
Seit dem 1. Januar 2022 ist das E-Rezept gestartet. Alle Ärzte und Apotheken, deren Systeme die technischen Voraussetzungen erfüllen, werden vom klassischen Rezeptschein auf Papier auf die digitale Variante umsteigen. Das ist eine der wesentlichen Änderungen, die sich zum Jahresbeginn im Gesundheitswesen ergeben.
E-Rezept ersetzt den Rezeptschein auf Papier
Anfang 2022 ändert sich im Gesundheitswesen einiges. Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen dürfen sich über Entlastungen freuen. So steigen etwa die Sachleistungsbeträge um fünf Prozent. Die Pflegeversicherung erhält erstmals einen Bundeszuschuss in Höhe von einer Milliarde Euro. Der ergänzende Bundeszuschuss an die gesetzlichen Krankenkassen beträgt 14 Milliarden Euro. Damit will man den durchschnittlichen Zusatzbeitrag zur GKV stabil halten.
Auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet weiter voran. Als Ergänzung zur elektronischen Patientenakte (ePA) wird zum 1. Januar 2022 das E-Rezept eingeführt. Grundlage bildet das „Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in der Telematikinfrastruktur (Patientendaten-Schutz-Gesetz -PDSG)“, das zum 20. Oktober 2020 in Kraft getreten ist. Sofern Ärzte und Apotheken die technischen Voraussetzungen erfüllen, sind sie dazu verpflichtet, bei der Verordnung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln das digitale Rezept zu nutzen. Ist die notwendige technische Ausstattung noch nicht vorhanden, erhalten Patienten weiterhin einen Rezeptschein auf Papier.
Neben verschreibungspflichtigen Medikamenten sollen in Zukunft auch Heilmittel, Hilfsmittel oder Leistungen der häuslichen Krankenpflege auf elektronischem Weg verordnet werden.
Wie können Patienten das E-Rezept nutzen?
Patienten können selbst entscheiden, wie sie das elektronische Rezept erhalten möchten. Eine Möglichkeit besteht darin, sich die dazugehörige E-Rezept-App auf dem Smartphone zu installieren. Die App kann in allen bekannten App-Stores gratis heruntergeladen werden. Die Anmeldung erfolgt über die neue Gesundheitskarte mit PIN. Diese Karten weisen eine aus sechs Ziffern bestehende Zugangsnummer auf. Fehlt diese Zugangsnummer, kann man eine neue Gesundheitskarte bei der Krankenkasse beantragen.
Ärzte übermitteln das Rezept direkt an die App. Patienten können das Rezept anschließend auf digitalem Wege an eine Apotheke ihrer Wahl schicken. Beim persönlichen Besuch in der Apotheke wird dort der QR-Code des Rezeptes eingescannt und das verschriebene Medikament ausgehändigt.
Alternativ können sich Patienten das Rezept auch weiterhin als Papierausdruck ausstellen lassen. Der Ausdruck ist nun weiß statt rosa und enthält alle wichtigen Informationen zur Verordnung sowie ebenfalls einen QR-Code. Der Ausdruck wird digital unterzeichnet, eine handschriftliche Signatur ist nicht erforderlich. Um den Ausdruck in der App zu erfassen, wird der QR-Code mit der Smartphone-Kamera eingescannt.
Welche Vorteile bietet das E-Rezept?
Das elektronische Rezept soll eine Reihe von Vorteilen bieten:
- Rezepte sicher speichern: Alle Rezeptdaten werden sicher in der App gespeichert. Patienten müssen sich keine Gedanken mehr darum machen, dass der Rezeptzettel verloren gehen könnte.
- Schneller zum Folgerezept: Benötigt man im laufenden Abrechnungsquartal ein Folgerezept, übermittelt der behandelnde Arzt dies einfach über die App. Ein weiterer Arztbesuch ist nicht nötig.
- Videosprechstunden nutzen: Angemeldete Nutzer erhalten ihre Rezepte im Anschluss an eine Videosprechstunde automatisch an die App übermittelt und müssen nicht mehr persönlich beim Arzt vorbeischauen. Das spart Ärzten und Patienten Zeit.
- Rezept an die Apotheke senden: Die digitalen Rezepte kann man an die Wunschapotheke senden. So sehen Patienten, ob das benötigte Rezept vorrätig ist und wann sie es abholen oder liefern lassen können.
- Apotheken finden: Über die App können Patienten sich alle Apotheken in der Nähe anzeigen lassen. Zusätzlich erhalten sie Informationen zu Öffnungszeiten, Botendiensten und weiteren Serviceangeboten.
- Versandapotheken nutzen: Die elektronischen Rezepte lassen sich auch in jeder Versandapotheke einlösen.
- Rezepte für Angehörige einlösen: Mit der Familienfunktion können angemeldete App-Nutzer ihren Angehörigen die Möglichkeit einräumen, Rezepte in der eigenen App aufzurufen und in der Apotheke einzulösen.
- Sichere Datenübertragung: Für die Übertragung der Rezepte werden die digitalen Daten mehrfach verschlüsselt. Abrufen kann das digitale Rezept nur, wer Zugriff auf den Rezeptcode hat. Das sind neben dem behandelnden Arzt und der aufgesuchten Apotheke nur der Patient selbst sowie eventuell Angehörige, denen eine Befugnis erteilt wurde.
Sichere Übermittlung über Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen
Die Übermittlung des E-Rezepts erfolgt über die Telematikinfrastruktur (TI) im Gesundheitswesen. Die TI ist ein vom Internet unabhängiges digitales Netz auf Grundlage von zertifizierten Komponenten. Für die Zertifizierung ist die gematik verantwortlich, eine vom Bundesministerium für Gesundheit, dem GKV-Spitzenverband und den Spitzenorganisationen der Leistungserbringer getragene Einrichtung. Über die TI bleibt stets nachvollziehbar, wer welche Daten übermittelt. Zudem lässt sich regeln, wer auf bestimmte Informationen zugreifen darf. Das sichere Informationsnetzwerk verbindet Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und weitere Leistungsbringer im Gesundheitswesen.













