
Die Digitalisierung in Arztpraxen hat im vergangenen Jahr erheblich zugenommen, wie aus den Ergebnissen des aktuellen PraxisBarometers Digitalisierung hervorgeht. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) präsentierte die Ergebnisse Ende Januar. Insgesamt werden Technische-Informations-System (TI)-Anwendungen nun deutlich häufiger genutzt. Hier gibt es alle Erkenntnisse des PraxisBarometer 2023 im praktischen Überblick zusammengefasst.
Kernaussagen des PraxisBarometer 2023
Das IGES-Institut führte die Befragung im Auftrag der KBV zum sechsten Mal durch. Mit 3.165 teilnehmenden Ärzten und Psychotherapeuten war die Beteiligung so hoch wie nie zuvor. Die Umfrage fand im September und Oktober 2023 statt.
Besonders auffällig ist der Anstieg der digitalen Kommunikation unter den niedergelassenen Ärzten. Etwa 38 Prozent der Praxen nutzen mittlerweile den E-Mail-Dienst „Kommunikation im Medizinwesen“ (KIM), im Vergleich zu 20 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig äußerten die Befragten den Wunsch nach verstärkter digitaler Kommunikation mit Krankenhäusern und Pflegeheimen.
Dr. Sibylle Steiner, Vorstandsmitglied der KBV, betonte auf einer Pressekonferenz: „Die Ergebnisse zeigen zweifelsfrei, dass die niedergelassenen Kollegen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen generell sehr aufgeschlossen sind.“ Die Akzeptanz hänge jedoch von einem konkreten Mehrwert für die ärztliche und psychotherapeutische Versorgung ab, sei es durch die Digitalisierung von Prozessen oder einzelnen Formularen.
Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten im Fokus
Steiner hob hervor, dass die Niedergelassenen digitale Anwendungen auch ohne gesetzliche Vorgaben nutzen, wenn sie der Versorgung dienen. Ein Viertel der Praxen ermöglicht es den Patienten, online Termine zu vereinbaren. Videosprechstunden werden weiterhin häufig durchgeführt, insbesondere von Psychotherapeuten (73 Prozent) und Ärzten (20 Prozent). Viele Teilnehmer sehen einen hohen Nutzen der digitalen Patientenkommunikation in der Erinnerung an Termine, Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen.
Akzeptanzprobleme bei eAU
Das PraxisBarometer zeigt eine deutliche Zunahme bei der Nutzung von Anwendungen in der Telematikinfrastruktur (TI). Zum Befragungszeitpunkt nutzten 92 Prozent die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), wobei die Hälfte der Nutzer mit der Anwendung zufrieden ist. Unzufriedenheit besteht jedoch weiterhin aufgrund unvollständiger Digitalisierung, was zu Papierausdrucken für Patienten und teilweise für Arbeitgeber führt. Über die Hälfte der Ärzte empfängt eArztbriefe, im Vergleich zu 40 Prozent im Vorjahr. Dennoch werden auch häufige Störungen in der TI beklagt, die den Praxisbetrieb erheblich beeinträchtigen.
Mangelnde digitale Kommunikation mit Kliniken
Ein Manko, das sich erneut herauskristallisierte, ist der niedrige Anteil der digitalen Kommunikation zwischen Vertragsarztpraxen und Krankenhäusern. Lediglich sechs Prozent der Entlassbriefe werden elektronisch übermittelt, und nur sieben Prozent der schriftlichen Kommunikation mit Krankenhäusern erfolgt digital. Trotzdem sehen 71 Prozent der Befragten einen enormen Nutzen in der digitalen Übermittlung von Krankenhaus-Entlassbriefen für die Patientensicherheit. Die Umfrage thematisierte auch die fehlende Anbindung von Pflegeheimen an die TI, was einen digitalen Austausch verhindert.
Digitalisierung seit 2018
Seit 2018 legt die KBV mit dem PraxisBarometer Digitalisierung die bislang umfassendste repräsentative und wissenschaftlich begleitete Befragung von Ärzten und Psychotherapeuten zur Digitalisierung vor. Ein zentrales Ergebnis bleibt, dass die Akzeptanz der Digitalisierung besteht, wenn konkrete Vorteile für die Organisation oder die Patientenversorgung erkennbar sind.
Fazit
Das PraxisBarometer 2023 verdeutlicht eine signifikante Zunahme der Digitalisierung in deutschen Arztpraxen. Die Nutzung von Technischen-Informations-System (TI)-Anwendungen hat insgesamt zugenommen, besonders die digitale Kommunikation unter den Niedergelassenen. Rund 38 Prozent nutzen den E-Mail-Dienst „Kommunikation im Medizinwesen“. Die Umfrage mit über 3.000 Teilnehmern zeigt eine generelle Aufgeschlossenheit der Ärzte für die Digitalisierung, vorausgesetzt, sie bringt konkreten Nutzen.
Hervorzuheben ist die verstärkte digitale Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten, z.B. durch Online-Terminvereinbarungen und Videosprechstunden. Die Nutzung von Telematikinfrastruktur (TI)-Anwendungen, insbesondere der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), ist angestiegen, jedoch bestehen weiterhin Akzeptanzprobleme und technische Störungen. Trotz zunehmender eArztbrief-Nutzung gibt es immer noch wenig digitale Kommunikation zwischen Praxen und Krankenhäusern.
Insgesamt zeigt das PraxisBarometer 2023 eine positive Entwicklung, aber es bestehen weiterhin Herausforderungen. Zu diesen Herausforderungen gehören hauptsächlich allgemeine Akzeptanzprobleme, technische Störungen und die noch zu geringe digitale Kommunikation mit Kliniken.












