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praktischArzt Ratgeber Polyneuropathie Therapieansätze

Therapieansätze bei Polyneuropathie – ein Überblick

LuisaKnecht
von Luisa Knecht (Medizinstudentin) Zuletzt aktualisiert: 16.11.2023
Polyneuropathie Therapie

Polyneuropathie (PNP) ist eine neurologische Erkrankung, die durch Schäden an den peripheren Nerven charakterisiert ist, was zu Symptomen wie Taubheitsgefühlen und Muskelschwäche führt. Die Hoffnung auf ein Wundermittel gegen Polyneuropathie ist verständlich, da die Auswirkungen auf die Lebensqualität erheblich sein können. Obwohl es keine Heilung gibt, entwickelt die Wissenschaft ständig neue Ansätze zur Linderung dieser Symptome. Wir geben einen Überblick.

Inhaltsverzeichnis

  1. Ursache bekämpfen
  2. Ernährung bei Polyneuropathie
  3. Hydro- und Thermotherapie
  4. Naturheilmittel
  5. Krankengymnastik
  6. Ergotherapie
  7. Akupunktur
  8. Physikalisch-medizinische Behandlung
  9. Medikamentöse Therapie
  10. Fazit

1. Bekämpfung der Ursachen

Die ursächliche Behandlung der Polyneuropathie konzentriert sich darauf, die Faktoren zu kontrollieren, die Nervenschäden verursachen. Dazu gehört das Erkennen und Eliminieren von Vergiftungsquellen, das Pausieren verdächtiger Medikamente, das sorgfältige Managen des Blutzuckers bei Diabetes, die Überprüfung der Dialyse bei Nierenpatienten/innen, der Ausgleich von Nährstoffdefiziten und das Behandeln entzündlicher Prozesse sowie bösartiger Erkrankungen, die Nervenschäden verursachen können. Zudem ist das Anpassen des Lebensstils wichtig, um mögliche Auslöser zu vermeiden.

2. Ausgewogene Ernährung

Für eine gesunde Nervenfunktion sind Vitamine, Spurenelemente, Elektrolyte und Aminosäuren essenziell. Bei Polyneuropathie ist daher eine ausgewogene Mikronährstoffzufuhr wichtig. Nahrungsergänzungsmittel, insbesondere der Vitamin-B-Komplex, können hilfreich sein, sollten aber mit einer/-m Ärztin/Arzt abgestimmt werden. Omega-3-Fettsäuren sind besonders für Diabetiker/innen mit Polyneuropathie relevant, da sie möglicherweise Symptome verbessern und den Krankheitsverlauf verlangsamen. Eine Ernährung, die Entzündungen fördert – wie übermäßiger Konsum von verarbeitetem Fleisch, Zucker, Sonnenblumenöl und Alkohol – sollte vermieden werden zugunsten einer vielseitigen und ausgewogenen Ernährung.

3. Hydro- und Thermotherapie

Verschiedene Methoden zur Verbesserung der Durchblutung und Stimulation der Nervenrezeptoren können bei Polyneuropathie hilfreich sein, darunter Trockenbürsten, Wassertreten, Teilbäder, Lehmpackungen und Kaltanwendungen wie Eisbäder oder Kaltlufttherapie. Saunabesuche können schmerzlindernd wirken und das vegetative Nervensystem beeinflussen, erfordern jedoch eine gewisse Belastbarkeit und ausreichende Durchblutung. Bei sensibler Polyneuropathie und schweren Durchblutungsstörungen sollten jedoch zu intensive Wärme- oder Kälteanwendungen vermieden werden, um Gewebeschäden zu verhindern.

4. Naturheilmittel

Bei Polyneuropathie können pflanzliche Stoffe wie Antioxidantien aus Acai-Beeren, Noni-Bäumen und Aronia hilfreich sein. Sie bieten einen schützenden Effekt im Stoffwechsel und sind als Kapseln oder Säfte verfügbar. Phytotherapeutisch werden auch Zitterpappel-, Weiden-, Eschen-, Goldruten- und Teufelskrallen-Extrakte verwendet. Weidenrinde enthält Salicylsäure mit entzündungshemmenden Eigenschaften und kann als Tee genutzt werden. Teufelskrallenwurzel (reich an Harpagosid) wirkt gegen Entzündungen und Schmerzen, sollte aber regelmäßig über ein bis zwei Wochen eingenommen werden, um wirksam zu sein.

5. Krankengymnastik

Bei Gangunsicherheit, einer häufigen Begleiterscheinung von Polyneuropathie, ist Physiotherapie besonders wichtig. Sie zielt darauf ab, periphere Nerven zur Regeneration anzuregen, Bewegungseinschränkungen zu verringern und Muskelkraft zu steigern. Patienten/-innen erlernen Gleichgewichts- und Koordinationstrainings sowie Übungen zur Kräftigung der Bein- und Fußmuskulatur. Regelmäßiges Üben zu Hause ist entscheidend, um langfristige Verbesserungen in Kraft, Koordination sowie Geh- und Stehfähigkeit zu erzielen und das Sturzrisiko zu senken. Bei Muskelverhärtungen, -versteifungen und -verkürzungen sind Dehnübungen nach Aufwärmen durch Bäder oder Wärmepackungen sehr wichtig.

