiert.
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurden zwar auch Wassertemperaturen zwischen 28 und 35 Grad Celsius verwendet. Daraus lässt sich jedoch keine Empfehlung ableiten, Wadenwickel möglichst kalt anzuwenden. Eiswasser oder sehr kaltes Leitungswasser sind ungeeignet.
Wadenwickel Schritt für Schritt anlegen
- Fülle eine Schüssel mit körperwarmem Wasser.
- Tauche die beiden Innentücher hinein und wringe sie gut aus.
- Lege jeweils ein feuchtes Tuch gut anliegend, aber nicht einschnürend um eine Wade.
- Bedecke jedes feuchte Tuch mit einem trockenen Außentuch.
- Beobachte, ob sich der Betroffene weiterhin wohlfühlt.
- Entferne die Wadenwickel, sobald sie sich erwärmt haben oder unangenehm werden.
Falls die Anwendung gut vertragen wird, kann sie bei Bedarf wiederholt werden.

Wie lange sollten Wadenwickel angewendet werden?
Eine feste Anwendungsdauer gilt nicht für jeden Patienten. Entscheidend ist vor allem, wie schnell sich die Wickel erwärmen und wie der Betroffene darauf reagiert. Bei kleinen Kindern empfiehlt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit eine Anwendung von höchstens etwa zehn Minuten. Bei älteren Kindern können die Wadenwickel etwa 20 bis 30 Minuten liegen bleiben, sofern sie angenehm bleiben. Beginnt der Betroffene zu frieren, werden Hände oder Füße kalt oder verschlechtert sich sein Befinden, solltest Du die Wickel sofort entfernen.
Wann sollte man keine Wadenwickel machen?
Nicht jede Phase einer fieberhaften Erkrankung eignet sich für Wadenwickel. Vor der Anwendung solltest Du deshalb prüfen, ob sich Hände, Füße und Beine warm anfühlen. Besonders während des Fieberanstiegs versucht der Körper häufig, die Körpertemperatur weiter zu erhöhen. Kühlende Maßnahmen sind dann meist unangenehm.
Wadenwickel bei kalten Händen oder Füßen
Sind Hände oder Füße kalt, solltest Du keine Wadenwickel anwenden. Die aktuelle S3-Leitlinie nennt kalte Extremitäten ausdrücklich als Gegenanzeige. Auch wenn der Betroffene friert oder Schüttelfrost hat, sind Wadenwickel nicht geeignet.
Weitere Gründe gegen Wadenwickel
Auf Wadenwickel solltest Du insbesondere verzichten bei:
- Schüttelfrost
- ausgeprägtem Frieren
- kalten Händen, Füßen oder Beinen
- Kreislaufinstabilität
- deutlichem Unwohlsein während der Anwendung
Zusätze wie Essig sind nicht erforderlich. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät bei Kindern von Essigwickeln wegen möglicher Hautschäden ab.
Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente?
Wadenwickel und fiebersenkende Medikamente verfolgen unterschiedliche Ansätze. Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter, den Beschwerden, dem Allgemeinzustand und der Ursache des Fiebers ab.
Bei Kindern und Jugendlichen sollen Paracetamol oder Ibuprofen laut S3-Leitlinie nicht allein deshalb gegeben werden, um eine bestimmte Temperatur zu erreichen. Sie können infrage kommen, wenn Schmerzen oder eine deutliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens vorliegen.
Die Dosierung muss sich bei Kindern nach Alter beziehungsweise Körpergewicht richten.
Acetylsalicylsäure, kurz ASS, ist für Kinder und Jugendliche bei fieberhaften Erkrankungen nicht geeignet. Hintergrund ist das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom.
Wann sollte man bei Fieber zum Arzt?
Wadenwickel ersetzen keine medizinische Abklärung. Das gilt besonders bei Säuglingen, kleinen Kindern und bei ausgeprägten Beschwerden.
Entscheidend ist nicht nur die gemessene Temperatur. Auch das Alter und der Allgemeinzustand spielen eine wichtige Rolle.
Warnzeichen bei Fieber
Ein Kind unter drei Monaten mit einer rektal gemessenen Temperatur ab 38 Grad Celsius sollte ärztlich untersucht werden.
Ärztlichen Rat solltest Du außerdem einholen, wenn ein Kind sehr krank wirkt, ungewöhnlich schläfrig oder teilnahmslos ist, schlecht trinkt, länger als zwölf Stunden keinen Urin ausscheidet oder Atemprobleme entwickelt. Auch Nackensteife, starke Schmerzen, ein Fieberkrampf oder ein nicht wegdrückbarer Hautausschlag sind Warnzeichen.
Bei Kindern bis etwa zwei Jahre sollte länger als einen Tag anhaltendes Fieber ärztlich abgeklärt werden. Bei älteren Kindern gilt dies spätestens, wenn das Fieber länger als etwa drei Tage anhält.
Bei Erwachsenen sind unter anderem schwere Atemnot, Bewusstseinsstörungen, ausgeprägte Kreislaufprobleme oder ein stark verschlechterter Allgemeinzustand Gründe für eine rasche medizinische Abklärung. Bei einem medizinischen Notfall solltest Du die 112 wählen.
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Häufige Fragen zu Wadenwickeln
- Wie macht man Wadenwickel richtig?
- Wie lange lässt man Wadenwickel drauf?
- Wie kalt müssen Wadenwickel sein?
- Ab welcher Temperatur sind Wadenwickel sinnvoll?
Wadenwickel werden mit körperwarmem Wasser angefeuchtet, ausgewrungen und gut anliegend um die warmen Waden gelegt. Über die feuchten Wadenwickel kommen trockene Tücher. Werden sie unangenehm oder hat sich der Stoff erwärmt, solltest Du die Wadenwickel entfernen.
Wadenwickel bleiben so lange liegen, wie sie angenehm sind und sich noch nicht vollständig erwärmt haben. Bei kleinen Kindern sollten Wadenwickel höchstens etwa zehn Minuten angewendet werden. Bei älteren Kindern sind etwa 20 bis 30 Minuten möglich.
Wadenwickel sollten nicht kalt, sondern körperwarm sein. Zu kalte Wadenwickel können Frösteln und eine Gegenreaktion des Körpers auslösen und sind deshalb nicht empfehlenswert.
Für Wadenwickel gibt es keine feste Temperaturgrenze. Entscheidend ist vielmehr, ob der Betroffene unter dem Fieber leidet und Hände sowie Füße warm sind. Wadenwickel sollten nicht allein deshalb angewendet werden, weil das Thermometer einen bestimmten Wert zeigt.




