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praktischArzt Magazin Berufsmonitoring Medizinstudierende 2018

Berufsmonitoring Medizinstudierende 2018

Berufsmonitoring Medizinstudierende
Zuletzt aktualisiert: 02.03.2020
Themen: Berufsstart
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Das dritte Berufsmonitoring über Medizinstudierende jeweils im Abstand von jeweils 4 Jahren erlaubt nicht nur ein allgemeines Stimmungsbild. Durch den Vergleich über drei Wellen treten außerdem Trends zutage, die durchaus auch den Erfolg langfristiger Strategien belegen. Die bundesweite Befragung von über 13.000 Medizinstudierenden wird seit 2010 durch die Kooperation der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Universität Trier sowie des Medizinischen Fakultätentags und der Bundesvereinigung der Medizinstudierenden in Deutschland ermöglicht. Damit haben im Juni 2018 etwa 14,8 % in Deutschland Medizinstudierende eine repräsentative Grundlage für das Berufsmonitoring gelegt. Wichtigster Trend ist nach Dr. Stephan Hofmeister (Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der KBV): “Die Allgemeinmedizin ist im Aufwind. 43 Prozent der Studierenden können sich vorstellen, sich als Hausarzt oder Hausärztin niederzulassen.”

Das erwarten die zukünftigen Ärzte

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht für Medizinstudierende relativ gleichbleibend im Fokus der Erwartungen für ihre persönliche Arbeitssituation. Dazu gehört der  Wunsch nach geregelten und flexiblen Arbeitszeiten. Außerdem möchte sich der Großteil der Befragten nicht zu sehr spezialisieren. Daher präferieren knapp 70 % die Behandlung eines möglichst breiten Krankheitsspektrums. Zwei Drittel bevorzugen aus praktischen Gründen die Zusammenarbeit im Team, wohingegen der Trend zur eigenen Praxis mit 53,5 % gegenüber 60,3 % im Jahr 2014 eher rückläufig ist.

Wichtige Faktoren  2018 2014
Vereinbarkeit von Familie und Beruf 94,6 % 94,7 %
Geregelte Arbeitszeiten 82,3 % 84 %
Flexible Arbeitszeiten 81,4 % 83,6 %
Breites Krankheitsspektrum behandeln 69,4 % 74,2 %
Im Team mit anderen Ärzten arbeiten 66,6 % 63,6 %
Eigene Praxis 53,5 % 60,3 %

Damit korrelieren auch die Einkommenserwartungen: Sowohl auf dem Land als auch in der Stadt sehen Medizinstudierende ein monatliches Einkommen von ca. 6.400 EUR als angemessen an. Als Fachärzte erwarten Sie hingegen ein Gehalt von knapp 5.000 EUR. Interessanter Aspekt: Die Erwartungen der Frauen liegen deutlich unter denen der Männer: Sie erwarten als niedergelassene Ärztinnen immerhin 900 EUR und als Angestellte 275 EUR weniger als die zukünftigen männlichen Berufskollegen.

Erfreuliche Hinwendung zur ambulanten Versorgung

Entgegen der Entwicklung vergangener Jahre zu großen Kliniken und Medizinzentren wird die dezentrale ambulante Versorgung seit ein paar Jahren als deutlich attraktiver angesehen. Das weist auf die weiterhin bestehende Relevanz breit gestreuter niedergelassener Ärzte hin, die die Versorgung in der Fläche gewährleisten können. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Niederlassung als Facharzt: Deutlich mehr Medizinstudierende sehen die Notwendigkeit einer guten hausärztlichen Versorgung mit hochqualifizierten Allgemeinmedizinern. Das ist sicherlich als Erfolg der Bemühungen von Fachverbänden und Politik zur Aufwertung der Allgemeinmedizin zu betrachten. Leider lässt sich dieses Ergebnis nicht 1 zu 1 auf den ländlichen Bereich übertragen. Die seit Jahren beklagte Unterversorgung auf dem Lande wird durch den Trend zur Allgemeinmedizin nicht automatisch behoben. Hier sind separate Anstrengungen erforderlich, um die ärztliche Arbeit für die zukünftigen Absolventen attraktiver zu gestalten. Dazu gehören unter anderem verbesserte Strukturen und Bedingungen für die Übernahme von Praxen.

Niederlassung 2018 2014
Hausärztliche Versorgung 42,5 % 37,3 %
Fachärztliche Versorgung 75,8 % 74,1 %

Bürokratieabbau und Digitalisierung fördern den Wandel

Allerdings kritisieren viele Medizinstudierende die Zunahme der bürokratischen Anforderungen: Aufwendige Abrechnungen und Dokumentationen, zunehmende komplizierte Antragswege für teurere Behandlungen zum Wohle der Patienten werden als Hindernisse gesehen. Daher ist ein Wunsch der Medizinstudierenden, diesen Aufwand zu begrenzen, um die Zeit vorrangig für den Patienten einzusetzen. Eine Digitalisierung der Prozesse wird trotz der vielfältigen Komplikationen, die die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte mit sich gebracht hat (und bringt), als eine Maßnahme zur Erleichterung der bürokratischen Hemmnisse gesehen. Umfassende Informationen über die Anamnesen und verschlankte Prozesse sind die Stichworte hierzu.

Entlastung der Ärzte durch Assistenten, Pflegekräfte und medizinische Fachangestellte?

Während in der Öffentlichkeit die Delegation medizinischer Aufgaben an nichtärztliches Fachpersonal eher kritisch diskutiert wird, stehen für die befragten Medizinstudierenden die Möglichkeiten der Entlastung der Ärzte im Vordergrund. Entgegen den Befürchtungen, dass die Übertragung an Nichtmediziner die Qualität der Behandlung beeinträchtigen könnte, sind die angehenden Mediziner zu 68, 2 % der Meinung, dass eine solche Substitution Kapazitäten für wesentlichere Behandlungen freimacht. Die kritische Diskussion wird sich daher Gedanken darüber machen müssen, wie die Entlastung der Mediziner mit einem Erhalt des Qualitätsniveaus in Einklang gebracht werden kann. Eine Aufwertung der nichtakademischen Ausbildung könnte auch die Attraktivität dieser Berufe erhöhen.

Heimatliebe der Absolventen

Zum Abschluss noch einmal Dr. Stephan Hofmeister: Er sieht es als besonders interessantes Ergebnis des Berufsmonitoring, dass ein großer Teil der angehenden Mediziner eine ärztliche Praxis in der Nähe ihres Heimatortes bevorzugen würden. Familie und soziales Umfeld seien offenbar entsprechend wichtiger für Medizinstudierende als die Anziehung der Metropolen. Dies stelle einen hervorragenden Ansatz dar, auch die ländliche medizinische Versorgung sicherzustellen. Wenn es mit flankierenden Maßnahmen ermöglicht würde, diese Heimatverbundenheit zu nutzen, wäre die “Landarztpraxis” attraktiver für die Absolventen als die frühzeitige Verpflichtung zu Anfang des Studiums, sich für 20 Jahre festzulegen.

Berufsmonitoring

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)

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Redaktion
Jana Swientek
Jana Swientek
Redakteurin
Veröffentlicht am: 06.02.2019
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