
Zu den Fächern, die Medizinstudierenden früh in der Vorklinik begegnen, gehören unter anderem Chemie, Physik, Biologie und medizinische Terminologie. Terminologie legt das Fundament für ein präzises Verständnis weiterführender Inhalte und für die spätere klinische Arbeit. Studierende erwerben dabei Wissen über Fachbegriffe, ihren Aufbau, ihre Bedeutung und ihre korrekte Anwendung im medizinischen Kontext. Das ist vor allem wichtig, um Strukturen, Prozesse und Pathologien gezielt benennen zu können und sich auch international darüber auszutauschen. Hier erhältst Du einen Überblick über die wichtigsten Inhalte, den Lernaufwand und die Prüfungsrelevanz von Terminologie im Medizinstudium.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Ziel & Skills: Sichere Beherrschung medizinischer Fachbegriffe, Fähigkeit, Begriffe zu zerlegen (Präfixe, Wurzeln, Endungen) und zu übertragen, Verständnis von Latein/Griechisch-Basis, korrekte Aussprache und Schreibweise.
- Inhalte: Grundbegriffe der Anatomie, prefixe, Wurzelwörter, Endungen, Körpersysteme, Richtungsbegriffe, Lagebezeichnungen, Bewegungsformen, Krankheitsbegriffe.
- Lernaufwand: überschaubar. Aufgrund der eher trockenen Thematik kann das Lernen aber dennoch anstrengend sein.
- Relevanz: Terminologie bildet die Basis für Anatomie, Physiologie, Pathologie, Pharmakologie und klinische Fächer; Verständnis von Begriffen erleichtert das Erfassen von Krankheitsbildern, Untersuchungsmethoden und Behandlungsplänen.
- Perspektive im Studium: Fach taucht in allen Bereichen wieder auf, fundierte Basis entscheidend.
Terminologie – Was ist das?
Im Allgemeinen bezeichnet die medizinische Terminologie die systematische Erfassung und Anwendung von Fachbegriffen in der Medizin. Ziel ist, präzise, einheitliche und verständliche Aussagenmedizin über den menschlichen Körper, Krankheiten, Untersuchungen und Therapien zu machen. Dies ermöglicht eine klare Kommunikation zwischen Ärzten, Pflegepersonen und anderen Fachkräften und das möglichst international. Damit bildet die Terminologie eine unverzichtbare Grundlage für die gesamte medizinische Praxis, Forschung und Lehre.
Die Approbationsordnung führt die medizinische Terminologie als „Praktikum der medizinischen Terminologie“. Wie die Lehrveranstaltung konkret durchgeführt und der Leistungsnachweis erbracht wird, unterscheidet sich je nach Universität. Der erfolgreiche Besuch gehört zu den Nachweisen, die für die Meldung zum Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung erforderlich sind.
Terminologie – Die wichtigsten Inhalte
Das Ziel im Fach Terminologie liegt nicht in der vollständigen wissenschaftlichen Abhandlung aller Begrifflichkeiten und auch nicht darin, Latein oder Griechisch als vollständige Sprachen zu erlernen. Vor allem geht es vielmehr um grundlegendes Verständnis für den späteren Studienalltag. Mit diesem Fach werden alle Studierenden – unabhängig von ihrem vorherigen Schulunterricht – auf ein einheitliches Niveau gebracht und die Basis für Anatomie, Physiologie und alle klinischen Fächer geschaffen.
Grundlagen der Begriffsbildung
Die medizinische Terminologie greift unter anderem auf lateinische und altgriechische Wortstämme, grammatische Formen und Wortbildungselemente zurück, aus denen sich zahlreiche medizinische Begriffe ableiten lassen. So wird der lange Muskel, der für die Streckung des großen Zehs nach oben verantwortlich ist, zum Musculus (Muskel) extensor (zur Streckung) hallucis (der Großzehe (= Hallux)) longus (lang). Kurze Begriffe wie „Musculus“ werden dabei standardmäßig mit „M.“ abgekürzt, bei mehreren Musculi mit „Mm.“. Weitere wichtige Abkürzungen sind:
| Struktur | Abkürzung | Plural | Abkürzung |
| Arteria | A. | Arteriae | Aa. |
| Articulatio | Art. | Artikulationes | Artt. |
| Ligamentum | Lig. | Ligamenta | Ligg. |
| Musculus | M. | Musculi | Mm. |
| Nervus | N. | Nervi | Nn. |
| Nodus | Nd. | Nodi | Ndd. |
| Processus | Proc. | Processus | Procc. |
| Ramus | R. | Rami | Rr. |
| Vena | V. | Venae | Vv. |
Richtungsbezeichnungen
Ein weiterer Aspekt der Terminologie ist die Orientierung im Menschlichen Körper. Das ist im Fach Anatomie besonders wichtig, aber auch im späteren Verlauf relevant. Darüber hinaus ist der menschliche Körper dreidimensional, wobei wir ihn zweidimensional beurteilen. Um die Orientierung zu erleichtern, spricht man in der Medizin in verschiedenen Körperebenen:
- Die Sagittalebene verläuft von vorne nach hinten durch den Körper. Die Mediansagittalebene teilt den Menschen in zwei (von außen seitengleiche) Hälften. Senkrecht auf der Ebene steht die Transversalachse.
