Praktisches Jahr Neuseeland

Praktisches Jahr Neuseeland: Erfahrungsbericht Masterton Hospital

Praktisches Jahr Neuseeland in Masterton – hier hat Johannes im Jahr 2016 in einem gesplitteten Tertial von Anfang September bis Ende Oktober im Fachbereich der Orthopädie ein Teil seines Praktikums absolviert. Alles darüber im folgenden PJ Bericht.

Motivation

Wie mittlerweile die meisten Studenten im Praktischen Jahr wollte auch ich zumindest einen Teil meines PJs im Ausland verbringen. Da das „Medical English“ in der medizinischen Forschung einen großen Stellenwert hat und ich mein Englisch wieder etwas aufbessern wollte, entschied ich mich für ein englischsprachiges Land.

Meine erste Wahl fiel auf Südafrika, wo jedoch keine freie Stelle mehr verfügbar war und es dort oftmals jahrelange Wartelisten für die wirklich begehrten PJ-Plätze, wie z.B. in Kapstadt gibt. Deswegen und nicht zu vergessen wegen einer außerordentlich schönen Naturkulisse, entschied ich mich letztendlich für Neuseeland. Für ausländische Studenten gibt es in Neuseeland teilweise sehr hohe Studiengebühren an den Universitätskliniken. Diese konnte ich jedoch umgehen, indem ich ebenfalls durch einen Erfahrungsbericht auf das Masterton Hospital aufmerksam wurde, welches auf jene Gebühren verzichtete. Masterton ist  ein sehr kleiner Ort mit ca. 8000 Einwohnern, der ungefähr 100 km von der Hauptstadt Wellington auf der Nordinsel entfernt liegt.

Das Masterton Hospital ist offizielles Lehrkrankenhaus der University of Otago und ist unter den anerkannten ausländischen Lehrkrankenhäusern im Landesprüfungsamt NRW gelistet. Deshalb gab es auch im Nachhinein keine Schwierigkeiten bei der Anerkennung des Tertials.

Praktisches Jahr Neuseeland – die Vorbereitungen

Bewerbungen sollten mindestens zwölf bis sechs Monate im Voraus erfolgen, da das Krankenhaus auch unter den deutschen Bewerbern längst nicht mehr als „Geheimtipp“ gilt und über das ganze Jahr verteilt deutsche PJler oder Famulanten in verschiedenen Fachbereichen ihre Praktika ableisten. Ich persönlich habe dies aber als gut empfunden, da das Personal vor Ort wusste, welche Scheine oder Logbücher unterschrieben werden mussten und so die Formalien schnell geklärt werden konnten. Mit ca. sechs Monaten davor war ich schon eher spät dran und es gab nur noch eine freie Stelle in der orthopädischen Abteilung. Vor Abreise sollte man noch verschiedene aktuelle Titer und MRSA Abstriche nachweisen, was leider nochmal um die 150 Euro kostete. Ein Visum habe ich aber nicht benötigt.

Nach einem 32 stündigen Flug kam ich dann endlich in Wellington an. Dort hatte ich glücklicherweise noch ein paar Tage um mich zu akklimatisieren, bevor ich dann mit dem Zug nach Masterton reiste.

Das Krankenhaus

Das Krankenhaus war mit 90 Betten relativ klein, verfügte aber über die gängigen Fachabteilungen wie Allgemeinchirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Pädiatrie und Orthopädie. Am ersten Tag wurde ich sehr freundlich im Team empfangen, was zu meiner Zeit nur aus einem Chefarzt, einem Oberarzt und einem Rotationsassistenten bestand.

Unterkunft und Verpflegung

Die ausländischen Studenten, wie auch Hospitanten werden üblicherweise in Gastfamilien untergebracht. Das Krankenhaus hatte eine Liste für mich mit verschiedenen Unterkünften, mit denen ich einfach kurz davor per E-Mail Kontakt aufnahm. Verpflegung, bzw. Mittagsessen im Krankenhaus wurde nicht geboten.

Praktikum und Betreuung

Begonnen wurde um 7:30 mit einer gemeinsamen Morgenbesprechung, in der der diensthabende Arzt die Neuaufnahmen und Röntgenbilder der letzten Nacht demonstrierte. Danach ging es auf Station zur Visite. Die chirurgischen und orthopädischen Patienten lagen zusammen mit den internistischen auf einer gemeinsamen Station.

Anschließend konnte ich immer in den OP und aufgrund des Personalmangels durfte ich dort regelmäßig die 1. Assistenz übernehmen. Überraschend war, dass die Orthopäden vor Ort auch kompliziertere OPs mit nur einem Operateur und einem einzigen Assistenten bewältigten mussten, wohingegen in Deutschland für dieselbe OP mindestens zwei oder drei Assistenten am Tisch standen.

Zweimal die Woche fanden ambulante Sprechstunden statt, die auch sehr interessant waren und eine nette Abwechslung schafften. Besonders profitiert habe ich von zwei berenteten Orthopäden, die aushilfsweise die Ambulanz übernahmen, da die beiden sehr viel Erfahrung mit sich brachten und diese auch gerne weitergeben wollten. Für die Mitarbeiter aller Fachbereiche gab es mindestens eine Fortbildung pro Woche bei Sandwiches und Tee. Die Assistenzärzte hielten ebenfalls einmal pro Woche einen „Journal Club“ ab, an dem man auch immer gerne gesehen war.

Insgesamt bemühte sich das Team um eine gute Ausbildung und kleine „Teachings“ und Vorträge waren fest in die Woche integriert. Es war auch kein Problem zu den Fortbildungen anderer Fachrichtungen zu gehen. Meistens sind auch inländische Studenten vor Ort, die sehr nett und unternehmungsfreudig waren und uns öfters mit auf Ausflüge mitnahmen. Sogar vom Abteilungsleiter wurde ich aktiv zum Reisen ermutigt, weil die Neuseeländer selbst von ihrem Land so begeistert sind.

Zu beachten ist der Dresscode in den neuseeländischen Krankenhäusern, der etwas „feiner“ als in Deutschland ist. So wurde kein weißer Kittel getragen, sondern Anzughose/ schwarze Jeans und Hemd.

Land und Leute

Die Menschen vor Ort habe ich als unglaublich freundlich und vor allem sehr hilfsbereit empfunden. In Masterton selber gibt es eher wenig zu sehen. Es gibt ein kleines Kino, einen Park und ein paar Cafés.  In der näheren Nachbarschaft liegen ein paar weitere kleine Städtchen, in denen viel Wein angebaut wird. Die nächstgrößere Stadt ist dann Wellington.

Absolut empfehlenswert ist es ein Auto zu mieten, bzw. zu kaufen und nach Aufenthalt wieder zu verkaufen, da die Stadt zwar klein ist, sich aber auf eine sehr große Fläche ausbreitet. Außerdem kommt man dann damit relativ schnell in das nahe gelegene Tararua-Gebirge und an die Küste. Wahrscheinlich ist es sinnvoll, eher weniger Zeit direkt in Masterton zu verbringen, sondern von dort aus an den Wochenenden und im Urlaub die Nord- und die Südinsel zu erkunden.

Zu meiner Zeit ließ der Frühling außergewöhnlich lange auf sich warten und nachts hatte es sogar noch Minusgrade. Deswegen würde ich frühestens ab November anreisen. Insgesamt war der Aufenthalt in Neuseeland teurer als geplant, nicht zuletzt weil der Lebensunterhalt, sondern auch die Inlandsaktivitäten teuer zu Buche schlagen. Deswegen eher großzügig planen!

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