6. Ergotherapie

Bei manchen Patienten/-innen mit Polyneuropathie ist neben der Verbesserung der Grobmotorik durch Physiotherapie auch die Behandlung von feinmotorischen Störungen wichtig. Schädigungen der Nerven können dazu führen, dass alltägliche Gegenstände wie Gläser oder Besteck schwer zu greifen sind. Ergotherapeutisches Training zielt darauf ab, diese Greiffunktionen zu verbessern. Zusätzlich kann regelmäßiges Training mit Galileo-Geräten, die Vibrationen nutzen, das Gangbild und den Gleichgewichtssinn fördern.

7. Akupunktur

Akupunktur, ein wichtiger Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), nutzt Nadeln an spezifischen Körperpunkten, um therapeutische Wirkungen zu erzielen. TCM sieht Krankheiten als Folge externer (wie Umwelteinflüsse) und interner (emotionale) Faktoren. Bei Polyneuropathie, die sich durch Symptome wie Beinschmerzen manifestiert, wird Akupunktur zur Regulierung von Energie und Blutzirkulation eingesetzt. Es gibt zwei Hauptmethoden: die Entfernung pathogener Faktoren und die Balance-Methode, die auf der Behandlung über korrespondierende Körperpunkte basiert. Beide können kombiniert werden, um beste Ergebnisse zu erzielen.

8. Physikalisch-medizinische Behandlung

Elektrotherapien wie Zellenbäder, bei denen elektrischer Strom durch Wasser geleitet wird, können helfen, die Übererregbarkeit der Nerven zu regulieren. Diese sind besonders nützlich bei Gefühlsstörungen oder Schmerzen in Armen und Beinen, sollten aber nicht bei offenen Wunden, Hauterkrankungen, metallischen Implantaten oder von Schwangeren angewendet werden. Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine weitere Option, bei der Elektroden nahe schmerzenden Stellen angebracht werden, um die Schmerzweiterleitung zu verringern. Obwohl der Erfolg dieser Therapien variiert, wird empfohlen, sie für 1 bis 2 Zyklen mit 6 bis 10 Behandlungen auszuprobieren.

9. Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Behandlung ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie von Polyneuropathie. Sie umfasst verschiedene Medikamentengruppen, die auf das Zentralnervensystem wirken, um Nervenschmerzen zu lindern. Dazu gehören antiepileptische Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin, die die Aktivität von Nervenzellen dämpfen, sowie neuere Antidepressiva wie Duloxetin, die auch gegen Nervenschmerzen wirksam sind. Opioide können bei starken Schmerzen eingesetzt werden, während Cannabis-Präparate nur in ausgewählten Fällen nach Ausschöpfung anderer Therapien in Betracht kommen. Capsaicin-Pflaster sind für bestimmte Schmerzzustände wirksam und gut verträglich. Ketamin wird aktuell als potenzielle Behandlung untersucht. Die Beurteilung der Wirksamkeit eines Medikaments sollte dabei frühestens nach circa vier Wochen erfolgen. In vielen Fällen ist eine komplette Schmerzfreiheit nicht möglich, daher liegt das Hauptziel in der Reduzierung der Schmerzen auf ein erträgliches Maß.

Fazit

Obwohl es keine universelle Lösung und schon gar kein Wundermittel gibt, ermöglicht die fortlaufende Forschung immer neue Behandlungsmöglichkeiten für Polyneuropathie. Eine individuell angepasste Therapie, in enger Zusammenarbeit mit Fachärzten/-innen, kann deutliche Verbesserungen erzielen und ist entscheidend für den Erfolg der Behandlung.

Autor
LuisaKnecht

Luisa Knecht

Medizinstudentin

Luisa studiert derzeit Pharmazie an der Universität Regensburg. Durch ihr Studium erlangt sie nicht nur ein fundiertes Verständnis für die Arzneimitteltherapie, die Arzneimittelentwicklung und die pharmazeutische Technologie, sondern auch einen Einblick in die Medizin. Ihre Leidenschaft für das medizinische Fachgebiet entwickelte sich während eines einmonatigen Praktikums in der Unfallchirurgie und hat sich über die Jahre ihrer Mitarbeit in einem Pflegeheim weiter vertieft. Ihre Wissbegierde für die Welt der Medizin und Pharmazie sowie ihre Motivation, auf dem neuesten Stand der Forschung zu bleiben, treiben sie an, spannende Themen zu recherchieren und Artikel zu verfassen.

Quellen
  1. Christian Schmincke, Ratgeber Polyneuropathie und Restless Legs, Berlin: Springer (2021)
  2. Udo Zufko, Polyneuropathie – So überwinden Sie quälende Nervenschmerzen, Berlin: Springer (2019)

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