
Laut „Krankenhaus Rating Report“, der im Juni 2021 in Berlin veröffentlicht wurde, verzeichneten von 2016 bis 2019 kontinuierlich mehr Krankenhäuser eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation. Den Grund dafür sehen die Experten vor allem in der Stagnation der Fallzahlen und dem Rückgang von Leistungsmengen. Diese Entwicklung bereitet deutschen Kliniken weitreichende Probleme und erhöht die Insolvenzgefahr drastisch. Doch wie sieht es seit Pandemie-Beginn aus? Der Vergleich gibt Auskunft.
Rückblick auf 2019
Bereits in den Jahren vor 2019 war eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation deutscher Kliniken zumindest bis zum Jahrzehntwechsel zu erwarten. Gut ein Drittel der Kliniken schlossen das Geschäftsjahr 2019 mit „roten“ Zahlen und dementsprechenden Verlusten ab. 13 Prozent der Kliniken drohte die Insolvenz. 27 Prozent konnten wirtschaftlich dem „gelben“ Bereich zugeordnet werden, während 60 Prozent der deutschen Krankenhäuser ausreichende Erlöse einfuhren, die sie in den „grünen“ Bereich brachten.
Im Vergleich zu 2018 ergeben die Zahlen eine Verschlechterung von 31 auf 33 Prozent der Kliniken, die in Bezug auf Konzernebenen Jahresverluste verzeichneten. in den Jahresergebnissen sanken die Erlöse seit 2016 von 2,2 Prozent auf 0,8 Prozent im Jahr 2019.
Wirtschaftliche Probleme durch Leistungsmengen
Als Hauptgründe für die Zunahme wirtschaftlicher Probleme deutscher Krankenhäuser seit 2017, werden langanhaltende Stillstände und/oder Rückgänge der Leistungsmengen benannt. Weniger stationäre Aufnahmen, kürzere Klinikaufenthalte und Behandlungszeiträume sowie die Ausweitung ambulanter Behandlungsleistungen in Krankenhäusern haben laut Experten, ihren Teil dazu beigetragen.
Fakten und Zahlen für 2020
Man hat mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Probleme aus den Jahren bis 2019 spätestens ab 2020 gerechnet. Doch zu dem Zeitpunkt war die COVID-19-Pandemie nicht vorhersehbar. Statt wirtschaftlichem Aufschwung erlebten deutsche Kliniken bereits zu Beginn der Pandemie im zeitigen Frühjahr einen Rückgang der Fallzahlen teilweise von rund 30 Prozent. Im Laufe des Jahres pendelte sich der Wert auf durchschnittlich 13 Prozent ein.
Stand die Sorge im Raum, nicht ausreichend Betten-Kapazitäten für Corona-Erkrankte zur Verfügung stehen zu haben, zeigte sich 2020 allerdings „nur“ eine Bettenbelegung von zwei Prozent auf den Infektionsstationen und eine vier-prozentige Belegung auf Intensivstationen durch Corona-Patienten.
Voraussichtliche Leistungsmengen im Jahr 2021
Auch im Jahr 2021 ist noch kein endgültiges Ende des Ausnahmezustands in Sicht. Wenngleich sich die COVID-19-Situation zum Sommerbeginn allgemein deutlich verbessert hat, so ist spätestens ab Herbst 2021 eine erneute deutliche Steigerung von Corona-Infizierten nicht undenkbar. In Anbetracht dessen ist auch im Jahr 2021 mit einem weiteren Rückgang von Fallzahlen und Leistungsmengen zu rechnen, die deutlich unter das Niveau von 2019 fallen dürften.
Staatliche Ausgleichszahlungen für weniger rote Zahlen
Die Probleme durch Unterbelegungen aufgrund der Pandemie sind der Regierung bekannt. Daher erfolgte 2020 eine staatliche Unterstützung in Höhe von knapp 10,2 Milliarden Euro als Ausgleich. Da die Ausgleichszahlungen an deutschen Kliniken höher lagen als die durch COVID-19 hervorgerufenen Verluste durch geringere Fallzahlen und Bettenbelegungen, kam es 2020 kurzzeitig zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Die Erlöse stiegen durch die Ausgleichszahlungen bei somatischen Kliniken um circa 3,7 Prozent. Psychiatrische und psychosomatische Krankenhäuser konnten Ihre Erlöse dadurch um rund 10,6 Prozent erhöhen. Damit ergibt sich derzeit ein Anstieg der Krankenhäuser im „grünen“ Bereich auf 73 Prozent. Außerdem eine Senkung im Bereich der „roten“ Zahlen auf neun Prozent.
Probleme: Ärztezuwachs, aber weniger Verfügbarkeit
Ein weiterer Aspekt findet Erwähnung, der sich auf die Anzahl von vertragsärztlichen Medizinern bezieht. Hier ist ein Zuwachs zu verzeichnen, doch gleichzeitig sinkt die Verfügbarkeit/Präsenz. Der Grund: immer mehr Ärzte praktizieren in Teilzeit. Lag die Teilzeit-Quote im Jahr 2009 noch bei acht Prozent, so stieg diese bis 2020 auf 38 Prozent. Die Anzahl an Ärzten in Vollzeit zeigt keine maßgeblichen Veränderungen während des genannten Zeitraums. Allerdings ist bei den ambulant tätigen Medizinern eine kontinuierliche Tendenz in Richtung Angestelltenverhältnisse zu erkennen. Von 2008 bis 2020 hat sich die Anzahl angestellter Ärzte um das Vierfache von sechs auf 24 Prozent erhöht.












