
Physiologie ist das Fach, das sich mit den lebenswichtigen Prozessen des Körpers beschäftigt. Es zeigt, wie Organe, Gewebe und Zellen zusammenarbeiten, um Funktionen wie Kreislauf, Atmung oder Stoffwechsel zu ermöglichen. Im Medizinstudium legt Physiologie die Grundlage, um gesundes Funktionieren vom Krankheitsgeschehen zu unterscheiden, und vermittelt ein praktisches Verständnis für spätere klinische Entscheidungen und Therapiekonzepte.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Ziel & Skills: Verständnis der Funktionen des menschlichen Körpers, Fähigkeit physiologische Abläufe zu erklären, Zusammenhänge zwischen Organen, Geweben und Zellen erkennen
- Inhalte: Zell- und Neurophysiologie, Herz-Kreislauf, Atmung, Nierenfunktion, Verdauung, Muskelphysiologie, Endokrines System, Blut, Immunsystem, Fortpflanzung, Homöostase
- Lernaufwand: Hoch; regelmäßiges Üben von Diagrammen, Mechanismen, Rechenaufgaben und klinischen Beispielen notwendig
- Relevanz: Sehr hoch für das Physikum (schriftlich + mündlich) und für das Verständnis klinischer Fächer
- Perspektive im Studium: Basis für Pathophysiologie, klinische Fächer und Prüfungen; wichtig für Diagnose und Therapieplanung
Hauptfach Physiologie – Was ist das?
Physiologie ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit den Funktionen und Abläufen des menschlichen Körpers beschäftigt. Im vorklinischen Medizinstudium bildet sie eine zentrale Grundlage, um zu verstehen, wie Organe, Gewebe und Zellen miteinander arbeiten und wie lebenswichtige Prozesse wie Atmung, Kreislauf, Verdauung oder Nervenleitung gesteuert werden. Dabei geht es nicht um die reine Anatomie, also die Struktur des Körpers, sondern vor allem um das „Wie“ und „Warum“ hinter den körperlichen Funktionen. Die Physiologie vermittelt somit das Verständnis dafür, wie gesunde Prozesse ablaufen und bildet die Basis, um pathologische Veränderungen im klinischen Studium später einordnen und behandeln zu können.
Hauptfach Physiologie – Die wichtigsten Inhalte
Die Physiologie umschreibt die Funktionsweise der verschiedenen Organsysteme. In diesem Fach lernst Du, wie Zellen kommunizieren, wie Hormone und Nerven den Kreislauf und Stoffwechselprozesse beeinflussen, wie der Körper sich selbst entgiftet und warum wir eigentlich atmen. Dabei wird schnell klar: Die Stoffmenge ist immens. Um einen besseren Überblick zu bekommen und die Themen besser zu priorisieren, hier ein paar Hinweise zu den wichtigsten Themen im Physikum:
Herz-Kreislauf-Physiologie
Der Herzzyklus beschreibt die rhythmische Abfolge von Diastole (Füllung) und Systole (Auswurf) des Herzens. Diese Vorgänge lassen sich im Druck-Volumen-Diagramm darstellen. Nach dem Frank-Starling-Mechanismus führt eine stärkere Füllung zu kräftigerer Kontraktion. Das Herzzeitvolumen (HZV) ergibt sich aus Herzfrequenz und Schlagvolumen. Barorezeptoren regulieren den Blutdruck kurzfristig, während Gefäßwiderstand und Strömung die Durchblutung und den arteriellen Druck bestimmen.
Membranphysiologie
Das Ruhepotenzial beschreibt die stabile Spannung einer Nervenzelle in Ruhe, erzeugt durch Ionenkanäle für Na⁺, K⁺ und Ca²⁺. Bei Reizen entsteht das Aktionspotenzial, das sich entlang der Nervenzelle weiterleitet (Erregungsleitung). Nach einem Impuls folgt die Refraktärzeit, in der keine neue Erregung möglich ist. An Synapsen wird das Signal durch synaptische Übertragung auf die nächste Zelle übertragen, wodurch Kommunikation im Nervensystem entsteht.