- Die Frontalebene verläuft parallel zur Stirn und teilt den menschlichen Körper von einer zur anderen Seite. Senkrecht darauf steht die Sagittalachse.
- Die Transversalebene verläuft im Stand horizontal und damit senkrecht zur Körperachse (Longitudinalachse). In dieser Ebene liegen CT-Bilder.
Neben der allgemeinen Lage ist auch die Lage der Organe und Strukturen zueinander wichtig. So kann es beispielsweise einen Unterschied machen, ob ein Tumor oder eine andere Pathologie ventral oder dorsal einer Faszie liegt. Hierfür sind diese Begriffe besonders relevant:
| Richtung | Terminologischer Begriff |
| davor/dahinter | anterior/posterior |
| darüber/darunter | supra-/sub |
| am Körper/vom Körper weg | proximal/distal |
| Bauchseite/Rückenseite | ventral/dorsal |
| seitlich/mittig | lateral/medial |
| zum Kopf hin/zum Steiß hin | cranial/caudal |
| links/rechts | sinister/dexter |
| Handfläche/-rücken | palmar/dorsal |
| Fußsohle/-rücken | plantar/dorsal |
Klinische und pathologische Begriffe
Hier geht es um Fachausdrücke für Krankheitszeichen, Diagnoseverfahren, Therapieformen und medizinische Interventionen. Dazu gehören Begriffe wie die Wortendung „-itis“ für entzündliche Erkrankungen sowie die Vorsilben „Hyper-“ für eine Steigerung beziehungsweise ein Übermaß und „Hypo-“ für eine Verminderung beziehungsweise ein Zuwenig und viele andere. Je nach Hochschule können darüber hinaus klinische Fachbegriffe, Untersuchungsmethoden und weitere Bereiche der medizinischen Fachsprache behandelt werden.
Physikums-Relevanz
Terminologie ist im Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (M1) kein eigenständiges Prüfungsfach. Die 320 schriftlichen Aufgaben verteilen sich laut Approbationsordnung auf Physik und Physiologie, Chemie und Biochemie/Molekularbiologie, Biologie und Anatomie sowie Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie. Im mündlich-praktischen Teil werden Anatomie, Biochemie/Molekularbiologie und Physiologie geprüft. Terminologische Kenntnisse werden dabei insbesondere für das Verständnis anatomischer und medizinischer Fachbegriffe vorausgesetzt.
Terminologie – Lernaufwand und Umfang
Obwohl Terminologie von vielen Studierenden zunächst als trocken und schwer empfunden wird, ist die Stoffmenge im Vergleich zu anderen Fächern sehr klein. Der initiale Aufwand ist höher, da viele neue Begriffe gelernt werden müssen, aber die klaren Muster und Wiederholungen machen das Lernen effizient. Wie umfangreich und schwierig das Fach empfunden wird, hängt jedoch auch von den Inhalten und der Prüfungsform der jeweiligen Universität ab.
