
Sachversicherungen in der Arztpraxis helfen Praxisbetreibern, die finanziellen Folgen von Schadensfällen möglichst gering zu halten. Sie sind daher eine sinnvolle Ergänzung zu den Pflichtversicherungen, die niedergelassene Ärzte abschließen müssen. Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Berufshaftpflicht gibt es auch viele Sachversicherungen, die für Praxisbetreiber sinnvoll sind. Wir stellen die gängigen Versicherungen im Überblick sowie ihre Leistungen und Kosten vor.
Praxisausfallversicherung
Die Praxisausfallversicherung deckt die laufenden Kosten, wenn die Praxis beispielsweise aufgrund von Arbeitsunfähigkeit schließen muss. Sie übernimmt Fixkosten wie Mieten, Personalkosten und Kreditraten. Vor dem Abschluss ist eine Gesundheitsprüfung abzulegen.
Die Beitragshöhe richtet sich nach der Deckungssumme, der Karenzzeit, aber auch nach Alter und Gesundheitszustand der Versicherten sowie nach dem vereinbarten Ende des Leistungszeitraums. Endet eine Versicherungspolice über eine Versicherungssumme von 100.000 Euro beispielsweise zum 63. Lebensjahr des Versicherten, fallen durchschnittlich 1.800 Euro Jahresbeitrag an. Läuft der Vertrag bis zum 68. Lebensjahr, beträgt der Jahresbeitrag rund 4.300 Euro.
Betriebsunterbrechungsversicherung
Die Betriebsunterbrechungsversicherung zahlt, wenn die Praxis durch Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser oder Sturm und Hagel beschädigt wird und vorübergehend schließen muss. Je nach Police lassen sich auch Elementarschäden, Schäden durch Streik und Aussperrungen, mutwillige Beschädigung, Fahrzeugaufprall, Rauch und Ruß sowie Überschallknall versichern. Übernommen werden alle fortlaufenden umsatzunabhängigen Betriebskosten, Gewinnminderung und -ausfall und eventuell auch die Miete für Ausweichräumlichkeiten.
Die Kosten richten sich unter anderem nach den Fixkosten, den vergangenen Bilanzen und den erwarteten Gewinnen. Wie immer wirken sich auch der Versicherungsumfang, die Deckungssumme und die Karenzzeit auf die Prämienhöhe aus. Reine Betriebsunterbrechungsversicherungen gibt es bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro schon für unter 120 Euro im Jahr.
Inhaltsversicherung (Praxisinhaltsversicherung)
Die Praxisinhaltsversicherung, auch als Praxisinventarversicherung bezeichnet, versichert das Praxisinventar und funktioniert ähnlich wie eine Hausratversicherung. Bei welchen Schäden die Police greift, wird im Versicherungsvertrag festgelegt. Für gewöhnlich sind Schäden durch Feuer, Leitungswasser sowie Sturm und Hagel eingeschlossen. Ebenfalls versichert werden können Schäden durch Blitzschlag, Einbruchdiebstahl, Vandalismus, Überspannung und Elementarschäden, etwa Erdrutsch oder Überschwemmungen. Im Schadensfall wird der Neuwert des beschädigten Inventars ersetzt.
Eine Inhaltsversicherung, die ausschließlich den Basisschutz gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel bietet, gibt es bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro ab etwa 120 Euro im Jahr. Sollen auch weitere Schäden sowie der Ertragsausfall abgesichert werden, bewegen sich die Kosten zwischen 250 und 550 Euro jährlich.
Elektronikversicherung
Die Elektronikversicherung versichert speziell die elektronischen Geräte in der Praxis. Dazu gehören der Computer am Empfang genauso wie alle medizinischen Geräte. Abgesichert sind in der Regel sowohl Bedienfehler als auch Einbruchdiebstahl, vorsätzliche Beschädigung, Konstruktions- und Materialfehler sowie Kurzschluss, Überspannung, Brand, Wasser und Sturm und Frost.
Ein geringer Selbstbehalt ist bei dieser Versicherung üblich. Die Kosten liegen bei einer Gesamtversicherungssumme von bis zu einer Million Euro bei etwa 150 bis 200 Euro im Jahr.
Gebäudeversicherung
Eine gewerbliche Gebäudeversicherung ist sinnvoll, wenn der Praxisbetreiber auch Inhaber der Praxis-Immobilie ist. Versichert sind grundsätzlich Gebäudeschäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Wahlweise können auch Elementarschäden mitversichert werden. Einige Policen schließen zudem eine Glasversicherung mit ein. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auf das Gebäude und je nach Anbieter auch auf Einbauten wie Heizungen und Sanitärinstallationen.
Die Höhe der Prämie hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem den abgesicherten Risiken, dem Wert und der örtlichen Lage der Immobilie. Für Arztpraxen bewegen sich die Jahresbeiträge im Schnitt zwischen 2.000 und 5.000 Euro.
Glasversicherung
Eine Glasversicherung kann Bestandteil einer Gebäudeversicherung oder Praxisinhalteversicherung sein, aber auch einzeln abgeschlossen werden. Versichert ist Glasbruch aufgrund verschiedener Ursachen. Die Jahresbeiträge für Arztpraxen belaufen sich in der Regel auf weniger als 40 Euro.
Medizinprodukte-Haftpflichtversicherung
Im Mai 2021 ist die europäische Medizinprodukte-Verordnung Medical Device Regulation (MDR) in Kraft getreten. Wer Medizinprodukte in Verkehr bringt, muss seitdem eine Medizinprodukte-Haftpflichtversicherung abschließen. Diese Pflicht gilt auch für Ärzte.
Der Versicherungsschutz umfasst Sach-, Personen- und gegebenenfalls Vermögensschäden, die durch die in Verkehr gebrachten Medizinprodukte entstehen. Wie bei jeder Versicherung gegen Personenschäden sollte die Versicherungssumme möglichst hoch angesetzt werden und im Verhältnis zum potenziellen Schaden stehen. In Deutschland liegen die Versicherungssummen meist zwischen 5 und 100 Millionen Euro, wobei für eine Arztpraxis 5 Millionen Euro ausreichend sein sollten.
Die Prämien richten sich unter anderem nach dem Schadensrisiko. Im Schnitt zahlen Unternehmen für eine professionelle Produkthaftpflichtversicherung 500 Euro im Jahr.
Transportversicherung
Eine Warentransportversicherung ist für Arztpraxen sinnvoll, wenn sie Medikamente und andere Medizinprodukte zu Patienten transportieren lässt. Die Policen sichern die Risiken während des Transports ab, insbesondere:
- Transportmittelunfall
- Diebstahl und Raub
- Nässeinwirkung
- Brand
- Schäden bei Be- und Entladen
- Bruch- und Deformationsschäden
Für gewöhnlich gilt der Versicherungsschutz von Transportbeginn bis Transportende, einschließlich einer eventuellen Zwischenlagerung. Die Kosten unterscheiden sich je nach Anbieter und Deckungssumme. Monatsbeträge beginnen bei etwa 40 Euro.
Weitere Informationen finden Sie außerdem in dieser Übersicht: Praxisversicherungen: Ein Überblick für niedergelassene Ärzte
Alles zum Thema Personenversicherungen hat dieser Artikel zusammengestellt: Diese Personenversicherungen sind für Praxisbetreiber wichtig










