
Bayern weitet die Landarzt- und ÖGD-Quote aus, um dem zunehmenden Ärztemangel in ländlichen Regionen entgegenzuwirken. Ab dem Wintersemester 2025/26 werden 172 Medizinstudienplätze über die Landarztquote vergeben – so viele wie nie zuvor. Hinzu kommen 13 Plätze über die ÖGD-Quote. Bewerber verpflichten sich damit, später mindestens zehn Jahre als Hausarzt, Kinder- und Jugendarzt oder im öffentlichen Gesundheitsdienst in unterversorgten Regionen tätig zu sein. Seit Einführung der Quote im Jahr 2020 haben bereits mehrere hundert Studierende auf diesem Weg ihr Studium begonnen. Im Folgenden findest Du die wichtigsten Hintergründe, konkrete Zahlen sowie ergänzende Fördermaßnahmen.
Rekord bei der Landarztquote
Die Landarztquote ermöglicht es, bis zu acht Prozent aller Medizinstudienplätze in Bayern an Bewerber zu vergeben, die sich frühzeitig auf eine Tätigkeit in ländlichen Regionen festlegen. Im kommenden Wintersemester sind es 172 Plätze – ein neuer Höchstwert. Parallel werden 13 Studienplätze über die ÖGD-Quote vergeben, die für künftige Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst reserviert ist. Damit nutzt Bayern die maximal mögliche Quote von 1,8 Prozent.
Seit 2020 haben insgesamt 571 Studierende ihr Medizinstudium über die Landarztquote begonnen, über die ÖGD-Quote sind es bislang 70. Das Interesse ist groß: Allein für die aktuelle Runde bewarben sich mehr als 500 Interessierte.
Auswahlverfahren ohne Dominanz der Abiturnote
Die Auswahl der Bewerber erfolgt über ein zweistufiges Verfahren. Zunächst werden Kriterien wie eine abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf oder nachweisliches ehrenamtliches Engagement berücksichtigt. Danach folgt ein strukturiertes Auswahlgespräch. Im Gegensatz zu den klassischen Zulassungsverfahren spielt die Abiturnote hier eine deutlich geringere Rolle. Dadurch sollen auch motivierte Bewerber mit mittelmäßigen Schulnoten eine faire Chance erhalten – unter der Bedingung, dass sie sich langfristig für eine Tätigkeit auf dem Land verpflichten. Weitere Infos findest Du hier:
Ergänzende Förderprogramme
Die Ausweitung der Studienplatzquoten ist nicht die einzige Maßnahme, mit der Bayern den Landarztmangel bekämpfen möchte. Ein neu geschaffenes Förderprogramm unterstützt künftig Studierende, die ihr Medizinstudium an einer Universität im EU-Ausland absolvieren. Wer sich verpflichtet, später in einer ländlichen Region Bayerns zu arbeiten, kann Zuschüsse von bis zu 10.000 Euro pro Semester erhalten.
Darüber hinaus existiert bereits die Landarztprämie. Sie richtet sich an Ärzte, die sich in Gemeinden mit bis zu 20.000 Einwohnern niederlassen. Wer dort eine Praxis gründet oder übernimmt, kann Förderungen von bis zu 60.000 Euro in Anspruch nehmen.
Chancen und Herausforderungen für die Versorgung
Die Maßnahmen eröffnen Chancen sowohl für Bewerber als auch für die Patientenversorgung. Jungen Medizinern ohne Spitzennoten-Abitur wird der Einstieg erleichtert, sofern sie bereit sind, sich an eine ländliche Tätigkeit zu binden. Unterversorgte Regionen könnten dadurch mittelfristig wieder mehr Hausärzte gewinnen, was Wartezeiten verkürzt und Wege für Patienten reduziert. Gleichzeitig erhalten die angehenden Ärzte durch die langfristige Bindung mehr Planungssicherheit.
Gleichwohl bestehen Herausforderungen. Die Verpflichtung zu mindestens zehn Jahren Berufstätigkeit in unterversorgten Gebieten schreckt potenziell Bewerber ab, wenn die regionale Infrastruktur, die Arbeitsbedingungen oder die familiäre Situation nicht passen. Hinzu kommt, dass die ersten Absolventen der Landarztquote frühestens ab 2031 tatsächlich in der Versorgung ankommen werden – ein zeitlicher Verzug, der den aktuellen Engpässen zunächst wenig entgegensetzt.
Auswirkungen auf praktizierende Ärzte
Für bereits niedergelassene Ärzte ergeben sich aus der Ausweitung der Landarztquote unterschiedliche Perspektiven. Kurzfristig wird sich die Versorgungslage in ländlichen Regionen kaum entspannen, da die ersten Absolventen noch mehrere Jahre benötigen, bis sie in der Patientenversorgung ankommen. Langfristig könnte die wachsende Zahl neuer Kollegen aber für Entlastung sorgen, etwa bei der Versorgung älterer Patientenpopulationen oder bei der Nachfolge von Praxen.
Die Landarztquote kann zudem für Praxisinhaber interessant sein, die in den kommenden Jahren einen Nachfolger suchen. Junge Ärzte, die sich im Rahmen der Quote verpflichten, zehn Jahre in einer Region tätig zu sein, sind potenzielle Kandidaten für Praxisübernahmen. Gleichzeitig könnte in einigen Regionen die Konkurrenzsituation zunehmen, wenn mehrere neue Praxen gegründet oder bestehende Kapazitäten erweitert werden. Entscheidend wird daher sein, wie gut die Verteilung der künftigen Landärzte gesteuert wird, damit eine echte Entlastung entsteht, ohne bestehende Strukturen zu belasten.
Fazit
Mit der Ausweitung der Landarzt- und ÖGD-Quote setzt Bayern ein klares Zeichen im Kampf gegen den Hausarztmangel. Die zusätzlichen Studienplätze und die flankierenden Förderprogramme könnten die Weichen für eine bessere medizinische Versorgung im ländlichen Raum stellen. Ob die Maßnahmen langfristig erfolgreich sein werden, hängt jedoch entscheidend davon ab, ob es gelingt, die Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit auf dem Land attraktiver zu gestalten – finanziell, strukturell und im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.