Das sagen unsere Medizinstudierenden
Lilli: „Unser Termi hat damals mit einem dicken Ordner (ich glaube digital) aus Begriffen und Grammatik bestanden und ich habe es kurz bereut, kein Latein in der Schule gehabt zu haben. Zum Glück gab es damals an unserer Uni ein richtig gutes Tutorium, in dem schlaue Eselbrücken und andere Merkhilfen geteilt wurden. Die Klausur an sich war dann entsprechend ziemlich leicht. Generell sollte man sich hier aber doch auf ein bisschen Latein lernen einstellen, nicht jeder hat da so ein Glück. Von dem was ich gehört habe, sind die meisten Unis aber trotzdem sehr kulant und stellen nette Klausuren.“
Vivien: „Terminologie sollte man nicht links liegen lassen. Vieles kann man sich später, insbesondere in Anatomie, herleiten, wenn man die Namen einigermaßen übersetzen kann. Die Grammatik ist allerdings schnell vergessen (zurecht).“
Sude: „Terminologie war unser erstes Fach im Studium und erinnerte stark ans Vokabellernen aus der Schule. An einem Praxistag bearbeiteten wir die Grundbegriffe in Kleingruppen am Skelett und hatten dabei die ersten praktischen anatomischen Berührungspunkte. Es hat mir großen Spaß gemacht, die medizinischen Begriffe richtig zu terminieren, und das Fach war insgesamt gut strukturiert und gestaltet.“
Elias: „In Terminologie hatte ich aufgrund meiner Latein-Vorkenntnisse kaum Probleme. Dennoch unterscheidet sich das Fach deutlich vom Schulunterricht und ist meiner Meinung nach eines der einfacheren Fächer der Vorklinik. Außerdem ist es eine hilfreiche Grundlage, die insbesondere für die Anatomie von Vorteil ist.“
Relevanz des Themengebiets für den Studienverlauf
Terminologie wirkt zunächst sehr theoretisch und weit von der praktischen Medizin entfernt. Tatsächlich taucht sie aber im gesamten Studium immer wieder auf. Vor allem in der Vorklinik, wo Anatomie, Physiologie und Biochemie große terminologische Anteile haben, ist ein solides Grundverständnis entscheidend. Aber auch in der Klinik kommst Du täglich mit Fachbegriffen in Berührung, etwa:
- Klinikfach Chirurgie
- Klinikfach Dermatologie, Venerologie
- Klinikfach Frauenheilkunde, Geburtshilfe
- Klinikfach Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
- Klinikfach Hygiene, Mikrobiologie, Virologie
- Klinikfach Innere Medizin
- Klinikfach Kinderheilkunde
- Klinikfach Klinische Chemie, Laboratoriumsdiagnostik
- Klinikfach Neurologie
- Klinikfach Orthopädie
- Klinikfach Pathologie
- Klinikfach Pharmakologie, Toxikologie
- Klinikfach Urologie
Entsprechend bleibt die medizinische Terminologie unabhängig von der später gewählten Fachrichtung für die ärztliche Tätigkeit relevant.
Lerntipps für Terminologie
Für das Lernen in Terminologie ist es sinnvoll, die Inhalte strategisch anzugehen. Zuerst solltest Du klären, ob Du Begriffe besser über Verstehen, Auswendiglernen oder eine Mischung aus beidem behältst. Danach kannst Du passende Lernmethoden wählen, etwa Karteikarten, Folien, Hörbeispiele oder eigenes Zusammenfassen.
Hilfreich ist außerdem, sich früh zu informieren, ob es an Deiner Uni universitätsspezifische Karteikarten, Altklausuren oder vom Fachbereich bereitgestellte Übungsfragen gibt. Solche Materialien sind besonders wichtig, weil in Klausuren oft ähnliche Aufgaben oder Begrifflichkeiten wiederkehren.
Inhaltlich solltest Du vor allem die an Deiner Universität vorgegebenen Bereiche systematisch abdecken. Häufig gehören dazu anatomische Fachbegriffe, medizinisch relevante lateinische Grammatik sowie griechische und lateinische Wortbildungselemente. Wenn Du diese Themen gezielt strukturierst und regelmäßig wiederholst, lernst Du nicht nur effizienter, sondern bist auch besser auf die Prüfung vorbereitet.
Wenn Dir unsere Artikel gefallen und Du keine neue Veröffentlichung verpassen möchtest, dann kannst Du hier mit nur einem Klick praktischarzt.de zu Deinen präferierten Quellen bei Google hinzufügen.
Häufige Fragen zur Terminologie im Medizinstudium
- Was ist medizinische Terminologie?
- Warum ist Terminologie im Medizinstudium wichtig?
- Welche Inhalte gehören zur Terminologie?
- Wie lernt man Terminologie am besten?
- Wie relevant ist Terminologie für das Physikum?
Medizinische Terminologie ist die systematische Verwendung von Fachbegriffen in der Medizin. Sie sorgt dafür, dass Körperstrukturen, Krankheiten, Untersuchungen und Therapien präzise und einheitlich beschrieben werden können.
Terminologie legt die Grundlage für das Verständnis von Anatomie, Physiologie, Pathologie und klinischen Fächern. Wer die Begriffe sicher beherrscht, kann Inhalte schneller einordnen und medizinische Zusammenhänge genauer verstehen.
Zu den wichtigsten Inhalten zählen anatomische Begriffe, Richtungsbezeichnungen, Lagebezeichnungen, Bewegungsformen sowie Krankheitsbegriffe. Außerdem werden Wortbausteine, also Präfixe, Wurzeln und Endungen, vermittelt.
Am besten lernst du Terminologie mit einer klaren Strategie, etwa durch Karteikarten, Wiederholungen und das Zerlegen von Begriffen in ihre Bestandteile. Hilfreich sind auch Altklausuren, Uni-spezifische Materialien und Merkhilfen aus Tutorien.
Terminologie ist kein großes eigenständiges Physikumsfach, taucht aber in vielen anderen Fächern immer wieder auf. Gerade deshalb lohnt es sich, die Grundlagen früh gut zu beherrschen.