Nierenphysiologie
Die glomeruläre Filtration sorgt für die Grundfiltration des Blutes in den Nieren. Über die Tubuläre Rückresorptionwerden Wasser und Elektrolyte gezielt zurückgewonnen. Die Clearance (z. B. Kreatinin, Insulin) misst die Nierenfunktion. Das Gegenstromprinzip optimiert die Konzentration des Urins. Der Wasser- und Elektrolythaushaltwird fein reguliert, unter anderem durch das RAAS-System, das Blutdruck und Flüssigkeitsvolumen steuert.
Physikums-Relevanz
Die Physiologie ist eines der Hauptfächer in der Vorklinik im Medizinstudium und nimmt dementsprechend einen großen Teil des 1. Staatsexamens (Physikum) im schriftlichen und mündlichen Teil aus. Von den 320 Fragen im schriftlichen Physikum gehören etwa 60 bis 65 in die Physiologie, wobei das natürlich je nach Prüfung variieren kann.
Hauptfach Physiologie – Lernaufwand und Umfang
Physiologie ist ein großes Fach mit vielen Themen. Der Lernaufwand hier ist also deutlich größer als in den kleinen Fächern, wie Chemie oder Physik. Dazu kommt, dass es neben vielen Formeln und Definitionen, die Du “nur” auswendig lernen musst, auch jede Menge Themen gibt, die Du wirklich verstehen musst. Aber keine Sorge: In der Regel wird diese immense Stoffmenge über mehrere Semester hinweg gelehrt und in verschiedenen Klausuren abgefragt. Im Physikum sehen die meisten Fächer einen großen Teil der Lernzeit für den Physiologie-Stoff vor. Außerdem gibt es hier viele Themen, die auch im späteren Berufsleben relevant werden.
Das sagen unsere Medizinstudierenden
Lilli: „Ich glaube, in Physiologie kommt es ganz darauf an, wie die Lehre so ist, ob das Fach gut ist oder weniger Spaß macht. Erstmal prinzipiell: Es ist schon echt cool, die ganzen Zusammenhänge im Körper kennenzulernen und auf eine so tiefe Ebene zu verstehen – besonders jetzt in der Retrospektive, wo man das „Große Ganze“ kennt. Auch die Praktika waren bei uns die ersten Kontakte zu medizinischen Tätigkeiten und entsprechend eigentlich oft ganz spannend. Dran bleiben lohnt sich hier wirklich. Ich glaube, kein anderes Fach ist in der Klinik noch so relevant.“.
Vivien: "Die Physiologie erlaubt zum ersten Mal in der Vorklinik, Organe und Kreisläufe ganzheitlich zu betrachten. Ich habe es in diesem Fach geschafft, viele Puzzleteile der Biochemie oder Anatomie mit Physiologie zusammenzubringen und dadurch ein umfassendes Verständnis für den menschlichen Körper aufbauen können."
Sude: "Über das gesamte vierte Semester hinweg hatten wir verschiedene Praktika zu Systemen wie Lunge, Kreislauf, Herz, Sinnesorgane, Nervensystem und weiteren Themen. Direkt im Anschluss an jeden Praktikumstag gab es ein Testat – jede Woche eines –, bei dem man mindestens 60 % erreichen musste. Zusätzlich konnten die Testate Punkte für die Klausur bringen. Durch die Praktika und die wöchentlichen Testate war man stets am Lernen und konnte den Stoff sehr fokussiert verinnerlichen."
Relevanz des Themengebiets für den Studienverlauf
Physiologie ist extrem relevant für das weitere Studium und auch für die ärztliche Tätigkeit. Im Prinzip kannst Du das Wissen aus dem Fach in jedem Fach anwenden. Keine Sorge, das heißt nicht, dass Du Dir jedes Detail aus diesem Fach initial merken musst, aber das Verständnis solltest Du in Deinem Hinterkopf behalten. Relevante Formeln oder Definitionen werden Dir in den jeweiligen Fächern dann immer wieder begegnen.
