
Logopädinnen und Logopäden beraten und behandeln man Menschen, die Probleme mit der Sprache, Stimme, Aussprache, dem Redefluss oder dem Schlucken haben. Um die Zusammenhänge zwischen Symptom und Ursache zweifelsfrei herstellen und die dazu passende Therapiemethode empfehlen zu können, braucht jeder Logopäde eine Menge medizinisches Wissen, weshalb die Ausbildung in dem Medizinalfachberuf sehr anspruchsvoll ist.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Berufsbild: Diagnose, Beratung und Therapie bei Sprach-, Sprech-, Stimm-, Redefluss- und Schluckstörungen; Behandlung auf ärztliche Verordnung, eigenverantwortliche Diagnostik/Therapie; meist 6–8 Therapieeinheiten pro Tag.
- Ausbildung: Staatlich geregelt, 3 Jahre Vollzeit (Teilzeit bis 5 Jahre) an Berufsfachschule/Hochschule; Zugang i. d. R. mittlere Reife oder Hauptschule + 2-jährige Berufsausbildung; oft Eignungsverfahren. Umfang: ca. 1.740 Std. Theorie + 2.100 Std. Praxis; Abschluss: staatliche Prüfung (schriftlich, mündlich, praktisch).
- Inhalte: Medizin/Sprachpathologie (Anatomie, Neurologie, HNO, Phoniatrie, Audiologie), Linguistik, Pädagogik/Psychologie; u. a. Dysphagie, Stimmtherapie, Sprechtechnik, Hörgeräteakustik; Pflicht-Praktika, Erste-Hilfe-Kurs, Facharbeit.
- Ausbildungsvergütung & Kosten: Nach TVAöD/TVAL derzeit ca. 1.140 € (1. Jahr) bis ~1.300 € (3. Jahr); private Schulen oft gebührenpflichtig, öffentliche meist kostenfrei mit Nebenkosten (z. B. Materialien, Prüfungsgebühren).
- Gehalt & Einsatz: Im TVöD-B meist EG 6–9, ca. 3.200–4.500 € brutto/Monat (abhängig von Stufe/Erfahrung); privat oft niedriger; Selbstständigkeit möglich (Preise teils vorgegeben). Arbeitsorte: Kliniken, Reha, Förderschulen, Praxen, Gesundheitsämter, Lehre/Forschung; Zusatzqualifikationen (z. B. Dysphagie, Stimmtherapie, Kindersprache) verbessern Perspektiven
Ausbildung Logopäde – Voraussetzungen
In der Logopädie ist viel medizinisches Fachwissen gefragt. Deshalb sind nicht nur der Beruf, sondern auch die Ausbildung als Logopäde durch ein eigenes Berufsgesetz im Detail geregelt. Die schulische Ausbildung findet findet in Vollzeit oder teilweise auch in Teilzeit an Berufsfachschulen oder Hochschulen statt und wird durch Praxisphasen ergänzt.
Als Zugangsvoraussetzung gelten mindestens ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss) oder ein Hauptschulabschluss in Kombination mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung. Zusätzlich können weitere Kriterien von den Berufsfachschulen bei der Auswahl angesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise ärztliche Atteste über die gesundheitliche Eignung sowie die uneingeschränkte Leistungsfähigkeit der eigenen Sprech- und Hörorgane, ein Führungszeugnis, das Mindestalter von 16 Jahren, ein Praktikum im sozialen Bereich oder sehr gute Noten in Deutsch, Biologie und Musik. Vor der Aufnahme gibt es häufig ein Auswahlverfahren mit persönlichem Gespräch oder sogar eine Eignungsprüfung.
Ausbildung Logopädie – Dauer
Die Ausbildung zum Logopäden ist bundesweit einheitlich geregelt und dauert insgesamt 3 Jahre in Vollzeit, in Teilzeit jedoch bis zu 5 Jahre.
