
Obwohl die Welt deutlich sicherer als früher erscheint, lassen sich Katastrophen nicht vermeiden. Es handelt sich dabei stets um Ausnahmesituationen für alle Beteiligten. In diesen Extremsituationen müssen Katastrophenmediziner und Rettungskräfte einen kühlen Kopf bewahren, um bestmöglich zu helfen. Als Teilgebiet der Notfallmedizin beginnt die Katastrophenmedizin dort, wo bewährte Verfahren aus der Notfallversorgung nicht mehr ausreichen, um die große Anzahl der Hilfesuchenden zu behandeln.
Inhaltsverzeichnis
Grundsätzlich können sich Ärzte jeder Fachrichtung in einer Situation wiederfinden, in der sie als Katastrophenmediziner tätig werden müssen. Daher lohnt es, sich als approbierter Arzt mit dem Thema Katastrophenmedizin auseinanderzusetzen.
Die Aufgaben der Katastrophenmedizin
Wann wird der Notfall zur Katastrophe? Bei dieser Frage scheiden sich die Meinungen und viele nutzen das Wort „Katastrophe“ bereits für ein schlechtes Prüfungsergebnis. In der medizinischen Versorgung beginnt die Katastrophe dort, wo etablierte Krisenbewältigungsmuster überfordert werden. Klassische Beispiele sind Terroranschläge, Industriekatastrophen wie Strahlenunfällen und Naturkatastrophen, wie beispielsweise Überschwemmungen oder Großbrände.
Wie auch bei der Notfallmedizin, steht die Sicherung der Vitalfunktionen im Vordergrund. Dabei kann sich am ABCDE-Schema der Notfallmedizin orientiert werden. Zur Erinnerung:
- A steht für Airway und die Überprüfung der Atemwege
- B steht für Beathing und die Analyse der Atmung
- C steht für Circulation, hier wird der Blutkreislauf überprüft
- D steht für Disability, hier werden mögliche Einschränkungen der Bewusstseinslage gecheckt
- E steht für Environment / Exposure und beinhaltet einen Umgebungscheck
Weitere spezielle medizinische Maßnahmen der Katastrophenmedizin sind folgende:
- Therapie des Volumenmangelschocks
- Schmerzbehandlung und Anästhesie unter Katastrophenbedingungen
- Chirurgische Maßnahmen
- Maßnahmen bei thermischer Schädigung (Verbrennungen und Erfrierungen)
- ärztliche Maßnahmen bei Strahlenunfällen und Strahlenkatastrophen
- Versorgung von Verletzten bei Gefahrgutunfällen und Vergiftungen
- Seuchenhygiene und -bekämpfung
Risiken
Unabhängig vom Ausmaß der Katastrophe müssen auch die Katastrophenmediziner auf ihr eigenes Wohl achten, denn ein verletzter Arzt kann keine Hilfe leisten. Auch für den Katastrophenmediziner stellt eine solche Situation eine hohe Belastung dar. Die Reaktionen können von einer reinen Stresssituation bis zur Posttraumatischen Belastungsstörung reichen. Glücklicherweise wird dieses Thema offen angesprochen und es gibt die sogenannte „Notfallnachsorge“, bei der die Katastrophenhelfer psychosoziale Unterstützung bekommen können.
Ausbildung und Weiterbildung zum Katastrophenmediziner
Bisher gibt es keine einheitliche Aus- oder Weiterbildung zum Katastrophenmediziner. Lediglich als Teilgebiet der Notfallmedizin wird das Thema Katastrophenmedizin während der Ausbildung thematisiert. Für den Katastrophenschutz und Einsatzprotokolle sind die Bundesländer individuell zuständig. In Hamburg wird beispielsweise regelmäßig für den Ernstfall geprobt. Die Hamburger Krankenhäuser arbeiten dabei mit der Feuerwehr und Hilfsorganisationen zusammen und simulieren Katastrophensituationen wie den Massenanfall von Verletzten oder die Evakuierung eines Krankenhauses.
Einsatzorte
Nicht jeder ärztliche Helfer in einer Katastrophe befindet sich direkt am Ort des Geschehens. Umliegende Krankenhäuser und Arztpraxen werden zur Behandlung der Verletzten herangezogen. Der Einsatzort ist dementsprechend immer dort, wo die bestmögliche Hilfe geleistet werden kann.