Prinzipiell kann man hier also die gesamte Klinik im Medizinstudium als relevante Fächer nennen, besonders wichtig ist die Physiologie aber natürlich entsprechend des Namens für die Pathophysiologie. Hierbei handelt es sich nicht direkt um ein Fach in der Klinik, sondern einen Bereich in allen Fächern, der die krankhaften Mechanismen untersucht, die für die Krankheitsentstehung verantwortlich sind. Auf ihrer Basis entwickelt die Medizin viele Medikamente und Behandlungen.
Lerntipps für Physiologie
Physiologie kann ziemlich herausfordernd und viel auf einmal sein. Daher ist es super, sich einen Plan zu machen, wie man lernen will und dabei auf die Erfahrungen von anderen zurückgreifen. Besonders eignen sich dafür Mitstudierende, die schon in höheren Semestern sind! Hier einige Punkte, die immer ein guter Ansatz in der Physiologie sind:
- Systematisch lernen: Suche Dir eine Systematik, mit der Du das Fach Physiologie lernen kannst – beispielsweise entsprechend der Organsysteme. Wenn Du ein System lernst, fange im Groben an und vertiefe Dich nach und nach ins Detail.
- Verständnis: Das Lernen fällt deutlich einfacher, wenn Du die Themen die Du lernst auch verstehst. Dabei hilft es, sich mit Mitlernenden gegenseitig den Stoff zu erklären und die Mechanismen in eigenen Worten zusammenzufassen. Gerade in der Physiologie ist es dabei auch wichtig, die Diagramme und Schemata selbst zu zeichnen.
- Auswendig lernen: Relevante Themen sollte man in Physiologie aber trotz des Fokus auch Verständnis auch auswendig lernen. Hierbei helfen Eselsbrücken oder regelmäßige Wiederholungen (beispielsweise mit (digitalen) Karteikarten.
- Üben: Übe die Formeln und typische Aufgaben mit eigenen Aufgaben und Rechenbeispielen.
- Altklausuren: Geben Deine Dozierende Altklausuren aus? Werden an Deiner Uni Altfragen gesammelt? Kannst Du alte ImpP Fragen verwenden (zum Beispiel über Portale, wie Amboss oder viamedici)? Nutze das und bekomme ein Gefühl für Prüfungsfragen und relevante Themen.
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Häufige Fragen zum Vorklinik-Fach Physiologie
- Was lernt man in der Physiologie im Medizinstudium?
- Wie wichtig ist Physiologie für das Physikum?
- Wie lernt man Physiologie am effektivsten?
In der Physiologie lernst Du, wie der menschliche Körper funktioniert und wie Organsysteme zusammenarbeiten. Zu den wichtigsten Themen gehören Herz-Kreislauf-Physiologie, Neurophysiologie, Atmung, Nierenfunktion und hormonelle Regulation. Ziel ist es, normale Körperfunktionen zu verstehen und krankhafte Veränderungen später einordnen zu können.
Physiologie gehört zu den Hauptfächern im Physikum und macht einen großen Anteil der Prüfungsfragen aus. Sowohl im schriftlichen als auch im mündlichen Teil wird umfangreiches Wissen aus verschiedenen Organsystemen geprüft. Ein solides Verständnis der Grundlagen ist daher entscheidend für den Prüfungserfolg.
Physiologie lässt sich am besten lernen, wenn Du Zusammenhänge verstehst und regelmäßig wiederholst. Besonders hilfreich sind das Zeichnen von Diagrammen, das Üben von Rechenaufgaben und das Bearbeiten von Altklausuren. Auch das Erklären der Inhalte in eigenen Worten unterstützt ein langfristiges Verständnis.