Als angehender Logopäde gibt es während der dreijährigen schulischen Ausbildung an der Berufsfachschule viel zu lernen. Die schulische Ausbildung in der Berufsfachschule oder an der Hochschule werden durch Praxisphasen ergänzt.
Insgesamt umfasst der theoretische Unterricht 1740 Stunden. Weitere 2100 Stunden Praxis kommen hinzu.
Ausbildung Logopäde – Inhalt
Im Rahmen des theoretischen Unterrichts werden stehen vor allem medizinische und sprachpathologische Fächer wie Anatomie, Audiologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kieferorthopädie, Logopädie, Neurologie, Pädiatrie, Phoniatrie und Psychiatrie, aber auch sprach- und sozialwissenschaftliche Fächer wie Linguistik, Pädagogik, Psychologie und Soziologie auf dem Stundenplan.
Ebenso werden Themen wie Schluckstörungen, Stimmtherapie, Sprechtechnik und Gesprächsführung behandelt. Und auch der Bereich Elektro- und Hörgeräteakustik wird thematisiert, da Sprachstörungen mitunter auf ein gestörtes Gehör zurückgehen können.
Ausbildung Logopädie Inhalte
| Fachbereich | Typische Inhalte |
|---|---|
| Medizinische Grundlagen | Anatomie, Physiologie, Neurologie, Pädiatrie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Phoniatrie |
| Sprach- und Kommunikationswissenschaft | Linguistik, Phonetik, Sprechwissenschaft, Soziologie |
| Psychologie & Pädagogik | Entwicklungspsychologie, Sonderpädagogik, Pädagogik, Gesprächsführung, Didaktik/Methodik |
| Logopädische Kernfächer | Sprachentwicklungsstörungen, Stimmtherapie, Redeflussstörungen, Schlucktherapie, Aphasiologie |
| Audiologie & Hörstörungen | Audiologie, Hörgeräteanpassung, Diagnostik bei Hörstörungen |
| Berufskunde & Recht | Berufskunde, Ethik, rechtliche Grundlagen, interdisziplinäre Zusammenarbeit |
| Praktische Ausbildung | Befunderhebung, Therapieplanung, Therapiedurchführung in Kliniken, Praxen und Fördereinrichtungen |
Zur praktischen Ausbildung gehören mehrere Berufspraktika in Kliniken, Reha-Einrichtungen, Förderschulen oder in einer privaten Logopädiepraxis, bei denen Befunderhebung und Therapieplanung am Patienten eingeübt werden. Mündliche, schriftliche oder praktische Lernerfolgskontrollen finden in allen theoretischen und praktischen Fächern am Ende jedes Ausbildungsjahres statt. Im dritten Ausbildungsjahr gilt es, eine Facharbeit zu einem praxisrelevanten Thema aus der Logopädie anzufertigen. Darüber hinaus müssen Auszubildende im Laufe der Ausbildung einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden.
Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Prüfung, die aus einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil besteht. Ist die Prüfung bestanden, darf unter der Berufsbezeichnung Logopäde praktiziert werden. Neben der schulischen Ausbildung besteht auch die Möglichkeit, Logopädie (Sprachtherapie) an einer Hochschule zu studieren.
Logopäde Ausbildung – Gehalt
Bei der Ausbildung zum Logopäden handelt es sich um eine schulische Ausbildung. Diese wurde früher nicht vergütet. Seit Januar 2019 erhalten Auszubildende jedoch eine Vergütung gemäß Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD). Das gleiche hat ver.di auch mit der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) für die Universitätskliniken im Geltungsbereich des Tarifvertrags für Auszubildende der Länder (TVAL) vereinbart.
Die Ausbildungsvergütung liegt, je nach Träger, aktuell zwischen etwa 1.140 Euro im ersten Ausbildungsjahr und 1.300 Euro im dritten Jahr.
