
Fünf Jahre, drei Erhebungsrunden, ein klarer Trend – aber auch ein hartnäckiges Gefälle: Die dritte Auswertung des Digitalradar Krankenhaus zeigt, wie viel sich in deutschen Kliniken seit dem Krankenhauszukunftsgesetz tatsächlich digital getan hat. Und sie zeigt, wer beim Tempo der Digitalisierung weiterhin abgehängt wird.
Inhaltsverzeichnis
Überblick: Digitalradar Krankenhaus 2026
- DR-Score steigt von 33,3 (2021) auf 55,0 Punkte (2026) – ein Plus von rund 65 %
- 1.531 Krankenhäuser nahmen teil, 93,7 % davon bereits seit der ersten Erhebung
- Große und öffentliche Häuser bleiben vorn, kleinere und private Kliniken hinken hinterher
- Konsortium: Fortschritt ja, aber „Transformation ist kein Selbstläufer“
- Abschlussbericht mit Detailauswertung wird Ende 2026 erwartet
Was ist der Digitalradar Krankenhaus?
Der Digitalradar Krankenhaus misst bundesweit einheitlich den digitalen Reifegrad deutscher Krankenhäuser. Er erfasst Bereiche wie elektronische Patientenakte, IT-Sicherheit und Interoperabilität klinischer Systeme. Das Bundesministerium für Gesundheit ließ ihn im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes entwickeln. Mit dem KHZG investieren Bund und Länder bis zu 4,3 Milliarden Euro in digitale Klinik-Infrastruktur. Ein Konsortium verantwortet den Digitalradar Krankenhaus. Dazu gehören HIMSS Europe, inav, Lohfert & Lohfert, das RWI und die Universität St. Gallen.
Teilnehmende Krankenhäuser beantworten einen standardisierten Online-Fragebogen. Der Fragebogen prüft strukturelle, klinische, administrative und datenbezogene Prozesse. Auch der Stand der IT-Sicherheit fließt in die Bewertung ein. Die Antworten ergeben den DigitalRadar-Score, kurz DR-Score. Die Skala reicht von 0 bis 100 Punkten. 0 steht für „nicht digitalisiert“, 100 für „voll digitalisiert“. Alle vom Krankenhauszukunftsfonds geförderten Einrichtungen müssen teilnehmen.
Die Ergebnisse der dritten Erhebung im Überblick
Die dritte Erhebungsrunde fand von Januar bis März 2026 statt. Die wichtigsten Eckdaten:
- Durchschnittlicher DR-Score: 55,0 von 100 Punkten (2021: 33,3 Punkte) – ein Zuwachs von rund 65 %
- Teilnehmende Häuser: 1.531 Krankenhäuser
- Kontinuität: 93,7 % der Häuser aus der ersten Erhebung nahmen erneut teil, was belastbare Aussagen über die Entwicklung im Zeitverlauf ermöglicht
Konsortialsprecher Volker Amelung ordnet die Zahlen ein: Die Digitalisierung der Krankenhauslandschaft sei deutlich vorangekommen, gleichzeitig sei „Transformation kein Selbstläufer“ – es brauche weiterhin gezielte Unterstützung und langfristige Investitionen.
Wo die Unterschiede bleiben
Trotz des allgemeinen Fortschritts zeigt sich ein bekanntes Muster aus den Vorjahren erneut deutlich:
- Größe entscheidet mit: Maximalversorger erreichen im Schnitt deutlich höhere Scores als Grundversorger. Schon in der zweiten Erhebung lag der Unterschied bei rund 14 Punkten (51,9 zu 38,3), und auch 2026 bleibt die Schere zwischen kleinen und großen Häusern bestehen.
- Trägerschaft spielt eine Rolle: Öffentliche Krankenhäuser schneiden seit der ersten Erhebung am besten ab – ein Muster, das sich durch alle drei Runden zieht. Private und freigemeinnützige Häuser, gerade kleinere unter ihnen, haben häufiger mit knappen IT-Ressourcen und Kapazitätsgrenzen zu kämpfen.
- Regionale Unterschiede bestehen fort: Schon in früheren Erhebungen lagen Bundesländer wie Berlin und Hamburg vorn, während andere – etwa Bremen, das Saarland oder Rheinland-Pfalz – unter dem Durchschnitt blieben.
Warum das für die Praxis relevant ist
Für Ärzte in der Klinik ist der Digitalradar mehr als eine abstrakte Kennzahl. Der Score spiegelt direkt wider, wie weit Prozesse wie die elektronische Patientenakte, der digitale Informationsaustausch zwischen Abteilungen oder die IT-Sicherheit im eigenen Haus tatsächlich entwickelt sind – Faktoren, die den klinischen Alltag, die Übergabequalität und nicht zuletzt die Patientensicherheit unmittelbar betreffen. Gleichzeitig dient der Score dem BMG als politisches Steuerungsinstrument, um die Wirkung der KHZG-Fördermittel zu bewerten und künftigen Handlungsbedarf zu identifizieren.
Wie geht es weiter?
Der ausführliche Abschlussbericht zur dritten Erhebung wird voraussichtlich Ende 2026 veröffentlicht und soll detaillierte Auswertungen nach Bundesland, Trägerschaft, Versorgungsstufe und einzelnen Digitalisierungsdimensionen liefern.
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Häufige Fragen zum Digitalradar Krankenhaus
- Was misst der DigitalRadar-Score genau?
- Müssen alle Krankenhäuser teilnehmen?
- Wie oft wird der Digitalradar erhoben?
- Wer steht hinter dem Projekt?
Er bildet den digitalen Reifegrad eines Krankenhauses über mehrere Dimensionen ab – etwa Nutzung der elektronischen Patientenakte, klinische und administrative Prozesse, Interoperabilität und IT-Sicherheit. Die Skala reicht von 0 bis 100 Punkten.
Teilnahmepflichtig sind alle Einrichtungen, die Fördermittel aus dem Krankenhauszukunftsfonds erhalten haben.
Bislang gab es drei Runden: 2021, 2024 und 2026. Die Ergebnisse fließen jeweils in einen Zwischen- bzw. Abschlussbericht ein.
Ein Konsortium aus HIMSS Europe, inav, Lohfert & Lohfert, dem RWI und der Universität St. Gallen, beauftragt vom Bundesministerium für Gesundheit. Finanziert wird das Projekt über das EU-Programm NextGenerationEU.
Digitalradar Krankenhaus, „Pressemitteilung zu den ersten Ergebnissen der dritten Erhebung“, digitalradar-krankenhaus.de (abgerufen am 23.06.2026)












