
Als Ehepartner/in in der Arztpraxis zu arbeiten, stellt Ärzte/-innen und Mitarbeiter/-innen vor manch eine Herausforderung. Er/Sie ist vielfach eine echte Bereicherung für das gesamte Team und für den zuverlässigen Praxisverlauf manchmal sogar sehr wertvoll. Doch so einfach, wie es Ehepaare meist annehmen, ist es ohne gezielte Koordination und Berücksichtigung einiger Details nicht. Deshalb ist es wichtig, im Vorfeld bereits mögliche Probleme und Stolpersteine sowie Lösungen zur Vermeidung dieser zu kennen.
Vom gleichberechtigten Ehepaar zum/-r untergeordnete/n Mitarbeiter/in
In zahlreichen Praxen mit verschiedenen Arbeitsbereichen herrscht eine hierarchische Ordnung, wie beispielsweise Ärzte/-innen als Verantwortliche für die medizinische Patientenversorgung, die Praxisleitung für die Praxisorganisation oder die radiologische Assistentin für den Röntgenbereich.
Nun treffen Lebenspartner/innen als gleichberechtigte Personen im Privatleben nun im beruflichen Gebiet aufeinander, wo klare Strukturen und Verantwortungsbereiche gegeben sind. Diese basieren in der Regel auf ausgeprägten Fachkenntnissen und Erfahrungen von Mitarbeitern/-innen, die eine Art Bereichsleitung darstellen. Dementsprechend sind durch Hierarchien gegebenenfalls Anweisungen von Mitarbeitern anzunehmen. Als Kopf des gesamten Betriebs steht der/die Arzt/Ärztin, der/dem das gesamte Team inklusive des/-r Ehepartners/-in, zuspielt und in puncto Weisungen unterliegt.
Beide Situationen können sich als schwierig erweisen, weil der Wechsel zwischen privatem Miteinander zur beruflichen Unterordnung betroffener Lebenspartner ebenso Konfliktpotenzial in sich birgt wie aufkommender Zwiespalt des/-r Ehepartner/in zwischen Praxisinteressen als eheliche/r „Mitinhaber/in“ und Mitarbeiterbedürfnisse als dazugehörige/r Kollege/-in.
Lösung
Im Bereich von Hierarchien ist die Einhaltung immens wichtig, damit niemand in seiner Autorität untergraben und der/die familiäre Mitarbeit ernst genommen sowie akzeptiert wird. Seitens der neu einsteigenden Ehepartner/innen gilt, sich bestehenden Hierarchien einzuordnen und vor allem nicht einfach in der Funktion als „Zweit-Chef/in“ sich eine Leitungsposition über die Medizinischen Angestellten anzueignen. Das Miteinander ist wichtig, damit die Mitarbeiter/innen Vertrauen schöpfen können und die harmonische, kollegiale Zusammenarbeit ohne Vorurteile und Skepsis funktioniert.
Zur Eingliederung in Hierarchien gehört auch ein fester Platz mit fixem Aufgabengebiet, um die Position des/-r Ehepartners/-in festzulegen. Dazu sollten sich die Ehepaare vorab gemeinsam überlegen, in welchem Arbeitsbereich die Mitarbeit von Nutzen sein kann, was aber auch von den Fachkompetenzen abhängig sein sollte. Angeraten ist zudem, das Mitarbeiterteam in die Planung der neuen Stellenbesetzung sowie in die Kompetenzverteilung einzubeziehen. Diese Mitwirkung lässt sie zum aktiven Teil der Entscheidung werden und im Idealfall der Mitarbeit des/-r Ehepartners/-in gelassener entgegenblicken. Es erleichtert den Einstieg und das Risiko von Differenzen sinkt deutlich.
Umgang und Verhalten
Hier wird es schwierig, die richtige Dosis im beruflichen Umgang mit dem/-r Lebenspartner/in als Chef/in und dem Verhalten gegenüber der Kollegen/-innen. Wie privat und persönlich darf es sein? Die Antwort lautet: Mittelmaß. Es gilt, eine gesunde Balance zwischen Ehepartner/in und Teamkollege/-in zu schaffen. Persönliche Gespräche begünstigen das gegenseitige Vertrauen sowie das Arbeitsklima und das kann sich positiv auf die Produktivität auswirken.
Dabei sollte die Regel eingehalten werden, keine Privatinformationen über den gemeinsamen Arbeitgeber auszuplaudern und generell keinen Smalltalk über das Zusammen- und Familienleben zu halten. Privat ist privat zu halten. Persönliche Gespräche, wie beispielsweise über die eigenen Shoppingerlebnisse, Reise-Vorlieben oder Friseur-Erfahrungen sind erlaubt, sofern der/die „Chef/in“ darin keine Erwähnung findet.
Aber wie damit umgehen, wenn praxisrelevante Gespräche zufällig zu Ohren kommen? Objektivität und Fairness sind die Grundsteine für eine langfristig harmonische Zusammenarbeit. Es sollte sich sorgfältig überlegt werden, ob Informationen aus Mitarbeitergesprächen dem/-r ehelichen Arzt/Ärztin zugetragen werden. Das kann schnell negativ vom Team auf den/die Ehepartner/in zurückfallen und das Arbeitsklima ist samt Vertrauen dahin. Als Teamkollege/-in sollte auch als diese/r agiert werden. Probleme werden entweder zusammen bei dem/der Chef/in im Rahmen einer Dienstbesprechung angesprochen oder der/die Kollege/-in mit entsprechender Bereichsverantwortung ist aktiv zu werden. Betrifft es einen nicht selbst oder oder den eigenen Arbeitsbereich, ist sich herauszuhalten.
Handelt es sich um wichtige praxisrelevante Themen, die vom Team dem/der Chef/in aber verschwiegen werden, ist immer erst das Gespräch innerhalb des Teams zu suchen, um diesem die Wichtigkeit aufgekommener Faktoren für das Praxisinteresse zu verdeutlichen. Man könnte beispielsweise einen neutralen Rahmen in einer ungezwungenen Atmosphäre schaffen, wie beispielsweise einen gemütlichen Restaurantbesuch des Teams auf Kosten des/-r Chefs/-in, und hier als gleichgestellte/r Mitarbeiter/in das Gespräch vorsichtig darauf hinleiten.
Ehe und Beruf trennen
Ehepaare, die Ihr Privat- und Berufsleben miteinander teilen und quasi 24/7 am gleichen Ort verbringen, kommen mit der Situation langfristig oftmals nicht gut zurecht. Das liegt meist daran, dass der Übergang zwischen Berufs- und Privatzeit nicht existiert. Nach einem hektischen Praxistag wird abends über Berufliches gesprochen. Nahezu unbemerkt nimmt der Praxisalltag zunehmend mehr Raum auch im Privaten ein, sodass immer weniger Zeit als Paar und für persönliche Interessen verbleibt. Ein Auseinanderleben ist dann keine Seltenheit.
Zudem birgt das berufliche Gespräch nach Feierabend auch die Gefahr, als Mitarbeiter-Ehepartner/in Kompetenzen zu überschreiten oder Geheimnisse der Kollegen/-innen auszuplaudern. Deshalb gilt: Beruf ist Beruf und Privat ist Privat! Eine Verschmelzung sollte in jedem Fall vermieden werden, dann klappt es auch mit der Zusammenarbeit ohne negativen Einfluss auf die Ehe.













