
Nur rund die Hälfte der niedergelassenen Ärzte plant, ihre Praxis bis zum altersbedingten Ruhestand fortzuführen. Das geht aus einer aktuellen Befragung hervor, die das Zentralinstitut für kassenärztliche Versorgung (Zi) im September 2024 veröffentlicht hat. Hauptgrund für die vorzeitige Praxisaufgabe ist die hohe Arbeitsbelastung.
20 Prozent der Befragten planen den vorzeitigen Ruhestand
Die Ergebnisse gehen aus dem Zi-Praxis-Panel (ZiPP) 2023 hervor, einer jährlich wiederholten Befragung zur wirtschaftlichen Lage der Praxen. Insgesamt hat das Zi 68.000 niedergelassene Ärzte sowie Psychotherapeuten angeschrieben. 4.000 davon haben Angaben zum Thema Praxisübergabe gemacht.
Demnach planen 51 Prozent, ihre Praxis bis zum altersbedingten Ruhestand fortzuführen. 20 Prozent möchten vorzeitig in den Ruhestand gehen. Weitere 14 Prozent streben eine Anstellung in einer anderen Praxis oder in einem Medizinischen Versorgungszentrum an (MVZ). Acht Prozent planen, ihre Kassenzulassung abzugeben und den Standort als Privatpraxis weiterzuführen. Drei Prozent möchten in einem alternativen Beruf tätig sein, zwei Prozent einen anderen Praxisstandort wählen.
Hohe Arbeitsbelastung, Praxiskosten und Fachkräftemangel
Von den Befragten, die vorzeitig in den Ruhestand gehen möchten, geben zwei Drittel die hohe Arbeitsbelastung als Hauptgrund an. Lediglich 22 Prozent wollen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden, da ihre Altersvorsorge bereits abgesichert ist. Jeder fünfte Befragte nennt hohe Praxiskosten bzw. den Fachkräftemangel als vorrangiges Motiv.
Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried macht auch bürokratische Auflagen und Fehlleistungen bei der Digitalisierung der Arztpraxen für die Frustration vieler niedergelassener Ärzte/-innen verantwortlich. Mehr als 61 Tage im Jahr müsse jede Praxis rein für den Papierkram aufbringen. Unterbrechungen des Praxisalltags durch IT-Ausfälle seien da noch nicht mitgerechnet. Erschwerend komme hinzu, dass die Kosten für Personal, Energie, Mieten und medizinische Geräte weit stärker steigen als die allgemeine Inflation. Von 2019 bis 2022 hätten die Praxen jedoch nur sechs Prozent mehr Leistung erhalten. Viele Praxisinhaber würden dadurch ein reales Minus machen.
Bis 2040 fehlen rund 50.000 Ärzte
Bereits im Februar 2024 hatte das Zi im Bericht „Bedarfsprojektion für Medizinstudienplätze in Deutschland“ davor gewarnt, dass die wohnortnahe Gesundheitsversorgung in Deutschland in Gefahr sei. Aktuell gibt es rund 99.000 Praxen in Deutschland. Jedes Jahr fehlen nach Zi-Berechnungen allerdings fast 2.500 ärztliche Nachbesetzungen, kumuliert 50.000 Ärzte, die nötig seien, um die Gesundheitsversorgung bis 2040 auf gleichbleibendem Niveau aufrechtzuerhalten. Ohne Berücksichtigung von Ärzten aus dem Ausland drohe der vertragsärztliche Versorgungsgrad bis 2040 auf nur noch 74 Prozent des heutigen Niveaus abzusinken.
Den Engpässen der medizinischen Versorgung möchte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ein höheres Angebot an Humanmedizin-Studienplätzen entgegensetzen. Nach Ansicht des Zi reicht diese Maßnahme allein aber nicht aus, um den Rückgang an Niederlassungen kurzfristig aufzuhalten. Positive Auswirkungen höherer Studienplatzkapazitäten würden in der ambulanten Versorgung erst nach etwa 15 Jahren spürbar werden. Das Zi fordert daher, mehr Anreize für niedergelassene Ärzte zu bieten, sie bei der Verwaltungsarbeit zu entlasten und ärztliche Delegationsmöglichkeiten zu erweitern.