Ausbildungskosten
An Berufsfachschulen in privater Trägerschaft ist die Ausbildung kostenpflichtig. An öffentlichen Schulen ist die Ausbildung in der Regel kostenfrei, allerdings fallen auch dort gewisse Ausbildungskosten an, beispielsweise für Aufnahme- und Prüfungsgebühren, Lehrmaterialien oder Berufskleidung.
Beruf Logopäde – Aufgaben und Tätigkeiten
Als Logopäde gibt es eine große Bandbreite beruflicher Möglichkeiten. Je nach Fachgebiet werden Klein-, Vorschul- und Schulkinder, Jugendliche oder Erwachsene in Einzelsitzungen oder auch in Gruppen behandelt.
Bei Kindern sind es in der Regel Probleme beim Spracherwerb oder der Aussprache, bei Jugendlichen Redeflussstörungen oder Stimmproblemen und bei Erwachsenen Sprachverlust wegen eines Hirntumors oder einer neurologischen Ursache wie einem Schlaganfall, die einer logopädischen Behandlung bedürfen. Auch Schluckstörungen zählen zu den typischen Einsatzgebieten.
Etwa sechs bis acht solcher Therapieeinheiten pro Tag muss man als Logopäde stemmen. Das fordert nicht nur stimmlich, sondern auch körperlich, denn für die Heilung oder Besserung bestehender Schluck-, Sprech- oder Sprachstörungen ist ganzer Einsatz gefragt.
Grundsätzlich ist jede/r Logopäde weisungsgebunden und darf nur auf Verordnung vom Arzt behandeln. Im eignen Bereich arbeitet jede/r Logopäde dann aber eigenverantwortlich und selbstständig und führt die logopädische Diagnostik, Beratung und anschließende Therapie durch. Dafür müssen fundierte medizinische Kenntnisse aller Hör-, Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen sowie ein breites medizinisches Hintergrundwissen vorhanden sein. Befund, Therapiemethode und Fortschritte des Patienten müssen schriftlich dokumentiert werden, da der verordnende Arzt nach zehn Therapieterminen über den Behandlungsfortschritt informiert werden muss.
Als Logopäde findet man Beschäftigung in
- Krankenhäusern und Kliniken
- Rehabilitationseinrichtungen
- Förderschulen
- Sondereinrichtungen für Hör- und Sprachgestörte
- Arzt- und Logopädiepraxen
- Gesundheitsämtern
- in Lehre und Forschung
oder lässt sich mit einer eigenen Praxis nieder.
INFOBOX_3 icon=”fas fa-lightbulb” heading=”Zusatzqualifikationen für Logopäden” text=”Durch Weiterbildungen und Spezialisierungen können Logopäden ihre Gehaltsaussichten verbessern. Gefragt sind vor allem Zusatzqualifikationen in den Bereichen Dysphagietherapie (Schluckstörungen), Stimmtherapie, Kindersprache, neurologische Sprachstörungen sowie Unterstützte Kommunikation. Wer sich spezialisiert, steigert nicht nur seine Chancen auf höheres Einkommen, sondern erweitert auch das eigene berufliche Einsatzspektrum.”]
Logopäde – Gehalt
Als Logopäde ist es möglich auf selbstständiger Basis oder im Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Die Mehrzahl der Jobs gibt es im öffentlichen Dienst, etwa in städtischen Kliniken oder Förderschulen. Laut aktueller Entgelttabelle des öffentlichen Dienstes (TVöD-B) werden Logopäden meist in die Entgeltgruppen 6 bis 9 eingeordnet. Das entspricht einem Bruttogehalt von rund 3.200 bis 4.500 Euro monatlich, je nach Berufserfahrung und Stufe.
Wer in einer privaten Einrichtung oder Praxis eingestellt ist, verdient meist weniger. Wie viel sich in der Selbstständigkeit verdienen lässt, hängt von mehreren Faktoren wie etwa dem Standort und dem eigenen Fachgebiet ab. Selbstständige mit eigener Logopädiepraxis dürfen ihren Patienten nur vom Gesetzgeber vorgeschriebene Preise berechnen.
Mehr und ausführliche Information hier:
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